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Dieter Koch

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

 

    • 2. Pro und Contra Astrologie – eine Jahrtausenddebatte
  • Die m.E. beste Zusammenstellung zu Pro- und Contra Astrologie gibt es bei Dieter Koch.
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    Koch schreibt:

    • „Betrachten wir die wichtigsten Vorurteile, die über die Astrologie im Umlauf sind.
    • 1. Vorurteil: Der Astrologe verspricht, aufgrund von Gestirnkonstellationen das Schicksal seines Klienten vorauszusagen.
    • Diese Aussage ist falsch. Zwar ist sie in der Öffentlichkeit weit verbreitet und wird auch durch die Astrologieseiten in der Boulevardpresse scheinbar bestätigt. Die Tätigkeit vieler und maßgeblicher Astrologen gleicht jedoch eher derjenigen von Psychologen. Der Astrologe wird jegliche Erwartung seitens des Klienten, dass ihm die Zukunft vorausgesagt werden könne (z.B. „werde ich reich?“), bereits bei der Vereinbarung eines Termins zurückweisen. Der Fokus liegt bei einer guten astrologischen Sitzung stets auf dem Charakter und der gegenwärtigen Lebenssituation des Klienten. Das Ziel ist nicht Prognose, sondern Diagnose, d.h. Klärung der aktuellen Situation des Klienten und seiner Möglichkeiten unter den gegebenen Umständen. Der Astrologe bietet Unterstützung bei der Lösung von Lebensproblemen, nimmt dem Klienten Entscheidungen jedoch nicht ab.
    • 2. Vorurteil: Nach der Lehre der Astrologie kann man den Charakter und das Schicksal eines Menschen aus seinem Geburtshoroskop im Prinzip eindeutig ablesen.
    • Diese Aussage ist falsch. Die maßgeblichen Astrologen – wenn auch nicht alle – sind der Meinung, dass ein und dasselbe Horoskop auf verschiedene Arten gelebt werden kann, also keine konkrete, sondern eine allgemeine Beschreibung eines Menschen liefert. Astrologische Symbole, z.B. Planeten und Zeichen, sind mehrdeutig, ambivalent und sprachlich nicht präzise zu fassen. Es handelt sich um weite Felder möglicher Bedeutungen, die es nicht zulassen, auf konkrete Gegebenheiten zu schließen, solange der Klient selbst keine konkreteren Hinweise gibt oder keine weiteren Erkenntnisquellen (eventuell die Hellfühligkeit des Astrologen) beigezogen werden. Es wird von Astrologen oft darauf hingewiesen, dass Zwillinge, auch wenn sie dasselbe Horoskop besitzen, dennoch stark abweichenden, ja geradezu komplementären Charakter und auch ein komplementäres Schicksal haben können. Z.B. kann der eine sehr selbstbewusst auftreten, der andere hingegen unter Minderwertigkeitskomplexen leiden. Hier kann auch eine wechselseitige Projektion ambivalenter Inhalte stattfinden, die dann jeweils einseitig polarisiert von den beiden gelebt werden. Ein Horoskop kann daher einen Menschen und seine Situation nur dann verstehen helfen, wenn man ihn vor sich hat und Feedback von ihm bekommt.
    • Die Vorstellung von einer streng deterministischen Astrologie, also einer solchen, die Charakter und Schicksal zwingend festlegt, ist ein Konstrukt der neuzeitlichen Kritiker der Astrologie bzw. ein Konstrukt der modernen naturwissenschaftlichen, auf kausalem Denken beruhenden Geistesströmung. Bereits Ptolemaeus weist darauf hin, dass die Himmelskörper nur allgemeine, jedoch keine konkreten Interpretationen zulassen. Nicht einmal die babylonische Astrologie war deterministisch. […]
    • 3. Vorurteil: Die Astrologie lehrt einen kausalen Zusammenhang zwischen Planetenkonstellationen und menschlichem Charakter und Schicksal.
    • Diese Aussage ist falsch, zumindest in dieser generellen Formulierung und insbesondere aus historischer Sicht. Maßgebliche Astrologen und vermutlich überhaupt die Mehrheit der seriösen Astrologen gehen nicht von einem kausalen, sondern von einem akausalen, synchronistischen Zusammenhang aus, ähnlich wie C.G. Jung ihn für das Phänomen Synchronizität fordert. Diese Auffassung erscheint einleuchtend im Hinblick auf die Tatsache, dass aus einer allgemeinen Symbolik wie die Himmelskörper sie darstellen, keine konkrete Wirkung abgeleitet werden kann. Die synchronistische Auffassung von der Astrologie ist sogar älter als die kausalistische. Sie lässt sich z.B. beim platonischen Philosophen Plotin (2. Jh.) finden und sogar bis in babylonische Zeit zurückverfolgen. Die Babylonier dachten noch nicht in Ursachen und Wirkungen. Es waren vielmehr die Griechen, die diese Denkweise erfanden. Wirklich durchgesetzt hat sie sich allerdings erst mit Thomas von Aquin.
    • 4. Vorurteil: Astrologie ist ein Glaube (bzw. Aberglaube).
    • Diese Aussage ist falsch. Die Astrologie hat sich noch nie als Glauben verstanden, sondern immer schon als Erfahrungswissen. Wenn Astrologen miteinander sprechen, tauschen sie Erfahrungen aus und sprechen über astrologische Gesetzmäßigkeiten wie über objektive Tatsachen. Dass die Astrologie keine allgemein anerkannte Wissenschaft ist, vermag an diesen Feststellungen nichts zu ändern. Die Astrologie muss im Prinzip als eine wissenschaftliche Hypothese betrachtet werden. Es sind statistische Experimente denkbar, die sie beweisen könnten, und es wurden solche auch tatsächlich durchgeführt.
    • 5. Vorurteil: Alle statistischen Untersuchungen, welche die Astrologie beweisen sollten, sind fehlgeschlagen.
    • Diese Aussage ist falsch. Statistische Untersuchungen des französischen Psychologen- und Statistikerehepaares Michel und Françoise Gauquelin in den 50er Jahren bestätigen die astrologische Wirksamkeit von Planeten – und sie wurden sogar erfolgreich repliziert. Mehrere Versuche von Skeptiker-Organisationen in den vergangenen Jahrzehnten, diese Untersuchungen zu widerlegen, sind gescheitert. Anders lautende Behauptungen beruhen nachweislich teils auf Irrtümern seitens der Skeptiker, teils auf ungenügenden Recherchen, teils auf bewusster Unehrlichkeit und Desinformation. Es erweist sich öfter, dass die typische Mentalität von Mitgliedern sogenannter „Skeptiker“-Organisationen die ist, dass man „ja ohnehin weiß“, dass die Astrologie (und überhaupt alles Paranormale) „Quatsch“ ist, und dass man es mit ihrer Überprüfung deshalb nicht so ernst zu nehmen braucht. Statt Gelder in sinnlose Forschung zu stecken, sollte man sie nach Ansicht dieser Leute eher für die Öffentlichkeitsarbeit, d.h. für die Propaganda gegen die Astrologie, verwenden.
    • 6. Vorurteil: Die Astrologie ist ein Relikt aus prähistorischer Zeit und Ausdruck eines primitiven Weltverständnisses.
    • Diese Aussage ist selbst Ausdruck eines primitiven Welt- und Geschichtsverständnisses. Zunächst ist festzuhalten, dass man von einer prähistorischen Astrologie, wenn es sie überhaupt gab, nichts weiß. Gerade dieses Nichtwissen drückt der Begriff „prähistorisch“ (lat.-griech.) „vor allen greifbaren geschichtlichen Zeugnissen“ ja aus. Der Ausdruck „primitives Weltverständnis“ ist zudem generell nur von Leuten zu hören, die sich weder mit der Astrologe noch mit angeblich „primitiven Weltbildern“ je auseinandergesetzt haben, die somit nicht die blasseste Ahnung haben, wovon sie reden. Weiter sind derartige Vorhaltungen sehr oft von Leuten zu hören, die auch die Psychologie und die Geisteswissenschaften als Wissenschaften nicht ernst nehmen, weil sie angeblich nicht „streng“ genug seien. Im Grunde lässt sich auf dieses wissenschaftsimperialistische Vorurteil nur polemisch antworten: in Wahrheit sind diese Leute selbst insofern zurückgeblieben, als ihnen entweder eine gesunde geistige Offenheit oder aber der Sinn für humanistische Bildung, für psychologische und philosophische Fragen überhaupt abgeht. Sie haben keine Ahnung, wovon sie reden.
    • 7. Vorurteil: Die Astrologie hat die kopernikanische Revolution verschlafen und geht immer noch vom geozentrischen Weltbild aus.
    • Dieser Vorwurf ist schlicht schwachsinnig. Genauso gut könnten die Astrologiekritiker verlangen, dass aufgeklärte Menschen seit der kopernikanischen Wende nicht mehr auf der Erde, sondern nur noch auf der Sonne geboren werden dürfen! Ich meine, bis zur ersten Mars-, Mond- oder Weltraumgeburt wird für die Geburtshoroskopie der geozentrische Gesichtspunkt vollkommen vernünftig sein.
    • 8. Vorurteil: Die Astrologie hat sich seit der Antike nicht nennenswert weiterentwickelt.
    • Diese Aussage ist falsch. Die Astrologie wurzelt zwar gewiss, wie alle Wissenschaften, in sehr alter Zeit, hat jedoch, wie alle anderen Wissenschaften auch, eine große Entwicklung durchgemacht. Von der babylonischen Astrologie über die alte griechische, die arabisch-persische und die Renaissance-Astrologie bis zur heutigen Astrologie haben gewaltige Entwicklungen stattgefunden. Die heute vorherrschende Strömung der
      Astrologie ist stark von der Tiefenpsychologie beeinflusst und hat übrigens auch unter aufgeklärten Menschen, also z.B. Akademikern und sogar Naturwissenschaftlern viele Anhänger. Von der Astrologie der Babylonier trennen sie Welten!
    • 9. Vorurteil: Nur physikalisch und astronomisch Ungebildete können an Astrologie glauben.
    • Diese Aussage ist falsch. Eine in der Astronomie-Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ publizierte Umfrage unter Planetariumsbesucher ergab, dass zwischen der astronomischen Bildung und dem „Glauben“ an die Astrologie keinerlei Korrelation besteht. In Wahrheit gibt es sogar Astronomen, die sich zur Astrologie bekennen. Percy Seymour lehrt am Plymouth Polytechnic und ist Direktor des William-Day-Planetarium in Plymouth. Er ist Mitglied sowohl der Royal Astronomers Society als auch der Astrological Association von England. Er hat sogar ein Buch geschrieben, in dem er sich um eine astronomische Rechtfertigung der Astrologie bemüht. Ein anderes Beispiel ist Victor Mansfield, Professor für Physik und Astronomie an der Colgate University. Er hat einen Artikel über die Astrologie im Lichte der Quantenphysik geschrieben. Auch der bekannte deutsche Physiker C.F. von Weizsäcker hat sich öffentlich zur Astrologie bekannt. Alois Treindl, der Gründer des „Astrodienst Zürich“, der computergenerierte Persönlichkeitsanalysen verkauft, ist Doktor der Physik. Ich selbst habe meine Kenntnisse in Himmelsmechanik als Programmierer der Swiss Ephemeris von „Astrodienst“ unter Beweis gestellt, welche die Berechnungen des Astronomical Almanach auf die letzte Kommastelle genau reproduziert.
    • 10. Vorurteil: Die Astrologie kann nicht funktionieren, weil die physikalischen Kräfte, die von den Planeten auf die Erde und die Lebewesen einwirken, zu schwach sind.
    • In der Tat sind diese Kräfte äußerst schwach. Der Einwand ist aber falsch, denn erstens kann man nicht voraussetzen, dass die Astrologie behaupte, dass ihr bekannte physikalische Kräfte zugrunde liegen. Und zweitens kann aufgrund der Tatsache, dass eine physikalische Erklärung für astrologische „Wirkung“ gegenwärtig nicht gegeben werden kann, nicht zwingend geschlossen werden, dass astrologische „Wirkung“ nicht möglich sei. Der Einwand ist auch insofern voreilig, als der Astronom Percy Seymour in den 80er Jahren versucht hat, astrologische Wirkung aufgrund von Gravitation und Elektromagnetismus im Sonnensystem kausal zu erklären. Seine Theorie wurde von der Gemeinschaft der
      Astronomen nie unvoreingenommen geprüft. Vor allem aber geht der Einwand insofern am Problem vorbei, als maßgebliche Astrologen, wie bereits erwähnt, gar nicht von einer kausalistischen Begründung der Astrologie ausgehen, sondern sich mehr von einem synchronistischen Ansatz à la C.G. Jung versprechen oder allenfalls von einem Ansatz, der sich mehr an die Logik der Quantenphysik hält. Wie auch immer – die Astrologen werden auf dieses Vorurteil so antworten: wenn die Astrologie auf dem Wege der klassischen Physik nicht erklärbar ist, dann funktioniert sie eben auf eine andere Weise. Dass sie aber funktioniert, dafür haben wir deutliche Evidenzen.
    • 11. Vorurteil: Die Astrologie kann nicht funktionieren, weil die astrologischen Tierkreiszeichen mit den Sternbildern heute nicht mehr übereinstimmen.
    • Dieses Vorurteil beruht auf der Tatsache, dass der Frühlingspunkt, also der Ort am Himmel, an dem sich die Sonne bei Frühlingsbeginn befindet, in Folge einer Torkelbewegung der Erdachse seine Position bezogen auf den Fixsternhimmel langsam verändert und einmal in ca. 26.000 Jahren eine vollständige Kreisbewegung um den Himmel vollführt. Der astrologische Tierkreis beginnt beim Frühlingspunkt und somit ca. um den 21. März mit dem Widder. Man nennt diesen Tierkreis den tropischen. Davon zu unterscheiden ist der Fixsterntierkreis, der aus zwölf Fixsternkonstellationen besteht, die ebenfalls die Namen „Widder“, „Stier“ usw. tragen. In Folge der soeben beschriebenen Bewegung des Frühlingspunktes, den man Präzession nennt, driften die beiden Tierkreise langsam auseinander. Vor 2.000 Jahren deckten sie sich ungefähr. Das Präzessionsargument lässt sich in vier Vorurteile zergliedern:
    • Vorurteil 11a: Die Astrologen wissen nicht, dass die Tierkreiszeichen, mit denen sie arbeiten, sich heute nicht mehr mit den Fixsternbildern decken.
    • Diese Aussage ist falsch. Nach der jahrzehntelangen stereotypen Wiederholung dieses Vorurteils hat mittlerweile auch der letzte Astrologe davon gehört und dafür nur noch ein Gähnen übrig. Auch die allgegenwärtige Theorie vom „Wassermannzeitalter“ – was immer man von ihr halten mag – kann nur von Leuten erfunden worden sein, die wissen, dass der tropische Widderpunkt sich keineswegs in der Konstellation Widder befindet, sondern sich gegenwärtig auf die Konstellation Wassermann zubewegt.
    • Vorurteil 11b: Der tropische Tierkreis wurde von den Astrologen aus purer Ignoranz in die Astrologie eingeführt.
    • Diese Aussage ist falsch. Zunächst muss man wissen, dass in der Antike die Astrologen und die Astronomen noch kein getrenntes Volk waren, sondern jeder sich mit beiden Wissenschaften befasste und nach damaliger Überzeugung auch befassen musste. Die Leute, die den tropischen Tierkreis in die Astrologie einführten, allen voran Ptolemaeus, hatten sowohl von Astronomie als auch von Astrologie eine große Ahnung, sie wussten von der Präzession und waren sich sehr im Klaren darüber, was sie taten. Die Einführung des tropischen Tierkreises geschah nach der Entdeckung der Präzession der Tagundnachtgleichen (also der Wanderung des Frühlingspunktes durch die Sternbilder) durch Hipparchos im 2. Jh. v. Chr. Einen Zusammenhang zwischen den Tierkreiszeichen und den Jahreszeiten hatte man allerdings schon zuvor angenommen. Im damaligen geozentrischen Weltbild waren die Jahreszeiten (bzw. der durch Himmeläquator und Ekliptik definierte tropische Tierkreis) als absolutes Bezugssystem völlig vernünftig. Nicht der Frühlingspunkt bewegte sich aus damaliger Sicht durch den Sternenhimmel, sondern die Sterne bewegten sich langsam durch den Tierkreis. Diese Betrachtungsweise ist für die Astrologie auch heute noch sinnvoll, weil für das Horoskop ja nur der „subjektive“ geozentrische Gesichtspunkt zählt (s. Vorurteil 7.)
    • Vorurteil 11c: Die Tierkreisastrologie arbeitete ursprünglich mit den Fixsternkonstellationen.
    • Diese Aussage ist falsch. Die Fixsternbilder haben nie einer Tierkreisastrologie gedient, wie wir sie heute kennen. Die ersten Ansätze zur Tierkreisastrologie finden wir erst bei den Griechen (und Ägyptern), etwa zu der Zeit, als auch die Präzession entdeckt wurde. Die Griechen haben im Übrigen nie mit den Fixsternkonstellationen astrologisch gearbeitet. Statt der ungleich großen Sternbilder verwendeten sie teils den tropischen Tierkreis, teils einen schon von den Babyloniern eingeführten imaginären siderischen Tierkreis, der aus 12 Zeichen zu je 30° bestand und ebenfalls als mit den Äquinoktien harmonierend erachtet wurde. Die astrologischen Qualitäten der Tierkreiszeichen, wie wir sie heute kennen, wurden am tropischen Tierkreis erarbeitet, teilweise allenfalls auch am siderischen zu einer Zeit, als dieser sich mit dem tropischen noch deckte. Die Fixsternbilder dienten vielmehr anderen Zwecken: der Orientierung bei der Seefahrt, der Feststellung der Jahreszeiten, der Auffindung von Planeten am Himmel. Fazit: die Sternbilder waren noch nie (!) relevant für astrologische Aussagen über einen menschlichen Charakter, nicht einmal bei den Babyloniern!
    • Vorurteil 11d: Tierkreiszeichenastrologie müsste, wenn etwas an ihr dran wäre, auf den „realen Sternkonstellationen“ beruhen.
    • Diese Aussage ist eine dogmatische, nicht eigentlich begründbare Behauptung, die auf Unkenntnis der Philosophie hinter dem astrologischen Tierkreis beruht. Die Astrologie geht davon aus, dass alle Entwicklung zyklischer Natur ist und sich in 12 Phasen vollzieht, die den 12 Tierkreiszeichen entsprechen. Dieser archetypische Tierkreis kann auf alle möglichen natürlichen Zyklen projektiert werden, auf den Jahreslauf der Sonne, woraus sich der tropische Tierkreis ergibt, auf die Erdrotation, woraus sich der Kreis der 12 Häuser ergibt, potentiell auch auf andere Kreise. Dabei ist der Widder dem ersten Haus seiner Bedeutung nach analog, der Stier dem zweiten Haus usw. Der Jahreslauf der Sonne ist also nur ein möglicher Kreis, auf den sich die 12 archetypischen Phasen zyklischer Entwicklungen projizieren lassen.
    • 12. Vorurteil: Betrachten wir ein Horoskop, in dem Uranus in der Kulmination steht. Als das Licht von ihm ausgesandt wurde, befand er sich in Wahrheit u.U. am Aszendenten.
    • Dieses gar nicht selten gehörte Argument offenbart wie kein zweites, dass manche Kritiker entweder die Astrologen für zu dumm halten, um astronomischen Schwachsinn zu durchblicken, oder dass diese Kritiker selbst zu dumm sind, um den Sachverhalt zu verstehen. Die Astrologie interessiert sich traditionell nur dafür, wo ein Planet gesehen wird, genauer genommen für seine auf den Erdmittelpunkt bezogene scheinbare Position. Man berechnet das Horoskop für einen Ort und Zeitpunkt, zu dem ein Planet real in der Kulmination oder am Horizont beobachtet werden kann. Der Planet wird sich auch im Horoskop in der Kulmination oder am Horizont befinden. Die Horoskopberechnung ist folglich korrekt. Es gibt zu dieser Betrachtungsweise nur eine Alternative, die besonders im Hinblick auf synchronistische Modelle astrologischer „Wirkung“ interessant wird, nämlich die wahre geometrische Position des Planeten zum Zeitpunkt der Geburt, ohne Berücksichtigung der Lichtzeit und relativistischer Effekte. Diese weicht jedoch höchstens einige Bogensekunden von der scheinbaren (d.h. von der Erde aus beobachtbaren) Position ab.
    • 13. Vorurteil: Der Planet Pluto ist erst 1930 entdeckt worden, hat eine Umlaufzeit von 247 Jahren und somit seit seiner Entdeckung erst ein kleines Bahnstück zurückgelegt. Diese Zeit war somit zu kurz, um eine allfällige astrologische Qualität dieses Planeten zu erforschen.
    • Dieses oft gehörte Vorurteil ist schlicht unsinnig. Tausende von Astrologen haben Jahrzehnte lang beobachtet, wie dieser Planet in Horoskopen wirkt, sogar in Horoskopen wichtiger Personen vergangener Jahrhunderte gewirkt hat, in denen man von Pluto noch nichts wusste. Die Position von Pluto kann mit für astrologische Bedürfnisse hinreichender Genauigkeit im Prinzip selbst für das Horoskop Alexander des Großen berechnet werden. Viele Astrologen – ich eingeschlossen – haben zudem auch Jahrzehnte lang die Transite dieses Planeten durch ihr eigenes Geburtshoroskop beobachtet und seine Qualität sehr deutlich spüren gelernt. In der Astrologie versteht man unter Transite die Bewegungen der laufenden Planeten im Verhältnis zu einem Geburtshoroskop. Der astrologische Transitbegriff weicht vom astronomischen also ab. Ein Beispiel: zwischen 1995 und 2008 läuft Pluto durch den Schützen. Irgendwann in dieser Zeit läuft er über die Geburtssonne aller Schützegeborenen und macht sich durch besondere, ihm entsprechende psychische Zustände, Verhaltensweisen und äußere Ereignisse im Leben der Betroffenen bemerkbar.
    • 14. Vorurteil: Die in der Neuzeit entdeckten Planeten Uranus, Neptun und Pluto sind von astrologisch ahnungslosen Astronomen benannt worden. Die Astrologen gehen aber davon aus, dass diese Planeten tatsächlich etwas mit den griechisch-römischen Göttern zu tun haben, nach denen sie benannt sind. Es wäre doch ein absurder Zufall, wenn die astrologisch ahnungslosen Astronomen das astrologische Wesen dieser Planeten so treffend erfasst hätten.
    • Das ist ein klassisches Vorurteil: man urteilt, bevor man sich die Sache tatsächlich angesehen hat. Die Qualitäten der Planeten decken sich nicht präzise mit den Charaktereigenschaften ihrer Namenspatrone in der Mythologie. Dennoch kommt der Sachverhalt jenem „absurden Zufall“ nahe. Wie er sich erklärt, darüber können wir zurzeit nur spekulieren. Es könnte sich um eine paranormale Erscheinung oder um Synchronizitäten im Jungschen Sinne handeln. Es ist im Übrigen ein Irrtum zu glauben, Planeten würden völlig „zufällig“ benannt. Die Namensfindung geschieht auch heute noch bei den Asteroiden in der Regel mit viel Ernst und Liebe und Sensibilität, wie bei einem Baby. Warum sollte da nicht ein astrologisch treffender Namen herauskommen?
    • Aber ganz egal, wie man sich die Funktionsweise der Astrologie erklären will – man kann den Kritikern bei all diesen Argumenten vorhalten, dass sie immer nur blind drauf los spekulieren, was möglich sei und was nicht, statt einmal einen sachlichen Blick auf den kritisierten Gegenstand zu riskieren. Die ganze Astrologiekritik ist im Grunde nichts anderes als eine Verleumdungskampagne von Seiten ignoranter Astronomen und „Skeptiker“, die dank ihres Zynismus‘ die Journaille leider stets auf ihrer Seite haben.“
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    Zusammenfassung:

     

    • „Astrologie ist im Grunde nur eine seit Jahrtausenden überlieferten Lehre, die in ihrem Wesen von heidnisch-religiösen Vorstellungen durchsetzt ist.“
  • Das Argument ist objektiv zutreffend. Der Astrologe wendet in der Tat die Lehre der Astrologie, die seit Jahrtausenden überliefert wird, an, und es ist ebenfalls zutreffend, dass angesichts des Ursprungs der Astrologie, die deutlich lange vor dem Christentum begründet wurde, aus Sicht eines christlichen Betrachters naturgemäß nicht-christliche Elemente, teilweise religiöser Natur, Eingang in die Astrologie gefunden haben, soweit sie die empirischen Befunde abgestützt haben.

     

    • „Ein einseitiger, nur nach dem Stand der Sterne im Zeitpunkt der Geburt berechneter Einfluss der Gestirne auf die Schicksalsgestaltung, ist mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Neuzeit abzulehnen.“
  • Dieses Argument streift die Debatte um Determination und Freiheit. An dieser Stelle würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, aktuelle Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und der Neurojurisprudence mit in diese Arbeit zu integrieren.

    Es gibt in der Astrologie-Szene Vertreter, insbesondere in Indien, die von einem deterministischen Ansatz ausgehen. Es gibt aber auch astrologische Richtungen, die die Freiheit des Menschen unangetastet lassen.

    Problematisch erscheint mir allerdings, wenn so lapidar in diesem sehr komplizierten Diskurs-Zusammenhang die sogenannten „wissenschaftlichen Erkenntnisse der Neuzeit“ herangezogen werden, um die Astrologie in Bausch und Bogen, trotz ihrer differenzierten Herangehensweise an diese Fragestellung, zu verwerfen. Wir werden sehen, dass es mit der sogenannten Wissenschaft dann doch so einfach nicht bestellt ist.

     

    • „Eine Beratung ausschließlich aus den Sternen abzuleiten, rechtfertigt die Aussage, dass der Berater nicht in der Lage ist, auch nur mit einer annähernden Wahrscheinlichkeit wissenschaftlich begründete Erkenntnisse für die Lebensentwicklung des Klienten insbesondere auch in geschäftlicher Hinsicht zu ziehen.“
  • Diese Feststellung ist, wie ja bereits dargestellt, diskussionswürdig und hinterfragbar. Dass der Astrologe seine Beratung ausschließlich aus den Sternen ableitet, ist als solches erst einmal falsch. Astrologen leiten in der Regel nichts aus Sternen ab, sondern aus Planeten im Sonnensystem unserer Erde. Jedenfalls wird nur in einem ganz kleinen disziplinären Teil der Astrologie mit Fixsternen gearbeitet. Hier lässt sich erkennen, dass mit Vorurteilen, mit Glaubensvorstellungen und ähnlichem operiert wird und dies auf eine Art und Weise in das Mäntelchen der Objektivität gefasst wird, dass das diesbezügliche „Vorverständnis“ deutlich erkennbar wird.

     

    • „Soweit die Astrologie von der Annahme ausgeht, alles Geschehen und damit auch die Beziehungen des Menschen zu diesem Geschehen hingen von den Sternen ab, seien also schicksalshaft vorausbestimmt und könnten deshalb aus den Sternen vorausgesagt werden, steht sie nicht auf dem Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse.“
  • Das Argument geht davon aus, dass es einen eindeutigen „Boden der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse“ gibt.

    Ich erinnere hier an die Aussage von Carl Friedrich von Weizsäcker im Sinne einer „Gestaltwahrnehmung“, wie er sie in der astrologischen Horoskop-Analyse zu erkennen glaubt.

     

    • „Die breite Masse der vernünftig denkenden Menschen lehnt diese Art der Schicksalsdeutung als Wahnidee und Irrglauben ab.“
  • Die Kategorie „vernünftig denkender Menschen“ ist heikel. Man fragt sich, wer hiermit gemeint sein soll. Sozialwissenschaftlich wäre dies eine empirisch interessante Frage, welche Menschen zu den vernünftig denkenden zu rechnen sind. Welche Philosophieansätze könnten gemeint sein?

     

    • „Sie wird in dieser Auffassung auch durch bedeutende Vertreter der exakten Wissenschaften gestützt.“
  • Dieses Argument ist vermutlich richtig (s. Objections to Astrology 1975).

    • „Es entspricht dem Stande der Wissenschaft und der sittlichen Weltanschauung, dass auf die Lebensgestaltung nicht nur die Erbmasse, sondern auch die Kraft der Persönlichkeit, des Geistes und des Bewusstseins einwirkt. Der Mensch hat einen freien Willen und kann diesen Willen seiner Einsicht entsprechend bestätigen.“
  • Hier befinden wir uns in der Debatte zur Frage Determinierung einerseits und freiheitliche Entscheidung andererseits.

    Die Frage, inwieweit das Horoskop den Menschen determiniert, ist in der
    Astrologie-Szene durchaus differenziert beantwortet worden. Daraus ergibt sich, dass die moderne deutsche psychologische Astrologie von einer schlichten Determinierung keineswegs ausgeht, sondern dass der Mensch frei ist, auf welchen Realisierungsebenen er seine astrologische Veranlagung und Symbolik auslebt.

     

    • „Wenn sich auch in der Wissenschaft die Erkenntnis allmählich durchsetzen sollte, dass auch Sonne, Mond und Planeten und andere Gestirne infolge ihrer Strahlungen eigene spezifische Wirkungen auf den einzelnen Menschen ausüben können, so kann es sich hierbei zwingend nur um einen Teileinfluss handeln.“
  • Dieses Argument bezieht sich auf eine ganz kleine Gruppe von Astrologen, die auch heute noch den Standpunkt vertreten, es gäbe eine Kausalität und nicht eine Analogie zwischen Planeten im Sonnensystem und Horoskop und damit den betroffenen Menschen auf der Erde.

     

    • „Die Astrologie ist nur ein Sternglaube, dessen Anhänger den wissenschaftlichen Erkenntnissen verschlossen gegenüber stehen.“
  • Es dürfte im Zweifel falsch sein, dass die Menschen, die Astrologie praktizieren, als Berater oder als Klient, deswegen den wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber verschlossen sind. Sie gehen nur davon aus, dass die bekannten wissenschaftstheoretischen Modelle nicht in der Lage sind, Astrologie zu erklären oder zu widerlegen.

    Ich verweise hier wieder auf die Aussage von Carl Friedrich von Weizsäcker mit seiner „Gestaltwahrnehmung“ und erinnere daran, dass von Weizsäcker in dem Interview gesagt hatte, dass er sich „als Physiker keinen Reim auf die Astrologie machen“ könne, was nach seiner Auffassung „eigentlich der Fall“ hätte sein müssen, „wenn die Astrologie empirisch wahr“ wäre. Er habe andererseits den Eindruck gewonnen, einfach in der Beschäftigung damit, dass „empirisch etwas dran“ sei.

    Dieses „non liquet“ in Sachen Wahrheit oder Nichtwahrheit der Astrologie bleibt bestehen.

     

    • „Sie vermeinen, zwischen außerirdischen kosmischen Erscheinungen und Lebensvorgängen Beziehungen zu erkennen und daraus Vorhersagen für den wahrscheinlichen Ablauf der Lebensvorgänge machen zu können ohne dafür aber den geringsten Beweis zu erbringen.“
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    Zur Darstellung der möglichen Forschungsansätze zum Beweis bzw. zur Erforschung der Astrologie mag ein ausführlicheres Zitat von Niehenke verwendet werden:

     

    • „Wege zur Erforschung der Astrologie
    • a) Der naturwissenschaftliche Zugang
    • Hier geht es um die Erforschung von elementaren Zusammenhängen, bei denen das sehr komplexe Problem der Verifikation der Aussagen aus dem Horoskop zunächst ausgeklammert bleibt. Wenn sich zeigen ließe, dass ein Zusammenhang zwischen Planeten-Konstellation und dem Ablauf einfacher und damit leicht objektivierbarer physikalischer, chemischer oder biologischer Prozesse (ggf. in Organismen) auf der Erde besteht […], so wäre das ein Beleg für die Grundannahme der Astrologie. Damit wäre über die Angemessenheit der Deutungen noch nichts ausgesagt, doch je nach der Form der Ergebnisse könnte sich daraus auch eine Stützung der These ableiten lassen, dass das Horoskop die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen in einem gewissen Sinne bzw. in einem gewissen Umfang wiederspiegeln müsste.
    • b) Quantitativ-statistische Prüfung astrologischer Hypothesen auf Merkmalsebene
    • Die Gestaltpsychologie hat uns gelehrt, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile; die Erkenntnisse der Systemtheorie zeigen zudem, dass solche Ganzheiten nicht nur „Organisations-Tendenzen“ der menschlichen Wahrnehmungen, sondern dass sie empirische Tatsachen sind. Dieses näher zu erfassen, stößt naturgemäß bei Methoden, die sich mit den Teilen beschäftigen, auf große Schwierigkeiten. Es wäre allerdings ein Missverständnis, aus dieser Erkenntnis die Behauptung abzuleiten, die Summe der Teile, für sich allein genommen, sei bedeutungslos. Die „Summe der Teile“ hat, wie auch jedes Einzelteil für sich genommen, sehr wohl einen Aussagewert, und darin liegt der dennoch vertretbare Anspruch quantitativ-statistischer Forschungsmethoden begründet, auch in der Astrologie. Das Ganze ist zwar mehr als die Summe seiner Teile, aber die Summe der Teile ist damit nicht gleich gar nichts […]
    • Wenn ein Symbol in Lehrbüchern durch die Angabe typischer Entsprechungen erklärt wird, so ist es plausibel, anzunehmen, dass derartige Entsprechungen im Zusammenhang mit diesem Symbol auch häufiger zu beobachten sind. Wenn diese Annahme auch nicht zwingend ist, so ist sie dennoch nicht unbegründet. Anders ausgedrückt: es lohnt sich der Versuch! Die Berechtigung des Vorgehens wird durch den Erfolg belegt, und zumindest Gauquelin kann diesen Erfolg vorweisen.
    • Gauquelins Arbeiten sind daher auch das herausragende Beispiel für diese Art des Vorgehens. Es wird dabei also nicht das ganze Horoskop und die Angemessenheit seiner Deutung untersucht, sondern Beziehungen zwischen einzelnen astronomischen Gegebenheiten und frei gewählten Außenkriterien (z.B. den Beruf).
    • Dabei ist es vom Vorgehen her nicht von Belang, ob die untersuchten astronomischen Gegebenheiten in der Astrologie Träger einer symbolischen Bedeutung sind. Es ist ein ähnliches Vorgehen wie in der Psychologie, wenn nachgewiesen wird, dass der „IQ“ mit der Schulleistung korreliert.
    • Wenn man, wie die Gauquelins es getan haben, die Beschreibung berühmter Persönlichkeiten in verschiedenen Biographien zum Außenkriterium wählt […], so ist damit auch ein Schluss auf die Persönlichkeitsstruktur des betreffenden Individuums denkbar.
    • Die Regeln der Astrologie fungieren bei diesem Vorgehen also nur als Hypothesen-Fundus, als Anregung, welche Zusammenhänge zu untersuchen es sich lohnen könnte.
    • Tatsächlich werden häufig dort Zusammenhänge gefunden, wo sie nach astrologischer Tradition erwartet werden müssen. Dieser Weg ermöglicht zunächst ebenfalls nur eine Prüfung der „Grundannahme der Astrologie“, da das Horoskop als solches ja gar nicht untersucht wird.
    • Da aber nicht beliebige astronomische Gegebenheiten untersucht werden, sondern vorwiegend solche, die als Deutungselemente in der Astrologie Träger einer symbolischen Bedeutung sind, ist also durchaus, wenn auch nur sehr vorsichtig, ein Schluss auf die Angemessenheit dieser Bedeutungen möglich.
    • c) Der „experimentelle“ Zugang: Zuordnungs-Tests
    • Der dritte Weg besteht darin, die Fähigkeit der Astrologen zu bestimmten Zuordnungen zu prüfen. Wenn der Astrologe in der Lage ist, das Wesen eines Menschen zu erfassen, so könnte man folgern, dass er dann fähig sein sollte, z.B. das Horoskop eines Gewaltverbrechers aus einer Reihe von Horoskopen „unbescholtener Bürger“ herauszufinden. Dies wäre jedoch ein Fehlschluss, denn wir dürfen nicht erwarten, dass das Horoskop unsere kulturspezifischen und zeitspezifischen Moralvorstellungen wiederspiegelt.
    • Auch in der Psychologie ist es bisher noch nicht gelungen, „Kriminalität“ als Persönlichkeitsmerkmal dingfest zu machen (weil es kein Persönlichkeitsmerkmal ist).
    • Dieses Vorgehen verlangt also Vorannahmen darüber, welchen Grad an Spezifität und Konkretion die Deutung eines Horoskops erlaubt.
    • Nach moderner Auffassung spiegelt das Horoskop nur Grundlegendes, Prinzipielles, wie zum Beispiel das Verhältnis zum Thema „materielle Sicherheit“ wieder […] Es ist also bei diesem Vorgehen sehr sorgfältig zu prüfen, ob nicht „abergläubische Vorstellungen“ über die Astrologie zum Gegenstand der Untersuchung gemacht werden.
    • Es bleibt also bei derartigen Untersuchungen ein sehr großer Interpretations-Spielraum, der zum einen darin besteht, festzustellen, was denn z.B. wirklich typisch für einen Gewaltverbrecher sei, und zum anderen darin, zu entscheiden, in welchem Umfange es sich bei diesen „typischen Merkmalen“ um etwas Prinzipielles, etwas Grundlegendes handelt […] Dass es speziell unter Astrologen einige sehr intuitiv, vielleicht sogar medial veranlagte Menschen geben dürfte, scheint auch plausibel. Wenn jedoch die Zuordnung nicht gelingt, dann war sie weder auf medialem Wege noch auf astro-logischem Wege möglich, sodass ein misslungenes Experiment einfacher zu interpretieren ist: Es zeigt, dass die entsprechende Zuordnung mit den Mitteln der Astrologie nicht möglich ist.
    • Astrologische Lehrbücher und die astrologische Praxis
    • Die sorgfältige Unterscheidung von Symbol und Entsprechung ist nicht ein Charakteristikum astrologischen Denkens schlechthin. Zum einen wurde der Kosmos-Mensch-Zusammenhang früher direkt als eine physisch-kausale Wirkung verstanden (so z.B. von Ptolemaeus), aber auch heute sehen einige Astrologen in den Regeln der Astrologie „Beschreibungen von Wirkungen“, die nur deshalb, weil sie nicht präzise genug bekannt sind, in Form von Metaphern und Allegorien formuliert werden müssen.
    • Dem Bedürfnis nach möglichst einfacher Handhabung des astrologischen Wissens entgegenkommend, vermischen auch die meisten der unzähligen Hand- und Lehrbücher der Astrologie … diesen Unterschied. Vom psycho-hygienischen Standpunkt aus ist daran bedauerlich, dass sie damit eine fatalistische Auffassung von der Astrologie fördern: Wenn die Entsprechungen die Übersetzung der astrologischen Symbole darstellen, dann müssen sie selbstverständlich zutreffen.
    • Obwohl die Trennung von Symbol-Bedeutung und Entsprechung als eine zwingende Folgerung aus der Tatsache erscheint, dass eine begrenzte Zahl von Deutungselementen eine prinzipiell unbegrenzte Zahl von „Lebensformen“ abbilden (erfassen) muss […], gibt es trotzdem gegenteilige Auffassungen, denen zufolge „jeder Schritt“ eines Menschen aus dem Horoskop ablesbar ist, wenn man nur die richtige Methode kennt und genau genug rechnet.
    • Da es in der Astrologie, anders als in etablierten Wissenschaften, gar keinen verbindlichen Standpunkt gibt, sind alle Auffassungen zur Astrologie, die publiziert werden, zunächst gleichberechtigt. Man kann es fachfremden Forschern daher auch nicht übelnehmen, wenn sie in manchen Studien derartige unhaltbare Auffassungen zum Gegenstand einer Validitätsstudie der Astrologie machen. Weniger verständlich ist es, wenn Fachleute dasselbe tun.“
  • Die Möglichkeiten empirischer Astrologie-Forschung fasst Niehenke wie folgt zusammen:

    • „Die Astrologie schneidet nicht schlechter ab als die anerkannten Tests psychologischer Verfahren.
    • In der überwiegenden Zahl publizierter Untersuchungen jedoch lassen sich die aus der astrologischen Lehre abgeleiteten Hypothesen nicht bestätigen. Da aber die Studien, die Resultate im Sinne der astrologischen Lehre er-bracht haben (die Studien der Gauquelins, Werthmanns und die Untersuchung am Institut Grenzgebiete in Freiburg) mehrfach von Kritikern der Untersuchung erfolgreich repliziert wurden, wie beim „Mars-Effekt“, auf jeden Fall aber unter Berücksichtigung der heute üblichen wissenschaftlichen Standards zustande gekommen sind, bleibt die für die Astrologie seit Jahrtausenden charakteristische Ambivalenz […] auch bei Berücksichtigung der Ergebnisse empirischer Forschung erhalten.“
  • Die Frage des Beweises der Astrologie bleibt also in der Schwebe.

     

    • „Nach der Auffassung des überwiegenden Teils der vernünftig denkenden Menschen in Verbindung mit der Wissenschaft steht fest, dass Astrologie objektiv unmöglich ist.“
  • Es war bereits dargestellt worden, dass die Behauptung von überwiegend „vernünftig denkenden Menschen“ nicht belegt ist.

    Es kann davon ausgegangen werden, dass es weder möglich ist, die Kategorie „überwiegender Teil der vernünftig denkenden Menschen“ in einen rechtswissenschaftlich sauberen Kontext zu stellen, noch, dass es auf der sozial-empirischen Tatsachenseite zutrifft, dass der überwiegende Teil der Deutschen die Astrologie für unmöglich hält.

     

    Dazu mag diese Entwicklung ein Beleg sein:

    Das erste DAV-Ausbildungszentrum, das von der Agentur für Arbeit für Bildungsgutscheine zertifiziert wurde, ist das DAV-Ausbildungszentrum in Hamburg (Astro-Praxis Helen Fritsch).

    Auf der Homepage des Deutschen Astrologen Verbandes (DAV) finden sich die Blätter zur Berufskunde zum Beruf Astrologin/Astrologe.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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