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Aus den “Apokryphen der Astrologie”:

Simone Eggers:

 

Moderne Astrologie in der religiösen Gegenwartskultur

 

Vorwort

 

Wer zum Jahreswechsel die Titelseiten sogenannter Frauenzeitschriften überfliegt, bekommt schnell mit: Horoskope sind sehr gefragt. Sie erhöhen die Auflage, andernfalls würde nicht in so großen, dickgedruckten Lettern (und meist direkt unterhalb des Magazinnamens) mit ihnen geworben. So steht etwa auf dem Cover der Zeitschrift Brigitte Young Miss vom 11.12.2002 zu lesen: „2003 ist da! Das große Jahreshoroskop.“ Ein Extraheft mit dem Jahreshoroskop 2003 enthalten auch das Magazin Woman vom 17.12.2002 sowie Allegra in ihrer Januarausgabe 2003. Hierbei handelt sich nicht um Einzelfälle. Auch andere „Orakeltechniken“, wie etwa I Ging, Feng Shui oder Tarot, werden der Allgemeinheit in popularisierter Form näher gebracht.

Nun sind Zeitungshoroskope an sich wahrlich nichts Neues oder Außergewöhnliches. In vielen Zeitungen und Zeitschriften findet sich irgendwo eine, wenn auch nur kleine, Horoskopspalte, in der den 12 Tierkreiszeichen Ereignisse prognostiziert werden. Doch die Nachfrage nach Hilfestellung zur Bewältigung des Alltags und Alternativen der Entscheidungsfindung durch Methoden, die man landläufig mit dem Etikett „esoterisch“ oder „okkult“ (wohl im Gegensatz zu wissenschaftlich fundiert) versieht, scheint sich seit Jahren immer mehr zu verstärken. Diese Tendenz macht sich vor allem auch auf dem Buchmarkt bemerkbar, ganz abgesehen von Fernsehsendungen, wie beispielsweise das Astro-Magazin „Jupiter & Co.“ des Senders NEUN LIVE.

Das Bild von Astrologie in der Öffentlichkeit ist vornehmlich durch die populäre Variante der Astrologie geprägt, die keinen konkreten weltanschaulichen Hintergrund bietet und sich überwiegend auf Sonnenstandshoroskope beschränkt, wie sie etwa in vielen Zeitschriften zu finden sind. Auf dem astrologischen Buchmarkt finden sich Deutungsbücher unterschiedlicher Couleur; manche sind ohne psychologische Vorkenntnisse schwer verständlich, andere stark vereinfacht. Selbst namhafte Astrologen scheuen sich nicht, „dem Laien verständliche Fachliteratur“ zu produzieren, die sich teilweise ebenfalls nur auf den Stand der Sonne im Horoskop bezieht, die Menschen werden so lediglich zwölf Typen zugeordnet, den zwölf „Sternzeichen“.

 

Die Herangehensweise an Astrologie kann aber auch wesentlich komplizierter und differenzierter sein, wie etwa bei der Deutung eines individuellen Horoskops, dessen Erstellung nicht nur die Kenntnis des Geburtsdatums, sondern auch die Angabe der (genauen) Geburtszeit und des Geburtsortes voraussetzt.

Astrologie ist also nicht gleich Astrologie, aber in jedem Fall ein bedeutendes soziologisches Phänomen, wie schon der Parapsychologe Prof. Dr. Hans Bender feststellte: „Der astrologische Glaube ist eine soziologische Realität mit mannigfachen Erscheinungsformen, die schon als solche ernst genommen werden muß.“.

 

 

Einleitung

 

Inwiefern auch Sonnenstandshoroskope in Zeitungen ihre Berechtigung haben können oder vielmehr könnten, zeigte der Astrologe Alexander von Prónay bereits 1975 in Sterne in uns.

In der vorliegenden Arbeit wird jedoch die gegenwärtige Auseinandersetzung mit den Formen von Astrologie dargestellt, die mit individueller Beratung zu tun haben und die mit (mehr oder weniger anspruchsvoll) angestrebter Selbsterkenntnis und Sinnsuche zusammenhängen. Der Schwerpunkt liegt folglich auf den Inhalten der sogenannten seriösen Astrologie, die der Pädagoge und Astrologe Schubert-Weller wie folgt definiert: „Seriöse Astrologie macht charakterliche und biographische Grundstrukturen sichtbar und versucht auf dieser Grundlage eine realistische Einschätzung jeweils aktuellen Strebens und Verhaltens beim Individuum.“

Im allgemeinen bewegt sich Astrologie eher in einem Spannungsfeld von Religion und Wissenschaft, so daß sie einerseits als Möglichkeit der Weltdeutung religiöse Fragen berührt, andererseits der Versuch unternommen wird, sie durch empirische Untersuchungen in den Kreis akademischer Disziplinen zurückzuholen, und zwar als eigenständige Wissenschaft.

 

Zunächst einmal werden die Grundlagen der Astrologie erörtert, um aufzuzeigen, was der Begriff „seriöse Astrologie“ impliziert. Im Anschluß erfolgt die Darstellung der Astrologie des 19. Jahrhunderts und ihre Weiterentwicklung durch die Psychoanalyse, soweit sie einen Einfluß auf gegenwärtige astrologische Strömungen erkennen läßt, wozu auch die traditionelle Einbettung der Astrologie in esoterische Wissensgebiete gehört.

Die Versuche, Beweise für die Gültigkeit astrologischer Aussagen anhand von statistischen Untersuchungen zu belegen, sowie das Verhältnis von Astrologie und Wissenschaft werden im vierten Kapitel behandelt.

Die religionswissenschaftlich bedeutsame Frage nach dem religiösen Charakter der Astrologie wird erst im Anschluss daran erläutert, weil zunächst geklärt werden muß, was Astrologie sein möchte und in welcher Weise sie angewandt werden kann. An dieser Stelle erfolgt auch eine Zuordnung des astrologischen Weltbilds zu den Bereichen New Age und Neue Religiöse Bewegungen.

Abschließend wird auf die Rezeption der Astrologie im Rahmen des Christentums eingegangen.

Im Vordergrund steht bei allem die Genethlialogie, die sich auf die „Auswertung der Gestirnskonstellation bei der Geburt (seltener Empfängnis) eines Menschen“ bezieht:

„Genethlialogie (griech. Genethlios = Geburtstag) ist Individual-Astrologie.“

Auf eine detaillierte Darstellung der verschiedenen Ansätze, seriöse Astrologie zu betreiben, wird in der vorliegenden Arbeit verzichtet. Das Hauptaugenmerk wird auf der Entwicklung der Klassischen Tradition liegen, deren „Ansätze auf die griechische Antike zurückgehen“ und die, nach Meinung Schubert-Wellers, als „»Mutter« aller astrologischen Schulen und Systeme gelten kann“.

Für eine Darstellung der astrologischen „Landschaft“ können unterschiedliche Quellen herangezogen werden. Im Bereich der „seriösen Astrologie“ sind dies Bücher, (astrologische) Fachzeitschriften, aber auch das Internet. Vorrangig werden in dieser Arbeit Publikationen namhafter Astrologen sowie Beiträge von Religionswissenschaftlern, Soziologen und Theologen zitiert.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen Einblick in die Astrologie der Moderne zu geben und ihre verschiedenen Strömungen vorzustellen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den gegenwärtigen Entwicklungen im deutschsprachigen Raum. Dies soll nicht darüber hinweg täuschen, daß jede Kapitelüberschrift für sich genommen das Thema einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit darstellen könnte.

Zunächst einmal wird der Frage nachgegangen, was die Astrologie zu einem religionswissenschaftlichen Forschungsgegenstand macht? Zu diesem Zweck wird untersucht, was Astrologie sein möchte, wobei auf ihren historischen Ursprung eingegangen wird.

 

 

1. Die Grundlagen der Astrologie

 

1.1 Was ist Astrologie?

 

Zum Einstieg empfiehlt es sich, den Begriff „Astrologie“ konkret zu erläutern. Dem ethymologischen Gehalt nach bedeutet Astrologie dabei zunächst einmal nichts anderes als „»Lehre von den Gestirnen«“. Ein Blick in den Duden eröffnet folgende Perspektive:

  • Astrologie: […]Lehre, die aus der mathematischen Erfassung der Örter u. Bewegungen der Himmelskörper sowie orts- u. zeitabhängiger Koordinatenschnittpunkte Schlüsse zur Beurteilung von irdischen Gegebenheiten u. deren Entwicklung zieht.
  • Der Pastoraltheologe Hermann Kochanek macht deutlich, worum es dabei eigentlich gehe:
    • In der Wiederentdeckung der Sterne kommt die Annahme zum Ausdruck, daß es eine verborgene Entsprechung zwischen den vom Menschen wahrgenommenen Gestirnsbewegungen und seinen irdischen Geschicken geben muß, die sich mit Hilfe eines Regelsystems deuten läßt.
  • Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Astrologie im Hinblick auf ihr Bestreben, einen Sinn in kosmischen Vorgängen zu entdecken, deutet der Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad an, wenn er schreibt:

    • Die Welt deutend zu erfassen, die Wirklichkeit auf ihre verborgene Symbolik hin zu untersuchen, auf geheime Zusammenhänge und zugrunde liegende Strukturen, ist seit jeher ein wesentliches Ziel menschlichen Nachdenkens gewesen. Das kulturgeschichtlich bedeutendste Ergebnis solchen Forschens dürfte die Astrologie sein, mit deren Hilfe eine genaue Beschreibung vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Zeitqualitäten möglich ist.
  • Während die Naturwissenschaften kausale Ursache-Wirkungs-Verhältnisse analysieren, wobei sich zum Beispiel die Astrophysik mit physikalischen Eigenschaften der Planeten sowie möglicher physikalischer Einflüsse auf das irdische Leben beschäftigt, folgt die Astrologie einem anderen Denkmuster:

    • Die Astrologie geht nicht von einem kausalen Wirklichkeitsmodell aus, nach dem die Planeten in irgendeiner Weise einen meßbaren “Einfluß“ auf irdische Vorgänge ausüben. Vielmehr liegt ihr ein Modell zugrunde, welches die Sternenbewegungen mit anderen Ebenen der Wirklichkeit durch ein Band der Entsprechungen verknüpft sieht. Die Planeten sind mithin die Anzeiger übergreifender und alles beeinflussender Energien, kausale Verknüpfungen werden hier nicht angestellt.
  • Innerhalb dieses Wirklichkeitsmodells existieren jedoch unterschiedliche Schulrichtungen, die sich ebenso unterschiedlicher Methoden bedienen. Wilhelm Knappich, der ein Standardwerk zur Geschichte der Astrologie schuf, betonte daher die „Unmöglichkeit, für das Gesamtgebiet der Astrologie eine einheitliche Erklärungshypothese aufzustellen“. Allen Astrologen, gleich welcher Provenienz, gehe es jedoch darum, die Zeitqualität zu erfassen, da sie davon ausgingen, daß „Zeit als ablaufende und sich verbrauchende Zeit nicht nur Quantität ist, sondern auch Qualität hat“. Astrologie ist also mit anderen Worten »„gedeutete Zeit“«.

    In der Tat spielt der Begriff der „Zeitqualität“ in Bezug auf die Astrologie eine große Rolle. In Zusammenhang mit der Philosophie Henri Bergsons berichtet Stuckrad:

    • Die Astrologie ist das Bindeglied zwischen den meßbaren physikalischen Zeitabschnitten und dem nur qualitativ erfaßbaren Erleben der Zeit. Mit ihrer Hilfe wird die subjektive Dimension der Zeit in eine physikalische und damit berechenbare Sprache übertragen; der Mensch wird folglich in die Lage versetzt, an jedem beliebigen Punkt auf der Zeitachse einen senkrechten Schnitt anzusetzen und – je nach Können – die genaue Qualität dieses Zeitpunktes zu eruieren. Gerade in der Befähigung zur freien Bewegung auf der Zeitachse ist die Faszination der Astrologie zu sehen, die ihr seit jeher einen Sonderstatus unter den Disziplinen der Wirklichkeitsdeutung zuerkannte.
  • Diese Gemeinsamkeit ermöglicht einen Zusammenschluss von Astrologen in Berufsverbänden: „Gegenwärtig gibt es in Deutschland fünf große astrologische Verbände, die sich vor wenigen Jahren in einem Grundsatzpapier auf gemeinsame Statuten geeinigt haben.“
  • Der Dachverband Deutscher Astrologen-Verband e.V. (DAV) wurde am 16.10.1947 in Wiesbaden gegründet. Es handelt sich jedoch nicht unbedingt nur um einen Berufsverband, da viele Mitglieder Amateure sind, ein Umstand, der nach Schubert-Weller kennzeichnend ist: „Die Berufsastrologen machen nur einen verhältnismäßig geringen Anteil der in Deutschland organisierten Astrologen aus.”

    Die aktuelle Mitgliederzahl der AstrologInnen im DAV beträgt nach eigenen Angaben 931, davon sind 190 geprüfte Mitglieder. Der Frauenanteil ist mit 671 Personen recht hoch.

    Diese Verbände organisieren auch Ausbildungsgänge für Astrologie, beispielsweise über Fernkurse. So unterhält auch der DAV Ausbildungszentren in mehreren deutschen Städten, zum Beispiel Berlin, Hamburg, Köln, Stuttgart und Freiburg. Die erste Dachorganisation astrologischer Vereine in Deutschland wurde im übrigen bereits 1910 von Karl Brandler-Pracht gegründet und nannte sich „Deutsche Astrologische Gesellschaft“ .

    Eine Übersicht über die heutzutage geläufigen „Zweige der Astrologie“ (“Branches of Astrology“) findet sich in dem Artikel „Astrology“ der Encyclopedia of the Paranormal. Obwohl hier die englischsprachigen Astrologie-Publikationen untersucht wurden, eignet sich die Übersicht dennoch, die Vielfalt astrologischer Erscheinungsformen aufzuzeigen. Für den deutschen Sprachraum empfiehlt sich das Werk Wege der Astrologie von Christoph Schubert-Weller.

    Der Deutsche Astrologen-Verband zählt zur Revidierten Klassik. Was bedeutet das? Nach Wilhelm Knappich ist Klassische Astrologie der „Ausdruck für die gelehrte Astrologie des 15.-17. Jahrhunderts“. Schubert-Weller fügt hinzu, daß seit der Renaissance eine Weiterentwicklung stattgefunden habe, so daß die traditionelle Klassische Astrologie heutzutage als Revidierte Klassik bezeichnet würde:

    • »Revision« bedeutet auf der methodischen Ebene eine Sichtung der astrologietechnischen Ansätze und eine Zurückweisung all jener Techniken, deren Gebrauch astronomisch nicht begründbar ist und die sich empirisch als wenig valide erwiesen haben. »Revision« inhaltlich bedeutete und bedeutet, daß die Zielsetzung der Horoskopinterpretation neu bestimmt wurde. Die Deutung bewegte sich weg von der ereignisorientierten, schicksalsbetonten Interpretation des Horoskops hin zu einer charakterologischen, psychologischen und psychoanalytischen Interpretation.
  • Damit ist jedoch bereits eine spezielle Richtung von Astrologie angesprochen, die „das Horoskop als Mittel psychologischer Diagnose“ versteht, also eng an die Psychologie angelehnt ist und von weltanschaulichen Implikationen absieht. Doch was genau ist eigentlich ein Horoskop?

     

     

    1.2 Die Faktoren eines Horoskops

     

    Das Horoskop ist die bildliche Darstellung der „Stellung aller Gestirne im Geburtsmoment“ und bedeutet übersetzt in etwa „Stundenschauer“: „Im Wort »Horoskop« steckt das lateinische »hora« ( = die Stunde) sowie das griechische »skopein« ( = betrachten). Ein Horoskop zu erstellen bedeutet somit, die Zeit(qualität) eines bestimmten Moments zu betrachten und zu begutachten.“

    Dabei hat sich der Aufbau eines Horoskops durch die Jahrhunderte im wesentlichen nicht geändert, wie Schubert-Weller feststellt:

    • Man sollte sich aber klar machen, daß der Grundbestand auch der heutigen klassischen Astrologie – der zwölfteilige Tierkreis, die auch aus der Astronomie bekannte Planetenreihe des Solarsystems, Sonne und Mond eingeschlossen, die Arbeit mit den zwölf astrologischen Häusern, die sogenannten Aspekte der Planeten sowie von Sonne und Mond untereinander – in der Tat schon zum Bestand der antiken Astrologie gehörte.
  • Tatsächlich werden Sonne und Mond innerhalb der Astrologie als Planeten bezeichnet, ein Umstand, den Kritiker häufig bemängeln. Dieser Kritikpunkt wird von Astrologen mit dem Hinweis auf die geozentrische Sichtweise der Sterndeutung zurückgewiesen: „[Das Horoskop] zeigt die Konstellation so, wie sie sich einem Beobachter vom Standpunkt des Geburtsortes aus darstellt.“

    Welches Bild bietet sich dem Beobachter dar, das heisst, wie ist ein Horoskop konkret aufgebaut?

    • Die wichtigsten symbolischen Grundbausteine bilden die Planeten, deren Stellung im Tierkreiszeichen und gegenseitige Konstellationen (>Aspekte<) sowie die geometrisch konstruierte Himmelsmitte (Medium Coeli), aus der Aufgangs- und Untergangspunkt der Sonne zur Geburtszeit (Aszendent; Deszendent) wie die Himmelstiefe (Imum Coeli) errechnet werden.
  • Genauer gesagt sind folgende Elemente in einer Horoskopzeichnung abgebildet:

    • - 10 Planeten (Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto ), die astrologisch als Symbole f￿ bestimmte Prinzipien oder Wirkkr臟te gelten.
    • - 12 Tierkreiszeichen (Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Le, Jungfrau, Waage, Skorpion, Sch￿ze, Steinbock, Wassermann, Fische), die Eigenschaften versinnbildlichen sollen.
    • - 12 H舫ser, die (in der Astrologie) verschiedenen Lebensbereichen entsprechen. Sie beruhen auf der Еinteilung der Ekliptik (der Bahn, die die Sonne am Himmelsgewbe w臧rend eines Jahres beschreibt) in 12 Abschnitte￿
    • - Aspekte, d.h. Winkelbeziehungen der Planeten untereinander sowie zu den Achsen (Aszendent = Beginn des 1. Hauses, Deszendent = Beginn des 7. Hauses, Imum Coeli =Beginn des 4. Hauses, Medium Coeli =Beginn des 10. Hauses). Dabei werden ￿armonische￿(z.B. Trigon=120ー) und ￿isharmonische￿Aspekte (z.B. Quadrat=90ー) unterschieden.
  • All diese Elemente werden miteinander in bezug gesetzt und sollen so, im Falle eines individuellen Geburtshoroskops, ein charakterliches Gesamtbild ergeben. Darüber hinaus werden von einigen Astrologen noch weitere Faktoren berücksichtigt, so daß die oben genannten Faktoren nur die elementaren Grundlagen astrologischer Praxis darstellen.
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    1.3 Welche Funktion erfüllt Astrologie?

    • Dictionaries, encyclopedias, and astrology textbooks have defined astrology variously as a science, a supposed science, an art, a divinatory art, an art/science, a language, a philosophy, and as a system for self-understanding. But the majority of these works (roughly half) define astrology as the study of relationships between the stars and human affairs.
  • Dieses Zitat zeigt, daß die Antwort auf die Frage nach der Funktion der Astrologie variiert. Sie richtet sich nach dem Anliegen derer, die sich mit ihr beschäftigen und der Natur der „human affairs“, zu deren Klärung sie beitragen soll.

    Da im Horoskop alle Lebensbereiche aufgezeigt werden, beschränkt sich die Horoskopdeutung keineswegs auf menschliche Individuen, wie Howe ausführt:

    • Ein Horoskop kann sich auf die Geburt eines Menschen beziehen, auf ein Land (d. h. Datum und Uhrzeit der Unabhängigkeitserklärung, Unterzeichnung der Verfassung oder ein anderes wichtiges Ereignis), auf ein Schiff (Stapellauf), oder auf ein ungewöhnliches Geschehen wie ein Erdbeben, ein Eisenbahnunglück oder einen Mord. Ohne zusätzliche Informationen kann man nicht wissen, ob man das Horoskop eines Mannes oder einer Frau, eines Genies oder eines Idioten, eines Haustiers oder eines Gorillas oder eines Ereignisses vorliegen hat.
  • In der Tat hat die Astrologie „keinen geringeren Anspruch [hat] als den, einen Universalschlüssel zum Verständnis der Wirklichkeit darzustellen“. Aus diesem Grund existieren neben der individuellen Geburtshoroskopie andere Teilgebiete der Astrologie, wie beispielsweise die Mundan-Astrologie, die sich mit dem Weltgeschehen beschäftigt. So werden auch politische Ereignisse, wie etwa die Terroranschläge des 11.09.2001, astrologisch gedeutet. Der Deutsche Astrologen-Verband hat eine eigene Sektion für „Mundan- und Wirtschaftsastrologie“. Auf der Web-Seite „Astrotrade“ des DAV-Mitglieds Uwe M. Kraus werden „börsenastrologische Jahresexpertisen“ angeboten.

    Die Analyse der Gestirnsbewegungen kann folglich zur Deutung verschiedener irdischer Phänomene verwendet werden. Heutzutage wird sie aber hauptsächlich zur Erklärung menschlicher Verhaltensweisen genutzt, wie es das Thesenpapier astrologischer Vereinigungen andeutet:

    • Astrologie ist die älteste Typologie der Menschheit und damit die älteste Lehre von den Erscheinungsformen körperlicher, seelischer und geistiger Beschaffenheit des Menschen. Sie ist die Deutung räumlicher Verhältnisse und zeitlicher Abläufe in unserem Sonnensystem, d.h. sie ist das einzige Wissensgebiet, das sich der Bewegung der Planeten und Bezugspunkte unseres Sonnensystems bedient, um das Wesensgefüge eines Menschen zu erfassen.
  • Schubert-Weller verdeutlicht den Analogie-Charakter dieser Deutungskunst, wenn er schreibt, die Astrologie behaupte „eine Entsprechung zwischen dem Gang der Planeten und dem irdischen Geschehen“, wobei die Planetenkonstellationen „symbolisch-abstrakt menschliche Charakter- und Entwicklungsstrukturen“ widerspiegelten.

    Anstelle der Vorhersage konkreter Ereignisse, die als deterministisch abgelehnt werden, beschäftigt sich die moderne Astrologie mit astrologischen Symbolen, um Tendenzen aufzeigen zu können, die aus den Charakteranlagen des Klienten abgeleitet werden: „Ihrem Wesen nach ist die Astrologie ein Mittel der Diagnose. Sie macht Strukturen, Strebungen, Einstellungen, Verhaltensweisen sichtbar.“ Damit erhält Astrologie eine Orientierungsfunktion. Die Horoskopdeutung soll „eine Hilfe auf dem Weg zu mehr Selbsterkenntnis und zur Bestimmung von Begabungen und Schwächen des Menschen“ sein.

    Da diese Selbsterkenntnis aber nicht auf der Auswertung psychologischer Tests oder ähnlicher wissenschaftlich anerkannter Forschungsmethoden basiert, stellt sich die Frage nach der Begründung der Astrologie. Welche Denkweise steht hinter ihr? Einen ersten Hinweis darauf erhält man, wenn man sich den Entstehungszusammenhang der Astrologie ansieht. Im folgenden wird gezeigt, daß die Astrologie ihre Wurzeln in der Gestirnsverehrung hat, sie daher also „in vollem Sinne religiösen Ursprungs“ ist.

     

     

    1.4 Die Herkunft und Verbreitung der Astrologie

     

    Es ist nahezu unmöglich, über moderne Astrologie zu sprechen, ohne auf ihre Wurzeln einzugehen. In der Tat wird häufig auf die astrologische Tradition verwiesen. So beruft man sich auch im Thesenpapier auf eine „in Jahrtausenden gewonnene Erfahrung“. Der Religionswissenschaftler Gustav-Adolf Schoener sieht dabei vor allem die Astrologie der Spätantike als maßgeblich für die heutige Zeit an, wie bereits bei Schubert-Weller im oben erwähnten Zitat zu den Grundlagen des Horoskops anklang (vgl. Seite 9). Daher ist es nicht verwunderlich, daß die Tetrabiblos des Ptolemäus noch immer als „Hauptwerk der klassischen Astrologie“ eingestuft werden. Sie erschienen im Jahr 2000 zum zweitenmal als neue Ausgabe im Chiron Verlag. Im Vorwort schreibt Thomas Schäfer: „Allein die historische Wirkung der Tetrabiblos sollte für den heute praktizierenden Astrologen Anreiz genug sein, sich mit dem Text auseinanderzusetzen.“ Darüber hinaus gibt Schäfer auch ein paar Anregungen, wie Astrologen der Gegenwart die Bücher verwenden können.

    Die Anfänge der Astrologie reichen aber weiter zurück in jene Zeiten, in denen die Gestirne als Gottheiten verehrt wurden:

    • Bei den Wegbereitern der Himmelskunde, den Sumerern und Babyloniern, war das Zeichen ihrer Keilschrift für Gott ein Stern, und in vielen Sprachen findet sich das Wort Gott als Ableitung aus dem sanskritischen div, das »erhellen« oder »leuchten« bedeutet.
  • Bereits in der „mesopotamische[n] Gestirnsreligion“ brachte man die Planeten mit bestimmten Eigenschaften in Verbindung und ihre Namen waren mit denen der Gottheiten identisch, wobei „diese Verbindung als Zuordnung, aber auch als Identifikation von Gottheit und Gestirn gedacht werden“ könne. An den Zuschreibungen hat sich bis zum heutigen Tag nichts Grundsätzliches verändert, nur die Namen wurden „den jeweiligen Kulturen und Sprachen angepasst“. So erhielten die Planeten in hellenistischer Zeit griechische und von den Römern lateinische Namen, die sich bis heute erhalten haben. Als Zuordnungen babylonischer, griechischer und römischer Gottheiten nennt Ebach:

    • Dabei entspricht bab. Nabu griech. Hermes (seltener Apollon) und röm. Merkur; der bab. Ischtar entspricht griech. Aphrodite, röm. Venus – bab. Nergal, griech. Ares (seltener Herakles), röm. Mars – bab. arduk, griech. Zeus, röm. Jupiter – bab. Ninib, griech. Kronos, röm. Saturn.
  • Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen Planetengöttern und der Benennung der Wochentage: „Unsere Sieben-Tage-Woche ist – besonders deutlich in den romanischen Sprachen nachzuvollziehen – nach den sieben Planetengöttern benannt.“ In einem Buch aus dem Jahre 1925 heißt es dazu:

    • Da die alten Planetenkräfte allen alten Kulturvölkern bekannt waren, schufen sich auch alle ihre gemäßen Symbole in Göttergestalt, die stets dieselben Kräfte versinnbildlichen sollten. Venus zum Beispiel ist die germanische Freya, die griechische Aphrodite, die semitische Astoreth, die indische Lakschmi, die ägyptische Hathor u. s. w. Venustag, französisch vendredi, ist derselbe Tag wie der Freyas: Freitag usw.
  • Ebach weist darauf hin, daß „in den germanischen Sprachen die in den romanischen durchweg erhaltenen römischen Götternamen weithin durch deren germanische Äquivalente ersetzt wurden“.
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    Neben dem mesopotamischen ist auch ein ägyptischer Ursprung der Astrologie denkbar, bei dem man sich auf die Offenbarungen des Hermes Trismegistos, stützt, der am Anfang der nach ihm benannten hermetischen Tradition steht: „Welche Traditionslinie die ursprüngliche ist oder ob beide parallel verlaufen, lässt sich heute kaum noch feststellen. Dafür reicht das historisch überlieferte Material nicht aus.“ Auf Hermes Trismegistos bezieht sich auch die moderne esoterische Astrologie, wie in Kapitel 2 gezeigt wird.

    Die jeweiligen Besonderheiten mesopotamischer und ägyptischer Astrologie werden bei Knappich erläutert. An dieser Stelle sei nur auf die Iatromathematik hingewiesen, die in der ägyptischen Astrologie eine große Rolle spielte und noch heute in der medizinischen Astrologie bedeutsam ist.

    Schon in den Anfängen der Sterndeutung „bildete sich allmählich auch der wissenschaftliche Zweig der Astrologie heraus“, da zwischen Astrologie und Astronomie noch nicht unterschieden wurde:

    • Die Tempelbauten dienten nicht nur der Verehrung der Gestirngötter, sondern auch der Beobachtung und Berechnung der sichtbaren Himmelskörper. Diese Berechnung […] gehörte zur Ausübung der Religion. Sie diente der Erforschung des Willens der Gestirngötter, nämlich ob diese Kriege oder Friedenszeiten, Krankheiten, Hungersnöte oder reiche Ernte sandten.
  • Der Artikel zum Thema „Sternenkult der Ur-Germanen“, den das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in seiner Ausgabe vom 25.11.2002 veröffentlichte, zeigt eine neue Forschungsrichtung auf, die den derzeitigen Kenntnisstand bezüglich der Sternbeobachtung vergangener Kulturen noch erheblich erweitern könnte. Darauf deutete bereits der in Heft 40/2002 erschienene Bericht über den Fund der Himmelsscheibe von Nebra.

    Während bei der Suche nach den Ursprüngen der Wissenschaft bisher „allein die Hochkulturen des Südens im Zentrum des Interesses [standen]“ beschäftige sich die „Archäoastronomie“ nun auch mit den astronomischen Kenntnissen der Megalithkultur. Erstaunlicherweise ist in diesem Artikel lediglich von der Astronomie die Rede; der Begriff Astrologie wird in diesem Artikel kein einziges Mal genannt, obwohl auf diesen Hintergrund hingewiesen wird: „Schon Homo Feuerstein versuchte, dem Firmament Sinn und Bedeutung einzuhauchen. […] Aus den Sternen destillierte der Mensch seine Götter.“ Es handelt sich hierbei jedoch um einen Anachronismus, da Astronomie als eigenständiger Begriff jüngeren Datums ist und keine Sinngebung zum Ziel hat, sondern lediglich die Berechnung der Himmelskörper: „Solange Beobachtung und Deutung des Laufs der Gestirne zusammengehören, sind Astrologie und Astronomie weder sachlich noch begrifflich zu trennen (bis ca. 4. Jh. n. Chr.).“

    Dennoch finden sich in besagtem Artikel durchaus Anklänge an die damalige religiöse Bedeutung der Gestirne, etwa in Begriffen wie „Astro-Tempel“ für die „vielleicht älteste Sternwarte der Welt“, in der „Sternenpriester“ tätig gewesen sein sollen. Diese „Astro-Priester“ waren nicht nur Astrologen, sondern „gleichzeitig Priester und übten im Staat eine wichtige politische Funktion aus“.

    Wie bereits durch die Erwähnung der Tetrabiblos angedeutet, sind die Vorläufer der heutigen Astrologie allerdings vielmehr im Hellenismus zu suchen, was folgendes Zitat belegt:

    • Die babylonische Astralmythologie und Ansätze eines Tierkreiszeichensystems wurden im Hellenismus (4.-1. Jhd.v.Chr.) mit den heute noch gültigen Sternbildern griechischer Herkunft angereichert. Die Sterndeutekunst entkoppelte sich damals vom altorientalischen Kultzusammenhang und bildete die individuelle Horoskoptechnik aus.
  • Auf diese Weise sei „das System der klassischen Astrologie, das in Grundzügen bis in unsere Zeit Bestand hat“ begründet worden.

    Folglich war es das antike Griechenland, daß durch seine Betonung des Indivuduums die „individuelle Geburtsastrologie“ hervorbrachte: „Während in früherer Zeit die Belange des Staates und natürliche Ereignisse – wie Wetter und Erdbeben – von den Astrologen beobachtet wurden, kam nun hinzu, daß auch für einzelne Menschen Horoskope erstellt wurden.“ Dabei war und ist die Astrologie von jeher durch synkretistische Entwicklungen geprägt und weist ein hohes Maß an Kompatibilität in bezug auf Religionen auf, das heißt, sie ist in der Lage, „sich unterschiedlichsten religiösen und philosophischen Systemen anpassen zu können“, wie das folgende Zitat zum Ausdruck bringt:

    • Beide Strömungen der Astrologie, die mesopotamische und die ägyptische, fließen in hellenistischer Zeit ineinander, werden durch andere Religionen und Philosophien befruchtet und finden dann auch in die großen Religionen Eingang – in das Judentum und das Christentum, später dann in den Islam.
  • In der Tat ist ihre Präsenz „in allen großen Religionen und allen Kulturen“ ein entscheidendes Merkmal der Astrologie. So beschränkt sich astrologisches Gedankengut nicht auf die bereits genannten Kulturen. Im europäischen Raum bekannt sind außerdem beispielsweise die indische oder auch die chinesische Astrologie. Die fernöstlichen Astrologietraditionen unterscheiden sich deutlich von der abendländischen Sternkunde, und das nicht nur aufgrund ihrer Methodik, sondern vor allem auch im Hinblick auf ihre gesellschaftliche Akzeptanz: „In Buddhismus und Hinduismus gehörte die Astrologie seit jeher zum Kernbestand religiöser Theorie und Praxis […], was zu einer hochkomplexen Wissenschaft führte, die als wichtige Beraterin in Politik und Wirtschaft auftritt […].“
  • Für Kocku von Stuckrad „entwickelte sich die Sternkunde zur maßgeblichen Disziplin abendländischer, aber auch östlicher Geistigkeit und steht sowohl historisch als auch systematisch am Anfang jeglicher Esoterik“. Dabei sei „die jüngere Geschichte der abendländischen Astrologie eng mit der Theosophie verknüpft“, wie Christoph Schubert-Weller feststellt. Daher beschäftigt sich das folgende Kapitel mit dem Wiederaufkommen der Astrologie im 19. Jahrhundert, wobei zunächst auf den heutzutage geradezu inflationär verwendeten Ausdruck „Esoterik“ näher eingegangen wird.

     

    2. Die Verankerung der Astrologie in der Esoterik

     

     

    2.1 Zum historischen Verhältnis von Esoterik und Astrologie

    • Als aber die Naturwissenschaften sich von der Theologie freimachten und ein Eigenleben begannen – ein Prozeß, der im Christentum und im Islam schon im 12. Jahrhundert beginnt –, konnte sich der eigentliche esoterische Bereich breitmachen, der dann mit einsetzender Renaissance den Berührungspunkt von Metaphysik und Kosmologie bildete, d.h. wie eine außertheologische Form von Verbindung des Einzelnen zum Universalen funktionierte.
  • Das obenstehende Zitat verweist auf die historische Entwicklung der Esoterik als eigenständigem Begriff, wie sie Antoine Faivre in seinem Werk Esoterik nachgezeichnet hat. Zu Beginn zeigt der Autor, daß die ethymologische Deutung dieses Begriffes keinen Zugang zu seinen Inhalten bietet: „eso bedeutet »innerlich, im Innern«, und ter ist Ausdruck eines Gegensatzes“.

    Statt Esoterik mit »Geheimnis« oder »spirituellem Raum« in Verbindung zu bringen, favorisiert Faivre jedoch durchaus den Bezug auf ein »Inneres«, um den Begriff einzugrenzen. Es handelt sich dabei um einen Ausdruck, dem nicht etwa per se bestimmte weltanschauliche Bereiche zugeordnet werden können, sondern um etwas, das den Blickwinkel auf einen Bereich ausmacht und diesem so „eine spezifische Farbe verleiht“.  Somit verwendet Faivre eher den Terminus »esoterische Strömungen«, wie er überhaupt dafür plädiert, „statt des Substantivs so oft wie möglich das Adjektiv zu benutzen“. Faivre stellt klar, daß Esoterik „nicht an und für sich“ existiert, sondern vielmehr als eine „Denkform“ betrachtet werden sollte, die eine „Ganzheit von Tendenzen“ darstelle. Diese Denkform ordnet er dem mythischen Denken zu, welches dem rationalen Denken, wie es „sich im Abendland im Umfeld einer aristotelischen Logik entwickelt hat“, entgegengesetzt ist.

    Die bisherigen Ausführungen lassen bereits erkennen, daß die Astrologie, obwohl sie neben Alchemie und Magie eine der drei „Grundwissenschaften“ der Esoterik genannt wird, für Faivre nur als spezifisch esoterische Astrologie den esoterischen Strömungen zuzurechnen ist.

    Für die „Zuordnung eines Werkes zur Esoterik“ nennt Faivre vier wesentliche Kriterien, die nur dort, wo sie gemeinsam auftreten, auf Esoterisches deuteten:

     

    1. Die Entsprechungen: „symbolische und reale Wechselbezüge zwischen den sichtbaren und den unsichtbaren Teilen des Universums (»Wie oben, so unten; wie unten, so oben«)“. „Das gesamte Universum ist ein riesiges Spiegeltheater, ein großes Ensemble aus Hieroglyphen, die es zu entschlüsseln gibt.“

    Stuckrad hat gezeigt, daß das „Entsprechungsdenken als Voraussetzung astrologischer Wirklichkeitsdeutung“ zu betrachten ist.

    Der Begriff der Entschlüsselung ist auf dem astrologischen Sektor ebenfalls sehr gebräuchlich, wie folgende Buchtitel belegen: Astrologie und Seele. Der Mondknoten als Schlüssel zur Persönlichkeitsentfaltung oder das bereits zitierte Werk Horoskop als Schlüssel zum Ich. Christlicher Glaube und Astrologie.

     

    2. Die lebende Natur: d.h. das Prinzip der Beseeltheit des gesamten Kosmos. Dieses Prinzip ist auch der Astrologie eigen. Knappich erwähnt die Vorstellung von der „Allbeseelung der Natur“ im Hinblick auf die Anfänge der Astrologie.

     

    3. Imagination und Mediationen (Einbildungskraft und Vermittlungen): „Die Idee der Entsprechung setzt bereits eine Form von Einbildungskraft voraus, die in der Lage ist, alle Arten von Vermittler wie Rituale, Symbolsprache, Mandalas usw. zu erfassen und zu benutzen.“ Diese Imagination funktioniert als eine „Art Seelenorgan, dank dessen der Mensch eine kognitive und visionäre Verbindung knüpfen kann zu einer Zwischenwelt“. Auch die Astrologie verwendet eine „Symbolsprache“.

     

    4. Die Erfahrung der Transmutation: „Es geht darum, Erkenntnis (Gnosis) und innere Erfahrung oder intellektuelle Aktivität und aktive Imagination nicht zu trennen“, um eine „»Metamorphose«“ zu bewirken.

     

    Nach Faivre ist Astrologie dann esoterisch, wenn sie das Bedürfnis, „die Einheit von Mensch und Universum […] wiederzufinden“ erkennt und diese Erkenntnis „eine wahre Hermeneutik der »Zeichen« –, die sowohl eine Praxis als auch eine Gnosis integriert“, zur Folge hat. 

    Auf Faivre rekurrierend beschreibt Stuckrad Esoterik als eine Denkform, der im Grunde allerdings ein „sehr alte[s] Wirklichkeitsmodell“ zugrunde läge, „welches vom Platonismus über die Stoa, die Hermetik, die Gnosis und mystische Traditionen bis heute überliefert wurde“. Es handele sich um das Modell der Ganzheitlichkeit, des Holismus, wie es sich heutzutage in verschiedenen Disziplinen wiederfände.

    Wie Faivre macht jedoch auch Schubert-Weller darauf aufmerksam, daß „[d]ie Verknüpfung von Esoterik und Astrologie […] nicht zwingend“ sei. Doch dies sind spätere Entwicklungen, auf die an anderer Stelle näher eingegangen wird. Zumindest ist die „Wiedergeburt“ der Astrologie im 19. Jahrhundert auf esoterische Kreise zurückzuführen, und zwar auf die theosophische Bewegung:

    • Historisch gesehen waren es im ausgehenden 19. Jahrhundert vor allem die universalreligiösen Theosophen, die zunächst in England und dann im übrigen Europa den astrologischen Gedanken wieder belebten.
  • Ihren Ausgangspunkt nahm diese Entwicklung in den USA, da die Vereinigten Staaten die „Geburtsstätte der beiden bedeutendsten »okkulten« Bewegungen der Moderne: Spiritismus und Theosophie“ darstellen. So wurde auch die Theosophische Gesellschaft 1875 in New York gegründet.

    Es handelt sich dabei aber keineswegs um eine Auferstehung der Astrologie, nachdem diese etwa zwei Jahrhunderte lang in Vergessenheit geraten war. Vielmehr war sie durch die „Wogen der Aufklärungsphilosophie“ ins gesellschaftliche Abseits geraten, und überlebte nur in „Untergrund- und Randströmungen“. So beschreibt Ellic Howe in Uranias Kinder ausführlich, wie sich die Astrologie in Großbritannien (mit nur kurzer Unterbrechung) auch das 18. und 19. Jahrhundert hindurch weiter fortsetzte, in Deutschland hingegen „ab 1900 buchstäblich neu entdeckt werden mußte“. Bezogen auf Großbritannien fanden nach Howe Entwicklungen in zwei Richtungen statt:

    • In kleinerem Maßstab lebte die Astrologie in den 1780er Jahren wieder auf, zeitgleich mit einem neuen und etwas antiquiert wirkenden romantischen Faible für antike hermetische Disziplinen wie Magie und Alchemie. Daneben entstand eine neue Gruppe von Anhängern, für die die Astrologie vor allem prognostische Wissenschaft war, die ohne okkulten oder magischen Nimbus auf sicheren mathematischen Prinzipien basierte.
  • An diesem Punkt trennten sich zwei Strömungen: „Seitdem teilen sich die Astrologen in zwei Lager: die einen halten sie für eine hermetische oder esoterische Disziplin (wie die theosophischen Astrologen nach ca. 1890), die andern betrachten sie als Wissenschaft.“

     

     

    2.2 Von der Theosophie zur esoterischen Astrologie

     

    • In den Werken Madame Blavatskys finden sich immer wieder Anspielungen auf eine theosophische Kosmologie mit einer vage astrologischen Grundlage. Die Theosophen wußten also, daß es die Astrologie gab, auch wenn nur wenige ihre Techniken erlernten. Doch das war ausreichend, um den Kristallisationskeim einer unverwechselbar neuen astrologischen Bewegung zu bilden.
    • Die viktorianischen Astrologen und ihre Vorgänger betrachteten die Astrologie meist als prognostische Wissenschaft. Ihr Ansatz war eher utilitaristisch als esoterisch oder mystisch. Doch fortan sollte die Astrologie letzteres sein.
  • William F. Allen (1860-1917), „der als »Alan Leo« – Alan der Löwe – bekannt wurde, weil er im Zeichen des Löwe geboren wurde“ sorgte für die Verbreitung astrologischer Kenntnisse durch den Versand von Horoskopen: „Für ein geringes Entgelt wurde jedem Interessenten das eigene Tierkreiszeichen, der Aszendent und die Planetenstellungen zum Zeitpunkt der Geburt auf vervielfältigten Blättern gegeben.“ Dies geschah auf der Grundlage der „antiken Beschreibungen der Gestirne“ und sollte dem Einzelnen helfen, seine „persönliche Veranlagung und Aufgabe im Leben“ zu erkennen. Der Historiker Howe nennt jedoch einen anderen Engländer, den Journalisten Robert Cross Smith, als „Begründer der populären modernen Zeitungsastrologie“:

    • Smith ist einer der ersten in einer langen Reihe von Okkultismus-Schreiberlingen, wie sie seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts massenhaft auftraten. Seine journalistischen und literarischen Aktivitäten fanden bei den zeitgenössischen „wissenschaftlichen“ Astrologen nur wenig Gefallen, die seine Bemühungen ablehnten, ihre Kunst in populärer Form darzustellen.
  • An dieser Stelle nahm die populäre Zeitungsastrologie ihren Anfang, die sich bis zum heutigen Tag fortsetzt, und lediglich „eine gewisse Neugier und ein Bedürfnis nach Vergewisserung über die Zukunft […] befriedigen“ möchte.

    Unterhaltung war jedoch nicht das Ziel der Theosophen, wie das folgende Zitat Leos, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch „in deutschen Astrologie-Kreisen bekannt“ wurde, belegt:

    • Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, daß alle Astrologen, denen ich zu Beginn meiner Karriere begegnete, sich nur mit dem Horoskop begnügten… Es war klar, daß sie die Bedeutung der Symbole eines Horoskops nicht richtig verstanden…bis die Religion der Weisheit [die Theosophie] die alte Symbolik in einem neuen Licht erstrahlen ließ, und einige Astrologen die Strahlen dieses lebendigen Lichts auf die astrologischen Symbole richteten und so hinter den Schleier des Horoskops blicken konnten.
  • Mit dieser mystisch anmutenden Auffassung stand die Theosophie im krassen Widerspruch zur damals vorherrschenden Weltsicht. Das wissenschaftliche Weltbild des 19. Jahrhunderts war gekennzeichnet durch die Annahme eines deterministischen Universums, in dem „alle Naturphänomene […] unmittelbaren Naturgesetzen unterworfen“ waren: „Gemäß der Uhrwerks-Metapher wurde das Übernatürliche, das Irrationale und Transzendente als der natürlichen Welt nicht zugehörig ausgeschlossen.“

    Gegen diese Annahme wehrte sich die esoterische Astrologie:

    • Nach theosophischer Lehre ist die anerkannte Naturwissenschaft unvollständig, weil sie nur die äußere Hülle der Natur untersucht. Was in der Natur an lebendigen, geistigen Kräften wirkt, lässt sie dabei außer Acht. Deshalb – so die Theosophen – können auch die Planeten nicht nur als tote, physische Körper gesehen werden. Zwar sind sie das auch, aber in ihnen stecken und durch sie wirken lebendige Wesen.
  • 2.3 Alice A. Bailey
  •  

    Die Esoterikerin Alice Anne Bailey (1880-1949) erstellte selbst keine Horoskope, sondern „führte die von Blavatsky angelegten Linien einer esoterischen Gesamtinterpretation der Menschheits- und Weltentwicklung weiter“ und „erneuerte das astrologische Weltbild, indem sie den Kosmos – wie schon die Astrologen der Antike – religiös erklärte“.

    Astrologie war für Bailey keine exakte Wissenschaft im Sinne der Mathematik, da ihre Grundlagen illusionären Charakter hätten: „Die Astrologie beruht, seltsam genug, auf Illusionen, denn der Tierkreis ist bekanntlich nur der imaginäre Weg der Sonne durch die Himmel, und dies auch nur, weil es vom Standpunkt unseres ganz unbedeutenden Planeten aus so erscheint.“ Trotz dieses Mankos handele es sich aber dennoch um eine Wissenschaft, welche allerdings „erst in ihrer ursprünglichen Schönheit und Wahrheit wiederhergestellt werden“ müsse.

    In ihrem Werk Esoterische Astrologie ging es Alice Bailey vor allem darum, „[u]niversale Beziehungen, das Ineinanderwirken von Energien, das Wesen dessen, was hinter der großen Illusion liegt“ aufzuzeigen. Dabei tritt das Individuelle deutlich in den Hintergrund, insofern als sich die esoterische Astrologie „auf die Seele und nicht auf die Persönlichkeit“ bezieht. Hier geht es vielmehr um die Erfüllung des „göttlichen Plans“, der Schwerpunkt liegt auf den „großen Energien und deren Quellen“, nicht auf dem Schicksal des Einzelnen. Daher beschrieb Bailey die Tierkreiszeichen im Hinblick auf Dinge wie Einweihung, Erleuchtung und ihren Funktionen für den Werdegang der gesamten Menschheit, wobei das Individuum helfen sollte, den göttlichen Plan zu erfüllen, indem er sein individualisiertes Bewußtsein in ein „Bewußtsein der Gruppen-Verantwortlichkeit“ verwandelt. Wie dies konkret vonstatten gehen soll, bleibt unklar, und zwar aus folgendem Grund: Diese Verwandlung geschähe erst im Verlaufe des Wassermannzeitalters, an dessen Schwelle sich die Esoteriker damals wähnten:

    • Im Wassermannzeitalter wird Venus wieder einen entsprechenden Einfluß haben, nur mit dem Unterschied, daß wenn jetzt ein gesteigerter Individualismus und selbstbewußte Erkenntnis in Erscheinung treten, diese sich den ersten Stadien eines erweiterten Bewußtseins in der Gesamtmenschheit unterordnen werden […].
  • Der Begriff des Wassermann-Zeitalters wird in Kapitel 5.2 erläutert. An dieser Stelle bleibt festzuhalten, daß nach Baileys Lehre mit diesem Zeitalter-Wechsel „eine geistige Höherentwicklung der Menschheit verbunden sein“ sollte.

    Bailey sieht eine Entsprechung zwischen den sieben „heiligen“ Planeten unseres Sonnensystems und den „sieben individuellen Kraftzentren im Menschen“, wobei es wiederum sieben Sonnensysteme gibt usw., so daß die Planeten allgemein gesprochen „geistigen Hierarchien“ entsprächen.

    Doch es ist keineswegs nur die theosophisch geprägte Astrologie, in der der Zahl 7 eine große Rolle zukommt, zumal der in diesem Zusammenhang erwähnte Aufstieg der Seele durch sieben Planetensphären kein neuer Gedanke ist. So verknüpft Peuckert diese Vorstellung mit der antiken Gnosis:

    • Wenn die Planeten so die Stationen eines Aufganges oder Niederstieges werden, […] und wenn die Sterne die Ursacher und Geber aller Kräfte und Mächte sind, dann mußte von diesen [gnostischen, Anm. d.V.] Systemen auch ein Weg zur astrologischen Lehre führen.
  • Im christlichen Kontext kam es dabei zu einer veränderten Betrachtungsweise, die Endres und Schimmel deutlich machen: „In der christlichen Gnosis ist die Beherrschung der Planetensphären durch Götter in eine Verbindung der sieben niederen Sphären mit dämonischen Geistern verwandelt worden.“ Im Fortgang des Textes wird deutlich, daß die Ursprünge dieser Vorstellung noch weiter zurückliegen, denn schon „[i]n den Mithrasmysterien steigt die Seele durch die sieben Planetensphären zu Gott“.
  •    In diesem Zusammenhang läßt sich auch die Verknüpfung von Astrologie mit der hermetischen Tradition zeigen. Das folgende Zitat wird auf den bereits erwähnten Hermes Trismegistos zurückgeführt: »[…] Bei der Empfängnis durchfährt den Menschen eine Ansammlung von Strahlen der sieben Planeten und in der Stunde der Geburt Strahlen, entsprechend der Stellung der Tierkreiszeichen…«

    Hermes Trismegistos gilt von seiten der Esoteriker auch als Begründer der Alchemie, die wie die esoterisch geprägte Astrologie „als »ganzheitliche« Wissenschaft bezeichnet“ werden könne: „Gleichbedeutend mit Alchemie ist der Ausdruck »Hermetische Philosophie«, nach Hermes Trismegistos (lat.: Mercurius Termaximus), dem dreimal Größten Hermes, dem legendären Begründer der Alchemie.“

    Die Alchemie wiederum könne, so Faivre, möglicherweise als „Verlängerung der hermetischen Astrologie“ in Betracht gezogen werden, da sie „von der bestehenden Sympathie zwischen jedem Planeten und jedem Metall“ ausgegangen sei.

     

     

    2.4 Moderne Rezeption der esoterischen Astrologie

     

    Über die Esoterik im 20. Jahrhundert bemerkt Faivre: „Die traditionellen Wissenschaften (Astrologie, Alchemie, Magie) finden weiterhin starken Zuspruch […]. Die populärste unter ihnen ist natürlich die Astrologie, die Königin unter den mantischen Künsten.“

    Wie wir gesehen haben, hat die esoterische Astrologie ihren Ursprung in der Theosophie, weshalb „ihr Weltbild nicht nur einer einzigen religiösen Tradition“ entstammt. Daher finden sich in dieser astrologischen Richtung auch Hinweise auf „die Lehre von Karma und Wiedergeburt aus dem Buddhismus und Hinduismus“. In diesem Zusammenhang seien die charakterlichen Grundlagen, die das Horoskop widerspiegelt, die „Summe der Taten aus früheren Leben“.

    Was macht demnach die heutige esoterische Astrologie aus, abgesehen davon, daß sie fast „keine eigenen astrologisch-technischen Ansätze“ entwickelt hat? Schubert-Weller definiert esoterische Astrologie wie folgt:

    • »Esoterische Astrologie« - das bedeutet im landläufigen Verständnis eigentlich bis heute, daß man aus dem Geburtshoroskop Aussagen über die geistliche Entwicklung eines Individuums macht und daß man aus dem Grundhoroskop Hinweise auf eines oder mehrere frühere Leben des Geborenen ermittelt.
  • Auch der Benediktinerpater Gerhard Voss bemerkt in seinem Werk Astrologie – christlich: „Wo Astrologie als esoterische Astrosophie verstanden wird, ist sie zumeist – wohl auch schon in den Vorläufern solcher pansophischer Weisheit – mit einer Reinkarnations- oder Seelenwanderungslehre verbunden.“

    Die Horoskopelemente, die häufig mit dem Karmagedanken verknüpft werden, sind der nördliche und südliche Mondknoten, auch Drachenschwanz genannt. Die Astrologin Jan Spiller hat der Deutung der Mondknoten sogar ein eigenes Buch gewidmet, in dem sie schreibt: „Die südliche Mondknotenposition im Horoskop […] beschreibt einen Aspekt unseres Charakters, der in vergangenen Leben überbetont wurde und daher in diesem Leben dazu tendiert, die Persönlichkeit zu beherrschen und aus der Balance zu werfen.“ Demgegenüber repräsentiere der nördliche beziehungsweise „aufsteigende“ Mondknoten die Lebensaufgabe dieser Inkarnation, die „Eigenschaften, die man entwickeln sollte“. Aber auch die Stellung des Mondes selbst ist für Spiller in diesem Zusammenhang besonders aufschlußreich: „Ich halte den Mond für den wichtigsten Planeten im Horoskop, wenn man es im Hinblick auf Karma und Reinkarnation betrachtet. Er prägt die gesamte Persönlichkeitsstruktur.“

    In diesem Buch ist auch von „Geistführern und Engeln“ die Rede und von „Inspiration von höheren Mächten“. In der Tat wird die esoterische Astrologie mitunter auch als spirituelle Astrologie bezeichnet, der Schweizer Astrologe Jean Claude Weiss etwa charakterisiert diese Form der Astrologie folgendermaßen: „Die spirituelle oder esoterische Astrologie unterscheidet zwischen dem Ego und dem Selbst. Es geht darum, die Bedürfnisse des Selbst wahrzunehmen, damit wir im Vergleich zu den Launen unseres Egos ein Korrektiv entwickeln können […].“

    Da die Astrologie jedoch nicht unbedingt einen esoterischen Charakter haben muß, wenden wir uns im folgenden einer anderen Variante zu, die sich im Laufe des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat: der psychologischen Astrologie.

     

     

    3. Astrologie und Psychologie

     

    3.1  Die Revision der Astrologie im 20. Jahrhundert

     

    „Vor 1914 waren die wenigen deutschen Astrologen entweder Theosophen oder Okkultisten oder beides. Sie betrachteten die Astrologie als eine essentiell hermetische Wissenschaft.”

    Ausgelöst durch die Erfahrungen des Krieges und seiner Folgen, trat in den 20er Jahren eine Wende ein. Es bestand nun ein beachtliches Interesse an astrologischen Zukunftsprognosen losgelöst vom bisherigen theosophischen Hintergrund.

    Damit einher ging die Herausbildung der Revidierten Klassik, die von astronomisch nicht begründbaren Techniken gesäubert worden sei, und den Grundstock der modernen Astrologie darstelle. Dies geschah „[a]uf dem Hintergrund von Psychologie und Psychoanalyse“ und führte dazu, daß die Astrologie „»säkularisiert«, das heißt in diesem Fall aus ihrer Bindung an die Theosophie gelöst“ wurde.

    Die Deutung der Gestirne sollte, „wenn die Zeit reif und überlieferte Vorurteile zusammengebrochen seien“, als anerkannte Wissenschaft gelten können, allerdings nicht im Sinne der Esoteriker, sondern auf empirischen Fakten basierend:

    • Die revidierte Astrologie ist an diesem Punkt rein „empirisch“ ausgerichtet, weil sie ganz unter dem Eindruck der erfahrungsmäßigen Stimmigkeit und inneren Folgerichtigkeit des horoskopischen Symbolsystems steht und darin ihre volle Rechtfertigung findet.
  • Im Zuge dieser Überarbeitung und Strukturierung tradierter Astrologieformen veränderte sich auch die „Zielsetzung der Horoskopinterpretation“, die Schubert-Weller folgendermaßen charakterisiert: „Die Deutung bewegte sich weg von der ereignisorientierten, schicksalsbetonten Interpretation des Horoskops hin zu einer charakterologischen, psychologischen und psychoanalytischen Interpretation.“

       Die Weiterentwicklung der Psychoanalyse im 20. Jahrhundert und die Auseinandersetzung eines ihrer berühmtesten Vertreter, Carl Gustav Jung (1875-1961), mit esoterischen Themen erzeugte einen völlig neuen Ansatz, Astrologie zu betreiben: „Die Deutschen waren die ersten, die die Idee einer »Psychologischen Astrologie«, wie sie es nannten, diskutierten. O. A. H. Schmitz, der enthusiastische Schüler C. G. Jungs, meinte 1922, die Astrologie sei das, worauf die Psychologie nur gewartet habe.“ Den Grund für diese neuartige Synthese sieht Howe in der „intellektuelle[n] Sterilität der traditionellen Überlieferung“.

    Um die Astrologie aus dem Dunstkreis von Wahrsagerei und Okkultismus zu befreien, stellte man die „Charakterologie, d.h. das Studium der sogenannten psychologischen Typen“ in den Vordergrund, wobei unter anderem C.G. Jungs „Interesse an der Astrologie“ eine wichtige Rolle spielte. Es sind folglich nicht nur Jungsche Lehrsätze der Psychoanalyse, die die moderne Astrologie geprägt haben, sondern auch Jungs persönliche Einstellung zur Astrologie. Unter diesem Gesichtspunkt beleuchtet das nachfolgende Kapitel das Vermächtnis C.G. Jungs für die moderne psychologisch orientierte Astrologie.

     

     

    3.2 C.G. Jung und sein Verhältnis zur Astrologie

     

    • For Jung, religion draws on a deep fund of images and ideas that belong collectively to the human race and find expression in mythology, folklore, philosophy, and literature. Religion, like these other endeavors, draws on the resources of this “collective unconscious” not as a form of neurosis but as the healthy expression of true and deep humanity.
  • Das hier dargelegte Religionsverständnis Carl Gustav Jungs korrespondiert mit seinem Verhältnis zur Astrologie, da die Jungschen Lehren vom kollektiven Unbewußten und den Archetypen, auf die hier Bezug genommen wird („images“), oftmals auch den psychologischen Zugang zur Astrologie bestimmen.

    Jung beschäftigte sich mit verschiedenen esoterischen Wissensgebieten, die für ihn so etwas wie Vorläufer der modernen Seelenkunde darstellten. Über Paracelsus, bei dem die Alchemie „organisch mit der Astrologie verbunden“ war, schreibt er beispielsweise: „Er schaut die dunkle Psyche wie einen sternbesäten Nachthimmel, dessen Planeten und Fixsternkonstellationen die Archetypen in ihrer ganzen Luminosität und Numinosität darstellen [90].“ Daran knüpft eine entscheidende Feststellung C.G. Jungs, die seine Einstellung zur Astrologie charakterisiert:

    • Der Sternhimmel ist ja in der Tat das aufgeschlagene Buch der kosmischen Projektion, der Widerspiegelung der Mythologeme, eben der Archetypen. In dieser Anschauung reichen sich Astrologie und Alchemie, die beiden antiken Repräsentantinnen der Psychologie des kollektiven Unbewußten, die Hand.
  • Was ist mit kosmischer Projektion gemeint? Die Tatsache, daß Mythen und Legenden „unterschiedlichen Ursprungs“, d.h. aus verschiedenen Regionen und Kulturen der Erde stammend, auffällige Gemeinsamkeiten aufweisen, läßt für den esoterisch orientierten Astrologen André Barbault den Schluß zu, „daß von einem Gleichklang universeller Symbolik die Rede sein muß“. Er weist darauf hin, daß sich dieser Gedanke schon bei C. G. Jung findet, der eben diese Urbilder als Archetypen bezeichnet hat. Die Archetypen entstammen dem sogenannten kollektiven Unbewußten, von dem Jolande Jacobi schreibt:

    • Wir können die Inhalte unseres Bewußtseinsraumes durch unseren Willen weitgehend lenken und beherrschen; im Gegensatz dazu ist aber das Unbewusste eine von uns unabhängige und unbeeinflußbare Kontinuität und Ordnung, und die Archetypen bilden seine Kraftzentren und Kraftfelder.
  • Mittels Projektion, d.h. der „Hinauslegung eines subjektiven Vorgangs in ein Objekt“, erscheinen diese Kraftfelder am Himmel, als „Spiegelung“ gewissermaßen. Der christliche Astrologe Alfons Rosenberg faßt diesen Sachverhalt wie folgt zusammen: „Jung umschreibt demnach die Astrologie als eine Erfahrungsweise, durch die seelische Gesetze als eine komplexe menschliche Charakterkunde, als eine Lehre von den Menschentypen an der Projektionsfläche des Himmels erkannt werden.“

    Die Archetypen stellen „Bilder und Symbole“ dar, „die auch in den uns überlieferten Mythen und Märchen auftauchen“. Die astrologische Symbolik wiederum ist ebenfalls eng mit der Mythologie verknüpft, wie die römischen Götternamen der Planeten andeuten, die in astrologischen Lehrbüchern zuweilen mit ihren griechischen Bezeichnungen und den dazugehörenden Mythen erwähnt werden. Jung hielt jedoch die Astralmythologie für „nichts anderes als an den Himmel projizierte Psychologie, und zwar unbewußte Psychologie“.

    Der Astrologie stand Jung zunächst anscheinend eher ablehnend gegenüber. Im Jahre 1921 bemerkte er in Psychologische Typen zwar, daß die Astrologie „den ältesten nachweisbaren Versuch“ darstelle, „Typen zu konstruieren und damit Ordnung in das Chaos der Individuen zu bringen“, kritisiert dieses Verfahren jedoch vom modernen wissenschaftlichen Standpunkt aus als ungenügend:

    • Was aber die astrologische Typologie anbelangt, so steht sie zum Erstaunen der Aufklärung immer noch aufrecht da und erlebt sogar heute eine neue Blüte.
    • Dieser historische Rückblick kann uns darüber beruhigen, daß unsere modernen Versuche zur Typologie keineswegs neu und unerhört sind, wenn schon das wissenschaftliche Gewissen es uns nicht erlaubt, auf diese alten, intuitiven Wege zurückzugreifen. Wir müssen unsere eigene Antwort auf dieses Problem finden, eine Antwort, die den Ansprüchen der Wissenschaftlichkeit genügt.
  • In seinem „Vorwort zum I Ging“, geschrieben 1948, scheint er eine veränderte Haltung zur Sternkunde eingenommen zu haben. Denn darin verfolgte C.G. Jung die Spur des „Parallelismus von psychischem und physikalischem Geschehen“ und gelangt zu dem Ergebnis, daß dieses Phänomen nicht nur Dinge wie das Münzorakel betreffe, sondern auch „die einzig mögliche Hypothese der Astrologie und zwar besonders der modernen Charakterhoroskopie“ bilde. Das „Vorwort zum I Ging“ enthält zudem eine noch leicht distanzierte Anmerkung Jungs, die den Astrologen mit einem Weinkenner vergleicht, obgleich die Ausführungen erkennen lassen, daß sich Jung zu diesem Zeitpunkt bereits eingehender mit der Astrologie befaßt hatte:
    • Sollte die Charakterhoroskopie im Allgemeinen stimmen (wofür einige Wahrscheinlichkeit vorhanden ist), so wäre sie nicht wunderbarer als die Fähigkeit eines guten Weinkenners, der aus dem Charakter des Weines dessen Region, örtliche Lage (Weinberg) und Jahrgang mit Sicherheit bestimmt, was dem Nichtkenner zunächst fragwürdig vorkommt. Aber ebenso kann ein guter Astrologe mir auf den Kopf zusagen, in welchen Zeichen meine Geburtssonne und mein Geburtsmond stehen und welches mein Aszendent ist.
  • War die Astrologie für Jung also keine Wissenschaft? Schließlich griff auch Jung auf „diese alten, intuitiven Wege“, wie er selbst sie genannt hatte, zurück, indem er die Astrologie als zusätzliche psychotherapeutische Diagnosemethode verwandte:
    • It is evident that Jung himself studied the horoscopes of some of his patients, not in order to predict their future, but because he believed that a natal horoscope could provide information of a purely psychological nature – for example, why an individual might be latently susceptible to a particular kind of neurosis.
  • Das Horoskop gibt demnach Aufschluß über die seelischen Grundlagen eines Individuums. In Aion – Beiträge zur Symbolik des Selbst führt Jung aus: „Das Horoskop stellt also vor allem ein System der ursprünglichen und grundlegenden Charakterbeschaffenheit dar und kann daher als Äquivalent der individuellen Psyche gelten.“

    Wie sah nun der „eigene Weg“ aus, den Jung aufgrund seines „wissenschaftlichen Gewissens“ hatte gehen wollen? Die Antwort liegt wohl in dem von Jung propagierten Prinzip der Synchronizität, dem Begriff für den oben erwähnten „Parallelismus“, den er bei der Erörterung parapsychischer Effekte folgendermaßen erläutert:

    • Unter Synchronizität verstehe ich […] das nicht allzu selten beobachtbare Zusammentreffen subjektiver und objektiver Tatbestände, welches kausal, wenigstens mit unseren jetzigen Mitteln, nicht zu erklären ist. Auf diese Voraussetzung gründen sich die Astrologie und die Methode des I Ging. Diese Beobachtungen sind, wie die astrologischen Befunde, nicht allgemein anerkannt, was den Tatsachen bekanntlich nie schädlich war.
  • Wenn es um den wissenschaftlichen Anspruch der Astrologie geht, der im vierten Kapitel erörtert wird, trifft man zudem häufig folgendes Jung-Zitat an: „Wie der Bildungsphilister noch bis vor kurzem glaubte die Astrologie als längstens erledigt belächeln zu können, steht sie heute, von unten heraufkommend, dicht vor den Toren der Universitäten, aus denen sie vor etwa dreihundert Jahren ausgezogen ist.“

    Ein Zeitgenosse C. G. Jungs gilt ebenfalls als Wegbereiter der modernen Astrologie, für Howe ist er sogar als der „bedeutendste Pionier der »Psychologischen Astrologie«“: Herbert Freiherr von Klöckler (1896-1950). Über ihn schreibt Howe:

    • Unbeeindruckt von den ständigen Querelen und der Kleingeisterei der astrologischen Bewegung und gleichgültig gegen ihre theosophischen und okkulten Bestrebungen, warf er einen großen Teil des mittelalterlichen Ballasts der Astrologie über Bord und versuchte, eine den Bedürfnissen des zwanzigsten Jahrhunderts entsprechende Astrologie zu formulieren.
  • Im Jahre 1926 fordert Klöckler seine Zeitgenossen auf, die Astrologie „auf empirischem Wege zu prüfen, bevor man sie endgültig ablehnt“. Mit Hilfe der Statistik versuchte  Klöckler, astrologische Deutungen empirisch zu beweisen und so die Astrologie als Erfahrungswissenschaft zu etablieren. Darauf wird in Kapitel 4.2 näher eingegangen.

     

    3.3 Die Weiterentwicklung der psychologischen Astrologie

     

    Ein Beispiel für den Einfluss der Jungschen Psychoanalyse findet sich im dritten Band von Thomas Rings Astrologischer Menschenkunde. Ring (1892-1983), Vertreter der erneuerten Astrologie, beschreibt in diesem Lehrbuch unter anderem die Deutung bestimmter Horoskopfaktoren (Sonne, Mond, Mars und Venus) für geschlechtsspezifische Merkmale sowie daraus resultierende Auswirkungen auf die Partnerwahl. Darin erscheinen zwei weitere berühmte Kategorien des Psychoanalytikers Jung, und zwar die Unterscheidung von Animus und Anima:

    • Beachtung verdient in diesem Zusammenhang der von C. G. Jung als Animus und Anima beschriebene innerseelische Gegenzug zum biologischen Geschlecht. Gemeint ist die Ambivalenz, wonach wir seelisch gewisse Eigenschaften des anderen Geschlechts in uns tragen, das Weibliche im Mann, das Männliche in der Frau.
  • So betrachtet Ring den Mond bei männlichen Nativitäten als „Seelenkomponente affektiv zuständlicher Art im Manne, die C.G. Jung unter «Anima» versteht“.

    Bei C.G. Jung hat Astrologie „mit der Theosophie nichts zu tun“, dies ändert sich jedoch mit der Weiterentwicklung der psychologischen Astrologie bei Thomas Ring, bei dem von „Ganzheitskräften im Kosmos“ die Rede ist, welche „alles Lebendige umschließen“. Ring spricht auch von Urbildern, „welche die astrologischen Wesenskräfte einkleiden“ und von einer „Zusammenschau“.

    Das Vorwort zu Rings Astrologischer Menschenkunde schrieb Professor Dr. Hans Bender, zum damaligen Zeitpunkt Leiter des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene. Bender bezeichnet Thomas Ring als „Wegbereiter einer neuen Auffassung […], der sein Lebenswerk einer anthropologischen Fundierung der umstrittenen Kunde von einer Beziehung zwischen Mensch und Gestirnen widmet“. Man könne jedoch beim Lesen dieser Darstellung „die Frage nach der Realität der Beziehungen zwischen Mensch und Gestirn offen lassen“. Zur Begründung fügt Bender hinzu: „Der Autor scheint damit zu rechnen, denn er versucht nicht, durch empirische Beweise, durch Statistiken oder einen Rückgriff auf seine langjährige […] praktische Beratungstätigkeit zu einer anderen Einstellung zu überreden.“ Dennoch bezeichnet Bender die Astrologie als „tiefgründige Entsprechungslehre zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos“.

    Worin bestand für Thomas Ring die Aufgabe der Astrologie? Wolfram Janzen schreibt in seinem Beitrag zu Das Horoskop als Schlüssel zum Ich:

    • Astrologie gibt nach Ring den Lebenssinn nicht vor. Aber sie stellt den Menschen vor die Verantwortung dafür; Lebenssinn wird gefunden, indem der Mensch das Wesen, das in ihm angelegt ist, verwirklicht; diese Wesensanlage hat eine kosmische Entsprechung, die im Geburtshoroskop abgebildet wird. 
  • Ring selbst schreibt in Astrologie ohne Aberglauben:

    • Aus der Beachtung von Aussagegrenzen und im Einklang mit unserem sonstigen Wissen sei immer betont, daß das astrologische Meßbild nur Anlagen, nicht fertiggeprägte Eigenschaften, nur Tendenzen, nicht konkret vorbestimmte Ereignisse enthalten kann.
  • Astrologische Kenntnisse gelten Ring, wie vor ihm bereits C.G. Jung, als Bereicherung für die Psychotherapie; die Auseinandersetzung mit dem Horoskop eines Klienten zeigt für ihn das Individuum in seinen Anlagen, bevor es von der Umwelt geprägt wurde:

    • Der Psychotherapeut gewinnt anderseits eine Klarheit in seinen Beobachtungen dadurch, daß es konstitutionelle Faktoren gibt, die vor einem Jugendtrauma schon eine Problematik enthalten, und zwar gilt dies nicht nur im Sinne einzelner Erbmerkmale, sondern einer mitgebrachten Struktur.
  • Dies sei jedoch noch nicht alles, da die Astrologie nicht auf bestimmte fachspezifische Inhalte eingegrenzt werden, sondern den Menschen in seiner „lebenden Ganzheit“ begreifen und beschreiben solle. Für Ring steht daher fest, daß „die Berücksichtigung biologischer, medizinischer und soziologischer Tatsachen“ in die astrologische Beratung hineingehört. Von großer Bedeutung ist nach Ring in diesem Zusammenhang die Unterscheidung zwischen „Wesen und Existenz“, wobei das Horoskop das prinzipielle Wesen eines Menschen aufzeigt, die Psychotherapie für sich genommen sich jedoch lediglich mit der konkreten Existenz des Menschen beschäftigt. Insgesamt war Ring sehr daran gelegen, in der Astrologie „das Altüberlieferte mit dem Zeitgeist und heutigen Kenntnissen zu vereinbaren“. Für unseren Zusammenhang bemerkenswert ist die anschließende Aussage: „Von einer Glaubensbewegung unterscheidet sich dies darin, daß selbst der Mitläufer irgendwie und irgendwann eigene Beobachtungen anzustellen hat.“ Weiter heißt es:

    • An dieser Stelle sei deutlich gesagt, daß die revidierte Astrologie keine »Ersatzpsychologie« anbietet und keine eigene »Therapie« noch sonstige Behebung menschlicher Mißstände zu lehren vorgibt. Ebensowenig handelt es sich um einen unverfänglichen Unterschlupf für religiöse Bedürfnisse.
  • Schließlich wurde Thomas Ring „für sein umfassendes Wirken und Schaffen einer “revidierten" Astrologie“ vom DAV zum Ehrenmitglied ernannt.

     

     

    3.4 Psychologische Astrologie heute

     

    „Im deutschen Sprachraum werden zumal Konzepte der Analytischen Psychologie C.G. Jungs mit der Astrologie verknüpft und in der einen oder anderen Weise »astrotherapeutisch« angewandt.“ Schubert-Weller nennt hier Thomas Schäfer als Beispiel, dessen Artikel „Archetypen in der Astrologie“ 1991 in der Astrologie-Zeitschrift „Meridian“ erschien. Es gibt jedoch verschiedene Formen der psychologischen Astrologie, die Schubert-Weller in seinem Buch Wege der Astrologie explizit zusammengefasst hat.

    Heutige Bücher zur praktischen Horoskopdeutung sind zumeist der sogenannten Revidierten Klassik zuzuordnen. Schubert-Weller geht ebenfalls in seiner Darstellung der heutigen Astrologen-Szene zunächst von der Revidierten Klassik aus, „weil diese, wenigstens in ihren Grundzügen, nahezu allen Astrologen bekannt ist und weil sie in dieser oder jener kleineren Variante noch immer von der Mehrzahl der ausübenden Astrologen praktiziert wird“.

    Daneben gibt es die Münchner Rhythmenlehre nach Wolfgang Döbereiner sowie das Astrologisch-Psychologische Institut, das nach ihren Gründern auch Huber-Schule genannt wird. Beide werden von Schubert-Weller als klassiknah eingestuft. Eine Sonderrolle habe dagegen die von Alfred Witte (1878-1941) begründete Hamburger Schule, in der ein völlig anderes „komplexes System der Astrologie“ entstand, das ereignisorientiert sei und folgende Merkmale aufweise:

    • An die Stelle der klassischen Planetenaspekte treten Summen- und Halbsummenpunkte, statt des klassischen Häusersystems nach Placidus werden mehrere parallele Häusersysteme verwendet. Außerdem gibt es acht zusätzliche Wirkpunkte, nämlich die »Transneptunplaneten«, welche als außerhalb der Plutobahn kreisend angenommen werden.
  •   Zusammenfassend lässt sich sagen, daß es unter Astrologen am theoretischen Überbau und an einem Grundkonsens fehlt, sowohl bezüglich der Berechnung als auch in Bezug auf die Deutung eines Horoskops.
  •  

    Dies hat natürlich große Abweichungen in der Praxis der Horoskopdeutung, aber auch bereits auf die Berechnung desselben. Schubert-Weller verweist dabei auf den Häuserstreit in der Astrologie, behauptet jedoch: „Unstrittig ist dagegen weitgehend die Auslegung der Häuser.“

    Im Zuge der psychologischen Horoskopdeutung besteht jedoch zunehmend die Tendenz, einen Häuserbereich nicht mehr ausschließlich mit bestimmten Schlagworten zu beschreiben, wie es noch heute in manchen astrologischen „Kochbüchern“ üblich ist, sondern die Häuser im Hinblick auf psychologische Funktionen zu deuten. So stellen bspw. in Christopher Weidners Arbeitsbuch zum Horoskop „Gesinnungsfreunde, Opposition, Gegenkurs, Reform, Freiheit“ Inhalte des elften Hauses dar, aber die übergeordnete Frage lautet eigentlich: „Wie sehe ich mich als Individuum in der Gesellschaft? Wo treten Widersprüche auf?“

    Hermann Meyer, ein weiterer Repräsentant der psychologisch orientierten Astrologie veröffentlichte 1981 Astrologie und Psychologie/ Eine neue Synthese. Im Vorwort dieses Buches schreibt Meyer:

    •   Die psychologische Astrologie bietet jedoch nicht nur die Möglichkeit, sich selbst zu erkennen, sondern sie kann auch im therapeutischen Bereich Verwendung finden.
    •   Da sie nicht den Anspruch auf Ausschließlichkeit erhebt und nicht ideologisch (oder weltanschaulich) gebunden ist, kann sie von Ärzten und Psychotherapeuten der verschiedensten Richtungen als Hilfsmittel zur seelischen Diagnostik verwendet werden.
  • Als Psychologe und Astrologe entwickelte Meyer die Astropsychotherapie, in der die einzelnen Horoskopfaktoren („Planeten, Tierkreiszeichen, astrologische Häuser usw.“) als Symbole der „menschlichen Grundbedürfnisse“ betrachtet werden.

    Schubert-Weller erläutert dazu:

    • Meyer deutet also die Ambivalenz der astrologischen Symbole von vornherein etwas anders: In jedem Thema, gegeben durch ein astrologisches Symbol, ist gewissermaßen auch dessen Negation enthalten, die freilich nicht als radikaler Widerspruch verstanden wird, sondern eher als Mangel, als Fehlen, als Verhinderung.
  • Eine Therapie solle helfen, die Prinzipien nicht in extremer Weise auszuleben, d.h. sowohl Übertreibung als auch Untertreibung zu verhindern und stattdessen „eine reife und erwachsene Weise der Selbstverwirklichung zu finden“. Scheinbar handelt es sich um einen psychologischen Determinismus, wenn Meyer über die dazugehörige Gruppentherapie schreibt: „Über die Lebensgeschichte kann jeder beim anderen selbst ein abnormes und destruktives Verhalten verstehen. Der einzelne sieht, dass der andere aufgrund seiner Prägung zwangsläufig dieses Verhaltensmuster ausbilden musste [...].“. Schubert-Weller jedoch betont Meyers „Sonderrolle unter den oft eher fatalistisch orientierten bzw. auf diagnostische Warnung gestimmten Astrologen“.
  •    Das Anliegen der psychologisch orientierten Astrologen ist es, dem Klienten seine Anlagen und Neigungen bewußt zu machen, ohne ihn seiner Eigenverantwortung und alternativer Handlungsweisen zu berauben. Bereits bei Thomas Ring galt die Prämisse: „Jede Individualität hat ihren immanenten Sinn. Alles verstehen heißt aber durchaus nicht, alles verzeihen. Der Berater soll den Hilfesuchenden an die Punkte selbständiger Entscheidung heranführen, ohne diese ihm abnehmen zu wollen.“

    Der Psychoanalytiker und Astrologe Fritz Riemann gelangte zu der Erkenntnis, daß „die Erfahrungen der Astrologie und der Psychoanalyse […] sich nicht nur nicht widersprachen, sondern sich in vieler Hinsicht bestätigten und ergänzten“.

    Howard Sasportas, Leiter des „Centre for Psychological Astrology“ in London, schildert das Verständnis des Horoskops in der psychologischen Astrologie:

    • Als ein Bild des Himmels, wie er an dem Ort und zum Zeitpunkt unserer Geburt aussah, zeichnet das Horoskop symbolisch unsere eigene, einzigartige Wirklichkeit, unser angeborenes Muster, unser inneres Lebensbild nach. Die Einsicht in unser Horoskop befähigt uns, jene Dinge wahrzunehmen, die wir von innen heraus tun würden, wären wir nicht durch unsere Familie, durch die Gesellschaft und vielleicht vor allem durch die Ambivalenz unserer eigenen Natur beschnitten worden.
  • Barbault vergleicht die Symbolkategorien der Astrologie mit denen der Psychoanalyse und kommt zu dem Schluss, daß beide nahezu deckungsgleich sind. Astrologie scheint in diesem Fall nur eine „Hilfsdisziplin der Psychologie“ zu sein und vollständig ihrer religiösen Implikationen enthoben.

    Howard Sasportas hält dagegen:

    • Psychologische Astrologie hat nicht zum Ziel, die Astrologie zugunsten der Psychotherapie zu vernachlässigen, sondern zu einem Verständnis und einer Deutung der Symbole des Horoskops zu finden, die innere wie äußere Ebenen der Erfahrung in sich vereinigen und den Weg zu den beiden Bereichen zugrundeliegenden archetypischen Mustern zu weisen.
  • Diesem Anspruch ist nicht leicht zu genügen, so daß daher hohe Anforderungen an die Astrologen gestellt werden, die Seriosität anstreben. Für Schubert-Weller ist nur „derjenige Astrologe, der sein Handwerk verantwortlich auszuüben und zugleich dessen gesellschaftliche Bedingungen und gesellschaftliche Bedingtheit wahrzunehmen versucht“, berechtigt, sich seriös zu nennen.
  • An dieser Stelle sei darauf verwiesen, daß der DAV seine geprüften Astrologen zur Einhaltung ethischer Prinzipien verpflichtet. Zu diesem Zweck existiert in der Berufsordnung des DAV ein Berufsgelöbnis. Darin gelten beispielsweise „moralisch wertende Urteile“ gegenüber Klienten als verpönt. Zu den Anforderungen an einen DAV-Astrologen findet sich in der Berufsordnung des DAV ein weiterer Hinweis daruaf, daß sich die moderne psychologisch orientierte Astrologie anti-deterministisch versteht:

    • „Nie sollte der Astrologe den Ratsuchenden eine Entscheidung abnehmen, vielmehr versuchen, ihnen die zusammenwirkenden Kräfte bewußt zu machen, in einen Zusammenhang mit seinem Wesensgefüge zu bringen und seinen Gestaltungswillen zu stärken.“
  • 3.5 Das Verhältnis von psychologischer und esoterischer Astrologie

     

    Besteht nun ein Zusammenhang zwischen der esoterischen und der psychologischen Astrologie? Für Rosenberg bestand noch eine strikte Trennung zwischen diesen beiden Astrologie-Formen:

    • Es sind darum zwei Standpunkte der Betrachtung möglich: man kann wie die Alten das Menschenschicksal als von außen, d.h. oben, durch Sterne oder durch die in ihnen wirkenden Götter, Sterngeister oder Engel bewirkt ansehen – oder als von innen als durch seelische Mächte, Strukturen, Archetypen bewirkt. Beide Betrachtungsweisen sind möglich, je nachdem ein Zeitalter oder ein Mensch mythisch oder psychologisch denkt.
  • Schoener jedoch weist auf Thomas Rings „Ganzheitskräfte“ hin, auf die Vorstellung, daß der gesamte „Kosmos ein lebendiger Organismus“ sei  und gelangt zu dem Schluß: „Psychologische und esoterische Astrologie sind also eng miteinander verbunden. […] Im Rahmen der Esoterik und vieler neuer religiöser Bewegungen sind beide Richtungen oftmals kaum zu trennen.“ Im Gegensatz zur esoterischen Astrologie werde in der psychologischen aber nicht von Gestirngöttern gesprochen.

    Nach Schubert-Weller sind die beiden Astrologieformen wiederum streng zu unterscheiden, wie sich ja auch „die Revidierte Klassik gegen die Einvernahme der Astrologie durch den esoterischen Ansatz der Theosophie” gewehrt hätte: „Die Esoterik ist jedoch, wie vor allem die Revidierte Klassik gezeigt hat, keine notwendige Voraussetzung, um angemessen Astrologie zu betreiben.“

    Zur anschaulichen Gegenüberstellung von esoterischer und psychologischer Astrologie wenden wir uns nun den Ausführungen von Jean Claude Weiss zu, der sich beiden Richtungen verpflichtet fühlt.

    Während die psychologische Astrologie das „Leben als fortwährenden Prozess mit wiederkehrenden Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen“ betrachte, vollziehe sich die Entwicklung aus Sicht der esoterischen Astrologie in mehreren Inkarnationen. Das, was aus einem individuellen Horoskop hervorgeht, ist demzufolge bereits das Ergebnis vergangener Leben, eine „karmische Prägung“ sozusagen. Der Horoskopeigner ist dabei gehalten, sich besonders mit seinen Schwächen auseinanderzusetzen, da hierin das größte Potential für seine spirituelle Entwicklung gesehen wird.

    Eine weitere astrologische Schulrichtung, welche Schubert-Weller ebenfalls der Revidierten Klassik zuordnet, verdeutlicht jedoch m.E., daß es sich hier um eine Grauzone handelt.  Michael Roscher entwickelte die Transpersonale Astrologie (TPA), welche „keine neue Horoskoptechnik, wohl aber ein etwas anderes Verständnis von Astrologie“ enthält: „In der Psychologie ist das Transpersonale dasjenige, was über die Individualität hinausweist und ins Kollektive bzw. in die geistige, spirituelle Welt hineinreicht.“ Schubert-Weller deklariert diesen Ansatz als „entwicklungsorientiert“: „Dabei geht es nicht um die »Entfaltung der Persönlichkeit«, sondern darum, einen grundlegenden Auftrag, der von Gott bzw. vom Kosmos kommt, zu entdecken und zu verwirklichen.“

    Das Horoskop wird hierbei nicht lediglich auf die charakterlichen Anlagen hin überprüft, da die Persönlichkeit sich nur auf das jetzige Leben bezieht: „Mit dem Tod wird Persönlichkeit abgelegt, aber gleichwohl bleibt etwas lebendig, eine »Bedeutung«, die über das Individuelle ins Kollektiv, in die gesamte Welt und ihre Geschichte hineinreicht.“ Schubert-Weller betont an dieser Stelle, daß unter anderem die „Annahme des Gesetzes von Karma und Reinkarnation“ dem esoterischen Gebiet zuzurechnen sei. Im Gegensatz zur „esoterischen Astrologin“ Jan Spiller schränkt Roscher jedoch die Bedeutung der Mondknoten ein, mit der Begründung, daß diese „lediglich eine rechnerische Größe“ seien: „Mondknoten haben mit der ursprünglichen Anschauungsastrologie nichts mehr zu tun. Schon aus diesem Grund scheint es unvernünftig, ihnen eine den Planeten gleichwertige oder gar überlegene Bedeutung beizumessen.“

    Auf der Internet-Seite der von ihm begründeten Schule für Transpersonale Astrologie weist Roscher darauf hin, daß innerhalb der Transpersonalen Astrologie „die Karma-Hypothese für wahrscheinlich, aber nicht für beweisbar“ gilt: „Sie [die Karma-Hypothese, Anm. D. Verf.] dient deshalb zur Erklärung von Zusammenhängen, wird jedoch nicht spezifisch gelehrt, da es sich hier eben um einen Glaubenssatz handelt.“

       Ein wichtiges Anliegen der TPA sei die Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse. Dazu führt Roscher aus:

    • Astrologische Aussagen müssen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfbar sein – entweder sie sind sinnvoll oder eben nicht. Nicht überprüfbare Aussagen haben Glaubenscharakter und bergen die Gefahr der Selbsttäuschung in sich, sie sind deshalb nicht Teil der TPA.
  • Das Kriterium der Überprüfbarkeit sowie die Einstellungen der Astrologen demgegenüber werden im nachfolgenden Kapitel dargestellt.

     

     

    4. Das Verhältnis von Astrologie und Wissenschaft

  • 4.1 Ist Astrologie eine Wissenschaft?
  • Für Rosenberg stellt Astrologie „die älteste Wissenschaft der Menschheit“ dar. Sie sei „ihrem Wesen nach von jeher Astrologie und Wissenschaft zugleich […]“ gewesen. Dieser wissenschaftliche Anspruch, den Rosenberg hier anspricht, wird von verschiedenen Seiten in Frage gestellt. Die Überprüfung der Astrologie auf ihre Wissenschaftlichkeit stellt für sich genommen ein weites Feld dar. Im folgenden sollen ein paar Grundzüge der aktuellen Diskussion skizziert werden.
  • Warum könnte man Astrologie für eine Wissenschaft halten? An dieser Stelle wird häufig erst einmal auf das Evidenzerlebnis verwiesen: „Der Astrologe weiß, daß die Astrologie »funktioniert«, weil er das hundertfach erfahren hat. Er weiß auch, wie die Astrologie funktioniert. Er kann freilich nicht sagen, warum die Astrologie funktioniert.“

    Das Problem, daß hier thematisiert wird, ist das (bisherige) Unvermögen der Astrologen, ihre Aussagen naturwissenschaftlich zu fundieren. Eine kausalmechanistische Erklärung ist bislang nicht gefunden worden, und gilt zudem als unwahrscheinlich, weshalb „heute meist eine akausale Begründung“ bevorzugt wird. Daher stellt sich die Frage: „But if there is no acceptable physical explanation of how astrology could work, how do astrologers support their claims?” Auch Schubert-Weller bemerkt, daß der „Verweis auf die eigene Erfahrung nicht verdecken [kann], dass es bis heute an einem naturwissenschaftlich triftigen Beweis für die Astrologie fehlt.“

    Der Hinweis auf das Evidenzerlebnis ist demnach nicht ausreichend, will man die Astrologie zur Wissenschaft erklären, obwohl sich die praktische Anwendung der Astrologie damit begnügt, und somit dem Konflikt ausweicht: “Indeed, of the arguments defending astrology none is more common, more simple, and more disarming of criticism than astrology works.”

    An dieser Stelle sei auf den Umstand verwiesen, daß die Frage nach der wissenschaftlichen Beweisbarkeit der Astrologie überhaupt erst in den vergangenen 200 Jahren aufkommen konnte. Die vormalige Einheit von Astrologie und Astronomie, welche immer wieder anhand zahlreicher prominenter Forscher herausgestellt wird (wie beispielsweise Johannes Kepler, der einerseits die Gesetze der Planetenbewegungen studierte und andererseits Horoskope für Wallenstein, Rudolf II. und andere Persönlichkeiten erstellte), deutet an, daß zwischenzeitlich ein entscheidender Umbruch stattgefunden hat, der eine Trennung der beiden Disziplinen zur Folge hatte. So bemerkt etwa der Theologe Siegfried Böhringer: „Das einzig wirklich Neue in der Astrologie der Neuzeit ist ihre unvermeidliche und folgenreiche Abtrennung von der wissenschaftlichen Sternkunde, mit der sie noch bis zu Kopernikus, Galilei und Kepler aufs engste verbunden war […].“

    Astrologie-Gegner können sich auch auf den Vertreter der Kritischen Theorie in den Sozialwissenschaften, Theodor W. Adorno, stützen, der feststellte: „Heute aber widerspricht der fortgeschrittene Stand der Naturwissenschaften, etwa der Astrophysik, kraß dem Glauben an Astrologie. Wer beides nebeneinander toleriert oder gar zu vereinen trachtet, hat bereits eine intellektuelle Regression vollzogen…[10]“ Dies macht beispielsweise Jürgen Ebach, für den Astrologie „längst zur Pseudowissenschaft geworden ist“.

    Woher stammt diese Einschätzung? Die Grundlagen resultieren wohl in dem bereits in Kapitel 2.2 vorgestellten mechanischen Weltbild des 19. Jahrhunderts, in dem nur kausale Ursache-Wirkungs-Beziehungen als wissenschaftlich galten.

    Die Vorstellung, daß das Universum „ein riesiges mechanisches Uhrwerk [ist], für dessen Erklärung keine magischen oder göttlichen Kräfte nötig“ sind, geht auf den Chemiker Robert Boyle (1627-1691) zurück und setzte sich im 18. Jahrhundert allmählich durch. Erst der sogenannte Siegeszug der Naturwissenschaften, basierend auf dem Grundsatz, „dass die Natur nach mechanischen und nicht nach magischen Gesetzen funktioniert“, führte zum Niedergang der Astrologie auf wissenschaftlichem Gebiet. Ein häufig verwendetes Argument von astrologischer Seite ist daher der Hinweis auf populäre Denker und Forscher der frühen Neuzeit, die noch der Überzeugung waren, „dass in der Natur und im Kosmos göttliche Kräfte am Wirken sind“. Im Artikel der Encyclopedia wird genauer auf diesen Umstand verwiesen. Dort heißt es:

    • In Western culture, from Aristotle until Newton, there was general belief in a single, sweeping hypothesis – that all change and all phenomena in the inferior elemental world of nature were governed by the eternal motions of the superior and uncorruptible celestial bodies. In other words, the universal law was astrological in its broadest sense. Astrology appealed to learned people because it was in tune with universal law and was the best available theory for explaining the course of human life. To dismiss astrology as an erroneous belief is to obscure its pervasive role in pre-Newtonian thought.
  • Mit dem Physiker Sir Isaac Newton begann ein neuer Abschnitt der Astrologiegeschichte, obwohl er selbst „noch von der Richtigkeit der astrologischen Grundannahmen überzeugt“ war. Inzwischen seien jedoch, so Weiss, „die Newton`schen Gesetze durch die Gesetze der Relativitätstheorie ersetzt“, was zur Folge gehabt habe, daß der Mensch aufhörte, „sein eigenes Wahrnehmungssystem als für die äussere Realität verbindlich und absolut gültig zu betrachten“.

    Auch Pater George V. Coyne, Direktor der Sternwarte des Vatikan, deutet diesen Paradigmenwechsel in einem Interview an:

    • Die Wissenschaft sieht das Universum nicht mehr als Mechanismus vergleichbar mit einem Uhrwerk, so, als würde alles in Übereinstimmung mit einem von Gott vorgegebenen Plan ablaufen, der in den Naturgesetzen seinen Beweis findet. Statt dessen kennen wir inzwischen die Unbestimmtheit in der Quantenphysik, die Komplexität, das Chaos. Das sind wichtige Fachbegriffe in der heutigen Wissenschaftswelt, die aussagen, daß der evolutionäre Prozeß sowohl physikalisch als auch biologisch kein durchgehend determinierter Prozeß ist.
  • Ähnlich äußert sich Stuckrad in Bezug auf die Astrologie: „Es ist der Quantenmechanik zu verdanken, daß es heutzutage möglich ist, auch eine nicht-kausale Astrologie überhaupt zu denken, anstatt sie a priori als Unsinn zu verwerfen.“ Er berichtet sogar von einem bevorstehenden „neuen wissenschaftlichen Paradigma[s]“:

    • Hinzu kommt, dass jenes „hermetische Denken“ in Entsprechungen und die geheimnisvolle Synchronizität aller Wirklichkeitsdimensionen durch die Entwicklungen der modernen Physik auf erstaunliche Weise gerechtfertigt erscheint. Hermetik und Astrologie liefern ein philosophisches Modell, welches die Zumutungen der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik für das „aufgeklärte“ Denken westlicher Prägung abzumildern vermag. Biologie und Geologie sind ebenfalls auf dem Wege, die Vernetzung aller Lebensbereiche nicht nur zu akzeptieren, sondern als wesentlichen Bestandteil in ihre Methodik aufzunehmen. Die Geistes- und Sozialwissenschaften schließlich versuchen mit Hilfe von Systemtheorien die Vielschichtigkeit der Wirklichkeit und die Interdependenz scheinbar völlig unabhängiger Größen abzubilden.
  • Aufgrund seiner Auseinandersetzung mit der Atomphysik finden sich bereits bei C. G. Jung Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang von Psyche und Materie, die von Rosenberg beschrieben werden. Damit, so Rosenberg, sei „zum ersten Male die Brücke von der heutigen Naturwissenschaft zur alten Entsprechungslehre der Astrologie geschlagen“.

    Daneben finden sich immer wieder Bestrebungen, die Astrologie gar nicht erst dem Vergleich mit den „anerkannten“ Wissenschaften auszusetzen, indem man von vornherein auf ihren weltanschaulichen Charakter verweist, wie es zum Beispiel Peuckert tut:

    • Beinah alle heutigen Astrologen sind der Meinung, man könne die Astrologie als eine – neben den andern – gültige Wissenschaft ansehen, und sie versuchen, sie mit wissenschaftlichen Methoden zu beweisen. Doch Weltanschauungen lassen sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht beweisen, so wenig, wie man mit einem „Gottesbeweise“ Gott beweisen kann, so wenig, wie man die Güte eines Gedichtes wird beweisen können, so wenig, wie man beweist, warum die Bilder Chagalls richtig sind.
  • Fritz Riemann vertritt eine ähnliche Auffassung und äußert sein Unverständnis über das Streben nach Exaktheit:

    • Seltsamerweise wird die Schwankungsbreite möglicher zutreffender Aussagen bei der Astrologie als ein Mangel empfunden, der ihre Wissenschaftlichkeit, ja prinzipiell sie selbst in Frage stellen soll. Aber ist das ganzheitliche Erfassen eines lebendigen Individuums nicht um einiges komplizierter und anspruchsvoller als die Wetterlage? Wenn wir alle Gebiete ablehnen würden, auf denen keine eindeutigen, exakten Aussagen zu machen sind, könnten wir zumindest alle Geisteswissenschaften beerdigen.
  • Die Frage nach der Wissenschaftlichkeit der Astrologie wird derzeitig heftig diskutiert, was sich anhand einiger Debatten im Internet und in Fachzeitschriften verfolgen lässt. So schlägt beispielsweise der Astrologe Christopher Weidner in seinem gleichnamigen Essay vor, Astrologie lediglich als eine „nützliche Fiktion“ zu betrachten.

    Das Problem der (bislang) nicht möglichen Objektivierbarkeit löst Weidner durch den Vergleich mit der Kunst und den Vorschlag, Astrologie als etwas „»Gemachtes«“ anzusehen. So fordert Weidner am Ende seines Essays von seinen Kollegen „die Aufgabe eines metaphysischen Realismus hin zu einem pragmatischen Konstruktivismus“.

    In Bezug darauf bemerkt Gerhard Mayer (Psychologe und Leiter der Fachgruppe „Astrologie“ bei der Gesellschaft für Anomalistik e.V.), daß man mit Hilfe von „Argumentationsstrukturen des radikalen Konstruktivismus“ prinzipiell „jede Form der Wissenschaft in den Bereich des Subjektiven verfrachten“ könne.

    Festzuhalten bleibt, daß die Astrologen selbst die Frage nach der Objektivität der Astrologie oder der Evidenzerfahrung nicht erklären können, wie das folgende Zitat Schubert-Wellers verdeutlicht:

    • Wenn nichts in der Astrologie wirklich unstrittig ist, auch und gerade unter Astrologen nicht, wie kann Astrologie dann objektiv sein? […] Beruht der Umstand, daß sie in so vielen Fällen offenkundig funktioniert, auf einer Selbsttäuschung, wie Kritiker der Astrologie gern behaupten, oder funktioniert Astrologie allein deshalb, weil die Beschäftigung mit einem individuellen Horoskop den Astrologen für den jeweiligen Klienten sensibilisiert?
  • Die mangelnde Beweiskraft der Astrologie führt Schubert-Weller nicht zuletzt darauf zurück, daß die Astrologie „außerhalb der akademisch organisierten und öffentlich finanzierten Forschungszusammenhänge“ stehe und es „keine eigens geförderte astrologische Forschung” gäbe. Als Begründung hierfür fügt Schubert-Weller an, daß „sich die Astrologie aus verschiedenen organisatorischen und wissenschaftspolitischen Gründen eine eigene Forschung, insbesondere eine eigene Grundlagenforschung kaum leisten kann“.

    In der Encyclopedia of the Paranormal wird dargelegt, weshalb Astrologie von der Parapsychologie wenig beachtet wird: “[…] [E]ven its serious literature abounds with inconsistent and contradictory assertions. […] Astrology has a much smaller body of research (perhaps 1 percent as many studies) and far fewer competent researchers.” Bochinger hingegen weist darauf hin, daß Astrologiekenner „gegenüber der >exoterischen< Geschichte ihrer Disziplin wenig Interesse zeigen“, so daß daher die „Astrologiegeschichte der Moderne […] wenig erforscht“ sei.

    Festzustellen ist jedenfalls, daß die moderne Sternkunde nahezu ausschließlich anwendungsorientiert in Erscheinung tritt, zum Beispiel in Form sogenannter „Kochbücher“, d.h. Standard-Nachschlagewerken zur Horoskopdeutung. Der Methodenstreit, auf den oben hingewiesen wurde, bedeutet letztlich für Schubert-Weller: „Wer sich mit Astrologie intensiv beschäftigt, muß zur Kenntnis nehmen, daß nichts in der Astrologie wirklich gesichert ist, daß nichts in der Astrologie wirklich unumstritten von Astrologen akzeptiert wird.“

    Allerdings ist hier eine Trendwende in Sicht. So betreibt der DAV mittlerweile ein Forschungszentrum, dessen „Forschungsschwerpunkt […] die »Erkenntnistheorie der Astrologie«“ sei.

    Es sollte jedoch nicht außer acht gelassen werden, daß es schon in der Vergangenheit immer wieder Versuche gab, Astrologie empirisch zu beweisen: „Schon die alte mesopotamische Astrologie zeigt uns, wie ausgeprägt das Bemühen um einen empirischen Nachweis bereits in den Anfängen war.“ Als Beispiel führt Schoener die Bibliothek des Königs Assurbanipal aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert an:

    • Diese Bibliothek mit über 4000 astrologischen Tontafeln zeigt uns eine erstaunliche Systematik astronomischer Beobachtungen und ihrer astrologischen Interpretationen. Die Astrologen gingen dabei nach folgendem Schema vor: Eine Beobachtung am Himmel wurde mit Datum und Tageszeit registriert und hinsichtlich ihrer Merkmale genau beschrieben. Ebenso wurden parallel dazu alle politischen und in der Natur vorkommenden Ereignisse registriert. Dasselbe wiederholte sich fortlaufend und auf diese Weise sind über viele Jahrhunderte kontinuierliche Register entstanden, die minutiös die Himmelserscheinungen mit den Ereignissen auf der Erde prüften, mit älteren Vorlagen verglichen und durch neue Beobachtungen ergänzten.
  • Doch wie sieht der aktuelle Stand zur empirischen Erforschung der Astrologie aus?4.2 Empirie

     

    • Gläubige Anhänger und skeptische Spötter hat die Astrologie mehr als genug. Doch nur selten wird der Versuch unternommen, die Thesen der Astrologie nüchtern und ernsthaft auf einen wissenschaftlichen Prüfstand zu stellen.
  • Bislang ist es den Astrologieanhängern nicht gelungen, sich auf diesem Sektor zu profilieren, obwohl es mehrere Ansätze dazu gab. So untersuchte Klöckler, der Astrologie als empirische Wissenschaft betrachtete und die psychologische Astrologie mit auf den Weg gebracht hatte, „in den 1920er Jahren an 5000 Horoskopen besondere astrologische Konstellationen zu Unfällen, Verbrechen, aber auch speziellen Begabungen von Malern, Dichtern und Juristen“. Er selbst erachtete „seine Ergebnisse nicht für endgültig gesichert“, und so finden sie mittlerweile kaum noch Erwähnung. Grundsätzlich ging Klöckler jedoch davon aus, daß eine astrologische Beweisführung möglich sein muss:

    • Die astrologischen Behauptungen gründen sich vielmehr auf gewöhnliche Beobachtung, so wie sie in allen Wissenschaftsversuchen üblich ist. Sie haben demgemäß einen durchaus rationalen Charakter, können und müssen mit rationalen Mitteln “bewiesen” (als wahrscheinlich hingestellt) oder widerlegt werden.
  • Berühmtheit erlangt haben dagegen die Forschungsergebnisse des Psychologen Gauquelin, der „[a]n Hand von insgesamt 35 907 Geburtshoroskopen prüfte [er], ob sich die Berufswahl der Menschen astrologisch belegen ließe“. Dabei gelangte Gauquelin zu dem Ergebnis, daß sich in einem individuellen Horoskop „bestenfalls eine allgemeine Tendenz zu bestimmten Berufsgruppen erkennen“ ließe. Auch Schubert-Weller bezweifelt, daß die Ergebnisse Gauquelins im Stande sind, die Stichhaltigkeit der Astrologie zu beweisen:
    • Die wohl umfangreichsten und genauesten statistischen Arbeiten zur Astrologie von Michel und Françoise Gauquelin haben zwar zu einer teilweisen Bestätigung astrologischer Hypothesen geführt, doch liefern sie insgesamt noch keine zureichende Begründung des Gesamtprogramms der Geburtsastrologie […].
  • Schoener merkt dazu an: „Die Diskussion um diese Untersuchung wird unter Wissenschaftlern bis heute geführt und ist nach wie vor offen.“

    Einen weiteren Versuch, astrologische Grundannahmen empirisch zu überprüfen, unternahm Dr. Peter Niehenke, der von 1981 bis 1991 als erster Vorsitzender des DAV tätig war. Die Ergebnisse dieser Studie sind in seinem Buch Kritische Astrologie nachzulesen und werden von Schubert-Weller folgendermaßen zusammengefaßt: „Niehenkes Arbeit ist vor allem als wissenschaftstheoretischer Beitrag zu verstehen, denn er besagt, daß die Wissenschaft für den möglichen Untersuchungsgegenstand Astrologie keine adäquaten Untersuchungsmethoden gefunden hat.“

    Empirische Belege für die Astrologie zu finden ist also nach wie vor schwierig. Bezüglich der astrologischen Prognostik beispielsweise erhebt Voss den Einwand: „Doch sind alle konstatierbaren Einzelelemente in sich gesehen mehrdeutig, und ihre konkrete Manifestation ist von vielen Faktoren abhängig.“ Das Problem resultiert nach Voss aus dem Umstand, daß „ein Horoskop nach assoziativer und nicht nach instrumentaler Logik zu interpretieren ist“. Obwohl Voss dieses Argument für die Prognostik geltend macht, gilt es möglicherweise für astrologische Deutungen jeglicher Art. So kommt Thomas Schäfer zu folgendem interessanten Schluss:

    • Das Funktionieren der Astrologie ist somit abhängig von der psychischen Umgebung, in der sie ausgeübt wird! Bei dieser Sachlage muß man davon ausgehen, daß die Astrologie nie statistisch bewiesen werden kann – genausowenig wie andere Divinationsmethoden wie z.B. das I Ging. In statistischen «Blindversuchen» fehlt die persönliche psychische Energie, die persönliche psychische Energie, die persönliche Betroffenheit, die die Astrologie zu ihrem Funktionieren unbedingt benötigt.
  • Im Gegensatz dazu vertritt Hans Bender, Gründer des Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene die Auffassung, daß eine wissenschaftliche Überprüfung der Astrologie möglich sein müsse:

    • Man kann freilich auf die Dauer nicht an dem Problem vorbeigehen, ob es sich bei dem astrologischen Weltbild lediglich um «projizierte» oder um naturgegebene Beziehungen handelt. Diese Frage steht der experimentellen Untersuchung offen, denn es muß sich doch feststellen lassen, ob astrologisch und psychologisch Geschulte aus der Geburtskonstellation Aussagen über die Wesensstruktur eines Menschen machen können, die den Bereich zufälliger Treffer übersteigen.
  • In dieser Tradition steht die nachfolgende experimentelle Untersuchung der Gesellschaft für Anomalistik.

     

     

    4.3 Eine aktuelle Studie zur Astrologie

     

    Unter der Leitung von Edgar Wunder, Soziologe und Geschäftsführer der Gesellschaft für Anomalistik (ehemals Forum Parawissenschaften) wird zur Zeit ein sogenannter Zuordnungstest zur Astrologie durchgeführt. Der Grund:

     

    • Die Gesellschaft für Anomalistik […] hat sich zum Ziel gesetzt, Behauptungen und Thesen der sog. „Parawissenschaften“ (wie z.B. der Astrologie) mit den Methoden der etablierten Wissenschaft systematisch zu prüfen.
    • Angeregt wurde der aktuelle Astrologie-Test vom Nürnberger Astrologen Peter Gömmel, der sich dadurch erhoffte, die Stichhaltigkeit der Astrologie wissenschaftlich zu belegen.
  • Die Studie wird voraussichtlich im Sommer 2003 abgeschlossen sein und stellt einen Versuch dar, im Vergleich zu vorhergehenden Studien „den Ansprüchen der Astrologie wirklich gerecht zu werden“ . Zu diesem Zweck ist sie in enger Zusammenarbeit mit Astrologen entworfen worden.

    Von besonderem Interesse dürfte aus religionswissenschaftlicher Perspektive aber auch die Vorstudie hierzu sein, in der die Einstellungen der Probanden zur Astrologie in Erfahrung gebracht wurden. Entstanden ist eine „Korrelationsmatrix zwischen Indikatoren des astrologischen Glaubens, des astrologischen Wissens und der astrologischen Beratungserfahrung (Besuch eines Astrologen)“. Dabei stellte sich heraus, „dass es nur wenige Personen gibt, die sich intensiv mit der Astrologie bzw. ihrem Horoskop beschäftigt haben und dennoch nicht an die Astrologie glauben“. So konstatiert Wunder: „Ablehner der Astrologie sind typischerweise männlich und wissen von der Astrologie wenig.“ Genauer gesagt:

    • Eine entschiedene Ablehnung astrologischer Überzeugungen geht typischerweise ganz offensichtlich jedenfalls nicht auf eine nähere Beschäftigung mit der Astrologie zurück, sondern korreliert ganz im Gegenteil stark mit dem Fehlen einer solchen persönlichen Beschäftigung.
  • Die Ursache des Astrologieglaubens wird von Wunder psychologisch begründet:

    • Es kann angenommen werden, dass die gut bekannten psychologischen Mechanismen, wie sie im Kontext alltagsweltlich üblicher Validierungsstrategien beim Umgang mit Horoskopen erwiesenermaßen auftreten (Dean 1998) mit großer Zwangsläufigkeit astrologische Evidenzerlebnisse produzieren, die sich dann in gefestigten astrologischen Überzeugungen kristallisieren (vgl. Wunder 1994).
  • Ähnliches wird in der Encyclopedia of the Paranormal ausgesagt zum Thema, wie der Glaube an Astrologie zustande kommt.
  •  

     

    4.4 Das Weltbild der Astrologie

     

    • Allerdings wird sich die Horoskop-Deutung, wie sie die psychologische Astrologie betreibt, kaum experimentell beweisen lassen. Hier bleibt die Frage nach der Wahrheit der Astrologie eine rein persönliche Erfahrung und Entscheidung – so wie das für jede religiöse Lehre gilt.
  • Wie bereits deutlich wurde, kennzeichnen Begriffe wie „Weltbild“ oder „Weltanschauung“ die Auseinandersetzung um das Verhältnis von Astrologie und Wissenschaft, was folgendes Zitat Peuckerts bekräftigt:

    • Cassirer nannte die Astrologie einen Versuch der Weltanschauung oder Weltbetrachtung. Die Definition ist meines Erachtens richtig. Ist aber die Astrologie als eine Weltanschauung anzusehen, dann wird damit für diesen meinen Versuch auch ein methodischer Weg gefordert, denn Weltanschauungen sind sozusagen a priori; sie sind ein dem Menschen Gemäßes und Gegebenes, sie sind in ihm; man kann sie eben so wenig anerziehen, wie man sie selber oder ihre Richtigkeit beweisen kann. […][M]an kann ein numinoses Erleben, man kann Gott, man kann „Liebe“ nicht „beweisen“, und ebensowenig eine Weltanschauung.
  • Astrologie ist für Peuckert ausdrücklich keine Wissenschaft. Daher hält er es für „Versuche am untauglichen Objekt“, die Gültigkeit der Astrologie beweisen zu wollen. Zurückzuführen sei dieses Unterfangen letztlich auf „die heute nicht mehr brauchbaren Ausläufer einer rationalistischen ´Aufklärung`, einer ´exakten` Wissenschaft, für welche es nichts gab, was man nicht wiegen, messen oder zählen konnte“.

    Bender wendet sich gegen eben diese Einwände, indem er (ohne sich jedoch explizit auf Peuckert zu beziehen) den Vorwurf des „Versuch[s] am untauglichen Objekt“ aufgreift und hinzufügt: „Erkenntniskritisch gibt es keine A-priori-Gründe, mit denen die Unmöglichkeit einer nicht kausalen Entsprechungslehre im Sinne einer neu interpretierten Astrologie bewiesen werden könnte.“

    Rosenberg dagegen betont die Andersartigkeit astrologischen Denkens:

    • Sie [die Astrologie, Anm. d. Verf.] behauptet darum nur, dass es möglich sei, die auf die Erde und den Menschen hingeordneten Schickungen Gottes in symbolisch-realer Weise erkennen zu können, wie auf andere Weise die Naturwissenschaften die Gesetze des Kosmos und der Erde, und die Psychologie diejenigen der Menschenseele.
  • Auch Faivre unterscheidet verschiedene Denkformen:

    • Genauso, wie es eine esoterische Denkform gibt, gibt es auch eine wissenschaftliche, mystische, theologische oder – allerdings etwas später – utopische Denkform. […] Jede hat ihr eigenes Vorgehen und verknüpft die Komponenten auf ihre Art und Weise, was zur Schaffung eines Literaturkanons, einer Kultur führt.
  • Eine weitere Möglichkeit, die Astrologie der Wissenschaftskritik zu entziehen besteht darin, den universalen Anspruch des wissenschaftlichen Denkens per se in Frage zu stellen, wie dies Bernward Thiel in seiner Vorbemerkung zu Knappichs Geschichte der Astrologie tut:

    • Der Mensch der Gegenwart fühlt sich in den vom Naturwissenschaftler uns präsentierten ausgemessenen Kosmos eingesperrt, wenn Psyche und Bewußtsein in ihm keinen Raum finden. Das Gefühl der Einsperrung ist zu verstehen, denn was vom „exakten“ Wissen ausgegrenzt wird, gehört dennoch zur Wirklichkeit des Menschen, da es in ihm wirkt.
  • Der esoterische Astrologe Thorwald Dethlefsen vertritt ebenfalls diese Ansicht, äußert sich allerdings etwas radikaler, wenn er schreibt, die Astrologie habe „es nicht nötig, von der Wissenschaft »anerkannt« zu werden, sondern kann dank ihrer Souveränität abwarten, bis die funktionalen Weltbilder abdanken“. Das Buch, in dessen Vorwort Dethlefsen diese Auffassung vertritt, heißt bezeichnenderweise Das senkrechte Weltbild. Hierin finden sich viele Tabellen, in denen die Entsprechungen der Tierkreiszeichen zu verschiedensten Kategorien vorgestellt werden, von Haustieren, Sportarten, Automarken, bis hin zu sozialen Lebensformen. Im Gegensatz zur heute üblichen „horizontalen“ Sichtweise, in dem beispielsweise Steinböcke und Affen zur Kategorie Tier gehören, verkörpert die senkrechte gewissermaßen einen Querschnitt, in dem der Steinbock als Entsprechung eines „Urprinzips“ aufgefasst wird. Damit gehört der Steinbock für die Autoren zur Symbolkette des Planeten Saturn, wie mit ihm so verschiedene Dinge wie „Zähne, Efeu, Klosterzelle, Schwarz, Bergarbeiter“.

    Diese Sichtweise ist keinesfalls neu, sondern läßt sich bis zur Astrologie im alten Ägypten zurückverfolgen: „Jeder Stein, jede Pflanze, jedes Tier war einem bestimmten astralen Gott zugeordnet, das heißt: In diesem Stein oder Organismus wirkte die Kraft dieses Gottes.“ Diese Zuordnung stellt ein „System von Entsprechungen“ dar und umfaßt verschiedenste Symbolkategorien. So ist nicht nur jeder Organismus, sondern jedes einzelne menschliche Körperteil und Organ einem Planetenprinzip zugeordnet; Ähnliches gilt für Krankheiten und „entsprechende“ Heilmittel. Auf diese Weise ist das „senkrechte“ Weltbild mit der alt-ägyptischen Heilkunde der Iatromathematik verbunden, die „bis in die frühe Neuzeit die gebräuchliche Medizin“ war: „Dieses System von Analogien – äußerlich an Gegenstände gebunden, innerlich mit göttlichen Kräften versehen – macht das Weltbild der Astrologie bis in die Gegenwart aus.“

    Diese religiöse Implikation der Astrologie erklärt für Schubert-Weller ihren schwierigen Stand als mögliche wissenschaftliche Disziplin:

    • Gerade in der Astrologie, die trotz zunehmender öffentlicher Resonanz noch immer ein randständiges Fach ist und auf absehbare Zeit auch bleiben wird, zeigen sich recht ausgeprägte Eigenentwicklungen und Eigenwilligkeiten. Dies hat im übrigen nicht zuletzt damit zu tun, daß – zum Teil aus historischen Gründen – die Astrologie nach wie vor verhältnismäßig stark mit weltanschaulichen, religiösen und esoterischen Denkmodellen verknüpft ist.
  • Aus dem bisher Gesagten ergibt sich bereits, daß die Astrologie, sofern sie denn als Wissenschaft gelten soll, ein anderes Verständnis von Wissenschaft erforderlich macht als das der Naturwissenschaft zugrundeliegende.

    Dies ist in der esoterischen Astrologie der Fall. Wie bereits im zweiten Kapitel erwähnt, erhebt Alice A. Bailey die Astrologie zwar nicht in den Rang einer exakten Wissenschaft, dennoch bezeichnet sie sie als „größte und älteste aller Wissenschaften“, die zudem „ihrem innersten Wesen entsprechend die reinste Darstellung okkulter Wahrheit in der heutigen Welt ist“. Demgemäß weise die Astrologie, indem sie kosmische Zusammenhänge aufzeige, den Weg zur Wissenschaft der Zukunft, die okkultes Wissen mit einbeziehe:

    • Wir werden die Beziehungen zwischen den individuellen, planetarischen, solaren und kosmischen Wesenheiten begreifen, und erst dann werden wir wissenschaftlich zu leben beginnen. Diese wissenschaftliche Lebensweise zu schaffen ist der unmittelbare Zweck der Astrologie.
  • Etwa ein Jahrhundert später konstatiert Niehenke, daß für die esoterische Astrologie „eine Prüfung ihrer Aussagen weder notwendig noch möglich“ sei.

    So moniert auch der esoterisch orientierte Astrologe Jean Claude Weiss, die Fragen nach der Beweisbarkeit und Wissenschaftlichkeit der Astrologie seien „falsch gestellt“, schließlich könne man „etwas Umfassenderes nicht mit Hilfe von etwas Beschränkterem erklären“.

    Zu einem ähnlichen Schluss gelangt auch Schubert-Weller: „Astrologie ist nicht Wissenschaft. Aber Wissenschaft deckt auch nicht alles Wissen ab.“

    Der Religionswissenschaftler Hoheisel klassifiziert die Revidierte Astrologie als „Glaube[n], der Hochachtung verdient, aber nicht mit Wissenschaft verwechselt werden darf“. Seine Begründung:

    • Wenn Bindung an Empirie zu den Definitionsmerkmalen modernerer Naturwissenschaft gehört, dann ist auch die revidierte Astrologie als nichtwissenschaftlich einzustufen. Gerade die Behauptung, daß die Konstellation im Augenblick der Geburt einen Zusammenhang zum Charakter des Neugeborenen aufweisen soll, unterstreicht den esoterischen, mit den üblichen naturwissenschaftlichen Methoden nicht faßbaren Charakter dieses Zusammenhangs.
  • Schoener macht deutlich, daß der Astrologie zwar „exakte wissenschaftliche Berechnungen zugrunde“ liegen, ihr Weltbild jedoch, zumindest von den Ursprüngen her, ein religiöses ist. Auch Ernst Jünger befand, die Astrologie sei „eher […]der Religion benachbart als der Wissenschaft“.

    Handelt es sich bei der Astrologie also lediglich um eine Weltanschauung oder gar um eine eigenständige Religion? Dieser Frage widmet sich das nachfolgende Kapitel.

     

    5. Astrologie in der religiösen Gegenwartskultur

     

    5.1 Astrologie und Religion

     

    Zunächst sei erst einmal die Frage gestellt, ob Astrologie überhaupt notwendigerweise mit Religion zu tun hat? Schubert-Weller berichtet, daß „viele klassische Astrologen im Sinne der Revidierten Klassik ohne eine religiöse oder esoterische Grundlegung ihres Faches“ auskämen.

    Hans Bender bemerkt in seinem Vorwort zu Rings Menschenkunde gar, daß „in den astrologischen Symbolen eine säkulare seelische Erfahrung“ zum Ausdruck käme.

    Ist also der weltanschauliche Hintergrund in der psychologisch orientierten Beratungspraxis der Astrologen nebensächlich?

    Aus der Sicht Schoeners hängt die Astrologie eindeutig mit naturreligiösen Vorstellungen zusammen, da in ihr der gesamte Kosmos als beseelt gilt, wobei die Planeten und Tierkreiszeichen als Götter beziehungsweise Dämonen angesehen werden. Der Tierkreis heißt auf Griechisch Zodiakos, wobei Zodia Lebewesen bedeutet: „Das zeigt, dass jedem Tierkreiszeichen »Leben« zukommt, dass es als göttliches (oder auch dämonisches) Wesen verehrt wurde.“

    Selbst die heutige psychologische Astrologie käme demnach letztlich nicht ohne den esoterischen Grundgedanken von der All-Beseeltheit aus, jedenfalls nicht solange, bis sie eine eigene triftige Erklärung für die Rechtmäßigkeit ihrer Entsprechungslehre gefunden hat. Zudem führt Schubert-Weller aus:

    • Die Einbettung der Astrologie […] in ein religiöses, ethisches oder esoterisches Weltbild […] kann den astrologischen Grundgedanken einer größeren, »kosmischen« Ordnung, in die der Mensch mit all seinem Handeln und Denken gestellt ist, nur stützen! […] Lebenskundliche Anwendung der Astrologie kommt ohne Weltanschauung nicht aus […].
  • Wie oben gezeigt wurde, ist zumindest der Ursprung der Astrologie religiöser Natur. Doch was bestimmt ihr Verhältnis zur religiösen Gegenwartskultur?

    Ein entscheidendes Kriterium hierfür liegt sicher in der Motivation der Ratsuchenden, die sich an Astrologen wenden, auf die hier aber nicht näher eingegangen werden soll.

    Interessant sind zunächst die vielfältigen Hinweise auf den Glaubenscharakter der Astrologie.

    Rosenberg spricht vom „religiöse[n] Hintergrund der Astrologie“, die den Kosmos als „Offenbarungsbuch Gottes“ betrachtet. Ferner sei die Astrologie die „älteste Theologie der Menschheit, […] die gemeinsame Wurzel von Religion, Kunst und Wissenschaft, ja jeder sinnvollen Ordnung auf Erden“.

    Stuckrad, der sich mit dem Verhältnis von Astrologie zum Judentum und zum Christentum in der Antike beschäftigt hat, bemerkt: „Dabei tangiert die Astrologie genuin religiöse Bereiche, wie beispielsweise die Vorbestimmung, die Freiheit des Menschen oder das Verhältnis Gottes zu den Gestirnen.“

    In der Tat wird häufig von einem Glauben an die Astrologie gesprochen:

    • Damit ist das Grundprinzip umschrieben, das die Astrologie ausmacht. Es ist der tief empfundene Glaube, dass der Kosmos göttlich geordnet und verwaltet wird, und dass all die Dinge, die am Himmel geschehen und berechenbar sind, in geheimnisvoller Weise mit dem Geschehen auf der Erde in enger Beziehung stehen.
  • Ein Hinweis auf den Glaubenscharakter der Astrologie findet sich auch in der Encyclopedia: „However, unlike a science such as physics or an art such as music, astrology depends on a single hypothesis […]. Thus it is sensible to ask if astrology is believed in but not sensible to ask if physics or music is believed in.”

    Wie lautet diese astrologische Hypothese?

    • The astrological hypothesis is that the macrocosm (universe) and microcosm (man) are related. […] The hypothesis is commonly expressed as “as above so below,“ now nearly always qualified by the dictum „the stars incline but do not compel“ or (to avoid implying causality) “the stars merely signify.“ It says there is a shared order to things, which astrology attempts to ascertain from astronomical conditions and apply to nonastronomical ends.
  • Wenn Astrologie auf religiösen Vorstellungen basiert und zudem etwas ist, an das man glaubt oder eben nicht glaubt, handelt es sich dann gar um eine Religion?

    Der Astrologe Michael Roscher betont:

    • Schließlich vermag die Astrologie, dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Damit ist keinesfalls ihre gelegentlich unheilvolle Rolle als Religionsersatz gemeint. Vielmehr übernimmt, richtig verstanden, Astrologie die Funktion eines Kompasses: Sie zeigt uns die Richtung auf, in der wir suchen müssen, um das uns Gemäße zu entdecken.
  • Als eigenständige Religion beziehungsweise Religionsersatz kann Astrologie ferner dann nicht gelten, wenn sie in eine (traditionelle) Religion eingefügt wird, wie in Kapitel 6 über das Christentum gezeigt wird.

    So wird auch im Lexikon für Theologie und Kirche darauf verwiesen, daß Astrologie zwar eine religiöse Komponente habe, jedoch selbst keine Religion sei: „Kann zwar A. nicht selbst als Religion gelten, so stellt sie doch mit ihrem Versuch, menschl. Schicksale sinnstiftend als in kosmische Rhythmen eingebettet zu begreifen, tiefgehende rel. Fragen, die nur durch echte rel. Antworten Klärung finden können.“

    Letztlich hängt die Beantwortung der Frage, ob Astrologie eine Religion sei oder nicht, vom zugrundegelegten Religionsbegriff ab, wie es Stuckrad deutlich macht:

    • Hier versagen nämlich sowohl theologische Konzepte, welche die Astrologie aus dem Bereich der Religion ausschließen möchten, als auch religionswissenschaftliche Modelle, die auf Ideen vom „Heiligen“ aufbauen. Denn der Rekurs auf transzendente numinose Größen ist kein notwendiges Kriterium, Astrologie zu betreiben.
  • Immerhin sei die Astrologie, so Stuckrad, ein religionswissenschaftlich interessanter Forschungsgegenstand, „weil sie neben der eminent religiösen Tragweite, die ihre Konzepte implizieren, den rein religiösen Diskurs transzendiert in Bereiche der Philosophie, der Weltbilder und Wirklichkeitsentwürfe hinein“. Sein Anliegen ist es, zu zeigen, wie „die zentralen Positionen pragmatistischen Denkens auf die religionswissenschaftliche Forschung anzuwenden“ sind:

    • Denn gerade jene religiösen Phänomene, die auf von unserem Wirklichkeitsverständnis stark abweichende Konzeptionen rekurrieren – und dies gilt nicht nur für die Astrologie, sondern in ähnlicher Weise auch für die Magie, die Esoterik usw. –, bieten sich für eine pragmatistische Erforschung an.
  • Hierbei geht es, wie in der Religionswissenschaft üblich, wiederum nicht darum, festzustellen, ob Astrologie „richtig“ oder „falsch“ ist, oder ob ihre Grundlagen objektiven Gegebenheiten entsprechen. Im Pragmatismus seien vielmehr gerade Aussagen über „objektive Wahrheiten“ schlicht nicht möglich: „Auch der Pragmatismus leugnet die grundsätzliche Faktizität von «etwas dort draußen» nicht (111), sondern lediglich die sprachliche und kognitive Beherrschbarkeit dessen, was «objektiv» gegeben ist.“

    Nach Auffassung Schoeners ist das Dilemma um die Wissenschaftlichkeit der Astrologie folgendermaßen zu lösen:

    • Das naturreligiöse Bild vom Kosmos, das die Astrologie vermittelt, die geheimnisvollen Verbindungen zwischen Gestirnen und Menschen, können wir mit wissenschaftlichen Methoden genauso wenig klären, wie die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod und ein Fegefeuer gibt, oder ob es Karma und Wiedergeburt gibt. Wenn der Kosmos als lebendiger Organismus gesehen wird, so können wir das genauso respektieren, wie wir jede Naturreligion respektieren.
  • Erklärungen für die Beliebtheit astrologischer Lehren, die sich allerdings häufig auf die „populäre“ Sonnenstandshoroskopie beziehen, bietet die Encyclopedia of the Paranormal. Dort heißt es:

    -„As a religious belief system astrology can meet the spiritual needs of believers.”

    -“In the old days our clues to finding a personal identity were taken from stable family and social settings. Today this stability is lost, and traditional clues may well be less important than clues provided by films, TV, celebrities, and the occult.”

    Warum aber glauben Menschen, daß die Sterne ihr Schicksal bestimmen? Glauben sie zum Beispiel an einen Schöpfergott, der sie als „Zeichen“ an den Himmel gesetzt hat? Ist der Glaube an Astrologie in bestimmten Bevölkerungsschichten besonders verbreitet?

    In dem Artikel Ist Astrologie Glaubenssache?, der in der Zeitschrift „Meridian“ erschien, stellte der Heidelberger Soziologe Edgar Wunder u.a. eine Bevölkerungsumfrage zur Astrologiegläubigkeit vor. Sie wurde 1998 in 16 Ländern durchgeführt, wobei in Bezug auf Deutschland jedoch zwischen Ost- und Westdeutschland unterschieden wurde. Es zeigte sich, daß keine Zusammenhänge zwischen der positiven Einstellung zur Astrologie und etwa dem Bildungsgrad der Befragten hergestellt werden konnten, ebenso fand man keine „nennenswerte[n] Unterschiede zwischen den sozialen Schichten“. Signifikant war, daß in allen Ländern (mit Ausnahme Portugals) der Anteil der Frauen unter den Astrologiegläubigen deutlich hoch war, wie etwa in Westdeutschland: „So beurteilen z.B. in Westdeutschland nur 33 % der Männer die astrologische Aussage als zumindest »wahrscheinlich« zutreffend, aber 48 % der Frauen.“

    Wunder hat dabei eine Kohärenz zwischen Astrologieglauben und Religiosität im allgemeinen festgestellt:

    • Die dritte Ländergruppe bilden Ost- wie Westdeutschland, Bulgarien und Russland. In diesen Ländern zeichnet sich eine Polarisierung ab zwischen den tendenziell astrologiefeindlichen Atheisten und Agnostikern auf der einen, und den tendenziell astrologiefreundlichen religiös orientierten Personen egal welcher Couleur auf der anderen Seite. Das heisst, in diesen Ländern ist das Immunisierungspotential der christlichen Religion gegen die Astrologie vollends zusammengebrochen, was mit der starken Marginalisierung des christlichen Glaubens in diesen vier Ländern zusammenhängen dürfte, der unter diesen Bedingungen ganz damit beschäftigt ist, sich gegen die übermächtig werdende säkulare Strömung noch zu erwehren.
  • Die astrologische Szene weist jedoch noch weitere Weltdeutungen auf, die über die Individualhoroskopie weit hinausgehen. Diesen wollen wir uns im folgenden Kapitel zuwenden.
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    5.2 Astrologie und New Age

     

    • Astrologisches Deuten müßte in selbstkritischer Bescheidung von seiner „kosmisch“ ausgezeichneten Sonderstellung dahin zurücktreten, wohin es, ohne es wahrhaben zu können, jetzt schon gehört: in die Reihe der „normalen“, tiefenpsychologisch-symbolisch ausgerichteten, projektiven Diagnose-Methoden.
  • Wenn Böhringer in dieser Weise für eine Sterndeutung ohne Sterne plädiert, lässt er außer acht, daß die Astrologie noch in anderen Zusammenhängen als der psychologischen Beratung existiert. Wie eingangs erwähnt wurde, spielt die Astrologie auch eine Rolle im Bereich der Neuen Religiösen Bewegungen und beschränkt sich eben auch nicht auf die Deutung individueller Horoskope.

    Ein Beispiel hierfür liefert die Zeitalter-Diskussion, die ihren Ausgangspunkt in der esoterischen Astrologie des 19. Jahrhunderts nimmt. Demnach befinden wir uns zur Zeit im Übergang zum Wassermann-Zeitalter:

    • Diesem »Wassermann-Zeitalter« liegt eine reale astronomische Berechnung zugrunde, nach der der Frühlingspunkt durch eine bestimmte Bewegung der Erdachse langsam durch den Tierkreis wandert und Ende des 20. Jahrhunderts aus dem Zeichen »Fische« heraustritt und in das Zeichen »Wassermann« eintritt. Mit diesem Wechsel soll nun auch eine geistige Höherentwicklung der Menschheit verbunden sein.
  • Zum Verständnis dessen muss kurz auf die Unterscheidung von tropischem und siderischem Tierkreis eingegangen werden, die in der Astrologie eine große Rolle spielt.

    Etwa seit dem 4. vorchristlichen Jahrhundert arbeiteten Astrologen auf Grundlage des tropischen Tierkreises, der sich an den vier jahreszeitlichen Wendepunkten (Äquinoktien) orientiert. Dieser Tierkreis wurde in 12 Abschnitte unterteilt, die die Namen der am Himmel gesichteten Sternbilder erhielten: „Damit behalten diese – trotz der „Präzession der Äquinoktien“ – ihre Gültigkeit als […] Charakterisierungen der Wandlungen des Lebens in Analogie z. unterschiedl. Wirkung der Sonne in den entsprechenden Jahreszeiten.“

    Der Begriff des Wassermann-Zeitalters geht auf den Aquarian Gospel of Jesus the Christ zurück, einem esoterischen Werk von Levi H. Dowling. Die Herausgeberin des Aquarian Gospel, Eva S. Dowling, erläutert zu Beginn des Werkes die astrologische Deutung der Zeitalter, die Christoph Bochinger wie folgt zusammenfasst:

    • »Kritischen Forschern« zufolge habe das »Stier-Zeitalter« zu Zeiten des biblischen Adam und das »Widder-Zeitalter« mit Abraham begonnen, während das »Fische-Zeitalter« mit dem Höhepunkt des Römerreiches und der Geburt Jesu von Nazareth verknüpft sei. [172] Das letztere falle daher mit der »christlichen Kulturperiode« zusammen, und von dieser astrologischen Vorgabe rühre auch die frühchristliche Fischsymbolik her. Doch nun folge ein Übergang zum nächsten Zeitalter, dem des »Wassermanns«, das »in erster Linie ein geistiges Zeitalter« sei. [173]
  • So würde die Erneuerung der Astrologie, die Alice A. Bailey vorschwebte, erst im jetzigen, dem Wassermann-Zeitalter möglich, „da Gruppenbewußtsein, Gruppenbeziehungen und Gruppenintegrität in den Vordergrund des menschlichen Bewußtseins treten“. Es geht dabei um die Vorstellung, daß die Weltgeschichte zyklisch verläuft. Elmar Gruber weist darauf hin, daß auch C.G. Jung die „vergangenen zwei Jahrtausende als das »Fische-Zeitalter«“ herausgestellt hat.

    • Die Astrologie hat, als Entsprechungslehre zwischen den himmlischen und den irdischen Ereignissen, die intellektuelle Gestalt von Geschichte und Schicksal über Jahrtausende geprägt. Als Ausdruck der übergreifenden Verbindung von Geistigem und Körperlichem kann sie auch heute noch ein Ordnungsschema für Zeitströmungen sein. Darin findet das Wassermann-Zeitalter seine intellektuelle Berechtigung.
  • Das neue Zeitalter des Wassermanns findet sich gegenwärtig häufig unter dem englischen Ausdruck New Age wieder.
  • Wo liegen die Ursachen für diese Hoffnung auf ein „neues Zeitalter der Menschheit“?

    Der Religionswissenschaftler Hans G. Kippenberg stellt in einem Unterkapitel zum Thema „Die Ambivalenz von Modernisierung: Entfremdung und Optionen“ Erkenntnisse der modernen Soziologie zusammen, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sein können:

    • Peter L. Berger hat auf die Ambivalenz hingewiesen, die die Modernisierung für alle Beteiligten hatte. Viele Menschen hätten die Moderne als Befreiung von den engen Grenzen der Tradition erlebt. Jedoch hätten sie schnell merken müssen, daß sie dafür einen hohen Preis zu bezahlen hatten. Denn nicht nur erlebte der Mensch sich jetzt als allein und herausgelöst aus der festen Solidarität einer Gruppe. Ihm seien auch Zweifel gekommen über die Normen, nach denen er sein Leben gestalten solle, ja sogar Zweifel letztlich auch darüber, wer oder was er selber sei. […] Religion, zuvor eine Art Schicksal, konnte und mußte jetzt gewählt werden.
  • Zudem habe Anthony Giddens darauf hingewiesen, daß „[d]er Anspruch der Aufklärung, alle sozialen Praktiken kritisch zu hinterfragen, […] wohl ein Mehr an Optionen, aber zugleich damit auch ein Weniger an Gewißheit gebracht“ habe.

    Dieses „Weniger an Gewißheit“ spiegelt sich wohl nicht zuletzt im Phänomen des Esoterik-Booms, zu dem auch die Astrologie gehört, wie Schenkluhn andeutet:

    • Im Zeitalter des New Age […] erlangen astrologische Sinndeutungen zusammen mit den Erfahrungswelten östlicher Religionen, mit psychologischen Symboltheorien und dem Bestreben nach Selbstfindung neue Attraktivität und einen neuen Stellenwert im Gefüge des Marktes der Religionen. […] Indem jeder und jede einzelne sich in den Alltagssorgen angesprochen fühlt, verspricht die >Botschaft der Sterne< Orientierung, Lebenshilfe und letztlich >Selbstfindung< in einer Welt ohne Grundwahrheiten.
  • Allerdings gehört New Age für Faivre nicht in den Bereich der Esoterik:

    • Ein Phänomen wie das New Age […] gehört eher zu den sogenannten Neuen Religiösen Bewegungen als zu den eigentlichen esoterischen Strömungen […]. Interessant ist es immerhin zu erforschen, inwiefern das imaginäre Weltbild des New Age in den vorhergehenden esoterischen Strömungen wurzelt.
  • Was genau wiederum unter Neuen Religiösen Bewegungen zu verstehen ist, erläutert der Religionspsychologe Sebastian Murken wie folgt: „»Neue Religionen sind in diesem Sinne keine einheitliche Gruppe. Ja, es ist sogar äußerst unklar, was unter »neu« zu verstehen ist. Oft handelt es sich um Religionen mit jahrhundertealten Traditionen.“ Murken verwendet die Begriffe New Age und Esoterik synonym und beschreibt „immer wiederkehrende Elemente“ dieser Weltanschauung, die sich auch in den modernen Formen von Astrologie aufzeigen lassen.

    Wie oben ausführlich gezeigt wurde, findet man beispielsweise das „Interesse an tiefenpsychologischen Konzepten“ in der psychologisch orientierten Astrologie wieder, während mystische oder vorchristliche Traditionen besonders innerhalb der esoterischen Astrologie eine Rolle spielen. Diese Unterscheidung scheint für das Christentum unerheblich:

    • Der Astrologie liegt somit ein kosmisches Welt- und Menschenbild zugrunde, das der wissenschaftlich-rationalen, aber auch der christlichen Weltsicht zuwiderzulaufen scheint. Wissenschaft und Theologie üben darum fundamentale Kritik an der Astrologie. Sie sei unwissenschaftlich, bloßer Aberglaube. Sie betreibe Wahrsagerei und fördere so Abhängigkeit und Fatalismus. Theologie weist zusätzlich darauf hin, dass die Astrologie insgesamt eine Ersatzreligion sei, die sich mit einem christlichen Weltbild nicht vereinbaren lasse.
  • Handelt es sich bei der Astrologie tatsächlich um eine Ersatzreligion, die sich mit dem Christentum nicht vereinbaren lässt? Das evangelische „Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt“ (DAS) beschrieb unter dem Titel „Siegeszug der Sinnsucher“ im August 1999 den wachsenden Absatz von Büchern mit esoterischen Inhalten, wobei „der Umsatz an entsprechenden Titeln allein im vergangenen Jahr um 27 Prozent gestiegen“ sei. Eine Leser-Umfrage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels habe folgendes ergeben: „Beachtlich ist dabei zunächst einmal, dass immerhin mehr als ein Drittel aller Befragten überhaupt Esoterik-Bücher (oder solche, die einen esoterischen Bezug haben) liest.“  Besonders Bücher über „alternative Medizin, Psychologie und Lebenshilfe“ würden stark nachgefragt: „Im Mittelfeld liegen Astrologie und Meditation, und ein kleineres Publikum findet Gefallen an östlicher Weisheit und den Grenzwissenschaften.“

    Wenn diese Angaben auch ungenau sind, belegen sie doch eindeutig einen Trend, mit dem sich insbesondere Vertreter der christlichen Kirchen hierzulande befassen müssen: den Esoterik-Boom, zu dem eben auch die Astrologie gezählt wird. Die Religionswissenschaftlerin Julia Iwersen schreibt dazu: „Seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts erlebt der Westen eine Blüte außer- und mitunter auch gegenkirchlicher Religiosität, die in der öffentlichen Diskussion unter dem Namen “Esoterik“ firmiert.“

       Die Gründe für die Anziehungskraft esoterischer Themen sieht Iwersen in der „spirituelle[n] Gesamtsicht des Kosmos“, die die Esoterik scheinbar bietet:

    • Während bei den christlichen Kirchen nach der Aufklärung die resignative Neigung vorherrscht, die Erklärung der Welt den Spezialwissenschaften zu überlassen, erhebt die Esoterik in ihren mannigfalten Spielarten den Anspruch, etwas zu wissen, was die entzauberten Wissenschaften uns vorenthalten. Eine seriöse, undogmatische Prüfung dieses Anspruches jenseits der esoterischen Insider-Kreise steht noch aus.
  • Dennoch müssen sich Astrologie und traditionelle Religionszugehörigkeit nicht grundsätzlich ausschließen, wie das nachfolgende Kapitel zeigt. Im Falle der positiven Rezeption der Astrologie in den monotheistischen Religionen (Christentum, Judentum, Islam) handelt es sich um eine Umdeutung der oben beschriebenen astralen Mächte in Engel und Dämonen, die dem Schöpfergott als »Werkzeuge« dienen.

     

     

    6. Die Kontroverse in der christlichen Theologie

     

    6.1 Astrologie in der kirchlichen Tradition

     

    • „Seit es Christen gibt, war es für sie von Bedeutung, ob und wie sie ihre Glaubensüberzeugung mit astrologischem Gedankengut verbinden konnten oder nicht.“ (Böhringer, Astrologie. Kosmos und Schicksal, S. 110)
  • Zunächst wurde die Astrologie meist als „heidnische“ Konkurrenz zum gerade entstandenen Christentum gesehen, da man die damalige Gestirnverehrung als Anbetung „fremde[r] Götter oder Engel, die von Gott abgefallen waren“ interpretierte.

    Das besondere Problem bestand darin, daß der Determinismus der antiken Astrologie nicht mit dem Erlösungsglauben an Jesus Christus in Einklang zu bringen war, der ein Menschenbild voraussetzt, daß den freien Willen des Individuums zur Grundlage hat. Allerdings wurde dieses Problem erst später als solches aufgefasst, wie Stuckrad bemerkt: „Die Frage, ob sich Astrologie und Gottesfurcht gegenseitig ausschließen, ist in der Antike allenfalls am Rande diskutiert worden; erst nachdem das Christentum zur neuen Macht aufgestiegen war, wurde der Ton einseitiger und schärfer.“

    Stuckrad warnt an dieser Stelle vor Anachronismen, die Frühzeit des Christentums betreffend:

    • Wenn wir aber nicht die spätere Entwicklung, wie wir sie sehen, kausal aus der früheren abzuleiten versuchen, sondern den Diskurs tatsächlich in der jeweiligen Zeit beschreiben, so stellen wir plötzlich fest, daß das Christentum in seiner Ablehnung der Astrologie keineswegs so gefestigt war, wie dies den Anschein haben mag. Es wird im Gegenteil eine lebendige Diskussion sichtbar werden, die einerseits astrologisches Gedankengut mit großer Selbstverständlichkeit aufnahm und andererseits sich von solchen Gedanken radikal abzusetzen bestrebt war. Plötzlich sind es u.a. politische Entscheidungen, in ihrer Tragweite nicht vorhersehbar und durchaus kontingent, die über die weitere Behandlung der Astrologie im Christentum entschieden.
  • Der Kirchenvater Origenes ist ein wichtiges Beispiel für die frühchristliche Auseinandersetzung mit der Astrologie. Er repräsentiert einerseits das „»offizielle[n]« Christentum“, gilt aber andererseits als Anhänger des Gnostizismus, einer „religiöse[n] Strömung innerhalb des Christentums“, die nach Faivre „eine Theosophie“ darstellt und als esoterische Richtung des frühen Christentums verstanden werden kann: „[…][F]ür Origenes (185-254) bedarf es einer ständigen Anstrengung, um die Texte der heiligen Schrift auf mehreren Ebenen auszulegen, um so vom Glauben zur Erkenntnis (Gnosis) zu gelangen.“ Bei Ernst Jünger wird Origenes` Haltung gegenüber der Astrologie schließlich explizit erwähnt: „Origenes, der an Astralgeister glaubte, befürchtete, daß eine Lehre, die das Schicksal mit dem Lauf der Sterne verknüpft, den Menschen des Gefühls der Freiheit beraube und ihn vom Pfade des Gebets ablenke.“

    In späterer Zeit wurden astrologisch begründete Zusammenhänge von seiten der Gelehrten als wissenschaftliche Erkenntnisse gehandelt. Im Hinblick auf das Mittelalter verweist Schoener auf den Aufstieg der Astrologie in den Rang einer Wissenschaft, „die gleichzeitig mit Astronomie, Mathematik und Medizin an allen europäischen Universitäten gelehrt wurde“. Faivre nennt einige Beispiele für diese mittelalterlichen Astrologen. 

    Wie ging die Kirche in dieser Epoche mit dem Phänomen der Sterndeutung um? Der Scholastiker Thomas von Aquin bezweifelte nicht, daß die Gestirne einen Einfluss auf das menschliche Leben haben könnten. Ausgehend von einem Gegensatz zwischen physischer, sinnlicher Welt einerseits und der Vernunft und Hinwendung zu Gott andererseits, beherrschten die Sterne jedoch lediglich die „sinnlichen Neigungen“, von denen sich der Mensch theoretisch distanzieren könne, beziehungsweise von denen man sich als Christ auch distanzieren solle.

    Dennoch wurde die oben beschriebene Befürchtung der übermäßigen Schicksalsgläubigkeit auch in der Reformationszeit noch stark thematisiert:

    • Luther, Calvin und andere Reformatoren bewerteten die dem Menschen gegebene Möglichkeit, auf Vorhersagen zu reagieren, als Einschränkung der Allmacht Gottes, lehnten aber die astrologische Grundüberzeugung keineswegs kategorisch ab, sonst hätte Melanchthon schwerlich in Wittenberg astrologische Vorlesungen abhalten und diese Universität sich schwerlich bis in (Druckfehler) 17. Jahrhundert hinein als Hochburg der Astrologie behaupten können.
  • Auch Christoph Schubert-Weller, der die „einstmals enge Verbindung zwischen Christentum und Astrologie“ betont, vertritt die Ansicht, „daß Luther mit seinem Freund Melanchthon gebrochen hätte, wenn die Astrologie […] in Luthers Augen tatsächlich den christlichen Bekenntnisbestand berührt hätte“.

    Der Reformator Phillip Melanchthon war ein bekannter Vertreter der Astrologie im 16. Jahrhundert. Zu den Tetrabiblos des Ptolemäus schrieb er eine Vorrede, die in der aktuellen Ausgabe des Chiron Verlags zum Abschluß eingefügt ist. Darin heißt es: „Denn dieses eine steht fest: Wertvoll und wahrhaftig ist die Wissenschaft der Astrologie, eine Krone ist sie des Menschengeschlechtes und ihre ganze ehrwürdige Weisheit ein Zeugnis Gottes.“

    Schubert-Weller sieht wiederum in der Haltung Martin Luthers eine zukunftsweisende Bedeutung:

    • Luthers Gelassenheit, die eine Vereinbarkeit christlichen und astrologischen Denkens nicht von vornherein ausschloß, ohne deswegen die objektiven Spannungen zu ignorieren, könnte auch für einen künftigen christlichen und theologischen Umgang mit der Astrologie beispielgebend sein.
  • Wie eng die Verknüpfungen von christlicher Religion und Astrologie einst gewesen sind, wurde bereits 1949 (im gleichen Jahr wie die Stellungnahme der Astronomischen Gesellschaft!) von Alfons Rosenberg anschaulich geschildert. In seinem Werk Zeichen am Himmel thematisiert er daher ausführlich die Verflechtungen von Christentum und Astrologie in Mittelalter und früher Neuzeit. Da sich Hinweise auf Verbindungen zwischen Sternglauben und Christentum häufig auch in der Kunst finden, ist ferner eine präzise Darstellung des astrologischen Symbolgehalts berühmter christlicher Kunstwerke wie etwa Dürers Melancholia oder Da Vincis Abendmahl enthalten.

    Antoine Faivre bemerkt dazu:

    • Im Italien der Renaissance gibt es eine hermetisierende Kunst, wobei es sich entweder um die Abbildung von Hermes Trismegistos in Person handelt, der etwa 1488 auf dem Boden der Kathedrale von Siena unter den dargestellten Personen auftaucht, oder um die Verbindung von Sternzeichen, mythischen Gestalten und hermetischen Symbolen in Fresken oder Gemälden (wie etwa in den Borgia-Räumen des Vatikans, bei der »Primavera« von Botticelli aus dem Jahr 1478 usw.).
  • Vor allem Aby Warburg hat sich mit der christlichen Kunst dieser Zeit auseinandergesetzt und geht auf die Verbindung der Astrologie mit antiken Göttern ein:

    • [¼] [D]enn als kosmische Dämonen gehörten die antiken Götter ununterbrochen seit dem Ausgange des Altertums zu den religiösen Mächten des christlichen Europa und bedingten dessen praktische Lebensgestaltung so einschneidend, daß man ein von der christlichen Kirche stillschweigend geduldetes Nebenregiment der heidnischen Kosmologie, insbesondere der Astrologie, nicht leugnen kann.
  • Nicht nur die Kunst war mit astrologischer Symbolik durchzogen, auch manche Gelehrte versuchten aufgrund der Beschäftigung mit dieser Deutungskunst, Erkenntnisse über die (menschliche) Natur zu gewinnen. Jung verteidigte in den 30er Jahren in seinem Werk Psychologie und Alchemie die Astrologie gegenüber dem Christentum mit folgenden Worten:

    • Während in der Kirche die zunehmende Differenzierung von Ritus und Dogma das Bewußtsein von seinen naturhaften Wurzeln im Unbewußten entfernten, waren Alchemie und Astrologie unablässig damit beschäftigt, die Brücke hinüber zur Natur, das heißt zur unbewußten Seele, nicht in Verfall geraten zu lassen.
  • In diesem Zusammenhang tritt hier auch das Thema Zeitqualität wieder zutage:
  • „Die Astrologie führte das Bewußtsein immer wieder zurück zur Erkenntnis der «heimarmene», das heißt der Abhängigkeit des Charakters und des Schicksals von bestimmten zeitlichen Momenten […].“

    Ähnlich sieht dies Rosenberg. Astrologie erscheint ihm als geeignetes Mittel, „die zur Dürre entartete Glaubenslehre“ für die Gläubigen attraktiver zu gestalten. Seiner Ansicht nach ist im Verlauf der Kirchengeschichte etwas Entscheidendes verloren gegangen: „Zu den großen Verlusten der kirchlichen Lehre gehörte in der Epoche der sich ausbreitenden Aufklärung der Verlust der Dimension des Kosmischen. Und eben diese spielt in der Heiligen Schrift eine mitbestimmende Rolle.“

    Rosenberg meint, die „synkretistische Religiosität“ der „Theosophischen Gesellschaft“ sei schuld an der christlichen Ablehnung der wieder aufkommenden Astrologie des 19. Jhs. Gemeint sind hier vor allem die Schüler Alan Leos.

    • Nicht ganz unschuldig an dem Hereinbruch der «Pseudo-Theosophie» ist jenes damals denkerisch weitgehend dem Rationalismus verfallene Christentum, das nicht mehr genügend Abwehrkräfte besaß gegen den mit dem Überhandnehmen der technischen Wissenschaften heraufkommenden Materialismus.
  • Die wahre Theosophie dagegen stellt sich für Rosenberg folgendermaßen dar:

    • Die «Theosophie» galt einst als eine Weisheitslehre vom Wirken Gottes in der Welt, in deren Dienst die größten Geister des Abendlandes wie Origenes, Gregor von Nyssa, Hildegard von Bingen, die Weisen der Schulen von Chartres und Tours, später Böhme, Angelus Silesius und Franz von Baader standen.
  • Böhringer verweist darauf, daß christliche Astrologie-Befürworter den „Rückgriff auf die große und reiche Überlieferung christlich geprägter Astrologie“ häufig vollzögen, indem sie sich auf Gelehrte des Mittelalters und der frühen Neuzeit beriefen. Bei dem Arzt und Naturwissenschaftler Paracelsus beispielsweise erscheint die Astrologie als „Zeugnis universeller Interdependenzen, wobei die Gestirne sich mindestens ebenso »innerhalb« des Menschen befinden wie außerhalb“. Zur Freiheit gegenüber seinem Schicksal sollte der Mensch durch Bewußtwerdung gelangen.

    Auch in den Schriften der Rosenkreuzer finden sich Hinweise auf astrologisches Gedankengut, wenn sie etwa in der 1615 erschienenen Schrift Confessio Fraternitatis anführen, „daß die Zeit in das Zeichen von Merkur, dem »Herrn des Wortes«, eingetreten ist“. Faivre erläutert die „magische Weltsicht“ dieser Autoren, die den Versuch unternahmen, „Natur und Religion miteinander zu vereinen“, was sich auch auf den astrologischen Bereich erstreckt: „In der Tat können die Gestirne gleichzeitig unter dem Blickwinkel des Einflusses betrachtet werden, den sie naturgemäß auszuüben scheinen, und des Einflusses, den ihr »Wille« ausübt […].“

    Die mystische Weltanschauung der „okkulten Philosophen“ lässt auch den Sternenhimmel nicht außer acht. Neben Paracelsus und anderen weist Faivre auf das Wirken des Abtes Johannes Trithemius (1462-1516), „dessen De Septem Secundeis (1522) von den sieben Göttern oder Geistern handelt, die die Sternenbahnen und die Weltgeschichte beleben“.

    Bochinger nennt außerdem Albertus Magnus und Roger Bacon (beide 13. Jh.) als „[w]ichtige christliche Befürworter der Astrologie“.

    Die Resonanz der Kirchen auf die Astrologie und ihre Anhänger war dennoch nicht durchgehend positiv: „Die durch astrologische Spekulation drohende »Naturalisierung« des Heilsgeschehens, d.h. der Versuch seiner naturgesetzlichen Ableitung, war ein Hauptgrund für die Verfolgung der Astrologie von seiten christlicher Autoritäten im Mittelalter.”  Als Beispiele führt Bochinger Peter von Abano und d`Ailly an.

    Es bleibt festzuhalten, daß Astrologie bis zum Zeitalter der Aufklärung auch von christlicher Seite nicht durchweg als Scharlatanerie abgetan wurde, sondern immer wieder zahlreiche Anhänger fand, nicht nur als Ausdruck von Volksfrömmigkeit, sondern auch unter kirchlichen Würdenträgern, wie das abschließende Zitat verdeutlicht:

    • Bis in das 17. Jh. bleiben die antiken Planetengötter im Glauben der meisten Menschen bestehen. Sie sind für gute und schlechte Ernte, für Krieg und Frieden, für Krankheit und Heilung zuständig – und das gilt auch innerhalb der christlichen Kirchen. Hier werden die Gestirne als Werkzeuge Gottes verstanden. Unangefochten bedienen sich Päpste, Könige und Fürsten in religionspolitischen Fragen der Astrologie und auch jüdische und christliche Theologen setzen sich mit ihr theoretisch und praktisch auseinander.
  • Bevor wir uns dem heutigen Umgang mit Astrologie von christlicher Seite zuwenden, werfen wir nun zunächst einen Blick auf die primäre Beurteilungsquelle, die Bibel. Welche Textstellen der Bibel berühren die astrologische Thematik und wie sind sie theologisch eingeordnet worden?

     

     

    6.2 Die biblischen Aussagen

     

    • Nirgendwo ist in der Bibel die Grundthese der Astrologie, nirgendwo ihre Methodik oder ihre Symbolik im Ganzen als Thema angesprochen, und daher auch nirgendwo abgelehnt oder bestätigt. Wo vor astrologischem Denken gewarnt wird, wendet sich das apostolische Wort gegen seine den Menschen unfrei machenden, fatalistischen oder gnostisch-weltentsagenden Formen von damals, welche – uns im einzelnen nicht mehr bekannt – sich nicht mit dem Christusglauben verbinden ließen, ohne dessen befreiende Kraft zu verleugnen und zu lähmen.
  • Das vierte Kapitel im Paulusbrief an die Galater betont die „Befreiung vom Gesetz durch Christus“ (Kapitelüberschrift) und richtet sich gegen die Tagewählerei:

    • Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr denen, die in Wahrheit nicht Götter sind.
    • Nachdem ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von neuem dienen wollt?
    • Ihr haltet bestimmte Tage ein und Monate und Zeiten und Jahre.
  • Rosenberg verweist auf den biblischen Schöpfungsbericht, in dem von himmlischen Lichtern die Rede ist, welche „Zeichen“ geben, und gelangt zu dem Schluß, daß die „in den Sternen waltenden Himmelskräfte die Kundgebungen einer vorhersehenden Gottheit [sind], die nicht im All gebunden ist, sondern der Welt gebietet und in den Zeichen des Himmels den Menschen ihre Weisungen gibt“.

    Als Erklärung für die astrologischen Anspielungen in der Bibel, besonders in der Johannes-Apokalypse (Offenbarung), gibt Peuckert folgenden Hinweis:

    • Es ist lediglich das Klima jener Jahre, das in ihnen erkennbar wird; sie [die Evangelisten, Anm. d. Verf.] reden in der Umgangssprache der „kleinen Leute“ mit den damals üblichen Worten und Bildern, und weil die Zeit von astrologischen Gedankengängen durchsetzt war, so treten sie auch hier in Erscheinung.
  • Bei Peuckert findet sich auch manche frühchristliche Anlehnung an die astrale Symbolik, wie etwa der Stern zur Geburt Jesu, die Bezeichnung Christi als „Sonne“ beziehungsweise als „Morgenstern“ (Off.), oder die nachträgliche Verschiebung seines Geburtstages auf den Tag der Wintersonnenwende. Als Motivation dahinter stellt Peuckert heraus: „Die junge Kirche nahm das in sich auf, was ihren Absichten dienen konnte und zog an sich, was in den konkurrierenden Glaubenslehren an ″Zugkräftigem″ vorhanden war.“

    Michael Albani plädierte 1994 dafür, die „Erzählung von den drei Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,1ff.) oder die Bemerkung in Lk 23,45 von der Verfinsterung der Sonne bei der Kreuzigung Jesu“ als Hinweise auf die „eminent theologische Bedeutung der Himmelskunde damals“ zu begreifen, und fügt hinzu:

    • Damals ging man offenbar viel selbstverständlicher als gemeinhin angenommen davon aus, dass sich Gottes Wille und sein Geschichtshandeln auch im Bereich der Gestirne widerspiegeln. Dieser Befund sollte auch im systematisch-theologischen Nachdenken mehr Berücksichtigung finden.
  • Die Frage nach dem Stellenwert astrologischer Vorstellungen wurde innerhalb des Christentums unterschiedlich beantwortet, doch „letztlich haben die Gegner der Astrologie sich durchgesetzt“.

    Dies hat Rosenberg bereits im Jahre 1949 bedauert, als er schrieb:

    • Denn nun ist die Theologie auf weite Strecken dem symbolischen Denken und Imaginieren, auf dem nicht die Wahrheit, aber jede echte Wahrheitsaussage beruht, entfremdet worden durch den Missbrauch abstrakter Begrifflichkeit. Und infolgedessen tritt mehr und mehr ein Unverständnis für jene kosmische Symbolsprache zutage, die den Astralmythen, der Astrologie, der Gestaltung des christlichen Kirchenjahres und manchen Teilen der Hl. Schrift zugrunde liegt.
  •  

    6.3 Christliche Astrologie heute

     

    Dennoch kommen angesichts der gegenwärtigen religiösen Entwicklungen auch die christlichen Kirchen nicht umhin, sich mit Themen wie der Astrologie auseinanderzusetzen, und das schon seit einiger Zeit.

    So enthält etwa Rosenbergs Zeichen am Himmel, veröffentlicht 1949, recht konkrete Hinweise darauf, daß bereits zum damaligen Zeitpunkt eine weitreichende spirituelle Suche eingesetzt hatte, die von der „Sehnsucht dieser Zeit nach Einheit“ geprägt war, und in deren Gefolge „die Aufdeckung der längst versunkenen geistigen Güter betrieben“ wurde.

    Das christliche Verhältnis zur Astrologie heutzutage ist schwer zu generalisieren, zeichnet es sich doch durch ein diskrepantes Meinungsbild aus.

    Zum einen sei hier auf den Artikel 2116 aus dem „Katechismus der Katholischen Kirche“ von 1993 verwiesen, in dem die Astrologie zu den Wahrsagetechniken gezählt wird. Darin heißt es:

    • Hinter Horoskopen, Astrologie, Handlesen, Hellseherei und dem Befragen eines Mediums verbirgt sich der Wille zur Macht über die Zeit, die Geschichte und letztlich über die Menschen sowie der Wunsch sich die geheimen Mächte geneigt zu machen. Dies widerspricht der mit liebender Ehrfurcht erfüllten Hochachtung, die wir allein Gott schulden.
  • Andererseits werden neben ablehnenden Stimmen auch „versöhnliche“ laut. Astrologie christlich, das Werk des Benediktinerpaters Gerhard Voss, wird häufig als Beispiel für den Versuch einer Synthese beider Bereiche angeführt. Voss wirft darin die Frage auf, „ob nicht die wachsende Verbreitung der Astrologie ein Defizit in der kirchlichen Theologie anzeigt“.

    Diesem mutmaßlichen Defizit möchte Voss in seinem Buch Astrologie christlich begegnen. Ein wichtiger Punkt bleibe jedoch der Christusglaube, denn: „ Christliche Astrologie muß immer hingeordnet bleiben auf die Anerkennung der Herrschaft Christi, auf den dankbaren Lobpreis und die gelebte Hoffnung.“ Kurz gesagt: Astrologie ist dort mit dem Christentum vereinbar, wo sie dem Menschen den göttlichen Heilsplan näherbringt und ihn nicht ängstlich nach Zeichen Ausschau halten läßt.

    Rosenberg macht darauf aufmerksam, daß dieses Werk von Voss „zu seiner theologischen Legitimierung das Imprimatur seines Abtes aufweist“.

    Auch auf protestantischer Seite hat man sich (mehr oder minder) intensiv mit dem Astrologieglauben beschäftigt. Die „Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen“ (EZW) veröffentlichte mehrere Aufsätze zum Thema Astrologie.

    So konstatierte der Theologe Siegfried Böhringer in „Astrologie heute“ (Schriftreihe EZW-Texte), daß gewisse apologetische Schriften christlicher Theologen bezüglich der Astrologie eine entscheidende Konsequenz vermissen ließen:

    • Teilweise bedienen sie sich ausführlich der Argumente der wissenschaftlichen Astronomie und des "gesunden Menschenverstandes" (RUTHE; HAACK), ohne jedoch selbst die Bedeutsamkeit des naturwissenschaftlichen Weltbildes für das Denken des Glaubens aufzunehmen. Das Zweckbündnis mit der wissenschaftlichen Astrologie-Kritik ist für die kirchlich-christliche Auseinandersetzung bezeichnend: Sie bedient sich der wissenschaftlichen Gegenargumente, übersieht jedoch häufig die Herausforderung, die gerade in diesen auch für den eigenen Glaubensstandpunkt liegt.
  • Haack, den Böhringer hier kritisiert, erweckt den Eindruck, von nicht-kausal begründeter, astrologischer Charakteranalyse noch nichts gehört zu haben, da er immer wieder von Einflüssen der Gestirne schreibt. Die Schrift enthält auch keine Literaturangaben und ist wohl insgesamt als apologetisch zu betrachten. Eine von Haacks knappen Bemerkungen lautet schlicht: „Die Bibelverse über die Weisen aus dem Morgenlande ergeben kein Argument für die Astrologen.”

    Hans-Jürgen Ruppert dagegen betont im EZW-Band Vom Sternenkult zum Computerhoroskop die astralmythische Herkunft, die Nähe zum Religiösen und wendet sich gegen die Säkularisierung von Astrologie bspw. in der psychologischen Anwendung. Er bemängelt darin die „Horizontverengung der beratenden Astrologie auf die individuelle Psyche und innerseelische Kräfte” und konstatiert:

    • Der kosmische Horizont, den Astrologie eröffnen könnte, wird so gerade verbaut! Astrologie hat seit ihren Anfängen die Frage der von außen hereinbrechenden Schicksalsmächte und Schicksalsschläge thematisiert und durch die Deutung eines als numinos und heilig erfahrenen göttlichen Sternenhimmels zu bewältigen versucht.
  • Böhringer versuchte im bereits zitierten Werk von 1990 Astrologie. Kosmos und Schicksal, das Anliegen der seriösen Astrologie darzulegen. Bezeichnenderweise erschien dieses Werk in der Schriftenreihe Unterscheidung. Christliche Orientierung im religiösen Pluralismus. Im Vorwort heißt es: „Wem das Religiöse am Herzen liegt, der ist dankbar für diese Zeichen der Zeit und erkennt hinter der zeitbedingten religiösen Welle etwas Tieferes, daß nämlich der Mensch »unrettbar religiös« ist.“

    Nachdem er die „psychologische Erneuerung der Astrologie“ skizziert hat, schreibt Böhringer: „Mit diesem Bekenntnis zur menschlichen Eigenverantwortung wird dem die ganze Astrologiegeschichte begleitenden christlichen Haupteinwand, hier würde die Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen geleugnet, der Boden entzogen.“

    Dabei unterscheidet Böhringer klar zwischen seriöser und vulgärer Astrologie, indem er die „zahlreichen Wochenhoroskope der Illustrierten aber […] kaum zum Bereich der Astrologie im engeren, eigentlichen Sinn“ rechnet und gelangt zu dem Schluß:

    • Die kritische Beschäftigung mit der Astrologie von heute kann hier auf ein Scheitern aufmerksam machen, von dem wir alle betroffen sind: Allen Denk- und Forschungsbemühungen unserer Zeit ist es nicht gelungen, ein gegründetes, sinnerfülltes Gesamtbild der Wirklichkeit zu gewinnen, an welchem der Mensch Halt und Bergung finden könnte. Die hoch bedeutsamen Forschungsergebnisse der Psychologie, Biologie, Physik und Astronomie bieten unverbundene Teilstücke eines Weltwissens, dessen wesentliche Fragen immer aufs neue offen bleiben.
  • Dr. Hermann Kochanek, Dozent für Pastoraltheologie, sieht dies ähnlich:

     

    • Heutige Astrologie thematisiert daher Grund- und Grenzfragen des postmodernen Menschen und versucht, diese mit Hilfe ihres Wissens zu deuten und zu beantworten. Sie nimmt sich dabei zweier notvoller Erfahrungen des Zeitgenossen an: Zum einen geht sie auf sein gestörtes Verhältnis zur Natur ein, zum anderen auf seine Entfremdung von sich selbst. Das heißt, sie sucht Antwort auf die tiefe Sehnsucht des modernen Menschen nach einem gelungenen Eingebundensein in die sinnvolle Ganzheit des Kosmos und zugleich auf sein großes Verlangen, in seiner Individualität trotz wachsender Anonymität und Uniformität ernstgenommen zu werden.
  •  

    Allerdings ist an dieser Stelle für Böhringer „der Glaube gerufen“, auf den der Mensch „seine eigentliche Gewissheit“ gründen sollte. Die Astrologie tauge hierfür nicht, sie repräsentiere vielmehr „den eigentlichen Tiefpunkt der geistigen Not unserer Zeit“.

    Kochanek dagegen hält das Horoskop durchaus für eine Möglichkeit, Einsichten in „die kosmische Dimension unserer Existenz“ zu erlangen, dennoch seien dies „Einsichten, die sich auch auf anderen Wegen gewinnen lassen“.

    Der Philosoph Ernst Jünger hält das Argument, die Astrologie könne vom wahren Glauben ablenken, wie schon Origenes befürchtet hatte (siehe Kapitel 6.1), für nicht zeitgemäß:

    • Der Einwand hat heute viel von seiner Gültigkeit verloren, da die Anziehungskraft der Astrologie gerade auf jene Massen wirkt, denen die Praxis des Gebetes seit langem, oft schon seit Generationen, abhanden gekommen ist. In dieser Hinsicht haben wir es eher mit einem Symptom der »Zweiten Religiosität« zu tun. Im besonderen läßt sich auf eine heraufwallende gnostische Grundströmung schließen, die sich auch durch andere Zeichen ankündet.
  • Peuckert erwähnt in diesem Zusammenhang die astrologischen Bezüge in den Mysterienkulten, insbesondere die Mithrasverehrung, worin die Planeten beispielsweise als „Gehilfen oder Engel auf dem Wege zum höchsten Gotte“ angesehen werden könnten, aber „keine zwingenden Mächte mehr“ darstellen.

    Im Hinblick auf Voss und Böhringer konstatiert Schubert-Weller eine „Trendwende“:

    • Kirchliche Vertreter diskutieren verstärkt und keineswegs nur in apologetisch-abwehrender Weise über Astrologie, wie auf katholischer Seite das schon 1980 erschienene Buch von Gerhard Voss, Astrologie – christlich, belegt sowie auf protestantischer Seite die 1990 erschienene Darstellung Astrologie – Kosmos und Schicksal von Siegfried Böhringer.
  • Auch im Metzler Lexikon findet sich ein Hinweis auf eine veränderte Sichtweise:

    „Die Kompromißformel >Die Sterne zwingen nicht, sie machen nur geneigt< ist für die christliche Auslegung der Astrologie prägend geworden.“

    Zusammenfassend lässt sich sagen, daß die Haltung von offizieller kirchlicher Seite gegenüber der Astrologie zwiespältig ist. Zum einen wird die Beschäftigung mit der Astrologie mit einem Glauben an die „Macht der Sterne“ gleichgesetzt und daher kategorisch abgelehnt.

    Andererseits wird Astrologie dort akzeptiert, wo man sie als Symbolsprache Gottes auffasst, die einen wichtigen Beitrag zur Lebensbewältigung leisten kann, ohne das Schicksal des Einzelnen in determinierender Weise vorhersagen zu wollen. Dies ist möglich, wenn man beispielsweise von folgender Betrachtungsweise ausgeht:

    • Die Götter der Astrologie gehören zur Schöpfung. […]
    •   Die Astrologie ist also durchaus so beschaffen, dass sie sich mit ihrem Weltbild bequem in das Judentum, das Christentum und den Islam einfügen kann. Denn Gott, der die Welt geschaffen hat, und von dem alle drei Religionen sprechen, hat auch die Gestirne und die Gestirngötter geschaffen.
  •  

    Schlußbetrachtung

     

    Das Erscheinungsbild der seriösen Astrologie hat sich im Laufe des vergangenen Jahrhunderts stark gewandelt. Besonders im Zuge der Entwicklungen in der Psychologie ist sie vom Fatalismus früherer Schicksalsdeutung zur Charakteranalyse übergegangen.

    Ihr religiöser Ursprung sowie ihre Präsenz in den Weltreligionen deuten darauf hin, daß es sich hier um ein weltumspannendes, kulturübergreifendes Phänomen handelt, das auf eine weitreichende Tradition zurückblicken kann. In diesem Sinne kann man Astrologie zu den „religiösen Universalien“ rechnen, denn sie ist in der Tat „ein Aspekt in vielen Religionen“, und somit möglicher Untersuchungsgegenstand der Systematischen Religionswissenschaft.

    Es wurde gezeigt, daß die Astrologie heutzutage ein breites Spektrum an Methoden und Schulrichtungen aufweist. Die verschiedenen Herangehensweisen an die Horoskopdeutung kann mit dem jeweiligen weltanschaulichen Hintergrund in Verbindung gebracht werden.

    In der Auseinandersetzung mit den etablierten Wissenschaften wird deutlich, daß die Astrologie einem Weltbild verhaftet ist, welches zu dem naturwissenschaftlichen in Widerspruch steht. Obwohl der Psychologe C. G. Jung die Astrologie bereits „vor den Toren der Universitäten“ stehen sah, ist sie als akademische Disziplin, zumindest in Deutschland, bis auf den heutigen Tag nicht wieder eingeführt. Eine Änderung dieses Tatbestandes ist bislang nicht absehbar, zumal die astrologische Forschung noch in den Anfängen steckt.

    Dennoch findet die Sterndeutung in der religiösen Gegenwartskultur großen Anklang.

    Ihre Verbreitung zeigt, daß es sich hierbei nicht um ein randständiges Phänomen handelt, das einfach beiseite geschoben werden kann, auch wenn gewisse Auswüchse in den populären Formen der Astrologie dazu anregen. An diesem Punkt wäre Aufklärung sicherlich wünschenswerter als Verdammung, zumal die historische Entwicklung gezeigt hat, daß sich die Astrologie nicht so einfach verdammen läßt.

    In einer Zeit, die durch einen so genannten Esoterik-Boom gekennzeichnet ist, entgeht auch Vertretern der beiden großen christlichen Kirchen nicht, daß (von Seiten des Christentums) auf das religiöse Phänomen Astrologie ernsthaft eingegangen werden

    muß, um den Anliegen der Gläubigen gerecht zu werden. Entsprechend finden sich innerhalb des Christentums, abgesehen von den traditionellen Verbindungen zur Astrologie, moderne Ansätze, astrologische Vorstellungen in den christlichen Glauben zu integrieren.

    Aufgrund ihrer „zunehmende[n] gesellschaftliche[n] Akzeptanz“ sieht Schubert-Weller eine zukünftige Perspektive für die Astrologie auf dem Sektor weiterer „Anwendungs- und Forschungsgebiete“, die „außerhalb der unmittelbaren Lebensberatung“ lägen: „Die Astrologie wird vermehrt nach und nach (nahezu) alle gesellschaftlichen Felder berühren und durchdringen.“

    Eine prophetisch anmutende Aussage, die sich allerdings angesichts gegenwärtiger Entwicklungen bewahrheiten könnte.

     

    Literaturverzeichnis

     

     

    Allgemeine Literatur zum Thema

     

     

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    Niehenke, Peter: Kritische Astrologie, Aurum Verlag, Freiburg im Breisgau 1987.

     

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    Riemann, Fritz: Lebenshilfe Astrologie. Gedanken und Erfahrungen, 15. Aufl.,Verlag J. Pfeiffer, München 1996.

     

    Ring, Thomas: Astrologie ohne Aberglauben. Können wir unser Leben selbst gestalten oder ist es vorbestimmt? Econ Verlag GmbH, Düsseldorf/Wien 1972 (1. Auflage)

     

    Rosenberg, Alfons: Zeichen am Himmel. Das Weltbild der Astrologie. Krummwisch 2001.

     

    Schäfer,Thomas: Vom Sternenkult zur Astrologie, Walter-Verlag Solothurn , Düsseldorf 1993.

     

    Schubert-Weller, Christoph: Spricht Gott durch die Sterne? Astrologie, Gesellschaft und christlicher Glaube, Claudius Verlag, München 1993.

     

    Schubert-Weller, Christoph: Wege der Astrologie. Schulen und Methoden im Vergleich, Chiron Verlag, Mössingen 1996.

     

    Strauss, Dr. Heinz Artur: Was ist Astrologie? Kritik und Synthese einer wiedererstandenen Lehre. Verlag Niels Kampmann, Celle 1925.

     

     

     

    Astrologie in der Praxis (Deutungsbücher)

     

    Klein, Nicolaus u. Dahlke, Rüdiger: Das senkrechte Weltbild: symbolisches Denken in astrologischen Urprinzipien, Hugendubel, München 1990.

     

     

    Meyer, Hermann: Astrologie und Psychologie. Eine neue Synthese, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 13. Aufl. Februar 2002.

     

    Ptolemaeus, Claudius: Tetrabiblos. Chiron Verlag 2000. (Nach der von P. Melanchthon besorgten Ausgabe von 1553).

     

    Ring, Thomas: Astrologische Menschenkunde I, Hermann Bauer Verlag, Freiburg im Breisgau, 4. Aufl. 1981.

     

    Ders.: Astrologische Menschenkunde III, Rascher Verlag, Zürich und Stuttgart 1969.

     

    Roscher, Michael: Das Astrologie-Buch. Berechnung, Deutung, Prognose, Droemer Knaur, München 1989.

     

    Roscher, Michael u. Völkel, Werner: Das Buch der Häuserherrscher. Querverbindungen im Horoskop, Ebertin Verlag, Freiburg im Breisgau 2000.

     

    Sasportas, Howard: Astrologische Häuser und Aszendenten, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1997. Vollständige Taschenbuchausgabe 2000. (Copyright 1985 Howard Sasportas)

     

    Spiller, Jan: Astrologie und Seele. Der Mondknoten als Schlüssel zur Persönlichkeitsentfaltung, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 1997. Vollständige Taschenbuchausgabe 2001. (Copyright 1998 deutsch, 1997 Original)

     

    Voltmer, Ulrike: Lebendige Astrologie. Raum und Umwelt in den zwölf Horoskopfeldern, Spicheren 2001.

     

    Weiss, Jean Claude: Astrologie – Eine Wissenschaft von Raum und Zeit, Edition Astrodata, Zürich 1986.

     

    Ders.: Horoskopanalyse, Edition Astrodata, Schaffhausen 1984.

     

    Weidner, Christopher: Das Arbeitsbuch zum Horoskop, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München 2001.

     

     

     

    Christentum und Astrologie

     

    Böhringer, Siegfried: Astrologie. Kosmos und Schicksal. Matthias-Grünewald-Verlag Mainz/ Quell Verlag Stuttgart 1990.

     

    Böhringer, Siegfried: Astrologie heute. Eine umstrittene Form von Daseins-Interpretation und ihre Bedeutung für die Grundsituation unserer Zeit, Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen, Stuttgart 1986.

     

    Dürr, Meyer-Abich, Mutschler, Pannenberg, Wuketits: Gott, der Mensch und die Wissenschaft, Pattloch Verlag, Augsburg 1997.

     

    Haack, Friedrich-Wilhelm: Astrologie, Evangelischer Presseverband für Bayern, München 1988.

     

    Kochanek, Hermann (Hg.): Horoskop als Schlüssel zum Ich. Christlicher Glaube und Astrologie. Benno-Verlag, Leipzig 1995.

     

    Ruppert, Hans-Jürgen: Vom Sternenkult zum Computerhoroskop. Weltanschauliche Deutungsansätze der Astrologie. Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, EZW-Texte Nr. 150 (Berlin 1999)

     

    Voss, Gerhard: Astrologie christlich. Verlag Friedrich Pustet Regensburg, 3. Auflage 1996 (nach der überarbeiteten von 1990).

     

     

     

    Esoterik und Astrologie

     

    Bailey, Alice A.: Esoterische Astrologie Band III. Eine Abhandlung über die Sieben Strahlen, Lucis Trust 1970.

     

    Endres, Franz Carl u. Schimmel, Annemarie: Das Mysterium der Zahl. Zahlensymbolik im Kulturvergleich, Eugen Diederichs Verlag, München 1995.

     

    Faivre, Antoine: Esoterik, Aurum Verlag, Braunschweig 1996.

     

    Gebelein, Helmut: Alchemie, Diederichs Verlag, München 1991.

     

     

     

    Geschichte der Astrologie

     

    Howe, Ellic: Uranias Kinder. Die seltsame Welt der Astrologen und das Dritte Reich, Beltz Athenäum Verlag, Weinheim 1995.

     

    Knappich, Wilhelm: Geschichte der Astrologie, Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1967. 2., ergänzte Auflage 1988.

     

    Larsen, Lars Steen; Michael, Erik; Rasmussen, Per Kjærgaard: Astrologie. Von Babylon zur Urknall-Theorie, Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2000. (Original 1995)

     

    Peuckert, Will-Erich: Astrologie. Geschichte der Geheimwissenschaften. Kohlhammer Verlag Stuttgart 1960.

     

    Warburg, Alex (Aby): „Die olympischen Götter als Sterndämonen“, in: Die Erneuerung der heidnischen Antike. Kulturwissenschaftliche Beiträge zur Geschichte der europäischen Renaissance. Gesammelte Schriften Band II, B.G. Teubner, Leipzig, Berlin 1932.

     

     

     

    Psychologie und Astrologie

     

    Barbault, André: Von der Psychoanalyse zur Astrologie: die Brücke zwischen Seele und Kosmos, Hugendubel, München 1991.

     

    Jung, Carl Gustav: Gesammelte Werke, Walter-Verlag Olten und Freiburg im Breisgau

    - -Die Dynamik des Unbewußten (Band 8), 4. Auflage 1982

    - -Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion (Band 11), 4.   Auflage 1983.

    - -Psychologie und Alchemie (Band 12), 4. Auflage 1984

    •                 -Freud und die Psychoanalyse (Band 4), 1971
  • Ders.: Psychologische Typen, Walter-Verlag Olten und Freiburg im Breisgau, 14. Aufl. 1981.

     

    Jacobi, Jolande: Die Psychologie von C.G. Jung. Eine Einführung in das Gesamtwerk, Rascher Verlag Zürich und Stuttgart 1967.

     

     

    Religionswissenschaftliche Beiträge

     

    Bochinger, Christoph: New Age und moderne Religion: religionswissenschaftliche Analysen. Chr. Kaiser/Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 1994.

     

    Greschat, Hans-Jürgen: Was ist Religionswissenschaft?, W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1988.

     

    Gruber, Elmar: Sanfte Verschwörung oder sanfte Verblödung? Kontroversen um New Age, Herder Taschenbuch Verlag, Freiburg, 1989.

     

    Kippenberg, Hans G.: Die Entdeckung der Religionsgeschichte. Religionswissenschaft und Moderne, C.H. Beck, München 1997.

     

    Murken, Sebastian: „Neue religiöse Bewegungen” in: Antes, Peter (Hg.), Vielfalt der Religionen, Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2002.

     

    Pals, Daniel L.: Seven Theories of Religion, Oxford University Press, New York (u.a.)1996.

     

    Schoener, Dr. Gustav-Adolf: „Astrologie als Religion?“ In: Antes, Peter (Hg.), Vielfalt der Religionen, Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2002.

     

    Ders.: Astrologie als Religion und »Erfahrungswissenschaft«, REMID-Schriftenreihe 9, REMID (Religionswissenschaftlicher Medien- u. Informationsdienst) e.V., Marburg 2002.

     

    Stuckrad, Kocku von: Das Ringen um die Astrologie. Jüdische und christliche Beiträge zum antiken Zeitverständnis. Walter de Gruyter, Berlin/ New York 2000.

     

     

     

     

     

    Aufsätze/Lexikonartikel

     

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    Leo, Alan: „Modern Astrology“, 1903, Nr. 4.

     

    Schenkluhn, Angela: „Astrologie“, in : Auffarth/Bernard/Mohr (Hrsg.) Metzler Lexikon Religion. Verlag J.B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1999.

     

    Schneider, Carl: „Das Aufkommen der Astrologie“, in: Patzer, Andreas (Hrsg.): Streifzüge durch die antike Welt. Ein historisches Lesebuch, Verlag C.H. Beck, München 1989, limitierte Sonderauflage 1995.

     

     

     

    Zeitschriftenartikel

     

    Mayer, Gerhard: „Die konstruktivistische Versuchung“ in: Zeitschrift für Anomalistik Band 2 (2002), S. 208-211.

     

    Schulz, Mathias: „Sternenjagd am Kyffhäuser“, in: Der Spiegel 40/2002 vom 30.09.2002, Seite 176-178.

     

    Ders.: „Sternenkult der Ur-Germanen“, in: Der Spiegel 48/2002 vom 25.11.20022, Seite 192-206.

     

    Schäfer, Thomas: „Archetypen in der Astrologie“, in: Meridian 5/1991.

     

    Weidner, Christopher: „Astrologie – eine nützliche Fiktion“, in: Zeitschrift für Anomalistik Band 2 (2002), S. 197-204.

     

    Wunder, Edgar: „Ist Astrologie Glaubenssache?“, in: Meridian Heft 6/2000, S. 36-40.

     

    Ders.: „Erfahrung, Wissen, Glaube –ihr Beziehungsgeflecht bezüglich der Astrologie“, in: Zeitschrift für Anomalistik Band 2 (2002), S. 275-287.

     

     

     

    Nachschlagewerke

     

    Bowker, John (Hrsg.), Das Oxford-Lexikon der Weltreligionen, Patmos Verlag Düsseldorf 1999.

     

    Die Bibel. Nach der Übersetzung Martin Luthers, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1985.

     

    Duden. Das große Wörterbuch der deutschen Sprache, Hrsg. und bearb. vom Wissenschaftlichen Rat und den Mitarbeitern der Dudenredaktion unter der Leitung von Günther Drosdowski, Dudenverlag Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich, 2. Aufl. 1993.

     

     

    Handbuch religionswissenschaftlicher Grundbegriffe (HrwG): Cancik, Gladigow, Laubscher (Hrsg.) .Astrologie. Von Jürgen Ebach, Kohlhammer 1990.

     

    Lexikon der Astrologie, Astrologie/Astronomie/Kosmologie, erarbeitet von Udo Becker., Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1988.

     

    Lexikon für Theologie und Kirche (LTK): Astrologie. Von Siegfried Böhringer, Herder Verlag, Freiburg 1993.

     

    Man, Myth & Magic. The Illustrated Encyclopedia of Mythology, Religion and the Unknown, „Astrology“ von Ellic Howe, Marshall Cavendish Corporation, Tarrytown (NY) 1995  

     

     

    Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG): Astrologie. Mohr Siebeck 1998.

     

    Theologische Realenzyklopädie (TRE): Astrologie. „Biblische und frühchristliche Einstellungen zu den Astralphänomenen“ von Otto Böcher, Band IV 1979.

     

     

     

    Internet

     

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    www.astrologie-tpa.de/axiometpa.html vom 16.02.2003. Roscher, Michael, „Grundannahmen der TPA“

     

    www.astrologiezentrum.de vom 12.03.2003

     

    www.astrotrade.de

     

    www.dav-astrologie.de/0-verband/astro-these.htm vom 29.01.2003

     

    www.dav-astrologie.de/0-verband/berufsordnung.htm   vom 29.01.2002

     

    www.dav-astrologie.de/0-verband/geschichte.htm vom 29.01.2003

     

    www.dav-astrologie.de/0-verband/news.htm, Stand: 20.02.2003, 16:12Uhr.

     

    www.dav-astrologie.de/1-organe/ausbildung/index.htm vom 04.03.2003.

     

    http://genius.han-solo.net/hdv/sonntagsblatt/artikel/2000/39/39-s3.htm Iwersen, Julia, „Alles, was ihr wollt“, in: Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt vom 29. 09.2000,

     

    www.meridian-magazin.de/01_6/terror.htm vom 20.03.2003.

     

    www.sonntagsblatt.de/artikel/1999/33/33-s1.htm vom 19.03.2003. Ohland, Angelika: Siegeszug der Sinnsucher.

     

    www.uni-erfurt.de/vergleichende_religionswissenschaft/kroener.htm; vom 26.09.2002. Auffarth/Kippenberg/Michaels (Hg.), Kröners Wörterbuch der Religionen, Artikel „Alchemie“ und „Astrologie“ von Kocku von Stuckrad.

     

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