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Aussagegrenzen

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

 

    • f) Astrologisch-psychologische Beratung – Aussagegrenzen und Praxis
        • fa)  Aussagegrenzen der astrologischen Beratung
  • Eine der wichtigsten Kategorien für eine seriöse astrologisch-psychologische Beratung ist die sog. „Aussagegrenze“, die bei jeder astrologischen Beratung fachdisziplinär zu berücksichtigen ist.

     

    Koch schreibt:

    • „Eine astrologische Konstellation steht für eine Zeitqualität, die sich auf unzählige Arten ausdrücken kann. Nehmen wir z.B. die Sonne-Pluto-Konjunktion. Diese kann für Machtausübung stehen, aber auch für Ohnmacht; ferner für den Besitz von Gold und Geld (Bankwesen), aber auch für Armut oder Not oder eine berufliche Tätigkeit im Zusammenhang mit Abfall, Kot und Reinigung (Müllabfuhr und Kanalisation); weiter für Todeserfahrungen oder Todesfaszination, aber auch für Geburt und Neuanfang, für Leidenschaft und Sexualität, für seelische Transformationsprozesse, Schlangenliebhaberei usw. usf. […]
    • Die Ambivalenz astrologischer Prinzipien
    • Zum einen hat ein astrologisches Prinzip immer gegensätzliche Seiten, d.h. es ist ambivalent. Pluto z.B. kann nicht nur Macht, sondern auch Ohnmacht, oder nicht nur Reichtum, sondern auch Armut, nicht nur peinliche Sauberkeit, sondern auch Kot bedeuten. […] Deshalb können auch nur dann statistische Untersuchungen Erfolg haben, wenn dabei ambivalente Fragestellungen, nach einer z.B. Macht-Ohnmacht-Thematik im Leben der betroffenen Personen eingebracht werden.
    • Die Mehrdeutigkeit astrologischer Prinzipien
    • Dies ist das eine Problem. Eine zweite Schwierigkeit besteht darin, dass astrologische Prinzipien ein äußerst breites Spektrum von Bedeutungen haben: Pluto hat also sowohl mit der Macht-Ohnmacht-Ambivalenz als auch mit Ambivalenzen wie verletzen-heilen, Reichtum-Armut, Reinlichkeit-Kot, Tod-Geburt und vielem anderen mehr zu tun. Es ist aber allein aufgrund eines Geburtsbildes nicht – oder nicht mit Sicherheit – einzusehen, in welcher dieser Weisen Pluto sich in einem Charakter manifestiert. Vielleicht legt eine Person in ihrem Leben Wert auf klinische Sauberkeit, hält aber das Macht-Ohnmacht- oder das Geld-Thema für nicht dominant. Solche Unterschiede lassen sich z.B. bei Zwillingsgeburten beobachten, auch bei nur minimal verschiedener Geburtszeit. Die Art und Weise, wie ein Mensch eine astrologische Konstellation lebt, kann sich im Laufe des Lebens aber auch verändern. […]
    • Um den Zusammenhang zu erkennen, bedarf es, wie auch in anderen Künsten und Wissenschaften, einer ordentlichen Schulung. Erst, wenn man sich das entsprechende Sensorium angeeignet hat, entdeckt man, dass all diese Dinge tatsächlich miteinander zusammenhängen. […]
    • Die Grundtypen, die den 12 Tierkreiszeichen zugeordnet werden, sind keineswegs ein beliebig zusammengewürfelter Haufen von Bildern, sondern ein genial konstruiertes System, in dem jede Opposition, jedes Quadrat und jedes Trigon zwischen zwei Zeichen einen tiefen Sinn beinhaltet. Und die verschiedenen Eigenschaften, die einem einzelnen Tierkreiszeichen zugeordnet werden, erweisen sich ebenfalls nicht als ein Sammelsurium, sondern als Manifestationsweisen eines einzigen fundamentalen Prinzips.
    • Die Nichtisolierbarkeit astrologischer Prinzipien
    • Eine weitere Eigenart astrologischer Prinzipien besteht darin, dass sie sich nie isoliert manifestieren, sondern immer in der Ganzheit des Horoskops. Ein Planet steht jeweils in einem Zeichen, in einem Haus und womöglich noch in vielfachen Aspektverbindungen mit anderen Planeten. Zudem ist das ganze restliche Horoskop als der Kontext zu berücksichtigen, in dem er sich manifestiert. Die Art und Weise, wie er sich zum Ausdruck bringt, und seine Wirkkraft werden durch dieses komplexe Geflecht von Zusammenhängen auf schwer vorhersehbare Weise modifiziert. Das ist auch der Grund, warum astrologische Deutungsbücher teilweise so verblüffend stimmig sind, teilweise wiederum so völlig danebenliegen können.
    • Transzendenz und Nichtoperationalisierbarkeit
    • Neben der Ambivalenz, der Mehrdeutigkeit und Nichtisolierbarkeit astrologischer Prinzipien hat sich ein Astrologe noch mit einem weiteren Problem immer wieder auseinander zu setzen, mit dem Umstand, dass Worte und Begriffe in der Regel nicht eindeutig einem astrologischen Prinzip zugeordnet werden können, dass astrologische Prinzipien also in Bezug auf sprachlichen Ausdruck transzendent sind.
    • Konkret: Dasselbe Wort kann für verschiedene astrologische Charaktere etwas sehr Verschiedenes bedeuten. Man frage einmal Vertreter verschiedener Tierkreiszeichen, was für sie „Freiheit“ sei. Ein Zwilling möchte sich vielleicht ungehindert bewegen können und nicht durch zu viele Pflichten eingeengt werden; ein Stier braucht vielleicht viel Geld, um sich alle Genüsse leisten zu können, die er für nötig hält, um sich „frei“ entfalten zu können; ein Wassermann vielleicht vor allem die Fähigkeit und Möglichkeit, aus herkömmlichen Verhaltens- und Denkmustern auszubrechen. Es ist deshalb nicht unbedingt richtig, wie es oft geschieht, die Freiheitsliebe als ein besonderes Merkmal des Wassermanns zu bezeichnen. Freiheit lieben alle, nur auf je verschiedene Weise. Solche grundverschiedenen Auffassungen von Grundbegriffen unseres Lebens sind uns dabei in der Regel überhaupt nicht bewusst und führen zu zahllosen Missverständnissen.
    • Es ist gerade eine der großen Leistungen der Astrologie, dass sie solche unterschiedlichen Auffassungen bei verschiedenen Tierkreiszeichen verständlich und bewusst machen kann. Dadurch lassen sich Konflikte lösen und Missverständnisse überwinden.
    • Mit anderen Worten: Viele Begriffe, die üblicherweise bei statistischen Untersuchungen zur Charakterisierung astrologischer Typen verwendet werden, sind keineswegs genügend eindeutig. Man muss sehr viele verschiedene Begriffe zusammenzudenken oder zusammenzufühlen versuchen, um ein Gefühl für die astrologischen Symbole zu entwickeln. […]
    • Ganz ähnlich verhält es sich auch mit dem Sinngehalt astrologischer Prinzipien. Sie entziehen sich letztlich dem sprachlichen Zugriff, sind insofern transzendent und letztlich nicht mit der für die statistische Erfassbarkeit wünschbaren Eindeutigkeit operationalisierbar. […]
    • Alltägliche Evidenz in der Astrologie […]
    • Es gibt zwar keine Garantie, dass zwei Personen denselben Begriff mit demselben astrologischen Prinzip assoziieren, aber eine Übereinstimmung scheint doch irgendwie möglich. Wie? Offenbar durch „Sympathien“ […] durch Einfühlungsvermögen, durch Übertragung von Stimmungen und Empfindungen zwischen Menschen, vielleicht auch durch Telepathie.
    • Der Sachverhalt liegt doch auf der Hand: Wir kommunizieren nicht nur durch Worte, wir spüren die Absichten des anderen dahinter, wir empfinden die erwähnte „falsche Freundlichkeit“ usw. Es handelt sich hier um Wahrnehmungen, die unsere begrifflichen Fähigkeiten weit übersteigen. „Wissen“ ist durchaus möglich, auch jenseits des Bereichs des Operationalisierbaren. […]
    • Als ich selbst erkannte, wie vielseitig und ambivalent „Planetenkräfte“ sich manifestieren können, war ich erstaunt und gleichzeitig fasziniert ob der Feststellung, dass die jeweilige Analogie zwischen den verschiedenen Manifestationsweisen sich trotz ihrer Offensichtlichkeit nur sehr schwer, wenn überhaupt, in Begriffe fassen lässt: Es handelt sich um Stimmungen, Atmosphären, „Energien“, für welche die Planetennamen selbst vielleicht die einzig treffenden Ausdrücke sind. Ist es nicht in der Musik ganz ähnlich? Wie weit lassen sich Stimmungen großer Kompositionen in Worten ausdrücken?
    • Wohl gemerkt, ich sage nicht, dass die Astrologie kein objektives Wissen erlaube. Astrologen – also entsprechend Geschulte – verstehen einander durchaus und sind überzeugt von der Objektivität ihres Wissens. Für sie sind die astrologischen Energien objektive Gegebenheiten und lassen sich objektiv erforschen. D.h., jeder, der sich tiefer befasst, wird auf ähnliche Schlüsse kommen. Für Astrologen ist dies eine Erfahrungstatsache. […]
    • Ich fasse zusammen. Die astrologischen Faktoren sind also aus vier Gründen schwer zu greifen:
    • Sie sind:
    • 1. ambivalent,
    • 2. mehrdeutig,
    • 3. nicht isolierbar
    • 4. und vor allem sprachlich nicht fassbar.“
  • Koch beschreibt sehr schön, dass es in der Astrologie Aussagegrenzen gibt, die es letztlich verhindern, ohne weitere Zusatzinformationen astrologische Parameter zu eindeutigen Zukunftsprognosen zu verdichten.

    Wie sieht nun eine seriöse astrologische Beratung aus?

     

     

     

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