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Leseprobe aus meiner Dissertation: “Die Astrologische Beratung - eine Herausforderung für das Recht”

Volker H. Schendel:

 

 

    • IV.  Selbstverständnisse, Weltbilder und Angebote der Astrologen heute
      • 1. Der Deutsche Astrologenverband (DAV) – Interview mit dem ersten Vorsitzenden 2010
  • ...................................................................
  • 2. Pro und Contra Astrologie – eine Jahrtausenddebatte

  • Die m.E. beste Zusammenstellung zu Pro- und Contra Astrologie gibt es bei Dieter Koch.Er schreibt:
  •  

    • „Betrachten wir die wichtigsten Vorurteile, die über die Astrologie im Umlauf sind.
    • 1. Vorurteil: Der Astrologe verspricht, aufgrund von Gestirnkonstellationen das Schicksal seines Klienten vorauszusagen.
    • Diese Aussage ist falsch. Zwar ist sie in der Öffentlichkeit weit verbreitet und wird auch durch die Astrologieseiten in der Boulevardpresse scheinbar bestätigt. Die Tätigkeit vieler und maßgeblicher Astrologen gleicht jedoch eher derjenigen von Psychologen. Der Astrologe wird jegliche Erwartung seitens des Klienten, dass ihm die Zukunft vorausgesagt werden könne (z.B. „werde ich reich?“), bereits bei der Vereinbarung eines Termins zurückweisen. Der Fokus liegt bei einer guten astrologischen Sitzung stets auf dem Charakter und der gegenwärtigen Lebenssituation des Klienten. Das Ziel ist nicht Prognose, sondern Diagnose, d.h. Klärung der aktuellen Situation des Klienten und seiner Möglichkeiten unter den gegebenen Umständen. Der Astrologe bietet Unterstützung bei der Lösung von Lebensproblemen, nimmt dem Klienten Entscheidungen jedoch nicht ab.
    • 2. Vorurteil: Nach der Lehre der Astrologie kann man den Charakter und das Schicksal eines Menschen aus seinem Geburtshoroskop im Prinzip eindeutig ablesen.
    • Diese Aussage ist falsch. Die maßgeblichen Astrologen – wenn auch nicht alle – sind der Meinung, dass ein und dasselbe Horoskop auf verschiedene Arten gelebt werden kann, also keine konkrete, sondern eine allgemeine Beschreibung eines Menschen liefert. Astrologische Symbole, z.B. Planeten und Zeichen, sind mehrdeutig, ambivalent und sprachlich nicht präzise zu fassen. Es handelt sich um weite Felder möglicher Bedeutungen, die es nicht zulassen, auf konkrete Gegebenheiten zu schließen, solange der Klient selbst keine konkreteren Hinweise gibt oder keine weiteren Erkenntnisquellen (eventuell die Hellfühligkeit des Astrologen) beigezogen werden. Es wird von Astrologen oft darauf hingewiesen, dass Zwillinge, auch wenn sie dasselbe Horoskop besitzen, dennoch stark abweichenden, ja geradezu komplementären Charakter und auch ein komplementäres Schicksal haben können. Z.B. kann der eine sehr selbstbewusst auftreten, der andere hingegen unter Minderwertigkeitskomplexen leiden. Hier kann auch eine wechselseitige Projektion ambivalenter Inhalte stattfinden, die dann jeweils einseitig polarisiert von den beiden gelebt werden. Ein Horoskop kann daher einen Menschen und seine Situation nur dann verstehen helfen, wenn man ihn vor sich hat und Feedback von ihm bekommt.
    • Die Vorstellung von einer streng deterministischen Astrologie, also einer solchen, die Charakter und Schicksal zwingend festlegt, ist ein Konstrukt der neuzeitlichen Kritiker der Astrologie bzw. ein Konstrukt der modernen naturwissenschaftlichen, auf kausalem Denken beruhenden Geistesströmung. Bereits Ptolemaeus weist darauf hin, dass die Himmelskörper nur allgemeine, jedoch keine konkreten Interpretationen zulassen. Nicht einmal die babylonische Astrologie war deterministisch. Zwar sagte sie für konkrete Konstellationen konkrete Ereignisse voraus, doch dachte man sich deren Eintreten als nicht zwingend. Unheil konnte durch geeignete Maßnahmen vermieden, Chancen durch eben solche genutzt werden. Die Konkretheit babylonischer Deutungen hatte ihren alleinigen Grund darin, dass erst die griechischen Astrologen lernten, das Wesen von Zeichen und Planeten auf abstrakte Art, also mit Allgemeinbegriffen zu umschreiben, während den Babyloniern diese Art, Wissenschaft zu betreiben, noch fremd war.
    • 3. Vorurteil: Die Astrologie lehrt einen kausalen Zusammenhang zwischen Planetenkonstellationen und menschlichem Charakter und Schicksal.
    • Diese Aussage ist falsch, zumindest in dieser generellen Formulierung und insbesondere aus historischer Sicht. Maßgebliche Astrologen und vermutlich überhaupt die Mehrheit der seriösen Astrologen gehen nicht von einem kausalen, sondern von einem akausalen, synchronistischen Zusammenhang aus, ähnlich wie C.G. Jung ihn für das Phänomen Synchronizität fordert. Diese Auffassung erscheint einleuchtend im Hinblick auf die Tatsache, dass aus einer allgemeinen Symbolik wie die Himmelskörper sie darstellen, keine konkrete Wirkung abgeleitet werden kann. Die synchronistische Auffassung von der Astrologie ist sogar älter als die kausalistische. Sie lässt sich z.B. beim platonischen Philosophen Plotin (2. Jh.) finden und sogar bis in babylonische Zeit zurückverfolgen. Die Babylonier dachten noch nicht in Ursachen und Wirkungen. Es waren vielmehr die Griechen, die diese Denkweise erfanden. Wirklich durchgesetzt hat sie sich allerdings erst mit Thomas von Aquin.
    • 4. Vorurteil: Astrologie ist ein Glaube (bzw. Aberglaube).
    • Diese Aussage ist falsch. Die Astrologie hat sich noch nie als ein Glauben verstanden, sondern immer schon als ein Erfahrungswissen. Wenn Astrologen miteinander sprechen, tauschen sie Erfahrungen aus und sprechen über astrologische Gesetzmäßigkeiten wie über objektive Tatsachen. Dass die Astrologie keine allgemein anerkannte Wissenschaft ist, vermag an diesen Feststellungen nichts zu ändern. Die Astrologie muss im Prinzip als eine wissenschaftliche Hypothese betrachtet werden. Es sind statistische Experimente denkbar, die sie beweisen könnten, und es wurden solche auch tatsächlich durchgeführt.
    • 5. Vorurteil: Alle statistischen Untersuchungen, welche die Astrologie beweisen sollten, sind fehlgeschlagen.
    • Diese Aussage ist falsch. Statistische Untersuchungen des französischen Psychologen- und Statistikerehepaares Michel und Françoise Gauquelin in den 50er Jahren scheinen die astrologische Wirksamkeit von Planeten zu bestätigen – und sie wurden sogar erfolgreich repliziert. Mehrere Versuche von Skeptiker-Organisationen in den vergangenen Jahrzehnten, diese Untersuchungen zu widerlegen, sind gescheitert. Anders lautende Behauptungen beruhen nachweislich teils auf Irrtümern seitens der Skeptiker, teils auf ungenügenden Recherchen, teils auf bewusster Unehrlichkeit und Desinformation. Es erweist sich öfter, dass die typische Mentalität von Mitgliedern sogenannter „Skeptiker“-Organisationen die ist, dass man „ja ohnehin weiß“, dass die Astrologie (und überhaupt alles Paranormale) „Quatsch“ ist, und dass man es mit ihrer Überprüfung deshalb nicht so ernst zu nehmen braucht. Statt Gelder in sinnlose Forschung zu stecken, sollte man sie nach Ansicht dieser Leute eher für die
      Öffentlichkeitsarbeit, d.h. für die Propaganda gegen die Astrologie, verwenden.
    • 6. Vorurteil: Die Astrologie ist ein Relikt aus prähistorischer Zeit und Ausdruck eines primitiven Weltverständnisses.
    • Diese Aussage ist selbst Ausdruck eines primitiven Welt- und Geschichtsverständnisses. Zunächst ist festzuhalten, dass man von einer prähistorischen Astrologie, wenn es sie überhaupt gab, nichts weiß. Gerade dieses Nichtwissen drückt der Begriff „prähistorisch“ (lat.-griech.) „vor allen greifbaren geschichtlichen Zeugnissen“ ja aus. Der Ausdruck „primitives Weltverständnis“ ist zudem generell nur von Leuten zu hören, die sich weder mit der Astrologe noch mit angeblich „primitiven Weltbildern“ je auseinandergesetzt haben, die somit nicht die blasseste Ahnung haben, wovon sie reden. Weiter sind derartige Vorhaltungen sehr oft von Leuten zu hören, die auch die Psychologie und die Geisteswissenschaften als Wissenschaften nicht ernst nehmen, weil sie angeblich nicht „streng“ genug seien. Im Grunde lässt sich auf dieses wissenschaftsimperialistische Vorurteil nur polemisch antworten: in Wahrheit sind diese Leute selbst insofern zurückgeblieben, als ihnen entweder eine gesunde geistige Offenheit oder aber der Sinn für humanistische Bildung, für psychologische und philosophische Fragen überhaupt abgeht. Sie haben keine Ahnung, wovon sie reden.
    • 7. Vorurteil: Die Astrologie hat die koperinikanische Revolution verschlafen und geht immer noch vom geozentrischen Weltbild aus.
    • Dieser Vorwurf ist schlicht schwachsinnig. Genauso gut könnten die Astrologiekritiker verlangen, dass aufgeklärte Menschen seit der kopernikanischen Wende nicht mehr auf der Erde, sondern nur noch auf der Sonne geboren werden dürfen! Ich meine, bis zur ersten Mars-, Mond- oder Weltraumgeburt wird für die Geburtshoroskopie der geozentrische Gesichtspunkt vollkommen vernünftig sein.
    • 8. Vorurteil: Die Astrologie hat sich seit der Antike nicht nennenswert weiterentwickelt.
    • Diese Aussage ist falsch. Die Astrologie wurzelt zwar gewiss, wie alle Wissenschaften, in sehr alter Zeit, hat jedoch, wie alle anderen Wissenschaften auch, eine große Entwicklung durchgemacht. Von der babylonischen
      Astrologie über die alte griechische, die arabisch-persische und die Renaissance-Astrologie bis zur heutigen Astrologie haben gewaltige Entwicklungen stattgefunden. Die heute vorherrschende Strömung der Astrologie ist stark von der Tiefenpsychologie beeinflusst und hat übrigens auch unter aufgeklärten Menschen, also z.B. Akademikern und sogar Naturwissenschaftlern viele Anhänger. Von der Astrologie der Babylonier trennen sie Welten!
    • 9. Vorurteil: Nur physikalisch und astronomisch Ungebildete können an Astrologie glauben.
    • Diese Aussage ist falsch. Eine in der Astronomie-Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ publizierte Umfrage unter Planetariumsbesucher ergab, dass zwischen der astronomischen Bildung und dem „Glauben“ an die Astrologie keinerlei Korrelation besteht. In Wahrheit gibt es sogar Astronomen, die sich zur Astrologie bekennen. Percy Seymour lehrt am Plymouth Polytechnic und ist Direktor des William-Day-Planetarium in Plymouth. Er ist Mitglied sowohl der Royal Astronomers Society als auch der Astrological Association von England. Er hat sogar ein Buch geschrieben, in dem er sich um eine astronomische Rechtfertigung der Astrologie bemüht. Ein anderes Beispiel ist Victor Mansfield, Professor für Physik und Astronomie an der Colgate University. Er hat einen Artikel über die Astrologie im Lichte der Quantenphysik geschrieben. Auch der bekannte deutsche Physiker C.F. von Weizsäcker hat sich öffentlich zur Astrologie bekannt. Alois Treindl, der Gründer des „Astrodienst Zürich“, der computergenerierte Persönlichkeitsanalysen verkauft, ist Doktor der Physik. Ich selbst habe meine Kenntnisse in Himmelsmechanik als Programmierer der Swiss Ephemeris von „Astrodienst“ unter Beweis gestellt, welche die Berechnungen des Astronomical Almanach auf die letzte Kommastelle genau reproduziert.
    • 10. Vorurteil: Die Astrologie kann nicht funktionieren, weil die physikalischen Kräfte, die von den Planeten auf die Erde und die Lebewesen einwirken, zu schwach sind.
    • In der Tat sind diese Kräfte äußerst schwach. Der Einwand ist aber falsch, denn erstens kann man nicht voraussetzen, dass die Astrologie behaupte, dass ihr bekannte physikalische Kräfte zugrunde liegen. Und zweitens kann aufgrund der Tatsache, dass eine physikalische Erklärung für astrologische „Wirkung“ gegenwärtig nicht gegeben werden kann, nicht zwingend geschlossen werden, dass astrologische „Wirkung“ nicht möglich sei. Der Einwand ist auch insofern voreilig, als der Astronom Percy Seymour in den 80er Jahren versucht hat, astrologische Wirkung aufgrund von Gravitation und Elektromagnetismus im Sonnensystem kausal zu erklären. Seine Theorie wurde von der Gemeinschaft der Astronomen nie unvoreingenommen geprüft. Vor allem aber geht der Einwand insofern am Problem vorbei, als maßgebliche Astrologen, wie bereits erwähnt, gar nicht von einer kausalistischen Begründung der Astrologie ausgehen, sondern sich mehr von einem synchronistischen Ansatz
      à la C.G. Jung versprechen oder allenfalls von einem Ansatz, der sich mehr an die Logik der Quantenphysik hält. Wie auch immer – die Astrologen werden auf dieses Vorurteil so antworten: wenn die Astrologie auf dem Wege der klassischen Physik nicht erklärbar ist, dann funktioniert sie eben auf eine andere Weise. Dass sie aber funktioniert, dafür haben wir deutliche Evidenzen.
    • 11. Vorurteil: Die Astrologie kann nicht funktionieren, weil die astrologischen Tierkreiszeichen mit den Sternbildern heute nicht mehr übereinstimmen.
    • Dieses Vorurteil beruht auf der Tatsache, dass der Frühlingspunkt, also der Ort am Himmel, an dem sich die Sonne bei Frühlingsbeginn befindet, in Folge einer Torkelbewegung der Erdachse seine Position bezogen auf den Fixsternhimmel langsam verändert und einmal in ca. 26.000 Jahren eine vollständige Kreisbewegung um den Himmel vollführt. Der astrologische Tierkreis beginnt beim Frühlingspunkt und somit ca. um den 21. März mit dem Widder. Man nennt diesen Tierkreis den tropischen. Davon zu unterscheiden ist der Fixsterntierkreis, der aus zwölf Fixsternkonstellationen besteht, die ebenfalls die Namen „Widder“, „Stier“ usw. tragen. In Folge der soeben beschriebenen Bewegung des Frühlingspunktes, den man Präzession nennt, driften die beiden Tierkreise langsam auseinander. Vor 2.000 Jahren deckten sie sich ungefähr. Das Präzessionsargument lässt sich in vier Vorurteile zergliedern:
    • Vorurteil 11a: Die Astrologen wissen nicht, dass die Tierkreiszeichen, mit denen sie arbeiten, sich heute nicht mehr mit den Fixsternbildern decken.
    • Diese Aussage ist falsch. Nach der jahrzehntelangen stereotypen Wiederholung dieses Vorurteils hat mittlerweile auch der letzte Astrologe davon gehört und dafür nur noch ein Gähnen übrig. Auch die allgegenwärtige Theorie vom „Wassermannzeitalter“ – was immer man von ihr halten mag – kann nur von Leuten erfunden worden sein, die wissen, dass der tropische Widderpunkt sich keineswegs in der Konstellation Widder befindet, sondern sich gegenwärtig auf die Konstellation Wassermann zubewegt.
    • Vorurteil 11b: Der tropische Tierkreis wurde von den Astrologen aus purer Ignoranz in die Astrologie eingeführt.
    • Diese Aussage ist falsch. Zunächst muss man wissen, dass in der Antike die Astrologen und die Astronomen noch kein getrenntes Volk waren, sondern jeder sich mit beiden Wissenschaften befasste und nach damaliger Überzeugung auch befassen musste. Die Leute, die den tropischen Tierkreis in die Astrologie einführten, allen voran Ptolemaeus, hatten sowohl von Astronomie als auch von Astrologie eine große Ahnung, sie wussten von der Präzession und waren sich sehr im Klaren darüber, was sie taten. Die Einführung des tropischen Tierkreises geschah nach der Entdeckung der Präzession der Tagundnachtgleichen (also der Wanderung des Frühlingspunktes durch die Sternbilder) durch Hipparchos im 2. Jh. v. Chr. Einen Zusammenhang zwischen den Tierkreiszeichen und den Jahreszeiten hatte man allerdings schon zuvor angenommen. Im damaligen geozentrischen Weltbild waren die Jahreszeiten (bzw. der durch Himmeläquator und Ekliptik definierte tropische Tierkreis) als absolutes Bezugssystem völlig vernünftig. Nicht der Frühlingspunkt bewegte sich aus damaliger Sicht durch den Sternenhimmel, sondern die Sterne bewegten sich langsam durch den Tierkreis. Diese Betrachtungsweise ist für die Astrologie auch heute noch sinnvoll, weil für das Horoskop ja nur der „subjektive“ geozentrische Gesichtspunkt zählt (s. Vorurteil 7.)
    • Vorurteil 11c: Die Tierkreisastrologie arbeitete ursprünglich mit den Fixsternkonstellationen.
    • Diese Aussage ist falsch. Die Fixsternbilder haben gar nie einer Tierkreisastrologie gedient, wie wir sie heute kennen. Die ersten Ansätze zur Tierkreisastrologie finden wir erst bei den Griechen (und Ägyptern), etwa zu der Zeit, als auch die Präzession entdeckt wurde. Die Griechen haben im Übrigen gar nie mit den Fixsternkonstellationen astrologisch gearbeitet. Statt der ungleich großen Sternbilder verwendeten sie teils den tropischen Tierkreis, teils einen schon von den Babyloniern eingeführten imaginären siderischen Tierkreis, der aus 12 Zeichen zu je 30° bestand und ebenfalls als mit den Äquinoktien harmonierend erachtet wurde. Die astrologischen Qualitäten der Tierkreiszeichen, wie wir sie heute kennen, wurden am tropischen Tierkreis erarbeitet, teilweise allenfalls auch am siderischen zu einer Zeit, als dieser sich mit dem tropischen noch deckte. Die Fixsternbilder dienten vielmehr anderen Zwecken: der Orientierung bei der Seefahrt, der Feststellung der Jahreszeiten, der Auffindung von Planeten am Himmel. Fazit: die Sternbilder waren noch nie (!) relevant für astrologische Aussagen über einen menschlichen Charakter, nicht einmal bei den Babyloniern!
    • Vorurteil 11d: Tierkreiszeichenastrologie müsste, wenn etwas an ihr dran wäre, auf den „realen Sternkonstellationen“ beruhen.
    • Diese Aussage ist eine dogmatische, nicht eigentlich begründbare Behauptung, die auf Unkenntnis der Philosophie hinter dem astrologischen Tierkreis beruht. Die
      Astrologie geht davon aus, dass alle Entwicklung zyklischer Natur ist und sich in 12 Phasen vollzieht, die den 12 Tierkreiszeichen entsprechen. Dieser archetypische Tierkreis kann auf alle möglichen natürlichen Zyklen projektiert werden, auf den Jahreslauf der Sonne, woraus sich der tropische Tierkreis ergibt, auf die Erdrotation, woraus sich der Kreis der 12 Häuser ergibt, potentiell auch auf andere Kreise. Dabei ist der Widder dem ersten Haus seiner Bedeutung nach analog, der Stier dem zweiten Haus usw. Der Jahreslauf der Sonne ist also nur ein möglicher Kreis, auf den sich die 12 archetypischen Phasen zyklischer Entwicklungen projizieren lassen.
    • 12. Vorurteil: Betrachten wir ein Horoskop, in dem Uranus in der Kulmination steht. Als das Licht von ihm ausgesandt wurde, befand er sich in Wahrheit u.U. am Aszendenten.
    • Dieses gar nicht selten gehörte Argument offenbart wie kein zweites, dass manche Kritiker entweder die Astrologen für zu dumm halten, um astronomischen Schwachsinn zu durchblicken, oder dass diese Kritiker selbst zu dumm sind, um den Sachverhalt zu verstehen. Die Astrologie interessiert sich traditionell nur dafür, wo ein Planet gesehen wird, genauer genommen für seine auf den Erdmittelpunkt bezogene scheinbare Position. Man berechnet das Horoskop für einen Ort und Zeitpunkt, zu dem ein Planet real in der Kulmination oder am Horizont beobachtet werden kann. Der Planet wird sich auch im Horoskop in der Kulmination oder am Horizont befinden. Die Horoskopberechnung ist folglich korrekt. Es gibt zu dieser Betrachtungsweise nur eine Alternative, die besonders im Hinblick auf synchronistische Modelle astrologischer „Wirkung“ interessant wird, nämlich die wahre geometrische Position des Planeten zum Zeitpunkt der Geburt, ohne Berücksichtigung der Lichtzeit und relativistischer Effekte. Diese weicht jedoch höchstens einige Bogensekunden von der scheinbaren (d.h. von der Erde aus beobachtbaren) Position ab.
    • 13. Vorurteil: Der Planet Pluto ist erst 1930 entdeckt worden, hat eine Umlaufzeit von 247 Jahren und somit seit seiner Entdeckung erst ein kleines Bahnstück zurückgelegt. Diese Zeit war somit zu kurz, um eine allfällige astrologische Qualität dieses Planeten zu erforschen.
    • Dieses oft gehörte Vorurteil ist schlicht unsinnig. Tausende von Astrologen haben Jahrzehnte lang beobachtet, wie dieser Planet in Horoskopen wirkt, sogar in Horoskopen wichtiger Personen vergangener Jahrhunderte gewirkt hat, in denen man von Pluto noch nichts wusste. Die Position von Pluto kann mit für astrologische Bedürfnisse hinreichender Genauigkeit im Prinzip selbst für das Horoskop Alexander des Großen berechnet werden. Viele Astrologen – ich eingeschlossen – haben zudem auch Jahrzehnte lang die Transite dieses Planeten durch ihr eigenes Geburtshoroskop beobachtet und seine Qualität sehr deutlich spüren gelernt. In der Astrologie versteht man unter Transite die Bewegungen der laufenden Planeten im Verhältnis zu einem Geburtshoroskop. Der astrologische Transitbegriff weicht vom astronomischen also ab. Ein Beispiel: zwischen 1995 und 2008 läuft Pluto durch den Schützen. Irgendwann während in dieser Zeit läuft er über die Geburtssonne aller Schützegeborenen und macht sich durch besondere, ihm entsprechende psychische Zustände, Verhaltensweisen und äußere Ereignisse im Leben der Betroffenen bemerkbar.
    • 14. Vorurteil: Die in der Neuzeit entdeckten Planeten Uranus, Neptun und Pluto sind von astrologisch ahnungslosen Astronomen benannt worden. Die Astrologen gehen aber davon aus, dass diese Planeten tatsächlich etwas mit den griechisch-römischen Göttern zu tun haben, nach denen sie benannt sind. Es wäre doch ein absurder Zufall, wenn die astrologisch ahnungslosen Astronomen das astrologische Wesen dieser Planeten so treffend erfasst hätten.
    • Das ist ein klassisches Vorurteil: man urteilt, bevor man sich die Sache tatsächlich angesehen hat. Die Qualitäten der Planeten decken sich nicht präzise mit den Charaktereigenschaften ihrer Namenspatrone in der Mythologie. Dennoch kommt der Sachverhalt jenem „absurden Zufall“ nahe. Wie er sich erklärt, darüber können wir zurzeit nur spekulieren. Es könnte sich um eine paranormale Erscheinung oder um Synchronizitäten im Jungschen Sinne handeln. Es ist im Übrigen ein Irrtum zu glauben, Planeten würden völlig „zufällig“ benannt. Die Namensfindung geschieht auch heute noch bei den Asteroiden in der Regel mit viel Ernst und Liebe und Sensibilität, wie bei einem Baby. Warum sollte da nicht ein astrologisch treffender Namen herauskommen?
    • Aber ganz egal, wie man sich die Funktionsweise der
      Astrologie erklären will – man kann den Kritikern bei all diesen Argumenten vorhalten, dass sie immer nur blind drauf los spekulieren, was möglich sei und was nicht, statt einmal einen sachlichen Blick auf den kritisierten Gegenstand zu riskieren. Die ganze Astrologiekritik ist im Grunde nichts anderes als eine Verleumdungskampagne von Seiten ignoranter Astronomen und „Skeptiker“, die dank ihres Zynismus‘ die Journaille leider stets auf ihrer Seite haben.“
  • Zusammenfassung:

     

    • „Astrologie ist im Grunde nur eine seit Jahrtausenden überlieferten Lehre , die in ihrem Wesen von heidnisch-religiösen Vorstellungen durchsetzt ist.“
  • Das Argument ist objektiv zutreffend. Der Astrologe wendet in der Tat die Lehre der Astrologie, die seit Jahrtausenden überliefert wird, an, und es ist ebenfalls zutreffend, dass angesichts des Ursprungs der Astrologie, die deutlich lange vor dem Christentum begründet wurde, aus Sicht eines christlichen Betrachters naturgemäß nicht-christliche Elemente, teilweise religiöser Natur, Eingang in die Astrologie gefunden haben, soweit sie die empirischen Befunde abgestützt haben.

     

    • „Ein einseitiger, nur nach dem Stand der Sterne im Zeitpunkt der Geburt berechneter Einfluss der Gestirne auf die Schicksalsgestaltung, ist mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neuzeit abzulehnen.“
  • Dieses Argument streift die Debatte um Determination und Freiheit. An dieser Stelle würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, aktuelle Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und der Neurojurisprudence mit in diese Arbeit zu integrieren.

    Es gibt in der Astrologie-Szene Vertreter, insbesondere in Indien, die von einem deterministischen Ansatz ausgehen. Es gibt aber auch astrologische Richtungen, die die Freiheit des Menschen unangetastet lassen.

    Problematisch erscheint mir allerdings, wenn so lapidar in diesem sehr komplizierten Diskurs-Zusammenhang die sogenannten „wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neuzeit“ herangezogen werden, um die Astrologie in Bausch und Bogen, trotz ihrer differenzierten Herangehensweise an diese Fragestellung, zu verwerfen. Wir werden sehen, dass es mit der sogenannten Wissenschaft dann doch so einfach nicht bestellt ist.

     

    • „Eine Beratung ausschließlich aus den Sternen abzuleiten, rechtfertigt die Aussage, dass der Berater nicht in der Lage ist, auch nur mit einer annähernden Wahrscheinlichkeit wissenschaftlich begründete Erkenntnisse für die Lebensentwicklung des Klienten insbesondere auch in geschäftlicher Hinsicht zu ziehen.“
  • Diese Feststellung ist, wie ja bereits dargestellt, diskussionswürdig und hinterfragbar. Dass der Astrologe seine Beratung ausschließlich aus den Sternen ableitet, ist als solches erst einmal falsch. Astrologen leiten in der Regel nichts aus Sternen ab, sondern aus Planeten im Sonnensystem unserer Erde. Jedenfalls wird nur in einem ganz kleinen disziplinären Teil der Astrologie mit Fixsternen gearbeitet. Hier lässt sich erkennen, dass hier mit Vorurteilen, mit Glaubensvorstellungen und ähnlichem operiert wird und dies auf eine Art und Weise in das Mäntelchen der Objektivität gefasst wird, dass das diesbezügliche „Vorverständnis“ deutlich erkennbar wird.

     

    • „Soweit die Astrologie von der Annahme ausgeht, alles Geschehen und damit auch die Beziehungen des Menschen zu diesem Geschehen hingen von den Sternen ab, seien also schicksalshaft vorausbestimmt und könnten deshalb aus den Sternen vorausgesagt werden, steht sie nicht auf dem Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse.“
  • Das Argument geht davon aus, dass es einen eindeutigen „Boden der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse“ gibt.

    Ich erinnere hier an die Aussage von Carl Friedrich von Weizsäcker im Sinne einer „Gestaltwahrnehmung“, wie er sie in der astrologischen Horoskop-Analyse zu erkennen glaubt.

     

    • „Die breite Masse der vernünftig denkenden Menschen lehnt diese Art der Schicksalsdeutung als Wahnidee und Irrglauben ab.“
  • Die Kategorie „vernünftig denkender Menschen“ ist heikel. Man fragt sich, wer hiermit gemeint sein soll. Sozialwissenschaftlich wäre dies eine empirisch interessante Frage, welche Menschen zu den vernünftig denkenden zu rechnen sind. Welche Philosophieansätze könnten gemeint sein?

     

    • „Sie wird in dieser Auffassung auch durch bedeutende Vertreter der exakten Wissenschaften gestützt.“
  • Dieses Argument ist vermutlich richtig (s. Objections to Astrology 1975).

     

    • „Es entspricht dem Stande der Wissenschaft und der sittlichen Weltanschauung, dass auf die Lebensgestaltung nicht nur die Erbmasse, sondern auch die Kraft der Persönlichkeit, des Geistes und des Bewusstseins einwirkt. Der Mensch hat einen freien Willen und kann diesen Willen seiner Einsicht entsprechend bestätigen.“
  • Hier befinden wir uns in der Debatte zur Frage Determinierung einerseits und freiheitliche Entscheidung andererseits.

    Die Frage, inwieweit das Horoskop den Menschen determiniert, ist in der Astrologie-Szene durchaus differenziert beantwortet worden. Daraus ergibt sich, dass die moderne deutsche psychologische Astrologie von einer schlichten Determinierung keineswegs ausgeht, sondern dass der Mensch frei ist, auf welchen Realisierungsebenen er seine astrologische Veranlagung und Symbolik auslebt.

     

    • „Wenn sich auch in der Wissenschaft die Erkenntnis allmählich durchsetzen sollte, dass auch Sonne, Mond und Planeten und andere Gestirne infolge ihrer Strahlungen eigene spezifische Wirkungen auf den einzelnen Menschen ausüben können, so kann es sich hierbei zwingend nur um einen Teileinfluss handeln.“
  • Dieses Argument bezieht sich auf eine ganz kleine Gruppe von Astrologen, die auch heute noch den Standpunkt vertreten, es gäbe eine Kausalität und nicht eine Analogie zwischen Planeten im Sonnensystem und Horoskop und damit den betroffenen Menschen auf der Erde.

     

    • „Die Astrologie ist nur ein Sternglaube, dessen Anhänger den wissenschaftlichen Erkenntnissen verschlossen gegenüber stehen.“
  • Es dürfte im Zweifel falsch sein, dass die Menschen, die Astrologie praktizieren, als Berater oder als Klient, deswegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber verschlossen sind. Sie gehen nur davon aus, dass die bekannten wissenschaftstheoretischen Modelle nicht in der Lage sind, Astrologie zu erklären oder zu widerlegen.

    Ich verweise hier wieder auf die Aussage von Carl Friedrich von Weizsäcker mit seiner „Gestaltwahrnehmung“ und erinnere daran, dass von Weizsäcker in dem Interview gesagt hatte, dass er sich „als Physiker keinen Reim auf die Astrologie machen“ könne, was nach seiner Auffassung „eigentlich der Fall“ hätte sein müssen, „wenn die Astrologie empirisch wahr“ wäre. Er habe andererseits den Eindruck gewonnen, einfach in der Beschäftigung damit, dass „empirisch etwas dran“ sei.

    Dieses „non liquet“ in Sachen Wahrheit oder Nichtwahrheit der Astrologie bleibt bestehen.

     

    • „Sie vermeinen, zwischen außerirdischen kosmischen Erscheinungen und Lebensvorgängen Beziehungen zu erkennen und daraus Vorhersagen für den wahrscheinlichen Ablauf der Lebensvorgänge machen zu können ohne dafür aber den geringsten Beweis zu erbringen.“
  • Zur Darstellung der möglichen Forschungsansätze zum Beweis bzw. zur Erforschung der Astrologie mag ein ausführlicheres Zitat von Niehenke verwendet werden:

     

    • „Wege zur Erforschung der Astrologie
    • a) Der naturwissenschaftliche Zugang
    • Hier geht es um die Erforschung von elementaren Zusammenhängen, bei denen das sehr komplexe Problem der Verifikation der Aussagen aus dem Horoskop zunächst ausgeklammert bleibt. Wenn sich zeigen ließe, dass ein Zusammenhang zwischen Planeten-Konstellation und dem Ablauf einfacher und damit leicht objektivierbarer physikalischer, chemischer oder biologischer Prozesse (ggf. in Organismen) auf der Erde besteht […], so wäre das ein Beleg für die Grundannahme der Astrologie. Damit wäre über die Angemessenheit der Deutungen noch nichts ausgesagt, doch je nach der Form der Ergebnisse könnte sich daraus auch eine Stützung der These ableiten lassen, dass das Horoskop die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen in einem gewissen Sinne bzw. in einem gewissen Umfang wiederspiegeln müsste.
    • b) Quantitativ-statistische Prüfung astrologischer Hypothesen auf Merkmalsebene
    • Die Gestaltpsychologie hat uns gelehrt, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile; die Erkenntnisse der Systemtheorie zeigen zudem, dass solche Ganzheiten nicht nur „Organisations-Tendenzen“ der menschlichen Wahrnehmungen, sondern dass sie empirische Tatsachen sind. Dieses näher zu erfassen, stößt naturgemäß bei Methoden, die sich mit den Teilen beschäftigen, auf große Schwierigkeiten. Es wäre allerdings ein Missverständnis, aus dieser Erkenntnis die Behauptung abzuleiten, die Summe der Teile, für sich allein genommen, sei bedeutungslos. Die „Summe der Teile“ hat, wie auch jedes Einzelteil für sich genommen, sehr wohl einen Aussagewert, und darin liegt der dennoch vertretbare Anspruch quantitativ-statistischer Forschungsmethoden begründet, auch in der Astrologie. Das Ganze ist zwar mehr als die Summe seiner Teile, aber die Summe der Teile ist damit nicht gleich gar nichts […]
    • Wenn ein Symbol in Lehrbüchern durch die Angabe typischer Entsprechungen erklärt wird, so ist es plausibel, anzunehmen, dass derartige Entsprechungen im Zusammenhang mit diesem Symbol auch häufiger zu beobachten sind. Wenn diese Annahme auch nicht zwingend ist, so ist sie dennoch nicht unbegründet. Anders ausgedrückt: es lohnt sich der Versuch! Die Berechtigung des Vorgehens wird durch den Erfolg belegt, und zumindest Gauquelin kann diesen Erfolg vorweisen.
    • Gauquelins Arbeiten sind daher auch das herausragende Beispiel für diese Art des Vorgehens. Es wird dabei also nicht das ganze Horoskop und die Angemessenheit seiner Deutung untersucht, sondern Beziehungen zwischen einzelnen astronomischen Gegebenheiten und frei gewählten Außenkriterien (z.B. den Beruf).
    • Dabei ist es vom Vorgehen her nicht von Belang, ob die untersuchten astronomischen Gegebenheiten in der Astrologie Träger einer symbolischen Bedeutung sind. Es ist ein ähnliches Vorgehen wie in der Psychologie, wenn nachgewiesen wird, dass der „IQ“ mit der Schulleistung korreliert.
    • Wenn man, wie die Gauquelins es getan haben, die Beschreibung berühmter Persönlichkeiten in verschiedenen Biographien zum Außenkriterium wählt …, so ist damit auch ein Schluss auf die Persönlichkeitsstruktur des betreffenden Individuums denkbar.
    • Die Regeln der Astrologie fungieren bei diesem Vorgehen also nur als Hypothesen-Fundus, als Anregung, welche Zusammenhänge zu untersuchen es sich lohnen könnte.
    • Tatsächlich werden häufig dort Zusammenhänge gefunden, wo sie nach astrologischer Tradition erwartet werden müssen. Dieser Weg ermöglicht zunächst ebenfalls nur eine Prüfung der „Grundannahme der Astrologie“, da das Horoskop als solches ja gar nicht untersucht wird.
    • Da aber nicht beliebige astronomische Gegebenheiten untersucht werden, sondern vorwiegend solche, die als Deutungselemente in der Astrologie Träger einer symbolischen Bedeutung sind, ist also durchaus, wenn auch nur sehr vorsichtig, ein Schluss auf die Angemessenheit dieser Bedeutungen möglich.
    • c) Der „experimentelle“ Zugang: Zuordnungs-Tests
    • Der dritte Weg besteht darin, die Fähigkeit der Astrologen zu bestimmten Zuordnungen zu prüfen. Wenn der Astrologe in der Lage ist, das Wesen eines Menschen zu erfassen, so könnte man folgern, dass er dann fähig sein sollte, z.B. das Horoskop eines Gewaltverbrechers aus einer Reihe von Horoskopen „unbescholtener Bürger“ herauszufinden. Dies wäre jedoch ein Fehlschluss, denn wir dürfen nicht erwarten, dass das Horoskop unsere kulturspezifischen und zeitspezifischen Moralvorstellungen wiederspiegelt.
    • Auch in der Psychologie ist es bisher noch nicht gelungen, „Kriminalität“ als Persönlichkeitsmerkmal dingfest zu machen (weil es kein Persönlichkeitsmerkmal ist).
    • Dieses Vorgehen verlangt also Vorannahmen darüber, welchen Grad an Spezifität und Konkretion die Deutung eines Horoskops erlaubt.
    • Nach moderner Auffassung spiegelt das Horoskop nur Grundlegendes, Prinzipielles, wie zum Beispiel das Verhältnis zum Thema „materielle Sicherheit“ wieder […] Es ist also bei diesem Vorgehen sehr sorgfältig zu prüfen, ob nicht „abergläubische Vorstellungen“ über die Astrologie zum Gegenstand der Untersuchung gemacht werden.
    • Es bleibt also bei derartigen Untersuchungen ein sehr großer Interpretations-Spielraum, der zum einen darin besteht, festzustellen, was denn z.B. wirklich typisch für einen Gewaltverbrecher sei, und zum anderen darin, zu entscheiden, in welchem Umfange es sich bei diesen „typischen Merkmalen“ um etwas Prinzipielles, etwas Grundlegendes handelt […] Dass es speziell unter Astrologen einige sehr intuitiv, vielleicht sogar medial veranlagte Menschen geben dürfte, scheint auch plausibel. Wenn jedoch die Zuordnung nicht gelingt, dann war sie weder auf medialem Wege noch auf astro-logischem Wege möglich, sodass ein misslungenes Experiment einfacher zu interpretieren ist: Es zeigt, dass die entsprechende Zuordnung mit den Mitteln der Astrologie nicht möglich ist.
    • Astrologische Lehrbücher und die astrologische Praxis
    • Die sorgfältige Unterscheidung von Symbol und Entsprechung ist nicht ein Charakteristikum astrologischen Denkens schlechthin. Zum einen wurde der Kosmos-Mensch-Zusammenhang früher direkt als eine physisch-kausale Wirkung verstanden (so z.B. von Ptolomaeus), aber auch heute sehen einige Astrologen in den Regeln der Astrologie „Beschreibungen von Wirkungen“, die nur deshalb, weil sie nicht präzise genug bekannt sind, in Form von Metaphern und Allegorien formuliert werden müssen.
    • Dem Bedürfnis nach möglichst einfacher Handhabung des astrologischen Wissens entgegenkommend, vermischen auch die meisten der unzähligen Hand- und Lehrbücher der Astrologie … diesen Unterschied. Vom psycho-hygienischen Standpunkt aus ist daran bedauerlich, dass sie damit eine fatalistische Auffassung von der Astrologie fördern: Wenn die Entsprechungen die Übersetzung der astrologischen Symbole darstellen, dann müssen sie selbstverständlich zutreffen.
    • Obwohl die Trennung von Symbol-Bedeutung und Entsprechung als eine zwingende Folgerung aus der Tatsache erscheint, dass eine begrenzte Zahl von Deutungselementen eine prinzipiell unbegrenzte Zahl von „Lebensformen“ abbilden (erfassen) muss […], gibt es trotzdem gegenteilige Auffassungen, denen zufolge „jeder Schritt“ eines Menschen aus dem Horoskop ablesbar ist, wenn man nur die richtige Methode kennt und genau genug rechnet.
    • Da es in der Astrologie, anders als in etablierten Wissenschaften, gar keinen verbindlichen Standpunkt gibt, sind alle Auffassungen zur Astrologie, die publiziert werden, zunächst gleichberechtigt. Man kann es fachfremden Forschern daher auch nicht übelnehmen, wenn sie in manchen Studien derartige unhaltbare Auffassungen zum Gegenstand einer Validitätsstudie der Astrologie machen. Weniger verständlich ist es, wenn Fachleute dasselbe tun.“
  • Die Möglichkeiten empirischer Astrologie-Forschung fasst Niehenke wie folgt zusammen:

     

    • „Die Astrologie schneidet nicht schlechter ab als die anerkannten Tests psychologischer Verfahren.
    • In der überwiegenden Zahl publizierter Untersuchungen jedoch lassen sich die aus der astrologischen Lehre abgeleiteten Hypothesen nicht bestätigen. Da aber die Studien, die Resultate im Sinne der astrologischen Lehre erbracht haben (die Studien der Gauquelins, Werthmanns und die Untersuchung am Institut Grenzgebiete in Freiburg) mehrfach von Kritikern der Untersuchung erfolgreich repliziert wurden, wie beim „Mars-Effekt“, auf jeden Fall aber unter Berücksichtigung der heute üblichen wissenschaftlichen Standards zustande gekommen sind, bleibt die für die Astrologie seit Jahrtausenden charakteristische Ambivalenz […] auch bei Berücksichtigung der Ergebnisse empirischer Forschung erhalten.“

    Die Frage des Beweises der Astrologie bleibt also in der Schwebe.

     

    • „Nach der Auffassung des überwiegenden Teils der vernünftig denkenden Menschen in Verbindung mit der Wissenschaft steht fest, dass Astrologie objektiv unmöglich ist.“
  • Es war bereits dargestellt worden, dass die Behauptung von überwiegend „vernünftig denkenden Menschen“ nicht belegt ist.

    Es kann davon ausgegangen werden, dass es weder möglich ist, die Kategorie „überwiegender Teil der vernünftig denkenden Menschen“ in einen rechtswissenschaftlich sauberen Kontext zu stellen, noch, dass es auf der sozial-empirischen Tatsachenseite zutrifft, dass der überwiegende Teil der Deutschen die Astrologie für unmöglich hält.

    Dazu mag diese Entwicklung ein Beleg sein:

    Das erste DAV-Ausbildungszentrum, das von der Agentur für Arbeit für Bildungsgutscheine zertifiziert wurde, ist das DAV-Ausbildungszentrum in Hamburg (Astro-Praxis Helen Fritsch ).

    Auf der Homepage des Deutschen Astrologen Verbandes (DAV) finden sich die Blätter zur Berufskunde zum Beruf Astrologin/Astrologe.

     

    3. Umfragen zur astrologischen Praxis in Deutschland

  • Im Jahre 2001, veröffentlicht in Meridian 2001, S.44-48, gaben 51,9% der befragten Astrologinnen und Astrologen an, dass für sie die Astrologie eine Psychologie sei.

    Knapp ein Drittel sehen die Astrologie als Kunst (33,1%), für ein Fünftel ist sie Harmonielehre (20,0%) und nur 4,4% sehen in der Astrologie eine Religion, für 5,0% ist die Astrologie ein Glaubenssystem.

    In der Befragung gaben 85% an, dass sie in dem Fachgebiet psychologische Astrologie ihre Praxis betreiben.

     

    Auf der Basis der Fragebogenergebnisse zu den Fachgebieten und Schulen wurde clusteranalytische Auswertungen der Daten vorgenommen, welche sich auf die Angaben zu den Interessensgebieten und Schulen bezog.

    Dabei stellte sich heraus, dass in dem astrologischen „Mainstream“ die psychologische Astrologie mit 92% deutlich dominiert.

    Mehr als die Hälfte der Astrologinnen und Astrologen gehört gegenwärtig keiner Religionsgemeinschaft mehr an.

    Hover schreibt als Schlussbemerkung:

     

    • „Unsere Analyse zeigt deutlich, dass sich die Astrologie durch eine Vielfalt und einen Reichtum an Formen und Konzepten auszeichnet. Daher ist ein einziges Bild der Astrologie auch stets als relativ und perspektivisch geprägt anzusehen. Vielleicht kann man den Begriff der Astrologie im Sinne des Konzepts der „Familienähnlichkeit“ (Wittgenstein) als einen „Begriff mit unscharfen Rändern“ betrachten. Dies freilich stellt m.E. keine Schwäche dar, sondern verbindet die Astrologie z.B. mit der Philosophie, Psychologie und Religion.“
  • Demnächst wird es neuere Untersuchungsergebnisse geben.

    Im Jahre 2010 hat unter Leitung von Joerg Loosmann, University of Lincoln, Brayford Pool, Faculty of Business and Law, Lincoln LN67TS, England, und unter der Professorenbetreuung von Professor Gerad de Zeeuw und Frau Professor Sabine Scheckenbach eine intensive Befragung von Astrologinnen und Astrologen auch in Deutschland begonnen.

     

    4. Ausdifferenzierung astrologischer Angebote in Deutschland im Jahre 2010

  • Die Astrologie hat sich in den letzten zwei Jahrhunderten sehr stark ausdifferenziert, hat also keine einheitlichen Angebotsstrukturen, sondern ist vielmehr in verschiedene Richtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten differenziert.

    Das aktuelle Spektrum kann wie folgt umschrieben werden: Börsen- und Wirtschaftsastrologie, politische Beratung auf höchstem Staatsniveau, Stunden- und Elektionsastrologie, Prognose-Astrologie mit Solarastrologie, Transitastrologie, Prognose-Gutachten mit progressions- und direktionsastrologischen Methoden, das psychologisch-astrologische Gutachten von Geburtshoroskopen, astrologische Beratung in den Medien, Fernseh- und Rundfunksender, astrologische Beratungs-Hotlines etc.

    Zeitungshoroskope

  • Eine der Hauptursachen für die massive Unkenntnis des breiten Publikums hinsichtlich seriöser Astrologie besteht in der Praxis der Zeitunghoroskopie.

    Tageszeitungshoroskope können nur ein sehr grobes Bild der astrologischen Wetterkarte vermitteln, sind aber keinesfalls geeignet ein seriöses Licht auf Astrologie zu werfen.

     

    Diese sogenannte Sonnenzeichenastrologie ist ein Massenprodukt, das es jetzt ungefähr seit 100 Jahren gibt.

    Es ist zwar richtig, das die Sonnenposition in einem Horoskop zentral für das Wesen einer Person ist, aber diese Sonnenposition ist abhängig und interdependent mit vielen anderen Horoskopfaktoren, aus denen sich erst der Gesamtausdruck eines Menschen zusammensetzt.

    Wollte man erwarten, dass die Sonne im Horoskop jeden Aspekt der Natur eines Menschen und seines Lebens beschreiben könnte, so wäre das etwa so, als ob man das Herz eines Menschen nimmt und für den ganzen Körper setzt und dabei vernachlässigt, das es noch zahlreiche andere lebenswichtige Organe im Körper eines Menschen gibt.

     

    Bemerkenswert ist, dass selbst wissenschaftliche Größen wie Theodor W. Adorno es für richtig gehalten haben, die Zeitschriftenhoroskopie mit der Astrologie allgemein gleichzusetzen.

     

    Diese Gleichsetzung wird von den Astrologen zurecht als unseriös zurückgewiesen.

     

    Pressehoroskope werden in der redaktionellen Praxis auf drei Arten produziert:

    1. über einen Astrologen beziehungsweise ein Astrologenteam

    2. über eine Medienagentur

    3. mit zeitschrifteninternen Produktionsmethoden,

    wobei damit noch nichts über die Seriosität ausgesagt ist, .

     

    Astro-TV

  • Auf das zunehmende Interesse an Horoskopen seit Beginn der 80er Jahre reagierte das ARD-Fernsehen zur besten Sendezeit im Abendprogramm 1981 mit der Astroshow als einem weiteren Beispiel für die fortgeschrittene Säkularisierung heutiger Astrologie. Moderiert wurde die Sendung von der französisch-schweizerischen Astrologen Teissier und dem österreichischen Kabarettisten Heinzl.

     

    Der Astroshow wurden typische Eigenschaften von vier Kandidaten im spielerischen Test anhand eines Tierkreiszeichens gezeigt. Zwei Jahre später wurde die Astroshow eingestellt. Die Produktion des bayerischen Rundfunks mit geplanten 12 Folgen musste zum Teil hämische Pressekommentare einstecken.

    Mit diesem ersten Versuch haben die heutigen Frauensendungen wenig zu tun. Hier hat der Unterhaltungsanteil eine weit größere Bedeutung gewonnen durch das Zusammenführen von Unterhaltungsastrologie und alternativer esoterischer Lebensberatung.

     

    In den letzten 10 Jahren hat die Astrologie in den Medien ein halbwegs intelligentes Unterhaltungsniveau erreicht, das vom wissenschaftlichen oder beratungsorientierten Standpunkt aus über Talkshows bis zu populären Zeitschriften wie Astro-Venus reicht.

    Anbieter von Astro-TV sind die Questico-AG, Kanal Telemedial bzw. Primetime, Viversum, Channel-live TV, ESO TV, Vistano TV und CamOrakel TV.

     

    Die Entwicklung dieses neuen Fernsehformats ist zunächst nichts anderes als eine neue Beratungs Dienstleistungen auf solche Dinge, die jenseits unserer normalen Alltagswelt liegen.

    Dadurch, dass die astrologische Beratung nun auch im Fernsehen stattfindet und damit gewissermaßen öffentlich, hat sich natürlich auch der qualitative Rahmen verändert hin zur Vulgärastrologie.

     

    Dass dies zu scharfer Kritik führte, mit dem Hauptvorwurf der „Abzocke" nimmt nicht wunder.

     

    Im Einzelnen wird die Praxis am Beispiel von „Questico" sehr schön deutlich, auf deren Selbstdarstellung verwiesen werden kann.

     

    Der Jahresumsatz von Questico wird auf 70 Mio € geschätzt.

     

    Astro-Hotlines

  • Zur Verdeutlichung der mit den vulgärastrologischen Astrohotlines verbundenen Probleme mag die nachfolgend dokumentierte Forumsdiskussion bei astrologix.de dienen:

     

    „Questico und ähnliches"

    otto (528 Beiträge) 26-Dez-09, 18:51 Uhr (MEZ)

    „Questico und ähnliches"Hallo ihr Lieben,

    aus gutem Grund bitte ich noch einmal um Erfahrungsberichte von denen unter den Astrolgixnutzern, die schon einmal bei einer Hotline als Berater gearbeitet haben. meinetwegen auch an meine in-box.

    LG Otto

     

    Antworten:

    Mercuria (90 Beiträge) 27-Dez-09, 07:38 Uhr (MEZ)

    1. „RE: Questico und ähnliches"Ich war 5 Jahre bei Questico als Tarot Expertin, vorher auch bei anderen. Es ist unerträglich - hatte aber eine Weile keine andere Verdienstmöglichkeit. Was willst Du wissen?

    otto (528 Beiträge) 27-Dez-09, 11:04 Uhr (MEZ)

    2. „RE: Questico und ähnliches"huhu Mercuria,

    Das ist ja eine tolle Antwort - es war unerträglich.

    Kann man denn da wenigstens 1000-1500 Euronen verdienen ohne 24 Stunden am Telefon zu sitzen? Und wie viel wird einem abgezogen vom Verdienst? Was ist mit den anderen Hotlines? Sind die nicht so gierig wie Questico? Es gibt da eine, die bietet auch Beratung bei Problemen mit den Haustieren. Das kommt entgegen. Meine Frau ist THP und HP. Hab ein Fragehoroskop gemacht. Es sieht danach so aus, als ob ich es wieder nicht mache. AC im Krebsmond im Leerlauf. Mit wie vielen Anrufen am Tag kann man rechnen. Oder muss man den ganzen Tag da sitzen und warten?

    LG Otto

    Mercuria (90 Beiträge) 27-Dez-09, 13:02 Uhr (MEZ)

    3. „RE: Questico und ähnliches"huhu Otto.

    Ja, inzwischen wartet man den ganzen Tag oder auch mehrere auf einen Anruf. Wobei, wenn man anpassungsfähig genug ist, und lügt wie gedruckt, die Leute hinhält und 30 Gratisgespräche pro Tag annimmt, dann kriegt man vielleicht mit viel Glück mehr Anrufe. Als ich anfing, ging es noch besser, da gab es aber auch erst 200 „Experten", was ich damals schon für Wahnsinn hielt, inzwischen sind es über 3000.

    Ich habe in den besten Zeiten bis zu 2500,- verdient, das letzte Jahr meiner Tätigkeit (bis Jan 2009) nur noch ca. 200,- (bei 13 Stunden tägl. 7 Tage Woche) Inzwischen zahlst du aber schon allein dafür, dass du am Telefon warten darfst. Die Verteilung hab ich nimmer ganz im Kopf, ... also ca. 30 Cent pro Minute kriegt auf jeden Fall Questico, und vom restlichen Umsatz 40% glaub ich.

    Andere Lines funktionieren ähnlich, sind oft noch schlimmer. Es geht immer um Kommerz. Der Markt ist hart umkämpft, und Questico unumstrittener Marktführer, schon dank seines Astro TV. Es zählt nur die Gesprächszeit, niemals der Inhalt, je seichter umso besser. Unangenehme Wahrheiten sind ausdrücklich von Seiten der Geschäftsleitung unerwünscht.

    Es bewerten Dich die Kunden, und die, denen Du die schön-sten Märchen erzählst, die geben dir dann auch 5 Sterne. Wehe Dir, du sagst was, was die nicht hören wollen!

    An Problemlösungen sind die Leute nur selten interessiert, erwünscht sind positive Zukunftsvorhersagen vor allem in Sachen LIEBE! (99%)

    Mir persönlich geht die Lügerei gegen den Strich, würde das nie tun, hab es nie getan, und mir quillt das Thema Beziehung inzwischen so aus den Ohren - ich kann‘s nicht mehr hören. Hätte schon gern weiter beraten, aber ehrlich, tiefgründig, schnell und gut, und all das will keine Line.

     

    otto (528 Beiträge) 27-Dez-09, 13:14 Uhr (MEZ)

    4. „RE: Questico und ähnliches"

    Nun denn für 200,- oder 300,- Euro den ganzen Tag am Telefon warten, dass jemand anruft, den ich dann auch noch belügen soll, das ist nichts für mich.

    Das ist ja das Problem, dass man die Fragehoroskope innerhalb weniger Minuten beantworten kann und dann kommt nichts dabei herum an Geld. oft ist es ja nur ein Wort das genügt, die Frage zu beantworten und das lautet - nein. Dauert dann gerademal 30 Sekunden.

    LG Otto

     

    Mercuria (90 Beiträge) 27-Dez-09, 13:27 Uhr (MEZ)

    5. „RE: Questico und ähnliches"Genau. Gute Leute verdienen nix. Is ja mit den Karten das Gleiche. Ein Bild hab ich mit Analyse und Prognose in 5 Minuten. Der Frager hat in dieser Zeit so viele Information erhalten, dass er Tage braucht um das zu verarbeiten. Verdient ist dabei nix, auch zu wenig für Q. Wenn sie diesen Anrufer an wen leiten der erst schon mal 10 Minuten braucht, bis er ein Kartenbild aufgelegt hat, mit Texten wie „überkreuzen Sie nicht die Beine, bitten Sie Ihr höheres Selbst um Anwesenheit ..." etc. dann rechnet sich das. Es ist Wahnsinn, was die da alles machen um Zeit zu schinden, du glaubst es nicht!

    Weißt Du, es ist seichteste Esoterik, die da verkauft wird, schon lang keine „Lebensberatung" mehr, falls es das jemals war, Zumindest war es das was ich damals machen wollte.

    Man ködert Leute, die der Wirklichkeitsflucht huldigen und bereit sind dafür zu zahlen, dass sie immer das gesagt bekommen, was sie erwarten: Ja, da wird ein Mann kommen, blablabla ... ein Prinz wird kommen, Seligkeit forever!!! Haleluja!

     

     

    otto (528 Beiträge) 27-Dez-09, 15:11 Uhr (MEZ)

    7. „RE: Questico und ähnliches"Na ja, warten wir mal ab was kommt. Schon mehrere Male wollte ich mich bei einer Hotline mit ungutem Gefühl bewerben, es ist dann immer etwas anderes gekommen was mir leichter gefallen ist. ...

    LG und vielen Dank.

    LG Otto

     

    Jakob (2637 Beiträge) 27-Dez-09, 15:05 Uhr (MEZ)

    6. „RE: Questico und ähnliches"Wer bei einer solchen Hotline anruft, möchte genauso verarscht werden, wie diejenigen, die dort arbeiten. Topf sucht Deckel.

     

    otto (528 Beiträge) 27-Dez-09, 15:18 Uhr (MEZ)

    8. „RE: Questico und ähnliches"Ob man das so verallgemeinern kann, weiß ich nicht. Aber die finanzielle Teilung und die penetrante Werbung gefallen mir ganz und gar nicht. Noch zu Zeiten der DM habe ich mal für so eine Hotline telefoniert. Es gab wenig Geld und viele furchtbare Leute in der Leitung. Wenn es dann wirklich einmal zu einem guten Gespräch kam, hatte man zuweilen nicht mehr die Kraft dafür.

    LG Otto

     

    Mercuria (90 Beiträge) 28-Dez-09, 08:14 Uhr (MEZ)

    10. „RE: Questico und ähnliches“

    […]

    Richtig! Und je billiger man sich anbietet, vor allem die Gratisgespräche bei Q., umso schlimmer sind die Leute. Es gab selten gute Gespräche, und die vermisse ich auch sehr. Den Rest nicht. Ich hab mich echt geschämt mit Asto TV in Verbindung gebracht zu werden.

     

    Mercuria (90 Beiträge) 28-Dez-09, 08:07 Uhr (MEZ)

    9. „RE: Questico und ähnliches"Jakob, du urteilst hier schnell und falsch. Hätte ich diesen Job nicht gemacht, hätte ich mein Haus verloren. Auch habe ich erwähnt, dass ich die Spielregeln des Hauses nicht befolgte. Es gibt sicherlich viele, die da guten Willens hineingehen, bis sie in die Kommerzmangel kommen, und dann wie ich, irgendwann raus müssen, aber mit 50 als Frau was Neues finden, jobmäßig ist ja nicht leicht. Man kann es sich oft nicht aussuchen, und so werden die Questicos geknechtet wie alle andern auch in ihren Jobs.

     

    kalypso (1276 Beiträge) 29-Dez-09, 09:50 Uhr (MEZ)

    18. „RE: questico und ähnliches"[…]

    Ich habe übrigens durchaus den Eindruck, dass bei Questico jede Menge guter Leute auch sind. Aus Prinzip und aus Mangel an Bedarf rufe ich da nicht an, aber vor ein paar Jahren war ich doch mal gespannt und habe das Gratisgespräch gemacht und es war ganz ausgezeichnet und von sehr hohem Niveau.

    Gruß, Anja

     

    lebenswerk (183 Beiträge) 23-Jan-10, 20:06 Uhr (MEZ) 38. "@mercuria"Liebe Mercuria, trotzdem begreife ich nicht, warum bei manchen Astrologen stets eine Warteschlange von manchmal bis zu 100 Personen sind [...]

    z.B. Anita Greinwald. Und bei anderen wirklich guten Astrologen wieder nicht […] z.B. Fr.Dr. Kirsch??? Was macht die Unterschiede aus?

    Fragende Grüße L.

     

    Mercuria (90 Beiträge) 24-Jan-10, 07:39 Uhr (MEZ)

    39. „RE: @mercuria"Hallo L. Ich schätze es liegt an der Werbung. Ohne Werbung ist man ja fürs Publikum fast nicht sichtbar, also nur auf der Liste im Internet unter Tausenden, die gestaffelt sind nach Anzahl der Gespräche. Es bedarf einer (natürlich kostenpflichtigen) Werbung im „Zukunftsblick", der hauseigenen Zeitung, oder was ich vermute, dass die Person halt viel im Fernsehen, sprich Astro TV ist und wenn die da "gut rüberkommt" dann wird die schon angerufen. Jene die nach außen am meisten präsent sind, kriegen selbstverständlich die meisten Anrufe. So ist das nun mal in der freien Marktwirtschaft.

     

    lebenswerk (183 Beiträge) 24-Jan-10, 10:22 Uhr (MEZ)

    40. „RE: @mercuria"

    Hm ... Ist Fr.Greinwald bei astro.tv? Ich finde das Thema Questico ja sehr spannend ... und doch unbegreiflich. Astrid Obersteiner ist ganz oft bei astro.tv und bei ihr ist nie jemand in der Warteschlange ... Es muss noch an etwas anderen liegen ... Es hat sich mir nur noch nicht erschlossen ...

    Rätselnde Grüße ... L.

     

        • d) Stundenastrologie, Elektionsastrologie
  • Die berühmtesten Beispiele für Stundenastrologie und Elektionsastrologie finden sich in der astrologischen Beratung von Päpsten, Kaisern, Königen, Fürsten und in der Neuzeit von Präsidenten in den USA und Frankreich. Am bekanntesten sind Dr. Elizabeth Teissier, Beraterin von Francois Mitterand und Joan Quigley, Beraterin von Ronald Reagan.

    Mittels der Elektionsastrologie ermittelt die Astrologin den günstigsten Zeitpunkt für eine bestimmte Aktivität, z. B. Kriegserklärung, Truppenmobilisierung, Beginn von kriegerischen Handlungen etc. Mittels der Stundenastrologie beantwortet die Astrologin Fragen, wie z.B. „Wo befindet sich die Leiche?“ (Astrologische Beratungen werden auch von der Kriminalpolizei eingesetzt), „Soll ich kandidieren?“, „Soll ich politische Themen weiterverfolgen?“ etc. Die Stundenastrologin stellt das Fragehoroskop auf die Minute der Frage am Ort und der Zeit der Stundenastrologin.

     

    Die Promotion von Elizabeth Teissier an der Pariser Sorbonne:

    Aus: World Socialist Web Site - Internet-Stand 16.01.2010

     

    • „Im April 2001 verteidigte Madame Germaine Elizabeth Hanselmann, besser bekannt unter dem Namen Elizabeth Teissier, an der Pariser Universität Sorbonne ihre Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde, „Kritische Studie zur Astrologie und ihrer Ambivalenz Faszination/Ablehnung in den postmodernen Gesellschaften“. Für ihre 900 Seiten umfassende Schrift, […] wurde Madame Teissier anschließend durch Mehrheitsentscheid eines Professorengremiums der Doktortitel der Soziologie verliehen.“
  • Staatsastrologie - Ronald Reagan und Francois Mitterand – zwei Präsidenten mit astrologischen Beraterinnen:

    Aus: Geo Magazin Nr. 05/01 - Internet-Stand: 16.01.2010

     

    • „Zwei Astrologinnen haben in der jüngsten Vergangenheit Einfluss auf westliche Politik gehabt. Joan Quigley rühmt sich in ihrem Buch "What does Joan say?" als "Weiße Haus-Astrologin" in der Reagan-Ära wichtige Weichen gestellt zu haben. So machte sie dem Anti-Kommunisten Ronald Reagan beispielsweise die Annäherung an Michail Gorbatschow per Horoskop-Vergleich schmackhaft. […]
    • Die neueste und überraschendste Enthüllung betraf den Sozialisten Francois Mitterrand. Der französische Präsident konsultierte häufig die bekannte Schweizer Astrologin Elisabeth Teissier, meist im Elysee-Palast. Die Veröffentlichung der Tonband-Protokolle in Teissiers Buch „Sous le signe de Mitterrand" („Im Zeichen von Mitterrand") sorgte im letzten Jahr in Frankreich für Furore. So wählte der Präsident für das Referendum über den Vertrag von Maastricht das Datum aus, das ihm seine Astro-Beraterin vorgeschlagen hatte. Außerdem stand er während des Golfkriegs in regelmäßiger Telefon-Verbindung mit ihr.“
  • Börsenastrologie

  • Die Börsenastrologie ist in Deutschland noch eine relativ junge Erscheinung. Sie beschäftigt sich in Amerika allerdings schon länger mit der Anwendbarkeit der Astrologie auf die Erkenntnismöglichkeiten an der Börse.

     

    Dabei geht der Börsenastrologe wie folgt vor:

    Als Einstieg in eine börsenastrologische Analyse wird die aktuelle Zeitqualität, in der Fachsprache die mundanastrologische Konstellation, analysiert. Es wird gewissermaßen ein Welthoroskop erstellt. Die mundane Zeitqualität spiegelt sich dabei durch die Energiebeziehungen zwischen den Planeten in der aktuellen Zeit wieder.

    Diese mundane Horoskopanalyse wird dann in Beziehung gesetzt zu dem konkreten Gründungshoroskop, beispielsweise eines Industrieunternehmens. Es gibt aber auch mundanastrologische Analysen für Indizes wie z.B. den DAX.

    Dabei wird nun auf die Interaktionen geachtet, die das mundane Horoskop mit dem Geburtshoroskop herstellt. Die diesbezüglichen Aspekte zu den Grundstellungen werden gedeutet.

     

    Das Problem bei der Börsenastrologie besteht, wie oben schon angedeutet, darin, dass man sich als Astrologe entscheiden muss, welches Gründungs- bzw. Geburtshoroskop für die jeweilige Firma relevant ist. In Betracht kommen die Idee zur Firmengründung, also der diesbezügliche Zeitpunkt mit Ort und Tag, oder die Gründungsversammlungsminute, in der durch eine Mehrheitsentscheidung oder einstimmig die Firma in einer Versammlung gegründet wird. Man kann aber auch das Horoskop auf den konkreten Unterschriftszeitpunkt beim Notar rechnen. Auch der Eintragungszeitpunkt beim Handelsregister, bei der die zusätzliche Problematik entsteht, ob der Einreichungszeitpunkt oder der Zeitpunkt der Entscheidung des Registerbeamten gilt, und schließlich die Publikation im Handelsregister sind denkbare Anknüpfungspunkte für börsenastrologische Analysen.

    Die Börsenastrologie ist mit sehr vielen speziellen Techniken unterwegs, die in der Kunst der Kombination ihre eigentliche Rechtfertigung findet.

    Für das weitere Vorgehen in dieser Arbeit klammere ich alle Aspekte der Börsenastrologie von der tatsächlichen rechtlichen Analyse aus, weil es sich um ein sehr spezielles und auch sehr differenziertes und komplexes Spezialgebiet handelt und in der Praxis nur sehr, sehr wenige Astrologen in Deutschland Anbieter sind.

     

    Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass es innerhalb der Börsenastrologie noch eine sehr spezielle Unterkategorie gibt, nämlich die sogenannte Finanzastrologie für die Prognose von Preisen und Indizes an Devisen- und Rohstoffmärkten und auch hinsichtlich von volkswirtschaftlichen Parametern wie Konjunkturzyklen und Zinsentwicklung.

    In Amerika gab es erstaunliche Erfolge von einzelnen Börsenastrologen, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll.

     

    f) Astrologisch-psychologische Beratung – Aussagegrenzen und Praxis

        • fa)  Aussagegrenzen der astrologischen Beratung
  • Eine der wichtigsten Kategorien für eine seriöse astrologisch-psychologische Beratung sind die sog. „Aussagegrenzen“, die bei jeder astrologischen Beratung fachdisziplinär zu berücksichtigen sind.

    Koch schreibt:

     

    • „Eine astrologische Konstellation steht für eine Zeitqualität, die sich auf unzählige Arten ausdrücken kann. Nehmen wir z.B. die Sonne-Pluto-Konjunktion. Diese kann für Machtausübung stehen, aber auch für Ohnmacht; ferner für den Besitz von Gold und Geld (Bankwesen), aber auch für Armut oder Not oder eine berufliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Abfall, Kot und Reinigung (Müllabfuhr und Kanalisation); weiter für Todeserfahrungen oder Todesfaszination, aber auch für Geburt und Neuanfang, für Leidenschaft und Sexualität, für seelische Transformationsprozesse, Schlangenliebhaberei usw. usf. […]
    • Die Ambivalenz astrologischer Prinzipien
    • Zum einen hat ein astrologisches Prinzip immer gegensätzliche Seiten, d.h. es ist ambivalent. Pluto z.B. kann nicht nur Macht, sondern auch Ohnmacht, oder nicht nur Reichtum, sondern auch Armut, nicht nur peinliche Sauberkeit, sondern auch Kot bedeuten. […] Deshalb können auch nur dann statistische Untersuchungen Erfolg haben, wenn dabei ambivalente Fragestellungen, nach einer z.B. Macht-Ohnmacht-Thematik im Leben der betroffenen Personen eingebracht werden.
    • Die Mehrdeutigkeit astrologischer Prinzipien
    • Dies ist das eine Problem. Eine zweite Schwierigkeit besteht darin, dass astrologische Prinzipien ein äußerst breites Spektrum von Bedeutungen haben: Pluto hat also sowohl mit der Macht-Ohnmacht-Ambivalenz als auch mit Ambivalenzen wie verletzen-heilen, Reichtum-Armut, Reinlichkeit-Kot, Tod-Geburt und vielem anderen mehr zu tun. Es ist aber allein aufgrund eines Geburtsbildes nicht – oder nicht mit Sicherheit – einzusehen, in welcher dieser Weisen Pluto sich in einem Charakter manifestiert. Vielleicht legt eine Person in ihrem Leben Wert auf klinische Sauberkeit, hält aber das Macht-Ohnmacht- oder das Geld-Thema für nicht dominant. Solche Unterschiede lassen sich z.B. bei Zwillingsgeburten beobachten, auch bei nur minimal verschiedener Geburtszeit. Die Art und Weise, wie ein Mensch eine astrologische Konstellation lebt, kann sich im Laufe des Lebens aber auch verändern. […]
    • Um den Zusammenhang zu erkennen, bedarf es, wie auch in anderen Künsten und Wissenschaften, einer ordentlichen Schulung. Erst, wenn man sich das entsprechende Sensorium angeeignet hat, entdeckt man, dass all diese Dinge tatsächlich miteinander zusammenhängen. […]
    • Die Grundtypen, die den 12 Tierkreiszeichen zugeordnet werden, sind keineswegs ein beliebig zusammengewürfelter Haufen von Bildern, sondern ein genial konstruiertes System, in dem jede Opposition, jedes Quadrat und jedes Trigon zwischen zwei Zeichen einen tiefen Sinn beinhaltet. Und die verschiedenen Eigenschaften, die einem einzelnen Tierkreiszeichen zugeordnet werden, erweisen sich ebenfalls nicht als ein Sammelsurium, sondern als Manifestationsweisen eines einzigen fundamentalen Prinzips.
    • Die Nichtisolierbarkeit astrologischer Prinzipien
    • Eine weitere Eigenart astrologischer Prinzipien besteht darin, dass sie sich nie isoliert manifestieren, sondern immer in der Ganzheit des Horoskops. Ein Planet steht jeweils in einem Zeichen, in einem Haus und womöglich noch in vielfachen Aspektverbindungen mit anderen Planeten. Zudem ist das ganze restliche Horoskop als der Kontext zu berücksichtigen, in dem er sich manifestiert. Die Art und Weise, wie er sich zum Ausdruck bringt, und seine Wirkkraft werden durch dieses komplexe Geflecht von Zusammenhängen auf schwer vorhersehbare Weise modifiziert. Das ist auch der Grund, warum astrologische Deutungsbücher teilweise so verblüffend stimmig sind, teilweise wiederum so völlig danebenliegen können.
    • Transzendenz und Nichtoperationalisierbarkeit
    • Neben der Ambivalenz, der Mehrdeutigkeit und Nichtisolierbarkeit astrologischer Prinzipien hat sich ein Astrologe noch mit einem weiteren Problem immer wieder auseinander zu setzen, mit dem Umstand, dass Worte und Begriffe in der Regel nicht eindeutig einem astrologischen Prinzip zugeordnet werden können, dass astrologische Prinzipien also in Bezug auf sprachlichen Ausdruck transzendent sind.
    • Konkret: Dasselbe Wort kann für verschiedene astrologische Charaktere etwas sehr Verschiedenes bedeuten. Man frage einmal Vertreter verschiedener Tierkreiszeichen, was für sie „Freiheit“ sei. Ein Zwilling möchte sich vielleicht ungehindert bewegen können und nicht durch zu viele Pflichten eingeengt werden; ein Stier braucht vielleicht viel Geld, um sich alle Genüsse leisten zu können, die er für nötig hält, um sich „frei“ entfalten zu können; ein Wassermann vielleicht vor allem die Fähigkeit und Möglichkeit, aus herkömmlichen Verhaltens- und Denkmustern auszubrechen. Es ist deshalb nicht unbedingt richtig, wie es oft geschieht, die Freiheitsliebe als ein besonderes Merkmal des Wassermanns zu bezeichnen. Freiheit lieben alle, nur auf je verschiedene Weise. Solche grundverschiedenen Auffassungen von Grundbegriffen unseres Lebens sind uns dabei in der Regel überhaupt nicht bewusst und führen zu zahllosen Missverständnissen.
    • Es ist gerade eine der großen Leistungen der Astrologie, dass sie solche unterschiedlichen Auffassungen bei verschiedenen Tierkreiszeichen verständlich und bewusst machen kann. Dadurch lassen sich Konflikte lösen und Missverständnisse überwinden.
    • Mit anderen Worten: Viele Begriffe, die üblicherweise bei statistischen Untersuchungen zur Charakterisierung
      astrologischer Typen verwendet werden, sind keineswegs genügend eindeutig. Man muss sehr viele verschiedene Begriffe zusammenzudenken oder zusammenzufühlen versuchen, um ein Gefühl für die astrologischen Symbole zu entwickeln. […]
    • Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Sinngehalt astrologischer Prinzipien. Sie entziehen sich letztlich dem sprachlichen Zugriff, sind insofern transzendent und letztlich nicht mit der für die statistische Erfassbarkeit wünschbaren Eindeutigkeit operationalisierbar. […]
    • Alltägliche Evidenz in der Astrologie […]
    • Es gibt zwar keine Garantie, dass zwei Personen denselben Begriff mit demselben astrologischen Prinzip assoziieren, aber eine Übereinstimmung scheint doch irgendwie möglich. Wie? Offenbar durch „Sympathien“ […] durch Einfühlungsvermögen, durch Übertragung von Stimmungen und Empfindungen zwischen Menschen, vielleicht auch durch Telepathie.
    • Der Sachverhalt liegt doch auf der Hand: Wir kommunizieren nicht nur durch Worte, wir spüren die Absichten des anderen dahinter, wir empfinden die erwähnte „falsche Freundlichkeit“ usw. Es handelt sich hier um Wahrnehmungen, die unsere begrifflichen Fähigkeiten weit übersteigen. „Wissen“ ist durchaus möglich, auch jenseits des Bereichs des Operationalisierbaren. […]
    • Als ich selbst erkannte, wie vielseitig und ambivalent „Planetenkräfte“ sich manifestieren können, war ich erstaunt und gleichzeitig fasziniert ob der Feststellung, dass die jeweilige Analogie zwischen den verschiedenen Manifestationsweisen sich trotz ihrer Offensichtlichkeit nur sehr schwer, wenn überhaupt, in Begriffe fassen lässt: Es handelt sich um Stimmungen, Atmosphären, „Energien“, für welche die Planetennamen selbst vielleicht die einzig treffenden Ausdrücke sind. Ist es nicht in der Musik ganz ähnlich? Wie weit lassen sich Stimmungen großer Kompositionen in Worten ausdrücken?
    • Wohl gemerkt, ich sage nicht, dass die Astrologie kein objektives Wissen erlaube. Astrologen – also entsprechend Geschulte – verstehen einander durchaus und sind überzeugt von der Objektivität ihres Wissens. Für sie sind die astrologischen Energien objektive Gegebenheiten und lassen sich objektiv erforschen. D.h., jeder, der sich tiefer befasst, wird auf ähnliche Schlüsse kommen. Für Astrologen ist dies eine Erfahrungstatsache. […]
    • Ich fasse zusammen. Die astrologischen Faktoren sind also aus vier Gründen schwer zu greifen:
    • Sie sind:
    • 1. ambivalent,
    • 2. mehrdeutig,
    • 3. nicht isolierbar
    • 4. und vor allem sprachlich nicht fassbar.“
  • Koch beschreibt sehr schön, dass es in der Astrologie Aussagegrenzen gibt, die es letztlich verhindern, ohne weitere Zusatzinformationen astrologische Parameter zu eindeutigen Zukunftsprognosen zu verdichten.

    Wie sieht nun eine seriöse astrologische Beratung aus?

     

     

      • fb)  Praxis der astrologischen Beratung
  • Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine Selbstdarstellung von Dipl.Ing. Annegret Becker-Baumann, gepr. Astrologin (DAV), Leiterin des vom DAV anerkannten Ausbildungszentrums, des „Astrologiezentrums Hannover" in der Rühmkorffstr. 5 in Hannover, die auf meine Bitte den Text für diese Arbeit geschrieben hat, wofür ich ihr herzlich danke.

     

    Annegret Becker-Baumann:

     

    • „I. Welche Voraussetzungen sollte man als "Beratende Astrologin" mitbringen?
    • Interesse an anderen Menschen
    • Man sollte grundsätzlich Interesse an anderen Menschen und ihren Schicksalen mitbringen. Man braucht dazu Empathie. Wissenschaftler sprechen auch von emotionaler Intelligenz. Was bedeutet das? Es bedeutet, sich auf Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen des Anderen einstimmen zu können, ohne dabei die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen zu ignorieren. Dieses einfühlende Verstehen ist für jede Art therapeutischer Beziehung hilfreich. Carl Rogers sagt: „Ich glaube, dass Veränderung mit Wahrscheinlichkeit eintritt, wenn der Therapeut das Erleben erfassen kann, das in der inneren Welt des Klienten von Augenblick zu Augenblick abläuft; wenn er es sieht und fühlt wie der Klient, ohne aber die Eigenständigkeit seiner Identität in diesem Prozess des Einfühlens zu verlieren.“ Das gilt auch für alle Formen von Beratung.
    • Psychologisches Wissen
    • Astrologisches Wissen ist nur die Hälfte eines guten Beratungsgesprächs. Die andere Hälfte ist die Fähigkeit, mit der Situation der Klienten angemessen umzugehen. Dazu muss die Beraterin für sich klären, wie sie mit schwierigen Klienten, auch mit Grenzsituationen umgeht, mit Tränen, eventuell auch mit eigenen. Was kann sie tun, wenn die Klienten sich gekränkt oder missverstanden fühlen?
    • Psychologisches Wissen ist dazu wichtig. Man kann seine Begabungen trainieren, üben, man kann Ratgeber lesen zu psychologischen Fragen, zu Partnerschaft, Trennung, zu Ängsten und Depression. Auch Kenntnisse über Techniken der Gesprächsführung nach Rogers, themenzentrierte Interaktion (TZI) von Ruth Cohn oder Transaktionsanalyse (TA) nach Eric Berne sind hilfreich. Besonders überzeugend ist das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren, welches er in seinem Werk „Miteinander reden“ vorstellt und das sich problemlos auf astrologische Deutungsarbeit übertragen lässt.
    • Beratungskompetenz
    • Je mehr Erfahrung eine Beraterin mitbringt, desto besser kann sie auf Klienten eingehen. Sie sollte sich klar darüber sein, was der Sinn der Beratung ist. Es geht darum, den Selbstwert der Klienten zu stärken, die ungenutzten Möglichkeiten zu beschreiben. Verborgene Chancen und Talente sollen erkannt werden, realistische Hoffnungen sollen aufgezeigt werden. Das Beratungsgespräch dient dazu, Alternativen gemeinsam zu entdecken, die Lebenslust zu erwecken, gegen resignative und düstere Stimmungen neue Hoffnung zu entwickeln, zu ermutigen, Unterstützung  zu geben für die nächsten Schritte der Persönlichkeitsentwicklung, Trost und Bestärkung zu geben, neue Einsichten und Erkenntnisse zu ermöglichen.
    • In einer guten Beratung finden sich die Klienten in großen Teilen wieder, d.h., vieles ist ihnen bekannt, und sie können es problemlos bestätigen. Für Klienten ist es oft hilfreich, zu hören, dass sie so, wie sie sind, in Ordnung sind. Sie haben ihr Sosein bislang als mangelhaft oder problematisch eingeordnet und erleben eine große Erleichterung, wenn im Gespräch deutlich wird, dass sie so wie sind, sein dürfen und sein sollen. Darüber hinaus sollen sie aber auch Neues über sich entdecken und erfahren, um bisher verborgene und latente Möglichkeiten ihrer kosmischen Struktur, die bislang im Schatten lagen, integrieren oder fördern zu können.
    • Beratende Astrologin zu sein, bedeutet eine Mischung aus Arzt, Therapeut, Seelsorger und Coach zu sein. „Systemische Beratung“ (ein Begriff, der sich aus der Familientherapie entwickelt hat) zur Stärkung der Ressourcen und Kompetenzen, die sich aus dem Horoskop ergeben, ist für die astrologische Beratung optimal. Darin schwingt der Begriff „Ganzheitlichkeit“ mit. Es bedeutet, die Klienten als Ganzes wahrzunehmen, ihr Umfeld und ihre Herkunft, ihre Wünsche und Ziele mit einzubeziehen und die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
    • Einsicht in die eigene Situation
    • Wichtig ist es für die Beraterin, sich der eigenen Wertvorstellungen und Grenzen bewusst zu sein. Es ist zu klären, aus welchen Motivationen heraus man zu bestimmten Einschätzungen und Deutungen kommt, also das Erkenntnisinteresse ist wichtig (Jürgen Habermas). Welche Vorurteile habe ich selbst? Welche Erwartungen habe ich an die Klientin, an das Gespräch, an das Ergebnis? Je mehr sich die Beraterin mit der eigenen Psyche auskennt, z.B. durch eigene Therapieerfahrungen, desto klarer kann sie die eigene Situation einordnen. Das hilft ihr zu der nötigen Distanz, wenn sie durch die Anliegen der Klienten selber emotional involviert wird. Eigene unverarbeitete Probleme werden sonst auf die Klienten projiziert. Selbsterkenntnis gilt auch für die Beraterin.
    • II. Vorgespräch
    • Wenn ein Klient zum ersten Mal in der Praxis anruft, gibt es meist schon eine Vorentscheidung, dass man zu dieser Astrologin gehen will. Meine Erfahrung ist, dass viele Klienten sich im Vorfeld im Internet auf meiner Homepage www.astrologie-zentrum-hannover.de informiert haben und nun einen persönlichen Eindruck gewinnen wollen.
    • Andere Klienten kommen über das Branchenbuch „Gelbe Seiten“ und sind dann nicht vorab informiert, und ein kleiner Teil der Klienten kommt auf Empfehlung.
    • Das Erstgespräch findet telefonisch statt. Jemand ruft an und interessiert sich für eine Beratung. Für mich ist sehr wichtig, dass ich keine anonymen Gespräche führe. Die meisten Anrufer nennen sofort ihren Namen. Wenn ich eine Unsicherheit spüre, biete ich an, den Beratungsablauf zu erläutern. Das hilft den allermeisten Anrufern über ihre Ängste hinweg. Sie können dann klarer ihre eigenen Fragen und Unsicherheiten formulieren.
    • Wenn jemand unsicher ist, ob astrologische Beratung in seiner Situation das Richtige ist, erläutere ich in diesem Vorgespräch die Möglichkeiten der Deutung des Geburtshoroskops und des Jahreshoroskops. Meistens sind diese Menschen in einer Krise und hadern mit sich selbst, dann kann ein Radix (Geburtshoroskop) ihnen zu mehr Selbsterkenntnis verhelfen. Über Jahreshoroskope kann man die aktuelle Situation analysieren und gegebenenfalls Lösungswege aufzeigen. Ich benenne dabei immer klar die Grenzen der Prognose. Ich lehne konkrete Prognosen ab, erstens aus grundsätzlichen philosophischen Gründen (Freiheit des Menschen), zweitens, weil ich glaube, dass wir bei der konkreten Prognose Menschen nicht helfen, sondern sie eher einengen. Man darf die Macht des Wortes nicht unterschätzen. Todesprognosen sind für mich tabu. Wenn dieser Punkt geklärt ist, geht es darum, ob der Anrufer sich für die Beratung entschließen kann. Dazu erläutere ich ihnen, wie es weitergeht, falls sie sich für eine Beratung entscheiden.
    • Im Falle eines Auftrages nehme ich als erstes den Namen und die Adresse des Klienten auf, anschließend notiere ich Geburtsdatum, Geburtsort und Geburtsuhrzeit. Danach finden wir einen Termin für das Gespräch, das ca. 1 ½ Stunden dauert und immer auf Kassette oder CD aufgenommen wird. Die Kosten benenne ich ebenfalls. Die Erstberatung kostet derzeit (März 2010) 150 Euro. Ich notiere mir die Wünsche des Klienten, seine Anliegen, Schwerpunkte, sei es Grundsätzliches zur Persönlichkeit, Selbsterkenntnis, berufliche Fragen, Partnerschaft, Gesundheit oder ähnliches. Diese Themen werden in astrologischen Beratungen am häufigsten angesprochen.
    • Schließlich frage ich, ob das so für den Anrufer in Ordnung ist. Die meisten Klienten entscheiden sich sofort für die Beratung. Einige wenige wollen noch mal darüber nachdenken. Die Hälfte davon ruft dann einige Tage später wieder an, um einen Termin zu vereinbaren.
    • III. Vorbereitung
    • Heutzutage ist es selbstverständlich, die Berechnung des Horoskops dem PC zu überlassen. Es gibt inzwischen sehr gute professionelle Software, um fehlerfreie Horoskope zu berechnen und als Grafik auszudrucken. Dabei gebe ich immer auch einen Ausdruck der Horoskopgrafik den Klienten mit, außerdem ein allgemeines Erläuterungsblatt mit Grundsätzen zur astrologischen Deutung und Erklärungen der Symbole. Deutungstexte gibt es bei mir nicht. Computeranalysen sind wenig hilfreich und eher als Einstieg in die Astrologie interessant.
    • Im Vorfeld schaue ich das Horoskop an und notiere mir die astrologischen Hauptthemen. Dazu verwende ich bestimmte Deutungsschritte, die sich auf die Hauptachsen Aszendent–Deszendent und Medium coeli – Imum coeli beziehen sowie auf die wichtigsten Planetenkonstellationen und deren Aspekte. Alle relevanten Daten schreibe ich auf. Wenn mir Antinomien auffallen und sich daraus Fragen ergeben, notiere ich mir das ebenfalls. Diese Vorarbeit wird zum roten Faden für den Gesprächsverlauf.
    • IV. Durchführung
    • Wenn die Klienten kommen, ist alles vorbereitet. Das Aufnahmegerät steht auf dem Tisch. Horoskop, Papier und Stift liegen ebenfalls auf dem Tisch. Eine Kerze brennt, Blumen stehen auf dem Tisch, ebenso Mineralwasser und Gläser. Außerdem biete ich immer ein Heißgetränk an, sei es Kaffee, Cappuccino oder Tee. Dadurch entsteht eine angenehme Atmosphäre. Die Klienten spüren, sie stehen jetzt im Mittelpunkt. Einige einleitende Sätze tragen dazu bei, dass sich die Klienten entspannen. Diese kleinen Rituale helfen uns und den Klienten, die erste Nervosität zu überwinden.
    • Erst danach beginnt die eigentliche Sitzung. in der ich die ersten Parameter des Horoskops erläutere und dann die Klienten frage, ob das für sie stimmig ist, ob sie sich in dem Gesagten wieder finden, ob sie das kennen. So entwickelt sich ein Gespräch, aus dem sich wichtige Themen heraus kristallisieren. Die Fragen und Anliegen der Klienten werden bearbeitet, und am Ende kläre ich, ob sie noch Fragen haben. Die meisten Klienten haben den Eindruck, dass sie viele Informationen bekommen haben, so dass sie froh sind, mit Kassette oder CD sich das Besprochene noch einmal in Ruhe anhören zu können, und dass sie sich gut fühlen. Viele Klienten verlassen die Räume mit einem Zugewinn an Hoffnung und Zuversicht und sprechen das auch aus.
    • Beratungen dauern bei mir maximal 1 ½ Stunden. Nach meiner Erfahrung ist das optimal. Längere Gesprächszeiten führen nach meiner Einschätzung zu Konzentrationsschwäche auf beiden Seiten.“
  • Nach meiner persönlicher Erfahrung und Einschätzung entspricht diese Selbstdarstellung von Frau Becker-Baumann dem Leitbild des Berufsverbandes DAV und wird deshalb von mir für die folgenden Überlegungen in dieser Arbeit als Referenz, prototypypisch, für eine seriöse astrologisch-psychologische Beratung zugrundegelegt.
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