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Apokryphen d.Astr.

Apokryphen der Astrologie  - 2. Auflage -  Studienausgabe

 

Die Apokryphen der Astrologie sind 2008 in einer sehr kleinen Auflage, allerdings in einer sehr schönen Ausstattung, bei Astronova erschienen und inzwischen fast verkauft.

Die im Mai 2010  vorgelegte Zweite Auflage stellt sicher, daß die  wertvollen Texte der verschiedenen Autoren wenigstens für die nächsten  Jahre noch verfügbar bleiben.

 

Dabei  mußte auf eine Lagerhaltung verzichtet werden, weshalb "Book on Demand" gewählt wurde. Es kann also 2 - 3 Wochen Lieferzeit geben.

 

Bestellungen sind unter anderem hier:

 

http://www.astronova.de/89201-cD0x-~suche.html?qs=volker+h.+schendel

 

http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Daps&field-keywords=volker+h+schendel

 

http://www.bod.de

 

möglich.

 

Infos zum Inhalt:

 

http://www.aktuell.saehannover.de/html/projekte.html

 

http://www.archiv.saehannover.de/

 

und hier eine Leseprobe:

 

Vorwort zur 2. Auflage

Die Apokryphen der Astrologie sind 2008 in einer sehr kleinen Auflage, allerdings in einer sehr schönen Ausstattung, bei Astronova erschienen und inzwischen verkauft.

Die hiermit vorgelegte Zweite Auflage stellt sicher, daß die m.E. sehr wertvollen Texte der verschiedenen Autoren wenigstens für die nächsten 5 Jahre noch verfügbar bleiben.

Allerdings mußten vom Umfang des Textes her Kürzungen vorgenommen werden. So findet sich der umfangreiche Anhang „Pro und Contra Astrologie“ als Nachdruck der Süddeutschen Monatshefte, Heft 9, 24. Jahrgang, Juni 1927 nur in der ersten Auflage. Dabei sei allerdings darauf hingewiesen, daß dieses Heft der Süddeutschen Monatshefte jedenfalls über die Gottfried-Wilhelm-Leibniz Bibliothek in Hannover ausgeliehen werden kann.

Die Magisterarbeit von Bianca Schmale: Astrologie und Narration in Wolfram von Eschenbachs Parzival ist zwischenzeitlich in einer schönen Ausstattung bei BOD Norderstedt erschienen.

Die ursprünglich in der ersten Auflage enthaltenen englischsprachigen Texte wurden in diese Ausgabe nicht übernommen.

Dafür habe ich mich entschlossen aus der im damaligen Vorwort von 2008 angekündigten Dissertation eine kleine Leseprobe hier zu integrieren. Die Dissertation wurde am 12. April 2010 mit dem Titel: „Die astrologische Beratung – eine Herausforderung für das Recht“ für das Promotionsverfahren eingereicht, in der ich, wie seinerzeit angekündigt, das rechtstatsächliche Geschehen in der astrologischen Beratungspraxis in Deutschland vor dem Hintergrund der historischen und ontologischen Fragestellungen schuldrechtlich nachgezeichnet habe. Das Inhaltsverzeichnis dieser Dissertation wurde ebenfalls hier aufgenommen.

Im übrigen hoffe ich, daß die für diese Ausgabe möglich gewordene günstigere Kalkulation des Ladenverkaufspreises zur Verbreitung der Gedankengänge hilfreich ist.

 

Volker H. Schendel

www.saehannover.de

 

Prof. Dr. Bernd Oppermann
Geleitworte zur 1. Auflage

Kaum einer wäre weniger dazu geeignet, etwas zu einer astrologischen Anthologie zu schreiben, als ausgerechnet ein Rechtswissenschaftler. Zeichnet sich doch der Jurist – zumindest als solcher – durch den Nimbus einer rational gehandhabten Sachlichkeit aus, angemessen dem Auftreten eines kühl kalkulierenden Sozialingenieurwesens. Umso mehr sind derartige Äußerlichkeiten des Wissenschaftlers unverzichtbare Zierde. Also spricht bereits der äußere Anschein gegen eine angemessene Behandlung des Themas durch den solcherart Stigmatisierten. Daher wäre es besser, wenn der geneigte Leser das folgende Grußwort so sein ließe wie es ist und einfach weiterblättern würde.

Wer das nicht fertig bringt wird unter Umständen noch akzeptieren können, dass sich ein Privatrechtler schon deswegen nicht von vornherein vor der Materie fürchten muss, weil über Astrologie alltäglich viel geredet, vor allem aber einiges Geld dafür ausgegeben wird. Die damit zustande kommenden Beziehungen könnten möglicherweise rechtlich abgebildet werden, zumindest aber handelt es sich um wirtschaftliche und soziale Beziehungen die für sich genommen bereits der Gegenstand einer rechtlichen oder rechtwissenschaftlichen Untersuchung sein können. Man möchte hinzufügen dass sie sich sogar – vielleicht aufgrund einer gewissen Scheu vor dem Gegenstand – bisher zu selten einer fachlichen Würdigung erfreut haben. Der Mühe einer rechtlichen Analyse der astrologischen Beratung wird sich der Herausgeber dieser Schrift indessen an anderer Stelle unterziehen, um damit jenen Missstand zu beheben. Dazu mag man ihm viel Erfolg wünschen.

Ehe gleich zu Anfang sich dem offenbar doch Weiterlesenden der Eindruck eröffnet, der Grüßende möchte sich mit vorgängiger pragmatischer Positionierung um den Kern der Thematik herumdrücken, soll eine andere Eröffnung gesucht werden. Fachlich, d.h. für wenige Sätze immer noch juristisch, käme einer schon eher in Begründungsnot, wenn er sich nicht der zuvor skizzierten pragmatischen Sichtweise verschreibt sondern die Schwierigkeiten geradezu sucht. Damit ist weniger die berühmte Frage nach der Haftung für die astrologische Beratung angesprochen, welche sich unschwer mit analogen Lösungen aus anderen Dienstleistungsverhältnissen im Bereich der Lebensberatungs- und Gesundheitsbehandlung lösen lassen dürfte. Anderes gilt hingegen für Themen wie die Haftungsfrage des Geschäftsführers, der seine Investitionsentscheidung erfolglos von einem astrologischen Gutachten abhängig gemacht hat. Ebenso die wie auch immer geartete strafbare Handlung, verübt aufgrund der Lektüre einer astrologischen Prognose, führt vielleicht zur immerhin akademisch interessanten Frage, inwieweit derartige Ursachen wegen gebotener Nichtbeachtlichkeit schlicht zu ignorieren sind oder rechtliche Berücksichtigung finden können. Sollte also der Astrologe der den Handelnden beeinflusst hat, als zivilrechtlich Haftender, als strafrechtlicher Täter oder Teilnehmer mit herangezogen werden, oder sollt sich der Handelnde gar exkulpieren können?

Pragmatisch besehen übt man sich gegenüber solchen Fragenstellungen heutzutage besser in Ignoranz. Die Zurechnung der Erstellung einer astrologischen Prognose oder auch nur einer Radix als juristisch zu berücksichtigende Handlung würde in jedem Einzelfall einen hohen Informationsaufwand erfordern und in jedem Fall eine weitere Dimension von Unwägbarkeiten erschaffen. Das wiederum würde für alle Beteiligten mehr Geld kosten und wird daher – soweit konkurrierende triftige Gründe nicht vorliegen – von vornherein nicht einbezogen. So gesehen hat auch Ignoranz ihr Gutes.

Gleich aus welchem Grund es gerechtfertigt wird, ist in der Wissenschaft jedes Denkverbot inakzeptabel. Richtiger wäre es daher zu unterscheiden. Ist es so, dass die Astrologie wissenschaftlich nicht anerkannt werden darf, dann müssen alle ihre Formen zwingend als rechtlich irrelevant angesehen werden. Besteht hingegen die Möglichkeit, dass sie – ähnlich einer von der Mehrheit abgelehnte wissenschaftliche Theorie – bei einigen Wissenschaftlern Anerkennung genießt, dann sollte sie rechtlich nicht ignoriert werden. Wird sie wenigstens als Therapieform umstritten anerkannt, ähnlich etwa wie Formen der Psychoanalyse, dann ist sie insoweit rechtlich von Bedeutung. Gleiches gilt für Klassifikationen, die sie in die Mystik oder in die Ästhetik verweisen. Allein damit freilich wäre die Betrachtung im Zirkel auf die eingangs entwickelte Routinelösung des Sozialingenieurs zurück geworfen. Damit hätte das Geleitwort bereits ein angemessenes Ende gefunden. Die pragmatische Lösung sei aber aus den nachfolgenden Betrachtungen ausgeklammert und der angekündigten Untersuchung des Herausgebers überlassen.

Die wissenschaftliche Qualifikation, ob die astrologischen Arbeitsweisen über Ursachen und Wirkungen anerkennenswert Auskunft zu geben vermögen oder gar durch Prognose zurechenbar selber Wirkungen setzen können, ist über die zuvor skizzierten Optionen hinaus sowieso nicht die Sache der Rechtswissenschaft. Wessen Sache sollte sie aber sein? Dazu, ob sie überhaupt an die Wissenschaften verwiesen werden soll, darf die aufgeklärte Philosophie als Mutter des neuzeitlichen Denkens und seiner Wissenschaftlichkeit befragt werden. Wie zu vermuten war, fällt die Antwort nicht nur deutlich sondern sogar erstaunlich drastisch aus. Mit den Vertretern szientistischer Positionen oder gar mit kantischem Rationalismus braucht man gar nicht erst zu beginnen, weil die Antwort ohnehin klar ist (siehe etwa den rein rhetorischen Gebrauch als „wahrsagende Astrologie“, die in einer Klasse des Denkens abgelegt wird, welche den die philosophische Kritik Gewohnten schlicht „ekelt“: Kant, I., Auflösung der allgemeinen Frage der Prolegomenen: Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik die als Wissenschaft wird auftreten können, Riga 1783).

Ein Besuch bei Hegel führt da erwartungsgemäß schon weiter, allerdings in genau dieselbe Richtung, als Schlusswort sozusagen. Hegel hält die Fragestellung der Astrologie wie vergleichbarer Disziplinen für unwissenschaftlich. Methodisch wird das begründet mit einer willkürlichen Verbindung von solchen Entitäten, die „ein Äußeres füreinander“ sind und damit kein Gesetz ergeben. „In der Astrologie, Chiromantie und dergleichen Wissenschaften hingegen scheint nur Äußeres auf Äußeres, irgend etwas auf ein ihm Fremdes bezogen zu sein. Diese Konstellation bei der Geburt, und wenn dies Äußere näher auf den Leib selbst gerückt wird, diese Züge der Hand sind äußere Momente für das lange oder kurze Leben und das Schicksal des einzelnen Menschen überhaupt. Als Äußerlichkeiten verhalten sie sich gleichgültig zueinander und haben nicht die Notwendigkeit füreinander, welche in der Beziehung eines Äußern und Innern liegen soll“ (Hegel, Phänomenologie V.A.c. Beobachtung der Beziehung des Selbstbewusstseins).

Ein wenig milder gestimmt im Ton, in der Methode und Konsequenz aber recht ähnlich, meint Nietzsche zu Astrologie und Verwandtes:Es ist wahrscheinlich, dass die Objecte des religiösen, moralischen und ästhetischen Empfindens ebenfalls nur zur Oberfläche der Dinge gehören, während der Mensch gerne glaubt, dass er hier wenigstens an das Herz der Welt rühre; er täuscht sich, weil jene Dinge ihn so tief beseligen und so tief unglücklich machen, und zeigt also hier denselben Stolz wie bei der Astrologie. Denn diese meint, der Sternenhimmel drehte sich um das Loos des Menschen; der moralische Mensch aber setzt voraus, Das, was ihm wesentlich am Herzen liege, müsse auch Wesen und Herz der Dinge sein“ (Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches .. Erstes Hauptstück, Fragment 4). Nun hatte der Philosoph mit seiner Passage weit eher die Moral im Sinn, dass die Astrologie aber nurmehr als Mittel der Diskreditierung des sich moralisch oder religiös Dünkenden herhalten muss, und nicht mal als solche als Ziel der Abfälligkeit wert scheint, ist gar wenig schmeichelhaft.

Überhaupt ist zu bemerken, wo immer man in aufklärerischer, postaufklärerischer oder gar gegenaufklärerischer Zeit hinschaut, dass die Astrologie bei allen, die es mit der Wissenschaft halten, keinen guten Stand hatte. Noch ein letztes Beispiel einer geradezu unendlichen Reihe: „Auf Verwechselung des Symbols mit dem Symbolisierten – auf ihre Identisierung – auf den Glauben an wahrhafte, vollständige Repräsentation – und Relation des Bildes und des Originals – der Erscheinung und der Substanz – auf der Folgerung von äußerer Ähnlichkeit auf durchgängige innre Übereinstimmung und Zusammenhang – kurz auf Verwechselungen von Subjekt und Objekt beruht der ganze Aberglaube und Irrtum aller Zeiten und Völker und Individuen. (Erhebung des Zufälligen zum Wesentlichen – des Willkürlichen zum Fato, z.B. in der Astrologie, die Folgerungen aus den willkürlichen Namen der Planeten und Sternbilder.)“ – Novalis, Fragment (Sophie oder über die Frauen). Wenn es sich bei dem Verfasser noch um einen strammen Juristen gehandelt hätte, aber nein, ausgerechnet vom Romantiker Novalis stammten diese Zeilen. Kurz und gut, mit der Aufklärung, allerspätestens aber mit dem Anfang des 19. Jahrhunderts war nicht nur in der herrschenden Auffassung die Astrologie schlicht erledigt.

Mit voranschreitendem 20. Jhdt. scheint die Zeit der Hexenjagd auf voraufklärerische Geister denn langsam selbst zu dämmern. Der Versuch aber, den sonst aufgeschlossenen Ernst Bloch zu gewinnen, geht fehl. Immerhin kommt bei ihm wenigstens die Alchemie recht gut weg. Zu Paracelsus, seine „Kunst Signata“ sagt er dann in der Tat: „Das ist eben jene, welche den Dingen, vor allem den Specificis ihrer Gestalten nicht gleichgültige Namen beilegt, sondern solche, die ihre ‚Natur’ ausdrücken, zugleich die korrespondierende (feindliche oder übereinstimmende) Beziehung dieser Naturen untereinander, vor allem zu der des Menschen und seiner Teile. Mit dem Gedanken der Entsprechung oder Konkordanz der Signaturen trat in diese Lehre zugleich ein anderes, sehr altes Motiv ein: das des sympathetischen Zusammenhangs der Naturen’, vermittelt durch das letzte Kind der Astralmythen, der Astrologie.“ (Bloch, Das Prinzip Hoffnung, III. Band, Zahl und Chiffer der Qualitäten …, 1593, ff, 1595, Frankfurt 1973). Na also, denkt man sich, wird aber schnell eines Besseren belehrt; denn für Bloch war die Astrologie selbst in seinem nicht gerade von Nüchternheit geprägten „Prinzip Hoffnung“ so suspekt, dass er sogar die „Chymische Hochzeit“ dagegen zu Felde führte. So habe der „Aberglaube der Alchymie gegen den der Astrologie stets etwas Apartes, ja Konträres vorbehalten, eben den Eingriff, die Mischung, den veränderten Prozeß; all dies sollte sich eben gegen den ‚gefrorenen Himmel’ richten. Gegen das Horoskop des Anfangs, das sich ebenso zugleich als Grabschrift schon am Anfang gibt, als unveränderbare, unentrinnbare. Gerade die Planetenzeichen, in Metallen wie am Himmel, sollten ‚chemische Überwindung’ finden, nämlich zur Sonne oder dem Gold…“ Bloch bemüht dazu Frankbergs „Oculus siderius“ von 1643, um im assoziativen Anschluß auf Campanellas Utopie des Sonnenstaats zu reflektieren, die er insoweit als „autoritär“ ansieht: „Astrologie ist einzig Magie von oben herunter, nicht, wie Alchymie, von unten ins Bessere hinauf.“ So dass die Rosenkreuzer durchaus besser wegkommen als Campanella, weil sie die Welt nochmals bauen wollten „durch ‚Pansophie’ und Humanität (Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, 2. Band, 740 ff., 744, Frankfurt 1973).

Das mag von der freilich viel umfangreicheren philosophischen Seite genügen, um sagen zu können, dass es wissenschaftlich keinen vertretbaren Weg zur Astrologie gibt. Die Methoden in der Auseinandersetzung mit der umgebenden Welt sind offenbar zu verschieden. Zu Recht ordnet Bloch die Astrologie der Magie zu. Das wär’s soweit, was die oben gestellt Frage betrifft. Dieses Zwischenergebnis ist übrigens gerade für Juristen kein Grund, sich zu erheben. Vor langer Zeit gehört es auch zur Magie, Recht zu sprechen. Vielleicht ist dieser Satz sogar umkehrbar.

In der Literatur kann man hingegen, aber nur wenn man will, schmeichelhaftere Zeilen finden: „Während nun Leuwenhoek die großen Schränke öffnete, sagte Meister Floh dem Peregrinus ganz leise ins Ohr, dass auf dem Tische am Fenster sein (des Peregrinus) Horoskop liege. Peregrinus näherte sich behutsam und blickte scharf hin. Da sah er nun zwar allerlei Linien, die sich mystisch durchkreuzten, und andere wunderbare Zeichen; da es ihm indessen an astrologischer Kenntnis gänzlich mangelte, so konnte er so scharf hinblicken, als er nur wollte, alles blieb ihm doch undeutlich und verworren. Seltsam schien es ihm nur, dass er den roten glänzenden Punkt in der Mitte der Tafel, auf der das Horoskop entworfen, ganz deutlich für sein Selbst anerkennen mußte. Je länger er den Punkt anschaute, desto mehr gewann er die Gestalt eines Herzens, desto brennender rötete er sich; doch funkelte er nur wie durch Gespinst, womit er umzogen.“ E.T.A. Hoffmann, Meister Floh, 6. Abenteuer (2). Hätte man solches bei jenem ganz besonderen Autor noch für möglich gehalten, so kommt das aus ganz anderer Neuzeit stammendes nächstes Beispiel möglicherweise überraschend: „ … was Du aus den Sternen sehen willst und was Du von ihren Kräften und Einflüssen vorbringst, das sind vor mir lauter böhmische Dörfer, kommt mir aber alles doch sehr gründlich vor, und ich wünsche mir von Herzen Deine andächtige fromme Empfindung, mit der Du von den Sternen sprichst, und darin alle Deine Ideen schwimmen wie Blumen im Morgentau und wie die Inseln im Meer. Die Himmelslichter sind doch wirklich, wie die Augen am Menschen, offnere oder zarter bedeckte Stellen der Welt, wo die Seele heller durchscheint…“ (Matthias Claudius, Der Wandsbecker Bote II.19). Selbst – nun wieder vom 19. Jahrhundert her besehen – in Kleists Michael Kohlhaas wird die Prophezeiung, bildet das geheime Horoskop für den Landesherrn von Sachsen die wirkungsvolle psychologische Waffe mit der sich der in seinem übersinnlichen Gerechtigkeitsempfinden gekränkte Kohlhaas bei diesem revanchieren kann – dergestalt dass er den Zettel auf dem sich die Prophezeiung befindet vor den Augen desselben liest, sodann schweigend in seinen Mund steckt und kurz vor der Hinrichtung verschlingt, worauf der in seiner Wissbegier enttäusche Machthaber in Ohnmacht fällt. Wenn man so will, ist Mystik als Waffe gegen die Herrschaft.

Auf die Benennung vieler weiterer schöner Fundstellen sei in Rücksicht auf den mir zugewiesenen ebenso geringen wie würdigen Raum verzichtet, wird doch auch so eine gewisse Tendenz deutlich, dass die Literatur, selbst die seriöse, jene aufklärerische Verdammung der Mystik und ihrer Instrumente nicht durchgängig mit verfolgt, zumindest keine Einhelligkeit in dieser Frage besteht. Wegen der in einem Schrifttext mangelnden Anschaulichkeit sei weiter auf musikalische Beispiele verzichtet, ich meine aber, auch ohne „die“ – insoweit überstrapazierten – „Planeten“ (Holst) bemühen zu müssen, eine Menge anderer Quellen anführen zu können, von denen nur Mendelssohn genannt sei. Auch für die Malerei des 19. Jahrhunderts selbst jenseits von Idyllen und Historismen unschwer zu finden sein. Wenn damit eine gewisse und bestenfalls plausible Verallgemeinerung erlaubt ist, dann haben die Künste die Verteufelung des Irrationalen nicht in der Weise nachvollzogen wie das dominierende neuzeitliche Denken. Das mussten sie freilich auch nicht, eine Vermutung, auf die es hier aber nicht ankommt, wie uns offenbar gerade die andere Seite beschäftigt. Die richtige Klassifikation für die Astrologie ist also die Mystik, mit der wiederum eher die Künste etwas anzufangen wissen.

Zurück zum Denken neuzeitlicher Wissenschaften und deren Akteure, welche ihre Berechtigung ableiten aus jenem Denken, welches oben der neuzeitlichen Philosophie zugeschrieben worden ist. Zur Ehre der Philosophie übrigens sein angemerkt, dass Denkrichtungen des 20. Jhdts. die Sache, die Frage also der Grenzen der Rationalität, wieder stärker relativiert haben. Darauf kommt hier indessen nicht an, weil jene neueren Sichtweisen bisher keinen maßgeblichen Eingang in solche Einzelwissenschaften wie der Rechtswissenschaft gefunden haben. Das scheint nun ein eigenartiges Geleitwort zu werden, wenn man dem Herausgeber sagen muss, dass eines der Worte seines Buchtitels, das „astrologische“ also, allenfalls noch zu den Künsten gehört, da aber auch eher in die Ecke, wenn nicht gar in die Schmuddelecke. Denn selbst die wenigen zuvor getätigten schmeichelhafteren Zitate aus der Literatur lassen sich auch durch glatt gegenteilige erdrücken, wie das böse Wort, dass ein Gespräch mit Sicherheit dann seinen Tiefstpunkt erreicht habe, wenn es sich der Astrologie zuwende (wird Philip Roth zugeschrieben).

Mit diesen Äußerungen könnte es dann sein Bewenden haben, wäre da nicht der Umstand, dass Texte, erst recht rechtliche und wissenschaftliche Urheber haben. Wenn Engel und Maschinen gemacht werden, bleibt als Produzent ein oder mehrere menschliche Wesen. Und die zeichnen sich durch Stärken und Schwächen aus. Letztere nenn wir den menschlichen Makel (derselbe) oder, allgemeiner, das Allzumenschliche. Dass da einer deswegen gleich die Staatsanwaltschaft zum Ermitteln inspiriert, ist wenigstens in den Wissenschaften eher die Ausnahme. Um diesen üblen Scherz weiter zu treiben, wenn man die neuzeitliche Rationalität als vielfach bereinigtes Produkt europäischer Klosterkultur des Mittelalters sehen will, dann fehlt ihr vielleicht gerade eine angemessene Einbeziehung des Beobachters in seinem gesamten Wesen, welches sich nicht nur durch einen allzumenschlichen Makel mehr oder weniger heimliche Geltung und gelegentlich sogar Luft verschafft. Vielmehr erscheinen die geistigen Früchte wie die beanspruchte umfassende Legitimität jenes durch Verdrängen gewonnen Erkenntnisprozesses in gewisser Weise insgesamt zweifelhaft. Wenn dem auch nur ein wenig so wäre, dann kämen zur zivilisierten Bewältigung jenes zum ganzen Menschen fehlenden Teils nicht nur die neuen Ansätze und Techniken in Betracht, wie manche Richtungen der Psychologie, der medizinischen Therapie, oder anderer Lebensberatung, sondern auch ältere, wie Aspekte der Religion, der Mystik oder eben der Astrologie. Deshalb sollte man über jene alten Künste nicht in Zorn verfallen. Sich heute noch in frühaufklärerischer Wut darüber zu erheben besagt nicht mehr und nicht weniger als dass die Bedingung und Grenzen der eigenen Rationalität nicht hinreichend reflektiert worden sind. Denn werden die zu lobenden Errungenschaften des neuzeitlichen Denkens westlicher Länder selbst wie eine Religion behandelt, dann und nur dann genügt es, die Ratio, die Sachlichkeit und was es da immer da aufgeblasen wird wie einen Götzen vor sich herzutragen. Daraus erklärt sich die irrationale Wut gegenüber allem fremden Denken, sogar gegenüber heute fremd erscheinenden Fragmenten der Vergangenheit der eigenen Kultur. Demgegenüber sollte man sich aber auf ein anderes Element der Neuzeit besinnen, auf die Toleranz. Sonst kommt am Ende das nur Verdrängte als Monster zurück. Wie das aussieht? Worüber man nichts sagen kann soll man schweigen.

Hannover im Mai 2008

 

 

 

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