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Dali

Der Beruf des Künstlers im Horoskop

 

Der Beruf des Künstlers, insbesondere des Malers, hat Bezug zur Venus, die für Kunst, Ästhetik, Formgebung, aber auch für Liebe und Gefühl im Sinne von Empfindungen und Sinnlichkeit steht. Venus genießt den Augenblick, sie hat etwas mit Lust und Unlust zu tun, mit Begehren und mit dem Herstellen von Harmonie.

In der Malerei geben die Künstler nicht nur ihre Eindrücke wieder. Sie malen nicht nur das, was sie sehen, sondern drücken auch ihre Gefühle und Empfindungen in ihren Werken aus.

 

In den meisten Horoskopen von Malern ist Venus stark gestellt:

1. Sie befindet sich oftmals im eigenen Zeichen Stier oder Waage oder

2. die Zeichen Stier und Waage sind stark besetzt.

3. Oftmals findet man den Aszendenten Stier oder Waage in Künstler-Horoskopen.

4. Venus empfängt zahlreiche Aspekte, spannungsreiche wie harmonische:

  • In den meisten Künstler-Horoskopen sind z. B. Venus-Jupiter-Aspekte vorhanden, die u. a. für ein gutes Farbempfinden stehen oder auch die Sonne-Venus-Konjunktion.5. Venus steht in der Dominanz, insbesondere am MC oder im 10. Haus oder

6. sie hat Aspekte zu den kardinalen Achsen.

7. Venus hat meistens auch Bezug zu den Berufshäusern 2, 6 und 10, in denen

 sie entweder zu finden ist oder deren Herrscher sie vielfach ist.

 

Bei Albrecht Dürer (*21.5.1471, 10.25 LMT, Nürnberg) steht Venus als Herrscherin vom MC Stier im 10. Haus Zwillinge, im Quadrat zu Jupiter.

Bei Caspar David Friedrich (*5.9.1774, 3.30 LMT, Greifswald) ist Venus ebenfalls Herrscherin vom MC Stier und bildet ein Quadrat mit Jupiter im 10. Haus und mit der MC-IC-Achse.

William Turner (*23.4.1775,1.15 LMT, London) hat Venus am IC Stier in Konjunktion mit Jupiter.

Franz Marc (*8.2.1880, 22.00 LMT, München) wurde mit Venus als Herrin vom AC Waage im 3. Haus Steinbock im Sextil zu Jupiter geboren.

Bei Lyonel Feininger (*17.7.1871, 11.04 GMT, New York) befindet sich Venus als Herrin vom IC Waage und vom eingeschlossenen Zeichen Stier im 10. Haus im

2. Haus Jungfrau im Sextil zu Jupiter in 12 Krebs, genau wie

Pablo Picasso (*25.10. 1881, 23.15 LMT, Malaga), bei dem Venus jedoch im 3. Haus Waage steht.

Bei all diesen Malern ist Venus stark aspektiert.

 

 

1. Salvador Dalí

Ich möchte mit Salvador Dalí beginnen, der am 11. Mai 1904 um 8.45 MEZ in Cadaques/Figueras (Spanien) geboren wurde.

Salvador Dalí war einer der bekanntesten und umstrittensten Maler der Moderne, einer der selbstherrlichsten und exzentrischsten Künstler seiner Zeit. Aber er war auch einer der faszinierendsten Maler, denn er war der absolute Individualist, innerlich und äußerlich, was er auf den ersten Blick durch seinen extravaganten, gezwirbelten Schnurrbart kundtat.

Am 11. Mai 2004 jährte sich Dalís 100. Geburtstag.

Bevor ich den Künstler und seine Persönlichkeit vorstelle, möchte ich zuerst einen Blick auf sein Horoskop werfen und versuchen, die Konstellationen so neutral wie möglich zu deuten ohne ganz genau zu wissen, welches Schicksal sich tatsächlich dahinter verbirgt. Da ich ein ambivalentes Verhältnis zu Dalí und seiner Kunst hatte, habe ich auch zuerst die Horoskopanalyse erstellt und anschließend Dalís Biografie gelesen.

 

Der Blick auf das Horoskop

Alle Planeten, außer Uranus, befinden sich in der oberen Hälfte. Es handelt sich also um eine extrovertierte Persönlichkeit, die ihren Selbstausdruck in Gruppen oder in Interessengemeinschaften findet (SO im 11. Haus) und darüber ihr Selbstwertgefühl stärken kann (SO als Herrscher vom 2. Haus). Da sich 8 Planeten – dazu beide Lichter – im 4. Quadranten befinden, dürften Beruf, Karriere und Freundschaften eine wichtige Rolle im Leben dieses Horoskop-Eigners (HE) spielen. Der Krebs-Aszendent und die Stier-Betonung weisen jedoch auch darauf hin, dass die Familienbindung von großer Bedeutung war. Mit

der starken Stier-Betonung (SO-ME-MA-Konj. und VE) ist eine bodenständige und sinnliche Persönlichkeit mit praktischer Veranlagung, Ausdauer, Geduld und Genussliebe zu erwarten, für die materielle Werte und das Streben nach Sicherheit von Bedeutung sind. Humor, Gestaltungskraft, Sinn für Formen und Interesse an Kunst zeichnen diesen HE aus, der künstlerisch begabt sein könnte und den Luxus liebt (SO und VE). Auch im Denken (ME) und Handeln (MA) ist der HE bedächtig und ausdauernd, lässt sich aber nur schwer von seiner Meinung abbringen (ME) und braucht hin und wieder einen Anstoß, um aktiv zu werden und seine große Arbeitskraft, den anhaltenden Erwerbstrieb und eine gute Portion Eigensinn und Widerspenstigkeit zum Einsatz zu bringen (MA). Die Konjunktion von Sonne, Merkur und Mars lässt auf eine subjektive Wahrnehmung der eigenen Persönlichkeit schließen (SO-ME), die ein starkes Geltungsbedürfnis sowie Durchsetzung- und Entschlusskraft mit selbst zerstörerischen Zügen hat (SO-MA) und schlagfertig bis streitsüchtig sein kann (ME-MA), wenn sie gereizt wird oder um ihre Sicherheit fürchtet.

Diese ausgeprägte Stier-Mentalität wird einerseits durch den Widder-Mond als Herrscher vom AC Krebs am MC aufgerüttelt: Die Neigung zu Impulsivität und Übereifer macht sich in der Öffentlichkeit und im Beruf bemerkbar, auf den die Mutter (MO) sicher Einfluss hatte – oder später die Ehefrau. Der Drang nach öffentlicher Anerkennung und der Wunsch nach Beliebtheit sind dem HE ein seelisches Bedürfnis. Andererseits wird die Sonne-Merkur-Mars-Konjunktion durch das Quadrat zu Saturn im 8. Haus Wassermann stark eingeschränkt: Die Persönlichkeit ist in ihrem Selbstausdruck (SO-SA) entweder verunsichert oder in ihrer Entwicklung gehemmt, wobei Lebensangst eine Rolle spielt. Sie neigt zu einer pessimistischen Einstellung und vorgefassten Meinung (ME-SA), kann sicher nicht immer alles wunschgemäß durchsetzen, weil der Wille (MA) auf Widerstand (SA) stößt, was viel Energie kostet, und zur Schwächung der körperlichen Kraft führen kann.

Da beide Lichter, Sonne und Mond, Spannungsaspekte empfangen, wird der Widerspruch zwischen den persönlichen und gefühlsmäßigen Bedürfnissen der Persönlichkeit noch verstärkt: Das exakte Quadrat von Sonne und Saturn spricht nicht nur für Minderwertigkeitsgefühle, Ängste und Unsicherheit, sondern auch für eine

Vaterbeziehung, die sich problematisch auf die Männlichkeit der Persönlichkeit und ihre Selbstverwirklichung auswirken kann. Auch dürfte der HE früh mit dem Thema Tod, dem Stirb und Werde, konfrontiert worden sein (SA in 8 Wassermann als antiker Herrscher dieses Zeichens).

Doch die Sonne-Merkur-Mars-Konjunktion spricht für Selbstbehauptung und Unternehmungslust, für Risikobereitschaft und spontanes Handeln – selbst im Zeichen Stier. Diese Persönlichkeit dürfte sich kaum etwas vorschreiben lassen, sondern eigenwillig und eifrig ihre Ideen in die Tat umsetzen, für die sie sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einsetzt. Durch das Quadrat von Saturn werden dem HE entweder Steine in den Weg gelegt, oder er behindert sich selbst durch zu starres Denken (ME), durch unterdrückte Energien (MA) oder übertriebene Befürchtungen. Da das Stellium jedoch im Sextil zum Krebs-AC und im Trigon zum Steinbock-DC steht, dürfte der HE keine große Mühe haben, seine Schwierigkeiten nach außen zu überspielen und sich gut zu verkaufen.

Sehr bedeutsam in diesem Horoskop ist Mond Quadrat Neptun, da beide Planeten in der Dominanz stehen: Mond am MC Widder und Neptun im Quadrat auf die MC-IC-Achse. Ausgeprägte Vorstellungs- und Einbildungskraft, Phantasie, Träume, aber auch unrealistische Gefühle, Illusionen und Selbsttäuschung sind mit diesem Aspekt genauso verbunden, wie ein empfängliches Gemüt, Ahnungen und der Zugang zu spirituellen, mystischen und psychologischen Bereichen.

Zudem dürfte der HE kein klares Bild von seiner Mutter und seinen Gefühlen (MO) haben. Neptun in 12 Quadrat MC-IC kann zur Folge haben, dass er sich gern Träumereien hingibt und das häusliche Leben nur schwer mit den beruflichen Zielen in Einklang bringen kann.

Das unechte und ablaufende Quadrat von Mond und Uranus im 6. Haus gibt einen weiteren Hinweis auf die Neigung des HE zu Eigenwilligkeit, Übertreibungen und Unberechenbarkeit, die im Beruf zum Ausdruck kommen dürften. Mit Uranus im 6. Haus Schütze braucht er Abwechslung. Routine liegt ihm nicht, denn er liebt das Abenteuer und Experimente, zumal Uranus auch Spannungsherrscher im 2. Quadranten ist. Das Trigon zu Venus lässt auf eine kontaktfreudige, originelle Persönlichkeit schließen und das Biquintil (Begabungsaspekt) zu Merkur steht für Intuition und das Erfassen der universellen Zusammenhänge. Mit Widder-Mond als Herrscher vom AC Krebs und als Apex-Planet eines T-Quadrates dürfte das (Berufs-) Leben des HE recht wechselhaft verlaufen sein, zumal er sehr gefühlsbetont und empfindlich ist, seine Gefühle spontan zum Ausdruck bringt und zu Stimmungsschwankungen oder Launen neigt.

Die starke Stier-Betonung lässt auf künstlerische Neigungen schließen, die aus einem tiefen inneren Bedürfnis heraus (IC im Venus-Zeichen Waage) ihren Ausdruck finden möchten, zumal Mars als Herrscher vom MC Widder im 11. Haus Stier in Konjunktion mit Sonne und Merkur im gleichen Zeichen wie Venus steht. Der Mond am MC und Jupiter als Herrscher vom 6. Haus Schütze im 10. Haus Widder sprechen zudem für Erfolg in der Öffentlichkeit und für Beliebtheit. Hinzu kommt das achsengebundene T-Quadrat mit Mond an der Spitze im Quadrat zu Neptun und Uranus im 6. Haus, das die originelle und phantasievolle, eigenwillige und intuitive Persönlichkeit bestätigt, die ihre gefühlsmäßige Unsicherheit in der Öffentlichkeit gekonnt, möglicherweise durch überzogene Reaktionen, überspielt (Widder-MO am MC), aufgeschlossen für zeitgemäße Fragen ist (UR) und ein gutes Gespür für verborgene Zusammenhänge (NE) hat.

Jupiter im 10. Haus Widder als Herr vom 6. Haus Schütze ist Apex Planet eines kleinen Talentdreiecks. Er steht im Sextil zu Pluto im 12. Haus Zwillinge und zu Saturn im 8. Haus Wassermann. Pluto und Saturn sind wiederum durch ein Trigon verbunden. Hier machen sich einerseits Organisationstalent, Pflichtbewusstsein, Geduld und Ausdauer (JU-SA) und andererseits Entfaltung von Macht, Führungseigenschaften und Sinn für Erneuerungen (JU-PL) bemerkbar. Mit Zähigkeit, Selbstdisziplin und hartem Arbeitseinsatz ist der HE zu enormen Leistungen fähig (SA-PL) und kann an Kollektivleistungen beteiligt sein. Jupiter/Saturn ist laut Thomas Ring der Aspekt der sinnvollen und realistischen Selbstverwirklichung. Jupiter-Neptun spricht für einen starken Glauben an die eigenen Ziele, für Idealismus bei der eigenen Entfaltung und für Interesse an Psychologie. Mit Saturn Trigon Neptun dürfte der HE seine Träume realisieren können, künstlerische Formfantasie haben und hellfühlig sein. Hinzu kommt, dass die stark gestellte Venus am Ende des 10. Hauses Stier ein Sextil zu Neptun im 12. Haus hat, der als „höhere Oktave“ der Venus bezeichnet wird. Dieser Aspekt weist auf eine feinsinnige, romantisch veranlagte Persönlichkeit hin, die nach Verschmelzung mit Höherem strebt und eine eher durchgeistigte Sinnlichkeit bevorzugt. Diese Anlagen können sich sowohl im persönlichen Erleben als auch in einer künstlerischen Tätigkeit manifestieren.

 

Auch wenn man nicht genau weiß, wer sich hinter diesem Horoskop verbirgt, sind einige Hinweise auf den Beruf des Künstlers gegeben:

1. Venus im Stier,

2. die starke Stierbetonung

3. Venus als Herrscherin vom IC Waage im 10. Haus

4. Venus-Aspekte zu Neptun und Uranus

5. Venus gleichen Zeichen wie die Sonne, was einer Konjunktionswirkung gleicht.

 

Da es sich um das Horoskop von Salvador Dalí handelt, stellt sich nun die Frage, wie haben sich diese Konstellationen bei ihm ausgewirkt, bzw. wie hat er sie erlebt oder gelebt?

 

„Ich habe den Tod erlebt noch bevor ich lebte“,

schreibt Salvador Dali in seiner Autobiografie „So wird man Dali“ (Molden Taschen-buchverlag, Wien-München, 1976*).

Sein Bruder Salvador I. war im Alter von 22 Monaten genau neun Monate und zehn Tage vor Dalís Geburt gestorben, und er,  Salvador II., trat nun dessen Nachfolge an.

„Die Verzweiflung meiner Eltern wurde erst durch meine Geburt gelindert, aber alle Zellen in ihrem Körper hatten sich mit ihrem Gram vollgesogen. Schon im Schoße meiner Mutter spürte ich ihre Qual. Mein Fetus schwamm in einer höllischen Plazenta. Ich bin diese Qual nie wieder losgeworden. ... Zutiefst fühlte ich seine (des Bruders) beharrliche Gegenwart, für mich zugleich ein Trauma – eine Art Liebesdiebstahl – und krankhafte Sucht, ihn zu übertreffen. ... Van Gogh trieb der tote Doppelgänger in den Wahnsinn. Mich nicht.“

Diese Aussagen machen die Saturn-Problematik in Dalís Horoskop deutlich: Saturn im Wassermann steht im Quadrat zu dem Stellium von Sonne, Merkur und Mars im 11. Haus Stier. Im 8. Haus weist Saturn darauf hin, dass Dalí schon früh mit dem Tod konfrontiert wird oder sich selbst damit auseinandersetzt. Der Tod des Bruders „verfolgt“ ihn sein Leben lang, auch wenn Dalí wie der Erstgeborene und wie ein kleiner König behandelt wird.  Dennoch machen sich immer wieder Lebensangst und Unsicherheit (SO/SA) bemerkbar; Selbstzweifel lassen ihn seine Existenzberechtigung in Frage stellen. Mit seiner subjektiven Selbstwahrnehmung (SO/ME) gelingt es ihm jedoch, seine Schwächen mit Selbstherrlichkeit (Widder-MO) zu kompensieren. Der Tod fasziniert und schreckt Dalí zugleich. Er hat immer das Gefühl, er müsse seinen Bruder töten, um sich das Recht auf seinen eigenen Platz und auf den eigenen Tod zu erringen. Und das versuchte er mit allem Mitteln. Schon als Kind neigte Dalí zu grausamen Handlungen. Aus Wut zerkratze er seiner Kinderfrau mit einer Stecknadel das Gesicht. Einen Spielfreund schubste er – wie er selbst schrieb – ohne jegliches Gefühl von Reue von einer Brücke, seine kleine Schwester trat er gegen den Kopf. Er quälte nicht nur Menschen, er verzehrte sogar tote Tiere. So biss er einer sterbenden Fledermaus den Kopf ab und zerknackte genüsslich die Köpfe kleiner Vögel zwischen den Zähnen.

„Ich weiß, ich bin grausam, und mein Gewissen freut sich meiner kannibalischen Gelüste, denn meine Art zu essen ist ein ständiger Beweis für meine lebendige Wirklichkeit. Ich fühle mich lebendiger wenn ich einen Toten verschlinge.“ (*S. 19/20)

All das tat Dalí, um Leben in sich zu spüren, um sich von seinem toten Bruder zu distanzieren, den er als „Fälschung“, als einen ersten Entwurf, betrachtete. – Dalí selbst wollte das Original sein.

Ich trat, als ich geboren wurde, in die Fußstapfen eines angebeteten Toten, den man in mir weiterliebte, ... Eine narzißtische Wunde war für mich dieses Übermaß von Liebe, eine Wunde, die ich schon im Schoß meiner Mutter spürte. Nur durch die Paranoia, das heißt durch stolze Selbstverherrlichung, gelang es mir, mich vor dem Nichts des systematischen Selbstzweifels zu retten. Ich lernte zu leben, indem ich die Leere einer nicht wirklich mir geltenden Zuneigung füllte mit der Liebe-durch-mich-zu-mir. Ich habe den Tod durch Stolz und Narzißmus besiegt.“ (*S. 11)

Treffender konnte Dalí seine Konstellationen nicht beschreiben. Hier werden noch einmal seine großen Selbstzweifel deutlich; er fühlt sich nicht angenommen und nicht geliebt (SO-ME-MA Quadrat SA). Mit der starken Stier-Betonung und dem Krebs-AC braucht Dalí jedoch Sicherheit und Geborgenheit sowie die emotionale Bindung an seine Eltern/Familie. Mit seiner subjektiven Wahrnehmung (SO-ME) und seinen idealistischen Gefühlen (NE Quadrat MO am MC) stellt Dalí hohe Ansprüche an seine Eltern. Es ist selbstverständlich für ihn, dass er den Ton angibt und das bekommt, was ihm seiner Meinung nach zusteht (SO-ME-MA Quadrat SA). Doch durch die Geburt seiner Schwester Ana María (1908) ist seine Einzigartigkeit wieder bedroht. Mit Eigensinn, Ungeduld und seinem starken Geltungsbedürfnis (SO-MA), das zum Narzissmus ausartet (Widder-MO), setzt Dalí seinen „Kopf“ durch – gemäß seinem Lebensmotto, immer das Gegenteil von dem zu machen, was andere tun – und er wird sehr erfolgreich damit. 

 

Dalís Beziehung zum Vater

Da beide Vatersymbole, Sonne und Saturn, im Quadrat zu einander stehen, dürfte Salvador Dalí seinen Vater, einen anerkannten Notar, als einen strengen, ernsthaften und konservativen Menschen erlebt haben, der seinem Sohn Grenzen setzte. Dalí hat sich von seinem Vater tatsächlich nie richtig anerkannt und gewürdigt gefühlt.

Mit der Stier-Sonne (weibliches Zeichen) wächst der kleine Salvador in einer Umgebung auf, in der die Mutter für seine Erziehung zuständig ist, während sich der Vater eher zurück hält. Als Kind orientiert sich Dalí an seiner Mutter. Er hat eine sehr enge Beziehung zu ihr, wodurch wiederum seine Beziehung zum Vater beeinträchtigt wird. Tatsächlich spielte Dalí seine Eltern schon früh gegen einander aus. Er begriff schnell, dass seine Mutter immer auf seiner Seite stand, während sich sein Vater distanzierte oder ihn bestrafte, wenn es notwendig war. Das kränkte Dalí so, dass er es seinem Vater heimzahlte, indem er ihn in Angst und Schrecken versetzte, wenn er z. B. ganz gezielt einen Erstickungsanfall vortäuschte, durch den sein Vater an die Todesängste des Bruders erinnert wurde, oder  wenn er noch mit acht Jahren ins Bett machte, um seinen Vater zu erniedrigen. Dalí rebellierte gegen jede Einschränkung, die ihm sein Vater auferlegte, denn mit Saturn Quadrat Mars wollte er sich vom Vater in seinen Handlungen nicht einschränken lassen.

Saturn an der Ecke eines Talentdreiecks im Sextil zu Jupiter und im Trigon zu Pluto, weist jedoch darauf hin, dass Dalí in einer Familienatmosphäre aufwuchs, in der der Vater ihm Gemeinschaftsbewusstsein, organisatorische Fähigkeiten und Disziplin vermittelte. – Eine gute Grundlage für seinen späteren Erfolg, denn mit Saturn Sextil Jupiter kann Dalí durch Pflichterfüllung zu Erfolg und Reichtum (JU/PL) kommen, zumal er enorme innere Kräfte und einen starken Willen hat (SA/PL). Doch die Spannungsaspekte von Saturn zu den persönlichen Planeten wirkten sich wesentlich prägender auf Dalís Beziehung zu seinem Vater und auf seine eigene Männlichkeit aus.

„...fasziniert von der ganzen spanischen Härte meines Vaters, der gleichsam die natürliche,

biologische und psychologische Achse war, um die herum sich meine Persönlichkeit

bildete, hörte ich nie auf, ihn zu bewundern. Sein Beispiel und seine Kraft erhoben meinen Geist, und gleichzeitig versuchte ich mich von der Bedrückung zu befreien, die er auf mich ausübte.“ (*S. 23).

Dalí setzt sich im Laufe seines Lebens zwar intensiv mit seinem Vater(bild) auseinander, muss ihm und sich selbst aber immer wieder beweisen, dass er etwas wert ist und seine Existenzberechtigung hat, auch wenn er seinen Vater respektiert.

Tatsächlich war Dalís Vater sehr konservativ und in vieler Hinsicht streng: Er bestand z. B. darauf, dass sein Sohn eine ganz normale Schule besuchte, in der Dalí genauso behandelt wurde wie alle anderen Kinder, was diesem gar nicht gefiel. Später, als Dalí Malerei studierte, erwartete er, dass sein Sohn einen Hochschulabschluss machte, um Professor an der Universität zu werden. Und er war entschieden gegen die Heirat mit Gala, einer geschiedenen Frau mit Kind. Dennoch legte er seinem Sohn nie Steine in den Weg, sondern unterstützte ihn finanziell bis zu seinem 21. Lebensjahr und war stolz auf seinen Erfolg.

Dalís Mutterbeziehung

An seiner Mutter hing Dalí dagegen sehr (Stier-SO und Krebs AC), und auch seine Mutter vergötterte ihn und erfüllte ihm jeden Wunsch. Dalís Mutter war 30 Jahre alt, elf Jahre jünger als der Vater, als Salvador geboren wurde. Sie war eine kreative Frau, die viel Verständnis für die Phantasien ihres Sohnes zeigte. Als der kleine Dalí eines Tages die rote Farbe des Balkontisches abkratzte und die weißen Figuren, die zum Vorschein kamen, als Schwäne und Enten erkannte, war seine Mutter begeistert und bekräftigte seine Sichtweise. Sie ermunterte ihn immer wieder, seine Visionen und Phantasien zu verwirklichen.

Mit dem T-Quadrat von Mond (Mutter) als Apex-Planeten am MC Widder im Quadrat zu Neptun im 12. Haus Krebs und zu Uranus im 6. Haus Schütze (unecht) machte sich der große Einfluss der Mutter insbesondere auf Dalís Berufswahl bemerkbar (MO am MC). Als seine Mutter ihn eines Tages wie jeden Morgen fragte, was er sich wünsche, antwortete Dalí „eines der kleinen Waschzimmer auf unserem Dach“. Er bekam es und richtete sich dort im Alter von neun Jahren sein erstes Atelier ein. Dort, in seinem Olymp, schwelgte er in Tagträumen, hing seinen Größenphantasien nach und fühlte sich wie ein kleiner König.

Neben großer Vorstellungskraft und gefühlsmäßiger Irritation zeigt Mond Quadrat Neptun auch Dalís großes kreatives Potenzial an, das durch Mond Quadrat Uranus eine ungewöhnliche und originelle Note bekommt. Intuition, erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit und spirituelle Anlagen, aber auch Eigenwilligkeit, Unberechenbarkeit und der Anspruch etwas besonderes zu sein (MO-UR), kommen hier zum Ausdruck. Während der Mond ausschließlich Spannungsaspekte empfängt, ist die Venus, das zweite Muttersymbol, im 10. Haus Stier harmonisch aspektiert. Die Mutter förderte als aufgeschlossene und zukunftorientierte Frau (VE Trigon UR) Dalís schöpferisches Talent, sein Interesse für Kunst und seinen kreativen Ausdruck (VE Sextil NE). Sie hatte Verständnis für seine Träume und Illusionen – und ihr Sohn war fasziniert von ihr.

Nach dem frühen Tod seiner Mutter am 21. Februar 1921 nach einer Gebärmutterkrebs-Operation heiratet sein Vater die Schwester der Mutter. Wieder einmal ist es der Tod, durch den sich für den 16jährigen Salvador Dalí alles verändert: seine kindlichen Gefühle werden wieder einmal bitter enttäuscht, er verliert den Rückhalt seiner geliebten Mutter und die häusliche Geborgenheit, in der er seine kindliche Eigenwilligkeit unbekümmert ausleben konnte.

Zu diesem Zeitpunkt stand der progressive Mond exakt in Opposition zum Saturn. Bei den Sonnenbogen-Direktionen bildete Pluto ein Quadrat zum Mond und zur MC-IC-Achse, Neptun stand direkt am AC Krebs. Durch höhere Gewalt (PL) verändern sich die häuslichen und beruflichen Umstände, Enttäuschung über den Verlust der Mutter sowie eine Identitätskrise können sich bemerkbar machen (NE/AC).

„Meine Mutter ist im Dalíschen Olymp ein Engel. ... Ihre sanfte Stimme hat meine Träume gewiegt. Sie war der Honig der Familie. Ich hätte sie trinken mögen. ... Ich war untröstlich als meine Mutter starb. Lange zweifelte ich daran, dass sie wirklich fort war. Sie allein hätte meine Seele verwandeln können. Ich empfand ihren Verlust wie eine Herausforderung und beschloss mich zu rächen, indem ich unsterblich wurde.“ (*S. 32)

 

Dalí auf dem Weg zum surrealistischen Maler

Schon als Kind fühlte sich Dalí zum Maler berufen. Mit der starken Stier-Betonung,

insbesondere mit Venus im eigenen Zeichen im 10. Haus, ist der Hinweis auf künstlerische Neigungen gegeben. Gestaltungskraft und Formensinn, Vorliebe für Kunst und Luxus machen sich genauso bemerkbar wie Humor und Genussliebe, Streben nach Sicherheit und materiellen Werten. Da Venus auch Herrin vom IC Waage ist, dürfte Dalís Wunsch, sich der Kunst und der Schönheit zu widmen, aus seinem tiefsten Inneren kommen.

Mit der Betonung des 4. Quadranten ist ihm seine Karriere sehr wichtig, mit Mond am MC Widder braucht er berufliche Anerkennung, und mit Jupiter im 10. Haus will er sich in der Öffentlichkeit mit einem ungewöhnlichen Beruf entfalten und erfolgreich sein (JU Herrscher vom 6 Schütze und UR im 6. Haus).

Da die Sonne als Herrin vom 2. Haus Löwe und Mars als Herrscher vom MC in Konjunktion im 11. Haus Stier stehen, möchte Dalí etwas für das Wohl der Allgemeinheit tun und mit Freunden und Gleichgesinnten seine Lebensaufgabe beharrlich verwirklichen. Dadurch erfährt er nicht nur Selbstbestätigung, sondern hat auch die Chance, im Sinne seiner Stier-Sonne ein gutes Einkommen zu erzielen.

Uranus im 6. Haus weist darauf hin, dass Dalí eine abwechslungsreiche Tätigkeit braucht, in der er seine originellen Ideen verwirklichen und sich durch plötzliche Begegnungen inspirieren lassen kann (UR Trigon VE). Hier ist auch die Möglichkeit angezeigt, in der Kunst neue Wege zu beschreiten.

Die ausgeprägte Stier-Mentalität wird durch die Widder-Besetzung (MO am MC Quadrat UR und JU in 10) aufgerüttelt. Dalís Neigung zu Impulsivität und Übereifer macht sich in der Öffentlichkeit und im Beruf bemerkbar. Der Drang nach gesellschaftlicher Anerkennung und der Wunsch nach Beliebtheit sind Dalí ein seelisches Bedürfnis. 

1914, im Alter von zehn Jahren, bekommt er seinen ersten Ölfarbmalkasten. 1916 begegnet seinem ersten Zeichenlehrer Juan Núñez Fernández, dem Direktor der Zeichenschule, an der sein Vater Salvador zu Abendkursen angemeldet hat, und am Ende des ersten Jahres erhält er seine erste Auszeichnung. Dalí macht schnell Fortschritte, seine Eigenwilligkeit durchdringt alle Lebensbereiche. Er macht genau das Gegenteil von dem, was andere tun, ist politisch aktiv und lehnt sich zusammen mit seinen Freunden – dem Lyriker Federico García Lorca  – und dem Studenten Luis Buñuel, gegen das Spießbürgertum auf. Er schließt sich den Anarchisten an und wird sogar inhaftiert. Später rebelliert er gegen seinen Zeichenlehrer, mit dem er sich gut versteht, und wehrt sich gegen alles, was angeblich „richtig“ ist. Dalí will nur das tun, was er für richtig hält, und baut in dieser Phase Steine in seine Bilder ein. Mit seinen originellen Werken erntet er nicht nur die die Bewunderung seines Lehrers, sondern wird 1919 auch darum gebeten einige seiner Werke in seinem Heimatort auszustellen.

Mit der Beharrlichkeit der Stier-Sonne geht Dalí seinen Weg. Er ist geistig rege (SO-ME), will experimentieren und seinen eigenen Stil finden (MO Quadrat UR und VE Trigon UR). Er lässt sich nichts vorschreiben (SO-MA Quadrat SA), sondern bleibt in seiner Art unberechenbar, exzentrisch und eigenwillig. Seinen ungewöhnlichen Ideen und seiner großen Phantasie lässt er weiterhin freien Lauf (MO/MC Widder Quadrat UR in 6 Schütze und MO Quadrat NE in 12).

Bei der Opposition von Uranus und Neptun handelt es sich um einen Generationsaspekt.

Thomas Ring spricht von Neuland und Möglichkeit. „Gespanntes Teilhaben an Umwälzungen bedroht das innerseelische Gleichgewicht ... Ideale stellen sich Gefühlsschwankungen entgegen, technische Griffe haben sich mit mystischen Strömungen, Rückblicke auf Vergangenes mit dem Geschmackswandel auseinanderzusetzen. Im ganzen mehr auf Änderung des bestehenden gestimmt, im Geistigen und Politischen extreme Führernaturen, künstlerische Formproblematik und Stimmungsumschwung.“

Diese Spannung wird durch Mond am MC im Quadrat zu Uranus und Neptun zu einem

persönlichen beruflichen Thema für Dalí.

Am 30. September 1922 schreibt sich Dalí an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Madrid für Malerei ein. Er ist ein eifriger, neugieriger und ungeduldiger Maler, doch es ist ihm durchaus bewusst, dass er noch viel lernen muss. Besonders beeindrucken ihn die Künstler Michelangelo, El Greco, Dürer, Goya, Leonardo da Vinci und Rafael. Anhand ihrer Werke erkennt er demütig seine eigene Unvollkommenheit, während er seinen Kommilitonen genau das Gegenteil suggeriert. Dalí  arbeitet hart an sich, um seine Techniken zu verbessern (SO-ME-MA Quadrat SA).

Mit 10 entdeckt Dalí die Impressionisten, mit 14 interessiert er sich für die Genremaler des 19. Jahrhunderts. Mit 18, 1922, entdeckt er den Kubismus, der 1907 durch Pablo Picassos Werk „Demoiselles d’Avignon“ ins Leben gerufen wurde.  Dalí orientiert sich an den Werken seines Landsmanns Juan Gris, der um 1910 den synthetischen Kubismus entwickelt hatte, und 1923 entsteht Dalis „Kubistisches Selbstbildnis“.

Zu Beginn seiner Studienzeit zieht sich Dalí zwar von seinen Kommilitonen zurück und gilt als schüchtern (Krebs-AC), doch jeder soll nun sehen, dass er Künstler ist. Also beginnt Dalí auch sich so auffällig als Dandy zu stylen, so dass er selbst zu einem Kunstwerk wird: schulterlange Haare, mit schwarzem Filzhut bedeckt, Samtjacken, wallende Halstücher und bodenlanger Umhang, sowie eine Pfeife im Mund und ein Stock mit goldenem Knauf in der Hand machen sein Outfit aus. Nach wie vor ist Dalí von sich begeistert und hält sich für ein Genie. Er setzt seine Selbstinszenierung fort. Seine übertriebene Eigenliebe (Widder-MO) treibt ihn zu Höchstleistungen an. Er will der Welt beweisen, dass er der Retter der modernen Malerei ist. Und hier nimmt er seinem Namen wörtlich, denn „Salvador“ heißt auf spanisch der Retter. Dennoch ist Dalí in der Lage seinen Größenwahn, seinen Narzissmus und seinen Exhibitionismus humorvoll mit ironischer Distanz zu betrachten, denn seine Auftritte sind immer bewusst und gezielt inszeniert.

1926 weigert sich Dalí das Abschlussexamen zu machen, da er der Meinung ist, kein Lehrer habe die Kompetenz, ihn zu beurteilen. Am 20. Oktober 1926 wird er endgültig von der Schule verwiesen, die ihm sowieso ein Klotz am Bein war, da er lieber in Paris, der Metropole der Kunst, studiert hätte.

„Ich träumte nicht von Liebe, sondern von Ruhm, und ich wusste, dass der Weg zum Erfolg über Paris führt, doch im Jahre 1927 war Paris weit von Figueras, weit, geheimnisvoll und groß.“ (*S. 83)

Dalí wendet sich mehr und mehr dem Surrealismus zu. Es ist ihm ein Anliegen, das Rätselhafte zu vergegenwärtigen. Er ist davon besessen, das Unfassbare sichtbar zu machen.

Joan Miro ist von Dalís Bildern so angetan, dass er ihn in Paris, wo Dalí auch Picasso besucht, in den Kreis der Surrealisten einführt (SO-ME-MA in 11 Trigon aufsteigendem MK in 3: Protektion durch Freunde und Gleichgesinnte), zu dem u. a. auch Max Ernst, Hans Arp, René Margritte, Yves Tanguy und Man Ray gehören. Es geht den Surrelaisten darum, die Kräfte des Seelischen zu mobilisieren, die jenseits der eingeübten Erlebens- und Verhaltensmuster (was man tut) wirksam, also surreal (übernatürlich), sind. Träume werden als Bestandteil der menschlichen Realität gesehen, denn im Schlaf bewegt sich das Seelenleben nach anderen Regeln. Die Surrealisten stellen in Anlehnung an die Traumtheorie von Sigmund Freud seelische Zusammenhänge her, in denen Gesetze von Raum, Zeit und Logik ihre Bedeutung verlieren.

In Anlehnung an die Psychologie waren die Künstler um die Jahrhundertwende vom Prozess des Wahr-Nehmens fasziniert. Alles kommt ihrer Meinung nach erst durch subtile

Übergangsbewegungen des Wahr-Nehmen zustande und wird mit den Sinnen aufgebaut.

Paul Cézanne setzt diese Auffassung in seinen Gemälden als erster um, indem er Farbbrechung, Tiefenstruktur, Konstruktion und Abstraktion in den Vordergrund stellt. Er leitet die Moderne (Kunstrichtung) ein. Die Kubisten setzen diese Richtung in extremer Weise fort. Sie gehen in ihren Werken von geometrischen Formen aus, von denen sich alles ableiten lässt.

1928 wird Dalís erstes surrealistisches Gemälde „ungestillte Begierde“ in Barcelona als skandalös und unverständlich vom Herbstsalon abgelehnt. Deshalb widmet er sich nun, zusammen mit Buñuel, der Produktion eines Filmes, der jedoch ein Flop wird. Erst als Dalí 1929 Gala Eluart begegnet, verändert sich sein Leben komplett. Sie beflügelt seine Sexualität genauso wie seine Malerei.

 

Dalís Begegnung mit Gala

Dalí stürzt sich wie gewohnt in die Arbeit, ist aber davon überzeugt, in diesem Sommer die Liebe kennen zu lernen. Und tatsächlich wird 1929 ein sehr bedeutsames Jahr für ihn. Als der Bilderhändler Camille Goemans Dalís Werke verkauft und ihm mitteilt, dass er seine gesamten Bilder in Paris ausstellen will, geht es aufwärts. Seine erste Ausstellung hat den Besuch des Ehepaares Eluart zur Folge. Dalí fühlt sich geschmeichelt, dass Paul Eluart, der mit Breton und Aragon zu den geistigen Führern der surrealistischen Bewegung gehört, zu ihm nach Cadaqués kommt. Doch das Erscheinen von Gala Eluart ist für ihn die Offenbarung. Er ist fasziniert von ihr. Sie spricht seine tiefsten Bedürfnisse an, weckt die Begierde in ihm (Dalí = span. Begierde), die er bisher nur mit sich selbst ausgelebt hatte, und macht seiner Angst vor Impotenz ein Ende. Doch jedes Mal wenn Dalí mit Gala sprechen will, bekommt er vor Aufregung einen heftigen Lachanfall.

Schließlich gelingt es ihm seiner Angebeteten seine Liebe zu gestehen. Gala ergreift seine Hand und verspricht: „Mein Kleiner, wir werden uns nie mehr verlassen.“ Tatsächlich ist das der Beginn einer großen Liebe, die Dalí selbst so beschreibt:

„In der ganzen Geschichte der Liebesliteratur aller Zeiten wird man nirgends im

Leben eines Paares einen solchen Grad an Maßlosigkeit und Gleichgewicht, Kraft und Zartheit, Anziehung und vulkanischer Leidenschaft finden. Gala und Dalí verkörpern auf wunderbarste Weise den Mythos der Liebe, die die Geschöpfe über sich hinaushebt, den Schwindel des Absurden auslöscht und den Stolz und den Wert des menschlichen Genies bezeugt. Ohne die Liebe, ohne Gala, wäre ich nicht mehr Dalí. Ich werde nie aufhören, diese Wahrheit zu verkünden und zu leben. Sie ist mein Blut, mein Sauerstoff.“ (*S. 101)

Gala verlässt ihren Mann und ihre Tochter, pflegt aber weiterhin sexuelle Kontakte mit ihrem Ex-Mann. Dalís Vater und Schwester sind gegen die Verbindung mit einer geschiedenen Frau, die zudem die Muse der Surrealisten ist und zahlreiche Affären hat. Als der Vater dann noch aus der Presse erfährt, dass Salvador in Paris ein Bild mit dem Namen „Manchmal spucke ich zum Vergnügen auf das Porträt meiner Mutter“ ausgestellt hat, wirft er ihn aus dem Haus und enterbt ihn. Dalí hatte ungewollt den Bogen überspannt. Der Bruch mit dem Elternhaus ist unwiderruflich.

1934 heiratet Dalí die zehn Jahre ältere Gala, die ihm von nun an nicht nur die Familie ersetzt, sondern ihn auch beruflich stark unterstützt. Sie wird seine Managerin und hält ihm den Rücken frei, damit Dalí sich ganz der Malerei widmen kann.

 

1929, als Dalí Gala begegnete, liefen Jupiter und der aufsteigende Mondknoten über seine Sonne und bildeten ein Trigon zu seinem DC. Im Solar befand sich Venus am MC, Sonne, Jupiter und Mondknoten standen im 10. Solarhaus und der Mond auf dem Radix-Pluto. Damit sind u. a. neue Kontakte, beruflicher Erfolg und eine Liebesbeziehung angezeigt, die sich über den Beruf ergeben kann.

In der Synastrie finden wir Galas Mars auf Salvadors Stier-Venus im Quadrat zu seinem Neptun im Krebs und Dalís Venus im Trigon zu Galas Sonne, was u. a. die starke erotische Anziehung und gegenseitige Faszination erklärt. Ihre leidenschaftliche Löwe-Venus im Trigon zu seinem narzisstischen Widder-Mond am MC verstärkt das Liebesempfinden auf der seelischen Ebene, gibt Vertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit, auch wenn beide in der Liebe völlig unterschiedliche Empfindungen haben (VE Quadrat VE). Das Sextil von seiner Venus zu ihrem Jupiter, der wiederum auf seinem Neptun steht, lässt auf eine glückliche Liebesbeziehung (JU) schließen, die nicht frei von unrealistischen Vorstellungen (NE) ist. Ihr Uranus an der Spitze seines 5. Hauses in Opposition zu seiner Venus spricht für ihre Liebe auf den ersten Blick.

Entsprechend seinem Steinbock-DC zieht Dalí ältere oder reifere, realistische Frauen an, die ihm Sicherheit bieten. Diesem Bild entspricht Gala mit ihrer Jungfrau-Sonne, die im Trigon zu Mars im Stier über Dalís Venus im 10. Haus steht. Zudem finden wir ihren Mondknoten exakt auf seinem Mond am MC, was für eine karmische Verbindung spricht, die in Bezug auf Dalís berufliche Anerkennung und seine Lebensziele sehr förderlich ist. Insofern erfüllt Gala als Ehefrau auch die (Mutter-)Funktion des Mondes am MC in Dalís Horoskop, da sie nun Einfluss auf seine Karriere nimmt. In Gala hat Dalí seine Muse gefunden; sie inspiriert ihn, bringt Ordnung in sein Leben, organisiert seinen Alltag und sorgt dafür, dass seine Visionen im Sinne seiner Stier-Betonung lukrativ umgesetzt werden. Gala verkörpert als Partnerin auch Saturn als Herr vom DC und PL als Herr vom 5. Haus (Geliebte), die im Trigon zu einander stehen und mit Jupiter ein Sextil bilden.

 

Dalís paranoisch-kritische Methode

Dalí hat sich schon sehr früh mit Psychologie beschäftigt. Für ihn bedeutete die Psychoanalyse von Sigmund Freud eine der Hauptentdeckungen seines Lebens. Sie wird neben der Philosophie zum Gegenstand nächtelanger Diskussionen mit seinen Freunden Lorca und Buñuel.

Dalí beschäftigte sich intensiv mit der Beziehung zu seinem Vater (SO-ME-MA Quadrat SA) und versuchte seine Erfahrungen mit ihm nach der Vertreibung aus dem Elternhaus konstruktiv zu verarbeiten, was er in seinem Gemälde „Das Rätsel Wilhelm Tells“ zum Ausdruck brachte.

„Wilhelm Tell ist mein Vater, und ich bin das kleine Kind, das er in den Armen hält, das statt eines Apfels ein rohes Kotelett auf dem Kopf trägt. Er will mich fressen. Neben seinem Fuß liegt eine ganz kleine Nuß, die ein ganz kleines Kind enthält, das das Abbild meiner Frau Gala ist. Sie ist ständig von diesem Fuß bedroht. Denn wenn dieser Fuß sich nur das kleinste bißchen bewegt, dann kann er die Nuß zermalmen.“

Bezug nehmend auf Freud, der sagt „Ein Held ist, wer sich gegen die väterliche Autorität auflehnt und sie besiegt“ kehrt Dalí seinem Vater und seiner Jugendzeit in Cadaqués den Rücken und sucht sich eine neue Umgebung in seiner Heimat, mit der er sich sehr verbunden fühlt. Von nun an steht er – unterstützt von Gala – auf eigenen Füßen, denn es gelingt ihm tatsächlich sich von seinem Vater zu befreien.

Aus seiner eigenen Seherfahrung heraus entwickelt Dalí die paranoisch-kritische Methode, mit der er zeigen will, dass aus wahnhaften (paranoiden) Wahrnehmungen und irrealen Bildern eine neue Wirklichkeit entsteht.

„Meine ganze Kunst besteht darin, mit der unerbittlichsten Präzision die Bilder des Irrationalen, die ich meiner Paranoia entreiße, zu konkretisieren. ... Meine Methode besteht darin, daß ich auf spontane Weise die irrationale Erkenntnis erkläre, die aus den wahnhaften Assoziationen erwächst, indem ich eine kritische Interpretation des Phänomens liefere. ... Die Wahrheit ist, daß meine paranoische Kraft eine Serie systematischer Bilder projizierte, die ich bewußt erfaßte und zu konkretisieren versuchte. Ich bin kein Kopist, kein Bilderfabrikant, sondern ich deliere.“ (*S. 156) „Der surrealistische Künstler-Poet muß im Konkreten die Formen des Deliriums  materialisieren, das der geheime Weg zur unbekannten Welt der Paranoia ist.“

Hier kommt das T-Quadrat von Mond am MC im Quadrat zu Uranus in 6 und zu Neptun in 12 zum Tragen. Dalís unbewusste Wahrnehmung ist stark ausgeprägt, wenn auch sehr subjektiv bis irrational. Das kann sich in einem intensiven Traumleben genauso äußern wie in einer übersteigerten Einbildungskraft, die sich in Illusionen und Halluzinationen äußern und zu Wahnvorstellungen führen kann. Andererseits können sich auch echte Visionen und Ahnungen bemerkbar machen, was bei Dalís Gemälde „Weiche Konstruktion mit gekochten Bohnen – Vorahnung des Bürgerkriegs“, 1936, der Fall war, die sich nicht nur förderlich auf seine visionäre Malerei auswirkten, sondern auch ein Interesse an psychischen Grenzsituationen und metaphysischen Fragen begünstigten.

Dalí erlebte diesen Aspekt als schöpferisch und kreativ mit einem ausgeprägten Verständnis für Psychologie. Sein größter Wunsch, Sigmund Freund zu treffen, erfüllte sich 1938 in dessen Londoner Exil. Dalí erklärte Freud an der „Metamorphose des Narziss“, wie das Unbewusste in der surrealistischen Malerei vergegenwärtigt wird, was dazu führte, dass Freud die Surrealisten nicht mehr für „Narren“ hielt, denn „der junge Spanier mit seinen treuherzig-fanatischen Augen und seiner unleugbaren technischen Meisterschaft hat mir eine andere Einschätzung nahe gelegt.“ (Freud)

Intuition, originelle Einfälle und plötzliche Eingebungen lassen Dalí nicht zur Ruhe kommen. Er rebelliert gegen Routine und braucht immer wieder neue Impulse. Seelische Nöte in Verbindung mit Selbstgefälligkeit äußern sich in snobistischem und exzentrischem Auftreten (SO-MA + Widder-MO Quadrat UR). Dalí gelingt es tatsächlich, sich mit seinem gezwirbelten Schnurrbart und seiner eigenwilligen Erscheinung zu einem unverkennbaren Unikat zu machen.

Mit Besessenheit malt er seine rätselhaften Bilder, die aus vielen kleinen Einzelbildern entstehen, auf denen verschiedene Perspektiven und optische Täuschungen zu sehen sind, und die den Betrachter mit seiner eigenen (sexuellen) Phantasie konfrontieren. Für Dalí sind Kunst und Erotik nicht von einander zu trennen.

Seine Bilder beeindrucken einen immer größer werdenden Kreis von Kunstinteressierten, Sammlern und Galeristen, darunter auch Alfred Barr vom Museum of Modern Art (MOMA), das 1929 in New York gegründet wurde. 1934 macht sich Dalí auf den Weg nach Amerika und wird dort aufgrund seines Outfits wie ein Clown oder Gaukler voller Begeisterung von den Journalisten empfangen. Niemand blickt hinter seine Fassade, aber Dalí macht Schlagzeilen, wird berühmt und liebt es mit den Medien zu spielen.

 

Das Unternehmen Dalí

Von nun an bereisen Salvador und Gala Europa und Amerika, haben Freunde in beiden Kontinenten, werden immer erfolgreicher und kommen zu Weltruhm.

Dalí ist nicht nur Meister der surrealistischen Malerei, sondern auch des sprachlichen Ausdrucks (ME-MA Biqiuntil UR). Neben seinen zahlreichen Ausstellungen hält er Vorträge, schreibt Aufsätze und Bücher, veröffentlicht 1941 seine Autobiografie „Das geheime Leben des Salvador Dalí“, entwirft ab 1944 Bühnenbilder, Krawatten und Kostüme, illustriert literarische Werke, produziert Werbespots, entwirft Schmuck und Möbel und fertigt Skulpturen an, um nur einige seiner vielfältigen Betätigungsfelder zu nennen.

Obwohl er in der Kunst und in der Welt der Reichen und Berühmten längst etabliert ist, experimentiert Dalí weiter, entwickelt in den 50er Jahren einen neuen Malstil („atomare Kunst“) und findet bis ins hohe Alter Erfüllung in seiner Arbeit. Als Anerkennung dafür erhält er zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen. 1970 wird der Grundstein zu seinem Museum (Teatro-Museo Dalí) in Figueras gelegt, das er selbst mitgestaltet und einrichtet – und in dem er 1983 bestattet wird.

Mit seinem Talentdreieck (JU/SA/PL) und mit der Ausdauer seiner Stierbetonung ist es Dalí gelungen, ziel bewusst das Bestmögliche zu vollenden, sich selbst zu verwirklichen, seine paranoide Veranlagung in den Griff zu bekommen und sie künstlerisch zu disziplinieren. Er hat die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn aufgehoben, indem er den Wahnsinn in seiner surrealistischen Malerei manifestierte und zur paranoisch-kritischen Methode erweiterte.

Auch wenn er den Tod nicht besiegen konnte, so ist er doch durch seine nahezu 1400 Kunstwerke unsterblich geworden. Er hat die Kunst des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt und hat der Welt einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen.

Dalí ist zu dem Original geworden, das er immer sein wollte.

 

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