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Arabien

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

2. Arabische Astrologie

Mit ihrer Vertreibung aus dem römischen Kulturkreis flohen die kundigen Astrologen, wie bereits im letzten Kapitel gezeigt, in verschiedene Gegenden u.a. auch nach Indien. So reizvoll es sein möchte, die daraufhin einsetzende Entwicklung der indischen Astrologie darzustellen, verzichte ich deswegen darauf, weil die indische Astrologie in Deutschland – jedenfalls zur Zeit – noch keine nennenswerte Rolle spielt. Ich verweise auf die hervorragende Darstellung bei Knappich.

Zu der sogenannten „arabischen Astrologie“ werden heute die Lehren der Völker wie Perser, Syrer, Araber, Türken, Mongolen und Juden gerechnet.

Räumlich umfasst die arabische Astrologie Teile von Indien, Indonesien, Persien, Armenien, Mesopotamien, Syrien und Kleinasien, Ägypten und Nordafrika sowie das südliche Europa mit Spanien, Südfrankreich, Sizilien und dem Balkan.

Zeitlich wird die arabische Astrologie für die Jahre von 750 bis 1550 gerechnet.

Die angegebenen Daten lassen bereits erkennen, dass es sich bei der arabischen Astrologie um eine synkretistische Erscheinungsform der Astrologie handelte, da die Philosophien und Religionen aus indischen, persischen, syrisch-jüdischen und griechischen Lehren auch die Astrologie erreichten.

Der Islam wandte sich zwar gegen den altarabischen Gestirn- und Fetischkult, doch hatte Mohammed selbst durchaus einen Glauben an die Macht der Gestirne.

Deshalb konnte die Astrologie auch am Hofe der Kalifen gepflegt werden und wurde von vielen muslimischen Fürsten an ihren jeweiligen Höfen gern gefördert.

 

Die Grundlage der arabischen Astrologie war die aristotelische Kosmologie, nach der alles Werden und Vergehen durch Gestirne bedingt ist.

Die arabische Wissenschaft ging durch drei Perioden. Die Aufnahme fremden Wissens (8. bis 9. Jahrhundert) und eine intensive Übersetzungstätigkeit, eine zweite Periode als Hochblüte des arabischen Wissens im Orient (10. bis 12. Jahrhundert) und eine dritte Periode, in der sich nach den Einfällen der Mongolen von den Randgebieten Ägyptens und Nordafrikas die islamisch-arabische Kultur weiter entwickelte. Für uns ist insbesondere Spanien bedeutsam, weil der islamische Kulturkreis bis zur Rückeroberung Granadas durch die Christen 1492 über Spanien einen bedeutenden Einfluss auf das abendländische Geistesleben ausüben konnte.

 

 

Seit dem 6. Jahrhundert gab es ein Zentrum hellenistisch-persischer Kultur in Ostpersien mit den Städten Schiwa, Buchara und Samarkand, in dem auch viele Astrologen wirkten, und in dem der Gelehrte Rabban al Tabari erstmals den Tetrabiblos des Ptolemaeus‘ ins Arabische übersetzte.

Als Vater der gelehrten arabischen Astrologie gilt Al Kindi, der um 800 geboren wurde und als Mathematiker, Astronom, Musiktheoretiker und Philosoph das große Werk der Astrologie im arabischen Kulturkreis begründete.

Zu seinen Schülern gehörten Albumazar und der Astrologe Ibn al Waschiyya (um 820 n. Chr.).

In die zweite Periode der arabischen Wissenschaft, die durch Gelehrte wie Geber, Avicenna, Alhazen, Al Battani und Averroes geprägt wurde, fällt auch das Wirken des berühmtesten Astromediziners dieser arabischen Kulturblüte. Es handelt sich um Rhazes, geboren 864 n. Chr., der als der arabische Paracelsus gilt und alle Zweige der Medizin literarisch abdeckte und dazu auch
astromedizinische Regeln publizierte.

Neben Rhazes ist Al Battani ein bedeutender Zeitgenosse, der sich mit Astrologie hervortat. Al Battani hat in seinem berühmten astronomischen Lehrbuch „Al Zidsch“ auch die Horoskoptechnik und die Konstruktion der astrologischen Häuser eingehend beschrieben.

Nicht unerwähnt bleiben darf Abu Ma’shar (787 bis 886). Abu Ma’shar veröffentlichte ungefähr 50 Bücher. Sein lateinischer Name war Albumazar.

Es gibt noch sehr viele weitere bedeutende arabische Astrologen, deren Darstellung hier aber zu weit führen würde. Wichtig ist, dass auch in dieser arabischen astrologischen Blütezeit die Gegner durchaus vorhanden waren und es auch damals eine literarische Debatte zu Pro und Contra Astrologie gab.

Auch die jüdischen Gelehrten hatten an der Fortentwicklung der arabisch-spanischen Astrologie ihren Anteil.

 

Die Kulturblüte des Islams wurde dann durch die Mongolen im Osten und die kriegerischen Berber im Westen gebrochen, und seither ist auch keine neue Form und kein neuer Gedanke in Sachen Astrologie im arabischen Kulturkreis entstanden, der für uns heute noch von Belang wäre. Mit dem Fall von Granada war diese Übergangszeit, die für die Rezeption der Astrologie in Mitteleuropa von Bedeutung war, dann auch zu Ende.

 

 

 

 

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