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Feininger

Lyonel Feininger:

Musiker und Maler - künstlerische Genialität wächst im Verborgenen

 

 

Die Bedeutung 12. Hauses

"Ich male nicht, um Kunst zu schaffen; es ist ein tief schmerzliches menschliches Verlangen nach Gestaltung innerer Erlebnisse, nach Heraushebung aus der Vergangenheit.

Vielleicht ganz falsch: aber in der Gegenwart ist nur das Schaffen, die Arbeit selbst...
der Antrieb liegt doch in der Sehnsucht nach vergangenem Glück..."

 

Mit dieser Aussage bestätigt Lyonel Feininger (geboren am 17. Juli 1871 in New York um 11.04 GMT) seinen Hang zur Vergangenheit und seine Verwurzelung in tieferen Schichten des Bewusstseins, die durch die starke Besetzung des 12. Hauses seines Horoskops mit fünf Planeten Sonne, Mond, Merkur, Jupiter und Uranus deutlich wird.

Das 12. Haus hat eine enge Beziehung zum Karma. Es entspricht dem Zeichen Fische mit Neptun und Jupiter als Regenten. Das Symbol dieses Zeichens - zwei in entgegengesetzte Richtungen schwimmende Fische - zeigt den existenziellen Widerspruch des Menschen, den Zwiespalt zwischen dem Streben nach dem vollkommenen Glück, dem Aufgehen in etwas Größerem durch Herz und Seele, und der Auflösung des individuellen Ichs. Die Betonung des 12. Hauses weist auf eine Tätigkeit in großen Institutionen, auf eine Arbeit hinter den Kulissen hin und gibt Aufschluss über die „geheimen Feinde“ des Horoskop-Eigners (HE).

Bei Lyonel Feininger befindet sich Jupiter an der Spitze des 12. Hauses: Er ist aufrichtig und bescheiden, sucht intuitiv in der Abgeschiedenheit nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens. Sonne/Mond/Uranus bilden eine enge Konjunktion im Krebs, und Merkur im Zeichen Löwe steht ebenfalls in Konjunktion mit Uranus. Das Stellium in 12 zeigt die Macht seines Unterbewusstseins und Feiningers Bezug zur karmischen Vergangenheit sowie sein Verständnis für die Universellen Gesetze. Seine schöpferischen Fähigkeiten, verbunden mit einer originellen Phantasie, kommen hier genauso zum Ausdruck wie seine exzentrische Lebenseinstellung und sein Wunsch nach innerer Unabhängigkeit und Zurückgezogenheit. Durch die Merkur/Uranus-Konjunktion werden Feiningers genialen geistigen Anlagen, seine Originalität und sein blitzschnell funktionierender Verstand, der ihm Einsichten in metaphysische Zusammenhänge vermittelt haben dürfte, noch verstärkt. Der spannungsreich aspektierte ME zeigt Feiningers neurotische Tendenz, die ihn zu seinem eigenen  Widersacher werden lässt und Selbstzweifel hervorruft.

Mit der starken Besetzung des Wasserzeichens Krebs und der Sonne/Mond-Konjunktion im Sextil zu Pluto im 10. Haus Stier konnte Feininger schon früh jede Situation richtig erfassen und sich zunutze machen. Diese Eigenschaft ermöglichte ihm auch, seine ungewöhnliche zeichnerische Begabung zu jeder Zeit seiner Entwicklung erfolgreich und gewinnbringend einzusetzen. Venus als Mitherrscherin vom 10. Haus in Haus 2 steht im Sextil zu Jupiter als Herr vom 5. Haus und im Trigon zum stark gestellten Saturn im 5. Haus Steinbock. Dieser Künstleraspekt bescheinigt Feininger Begabung für bildende Kunst und Musik. Der harmonisch aspektierte Pluto im 10. Haus verhalf Feininger Dank seines Weitblicks dazu, sich zu einer erfolgreichen Persönlichkeit zu entwickeln und sorgte immer wieder für Begegnungen mit einflussreichen Menschen, die ihn gesellschaftlich förderten.

Der Einzelgänger Feininger folgte stets seiner Intuition und eignete sich, inspiriert durch seine zweite Frau Julia Berg, alle künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten an - von der Karikatur über Ölgemälde, Holzschnitt und Radierung zu Lithographie, Aquarell und Fotografie - bevor er sich ganz für die Malerei entschied, sein eigentliches Ziel, das er fast 15 Jahre - sogar vor sich selbst - verleugnete. Die Sonne/Mond-Konjunktion im Sextil zum PL verlieh ihm außer geballter Energie die unbewusste Gewissheit, dass er alles erreichen konnte, wenn er die notwendigen Kenntnisse erwarb.

Das Stellium von Sonne/Mond/Uranus/Merkur im 12. Haus zeigt u.a. Feiningers Experimentierfreude und Vielseitigkeit, die er in aller Abgeschiedenheit entwickelte. Lyonel Feininger suchte oft die Einsamkeit, um in Ruhe, ohne Ablenkung, arbeiten zu können. "Ich kann Ihnen nicht verhehlen, dass mein Unbekanntsein bis jetzt ein selbstgewählter Zustand war, um in Ruhe und strenger Consequenz an meiner Entwicklung zu arbeiten. Ich bin durchaus nicht am Ende meines Weges", schrieb Feininger 1913 an Franz Marc, der durch Alfred Kubin auf ihn aufmerksam geworden war, und Feininger eine Einladung für die Ausstellung seiner Bilder zusammen mit dem "Blauen Reiter" im "Ersten Deutschen Herbstsalon" schickte.

Obwohl Feininger bezüglich seiner Arbeit oftmals Zugeständnisse machen musste - er war zum zweitenmal verheiratet, hatte insgesamt fünf Kinder, zwei Töchter aus erster und drei Söhne aus zweiter Ehe, und die Pflicht, seine Familie zu versorgen, - blieb er doch seinen Grundsätzen treu. Feininger setzte seine zeichnerische Begabung immer "als Diener seines Werkes" zum Wohl der Allgemeinheit ein, denn für ihn bedeutete es die "stündige Notwendigkeit, hinter das Werk zurückzutreten".

Feininger besaß neben seinem zeichnerischen Talent - gern wäre er Marinemaler geworden - auch technisches Verständnis für Maschinenwesen und Schifffahrt. Das brachte ihm u.a. 1913 den Auftrag ein, für den Münchener Spielzeugfabrikanten Otto Löwenstein Eisenbahnzüge aus bemaltem Hartholz zu entwerfen, auf den er sich so intensiv konzentrierte, dass er die Malerei für einige Monate vernachlässigte, obwohl die Entwürfe wegen Ausbruch des Ersten Weltkrieges nie realisiert wurden.

 

 

Vom amerikanischen Musikstudenten zum erfolgreichen deutschen Zeichner

Lyonell Feininger wurde als Sohn deutsch-amerikanischer Eltern in New York geboren. Sein Vater, Charles Feininger, war ein bekannter Geiger und Komponist, seine Mutter Elisabeth, geborene Lutz, war Sängerin und Pianistin. So wuchs Feininger in einer sehr musikalischen Umgebung auf, die ihn faszinierte und seine Persönlichkeit entscheidend prägte. Schon sehr früh kristallisierte sich sein musisches Talent (VE Trigon SA) heraus: Im Alter von neun Jahren erhielt Lyonel seinen ersten Geigenunterricht, und als Zwölfjähriger trat er bereits in Konzerten auf. Jupiter im Krebs lässt auf einen guten familiären Hintergrund schließen und vermuten, dass die Eltern von klein auf für eine gute Erziehung sorgten, indem sie ihren Sohn religiöse und moralische Grundsätze lehrten. Obwohl sie ihm Liebe und Verständnis entgegen gebracht haben dürften, fühlte sich Feininger in seiner Kindheit mitunter doch sehr einsam (SO/MO-Konjunktion im 12. Haus Krebs spannungsreich aspektiert) und vermisste seine Eltern besonders, wenn sie sich auf einer ihrer zahlreichen Konzertreisen befanden. Deshalb wurde Lyonel in den Jahren 1873-1877 oft in die Obhut von Bekannten in Connecticut gegeben, die nur wenig Verständnis für seine musischen Neigungen aufbrachten. Und die Musik gehörte nun einmal zu Feiningers Leben wie das tägliche Brot.

Im Alter von sechszehn Jahren reiste Lyonel Feininger am 13. November 1887 zu seinen Eltern, die sich auf ihrer Europa-Tournee befanden, nach Berlin und lernte Deutschland kennen. Er beschloss, in der Heimat seiner Vorfahren zu bleiben, um in Leipzig sein Violinstudium fortzusetzen. Als er jedoch in Deutschland eintraf, begann ein völlig neuer Lebensabschnitt für ihn.

Betrachten wir an dieser Stelle Feiningers Solar-Horoskop von 1887, stellen wir fest, dass sich der Uranus im 4. Haus Waage befindet und ein Quadrat zum Mars am Krebs-AC bildet, das auf überraschende Lebenswende und Wechsel der Umgebung oder Umzug schließen lässt. Uranus bildet gleichzeitig ein Trigon zum Mond als Herr vom Solar-AC im 12. Haus und ein Sextil zu Merkur. Dieser steht an der Spitze des 3. Hauses in Konjunktion mit dem Radix-AC und kündigt positive örtliche Veränderungen an. Diese Aspekte erklären Feiningers seelische und geistige Neuorientierung, seine spontanen Reaktionen und sein Gefühl für das Kommende. Die Venus im 4. Solarhaus am IC bildet eine exakte Konjunktion mit der Radix-Venus im 2. Haus, was auf die Gründung eines neuen Hausstandes bzw. auf eine neue Art zu wohnen und zu leben schließen lässt, die das Selbstbewusstsein stärkt und trotz innerer Unausgeglichenheit (Venus Quadrat Mond) zu finanziellem Erfolg durch  künstlerische Tätigkeit führen kann (Venus im 4. Solarhaus über dem 2. Radixhaus im Sextil zum Mars). Der Saturn transitiert die Sonne und den Uranus und bildet ein zulaufendes Quadrat zum Radix-Neptun sowie zu den Radix-Achsen MC/IC, d.h. bisherige berufliche Pläne werden über Bord geworfen, Altes wird abgebrochen, Neues beginnt. Der spannungsreich aspektierte Jupiter am Radix-IC bestätigt zwar Glück in einer neuen häuslichen Umgebung, kündigt aber durch das Quadrat zur Sonne und zum Solar-Saturn vorläufige Verzögerungen und Entbehrungen an.

Tatsächlich entschloss sich Feininger ganz überraschend, sein Musikstudium - nicht aber die Musik - aufzugeben und Maler zu werden (Im Radix: NE am MC Widder: unklares Berufsziel aufgrund falscher Vorstellungen. SO/UR/ME Quadrat MC: plötzlicher, scheinbar unbegründeter oder unerklärlicher intuitiver Berufswechsel. VE Sextil JU:  künstlerischer Erfolg).

Feiningers Eltern zeigten Verständnis für den plötzlichen Wandel ihres Sohnes und ermöglichten ihm den Besuch der Kunstgewerbeschule in Hamburg, an der er schon wenige Monate nach Studienbeginn mit 13 Zeichnungen in der Osteraustellung   vertreten war. Feiningers Zeichnungen fanden großen Anklang bei den Besuchern und weckten das Interesse der Öffentlichkeit. Als er am 1. Oktober 1888  die Prüfung für die Berliner Akademie bestand, machte sich seine geniale zeichnerische Begabung mit humoristischer Note (ME/UR) schnell bemerkbar und bestimmte für die nächste Zeit seine Stilrichtung: Feininger wurde Karikaturist.

Er entwickelte sich in Berlin schnell zum Karikaturisten höchsten Ranges und erhielt bereits 1889/90 Aufträge von namhaften Zeitungen wie "Humoristische Blätter" und "Berliner Blätter" zum Illustrieren von  Kurzgeschichten, bevor er vorübergehend - auch auf Wunsch seines Vaters - das Jesuitenkolleg St. Gervais in Lüttich besuchte, um Französisch zu lernen. Als er 1891 nach Berlin  zurückkehrte, riss man sich bereits um seine Zeichnungen. Deshalb beschloss Feininger, die Gelegenheit zu nutzen und "die Witzblätter" mit seinen Zeichnungen zu "überschwemmen", was ihm nicht schwer fiel, da es keinen gleichwertigen Karikaturisten neben ihm gab.

Die Jupiter/Saturn-Opposition vom 12. zum 5. Haus der Kreativität zeigt an, dass Feininger, um berufliche Erfüllung zu finden, seine Ideale zurückstecken und sich Routinearbeiten unterziehen musste. Er betrachtete dieses Zugeständnis als Notwendigkeit und passte sich den Anforderungen seiner Auftraggeber scheinbar an, indem er seine Arbeit pflichtbewusst erledigte. Und das schlug sich auch finanziell nieder. Die Konjunktion von Sonne/Mond/Uranus im Quadrat zu Neptun am MC Widder zeigt u.a. seine Tendenz zur Selbsttäuschung. Feininger war in der Lage, die Realität, in diesem Fall seinen Wunsch zu malen, vorerst aus praktischen Gründen zu verdrängen. Aber die Quadrate von Sonne/Uranus und Merkur auf die Achsen MC/IC ließen ihn im tiefsten Inneren gegen Routine und Autorität rebellieren und stellten ihm  viele Hindernisse bei der Verwirklichung seines wahren Zieles in den Weg. Feininger bemerkte rückblickend einmal, er habe "zwangsweise, um zu leben, als Illustrator gearbeitet" und sich immer schrecklich quälen müssen, um einigermaßen den Ansprüchen der Verleger zu genügen".

Mit der starken Krebsbesetzung - Sonne/Mond/Uranus zeigt sein unkonventionelles Naturell sowie seinen Dang nach freier Entfaltung und Selbstverwirklichung - war Feininger trotz seines Löwe-Aszendenten keine Kämpfernatur, sondern eher ein gefühlsbetonter, bescheidener, auf Sicherheit bedachter Individualist. Das Auf und Ab seiner Gefühle (MO/UR Quadrat MA) war für Feininger genauso charakteristisch wie sein eiserner Wille (SO Sextil PL), der nie zum Stillstand kam. Merkur im Löwen bewirkt zusätzlich willensstarkes, zielstrebiges Denken, das sich auf eine Sache konzentrieren kann. So verlor Feininger sein Ziel, Maler zu werden, das er erst mit 36 Jahren verwirklichte, nie aus den Augen. Bis dahin brachte ihm seine Tätigkeit als Karikaturist nicht nur Erfolg, sondern bildete auch eine gute finanzielle Grundlage für seine zukünftige Entwicklung. Er benutzte seine finanziellen Mittel nicht nur, um seine Familie zu ernähren, sondern auch um die Möglichkeit zu nutzen, sich diverse grafische Techniken anzueignen und sich weiterzubilden. Venus im 2. Haus als Mitherrscherin vom 10. Haus bestätigt, dass Feininger mit Kunst Geld verdienen und sich einen guten Namen in der Gesellschaft machen konnte, verstärkt durch das Sextil zu Jupiter im 12. Haus und durch das Trigon zu Saturn im 5. Neben der außerordentlichen Begabung für Rhythmus, funktionelle Ästhetik und feinen Ausdruckstil weisen diese Aspekte auf Geschäftssinn und ein Gefühl für die praktische Realität hin. So versuchte Feininger immer, seinen Wunsch nach freier Entfaltung in der Malerei mit seinem Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit zu vereinbaren, ohne sich selbst aufzugeben. Feininger kündigte z.B. den Vertrag mit der Illustrierten "ULK", als er für den Verlag Korrekturen durchführen sollte, die seine Arbeiten auf ein niederes Niveau gebracht hätten. Hinzu kam seine Befürchtung, dass das billige Druckverfahren seinem Ruf als Zeichner hätte schaden können.

Als Feininger 1906 von der "Chicago Sunday Tribune" das Angebot erhielt, wöchentlich zwei Seiten comic strips zu veröffentlichen, wobei ihm bei seiner Arbeit freie Hand gelassen werden sollte, kam für ihn der Durchbruch als Zeichner: Nach anfänglichem Zögern unterzeichnete Feininger den Vertrag, da ihn einerseits der Ruf Amerikas lockte und die Vergütung seiner Arbeit andererseits eine gute Existenzgrundlage für seine weiteren Vorhaben bildete. Einige Jahre später, 1912, gestand Feininger seinem Freund Alfred Kubin, dass er diesen Vertrag als "Befreiung" betrachtet hatte, da er ihm ermöglichte, nach Paris zu übersiedeln und die Welt der Kunst kennen zu lernen: "Ich kam zum ersten Mal wieder dazu, überhaupt für mich zu denken und empfinden und zu arbeiten."

 

Erfüllung seines Lebensziels: Feininger wagt den Neubeginn als Maler

Nach seinem Durchbruch als Zeichner wagte der 36jährige Feininger 1907 den Neubeginn als Maler, denn zu dem Zeitpunkt liefen einige Verträge mit den Zeitungen aus, die anderen kündigte er selbst, um sich von nun an auf sein Lebensziel zu konzentrieren. Sein erstes Ölgemälde entstand: "Porzellanaffe auf farbigem Grund". Es folgten weitere, denn Lyonel Feininger war eine ruhelose Persönlichkeit, die sich nur schwer entspannen konnte, (MA Quadrat JU und MO). Er neigte aufgrund seines unausgeglichenen Gefühlsleben zu Launen und war mit seiner SO/MO/UR-Konjunktion ständig auf der Suche nach neuen Erfahrungen und ungewöhnlichen Anregungen, die mit vielen Reisen und Umzügen verbunden waren (SO/MO/UR Quadrat MC/IC). Feininger unternahm allein viele kleine Reisen (zu Fuß oder mit dem Fahrrad in nächster Umgebung und durch die Dörfer Thüringens), malte jedes Jahr während des Urlaubs auf Rügen und verbrachte später im Rahmen seiner Ausstellungen zahlreiche Auslandsaufenthalte in Paris und London, die seine Entwicklung als Maler erheblich förderten. Auch der Kontakt mit seinem Geburtsland Amerika brach nie ganz ab. (MA als Herrscher vom 9. Haus im 3. Haus im Quadrat zu MO und JU im 12. Haus Krebs.)

Mit seiner Sonne/Mond/Uranus-Konjunktion wurde er oft für exzentrisch gehalten, da er an seine Arbeit auf völlig neue und für andere ungewohnte Weise (Sextil PL) heranging, um sein Ziel mit der nötigen Selbstkritik zu verwirklichen. Dabei stellte er, je berühmter er wurde, immer höhere Anforderungen an sich und seine Arbeit und versuchte, mit sich ins Reine zu kommen. So teilte er u. a. seine Arbeit, zuerst nur aus praktischen Gründen, in Sommer- und Winterarbeiten ein, bis er merkte, dass er damit fruchtbare Ergebnisse erzielte.

Seine schöpferische Phantasie, sein Hang zur Mystik und zur Entfaltung in der Einsamkeit ließen in ihm in großen Menschenansammlungen ein Gefühl der geistigen Isoliertheit aufkommen (NE am MC), denn die wenigsten Menschen verstanden seine inneren Motive wirklich. Feininger wollte nicht "als moderner Künstler gelten", sondern war glücklich, die ihm "adäquate Bildform" gefunden zu haben, um seine "innerste Liebe und Sehnsucht auszudrücken" und sein "Bedürfnis nach Klarheit und Raum zu befriedigen".

Aus der genauen Beobachtung der Natur - die sich jedoch von der Auffassung der Romantiker völlig unterschied (siehe Caspar David Friedrich) - zog Feininger seinen Nutzen für seine Gemälde, als er feststellte: "Die Formen, die wir in der Natur finden, sind neuer als alle erfundenen, und nur diese bereichern unsere fundamentale Möglichkeit, die Formen zu erneuern..." Obwohl Feininger selbst "die Zeichnung als Seele der Kunst" bezeichnete, fand er schnell Zugang zur Malerei. Es gelang ihm, sich in die Welt der Farben einzufühlen. Er schuf Gemälde, die von einer ungeheuren Leuchtkraft der Farben und einer lebendigen Formsprache zeugten.

Obwohl Feininger oftmals Selbstzweifel (ME Quadrat MC/IC) an seiner Malerei plagten, ließ er sich dennoch nicht davon abbringen, sondern setzte seinen Weg zielstrebig fort (SO Sextil PL). In Paris beeindruckten ihn Bilder von van Gogh und Cézanne, in London von Turner, und er gewann Erkenntnisse, die seiner weiteren Entwicklung zugute kamen. 1910 stellte Feininger sein erstes Ölgemälde in der "Berliner Sezession" aus, in der er früher auch als Zeichner vertreten war. 1911 lernte er die Arbeiten der französischen Kubisten im Rahmen einer Ausstellung in Paris kennen, denn im "Salon des Artistes Indépendants" wurden sechs seiner Bilder ausgestellt. Begeistert berichtete Feininger von dieser Begegnung: "Ich fand die Kunstwelt vom Kubismus erregt, wovon ich noch nie etwas gehört hatte, wonach ich, ganz intuitiv, seit Jahren gesucht hatte..." Da ihn ähnliche Formprobleme beschäftigt hatten wie die Kubisten, begann er nun, sich als Individualist mit der Formsprache intensiver auseinander zu setzen: "Ich bemühe mich, eine Perspektive der Objekte zu formulieren, die ganz neu, ganz meine eigene ist. Mein Kubismus, um es fälschlich so zu beschreiben, denn er stellt das Gegenteil der Ziele der französischen Kubisten dar, beruht auf dem Prinzip der Monumentalität und Konzentration bis zum absoluten Extrem meiner Sicht ... meine Bilder nähern sich immer mehr der Synthese der Fuge."

Feininger blieb der Musik sein Leben lang verbunden, komponierte 1921 und 1922 sogar selbst Fugen "im Geiste Bachs", dessen Kompositionen er hervorragend auf der Orgel gespielt haben soll. Von seinen Bildern behauptete er, "dass das Wesen Bachs" doch ebenso in seiner "Malerei zum Ausdruck komme." Feininger versuchte, die Synthese der Fuge in seiner Malerei umzusetzen und spielte mit dieser Bemerkung höchstwahrscheinlich auf seine ab 1912 entstandenen Architekturbilder an ("Hohe Häuser I", "Teltow" 1912 und "Gelmeroda I", 1913, von dem 13 weitere folgten). Für Feininger selbst blieben Bilder nach eigener Aussage "fast immer ein Rätsel, aber die Musik ist die lebendigste Sprache", die ihn "von allen Sprachen am meisten zu erschüttern vermochte."

 

Fördernde Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten

Mit Mars als Herrscher vom MC Widder im 3. Haus Waage suchte Feininger die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten und Partnern, insbesondere mit seiner zweiten Frau Julia (MA Sextil AC Trigon DC), die selbst Künstlerin war und ihn beruflich stark inspirierte. Als Feininger sie 1905 kennen lernte, nahm sie gerade an Grafikkursen der Großherzoglichen Kunstgewerbeschule in Weimar teil.

Durch sie wurde Lyonel Feininger zu grafischen Arbeiten inspiriert und schrieb ihr im November 1906: "...das Radieren verdanke ich Dir, die Lithographie verdanke ich Dir - lerne weiter und rege mich immer mehr an, zu noch besseren Arbeiten..."

Mit dem aufsteigenden Mondknoten im 11. Haus Zwillinge war Feininger sehr wissbegierig und kommunikationsfreudig. Mit dem Sextil zum MC und dem Trigon IC gelang es Feininger, Beruf und Privatleben stets gut miteinander zu kombinieren. Und mit seinen Gespür für gesellschaftliche Strömungen sowie mit seiner Geschäftstüchtigkeit konnte er sich und seiner Familie ein gutes Einkommen sichern.

1906 zog Feininger nach Weimar und mietete dort ein Atelier, um sich intensiver mit grafischen Techniken zu beschäftigen. Einige Jahre später, lernte er die Maler der "Brücke" (1912) und des "Blauen Reiters" (1913) kennen, als er von Franz Marc an seinem 42. Geburtstag eine Einladung erhielt, seine Bilder im "Ersten Deutschen Herbstsalon" auszustellen. Er war mit fünf Gemälden vertreten, von denen zwei verkauft wurden. Daraus entstand eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Herwarth Walden und den Malern des "Sturm". Feiningers Bekanntheitsgrad wuchs. Aber die Auswirkung Plutos im 10. Haus zeigte sich erst, als ihm der ganz große Durchbruch als Maler mit Hilfe Herwarth Waldens 1917 gelang, als Walden während des Ersten Weltkrieges Feiningers erste Einzelausstellung organisierte.

Von nun an wurden Feiningers künstlerischen Vorstellungen immer konkreter, denn er hatte seinen Weg gefunden, mit den Problemen umzugehen, die sich aus der Kombination von Raum, Proportion, Farbe und Perspektive ergeben hatten. "Sein Stil wurde strenger, reifer und monumentaler. Licht, Raum und Figuren bildeten eine Einheit", schreibt Felicitas Tobien in ihrem Bildband über Feininger. "Bei aller Vielfalt bleibt jedoch die Handschrift Feiningers unverkennbar - unverwechselbar in ihrem Streben nach Entmaterialisierung und Verklärung, klar in der Form, transparent in den Farben, stimmungsvoll und einzigartig in ihrem Ausdruck."

 

1919-1933: Lehrtätigkeit am Bauhaus im Dienste der Gesellschaft

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gründete der Architekt Walter Gropius 1919 in Weimar das "Bauhaus" mit dem Ziel des Zusammenwirkens von Kunst, Industrie und Handwerk. Er verpflichtete Feininger als Lehrer und Leiter der Druckerei am "Bauhaus", der sich hier ganz in seinem Element fühlte. Hier konnte er die starke Besetzung seines 12. Hauses so richtig ausleben, indem er seine Talente hinter den Kulissen einer großen Institution entfaltete und sein Können an Schüler weitergab. Sonne/Mond Sextil Pluto befähigten Feininger dazu, seine Gedanken leicht verständlich zu vermitteln, verliehen ihm ein gutes Gespür für die Befähigungen anderer und ließen ihn Verständnis für die Jugend aufbringen. Seine Autorität wurde akzeptiert und respektiert, da er durch diese Aspekte Wärme und Güte ausstrahlte und Heranwachsende in ihrem Unabhängigkeitsempfinden bestärkte.

Neben Wassily Kandinsky, Paul Klee und Gerhard Marcks arbeitete Feininger auch mit dem Maler und Architekten Georg Mucha zusammen, der Lyonel sehr treffend charakterisierte: "Feininger war am Bauhaus das Beispiel für das geheimnisvolle Wirken des Menschen, der in der Stille und aus der Tiefe schöpft, des Künstlers, der in sich ruht und ausstrahlt. Keiner mochte sich dieser unaufdringlichen Wirkung entziehen, die niemanden zum Widerspruch herausforderte und die nur das Gute vorrief. In diesem Sinne konnte es für Feininger keine pädagogische Methode geben, keine Kunstlehre mit festgelegten Begriffen, durch die er hätte überzeugen können. Er lehrte absichtslos durch das Beispiel seines Daseins als Mensch und bildender Künstler."

Als das Bauhaus in der Weimarer Republik politisch immer mehr unter Beschuss geriet, zog Feininger damit bis zu dessen endgültiger Schließung 1933 durch die Nationalsozialisten nach Dessau. Die Zeit, in der Feininger am Bauhaus tätig war, gilt als seine Periode fruchtbaren Schaffens. Er entwickelte künstlerische Reife, indem er seine Talente entfaltete und seine Erfahrungen vertiefte - und er konnte der Gesellschaft nützlich sein, was ihm immer sehr am Herzen lag (SO + JU Sextil PL).

Parallel zu seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus gründete Feininger 1924 zusammen mit Kandinsky, Klee und Jawlensky die Gruppe der "Blauen Vier", die gemeinsam Ausstellungen in New York, Chicago, an der amerikanischen Westküste und in Mexiko veranstaltete.

Die Jahre von 1929 bis 1931 verbrachte Feininger vorwiegend in Halle, da er von der Stadt den Auftrag bekam, ein Bild von Magdeburg als Geschenk an die Stadt zu malen. Voller Begeisterung lebte Feininger in seiner Arbeit auf und geriet in einen Schaffensrausch, aus dem nicht nur ein Bild, sondern insgesamt 11 Gemälde und 28 Zeichnungen hervorgingen, die alle für das Moritzburg Museum erworben wurden und zu Feiningers bedeutendsten Werken zählen.

Inzwischen hatte sich die politische Situation durch die Weltwirtschaftskrise und die Machtergreifung der Nationalsozialisten jedoch so zugespitzt, dass auch Feininger die Konsequenzen der Diktatur zu spüren bekam.

 

Rückkehr nach Amerika - Beginn seiner zweiten Karriere als Maler

Am 6. Mai 1936 reiste Feininger nach Kalifornien, um einen Sommerkurs zu geben. Bei seiner Rückkehr nach Deutschland musste er feststellen, dass es in dem Land, das er 50 Jahre lang als seine künstlerische und geistige Heimat empfunden hatte, keine Zukunft mehr für ihn gab. Ende des Jahres stand sein Entschluss fest, Deutschland zu verlassen. Im Alter von 66 Jahren kehrte Feininger, der in Deutschland berühmt geworden war, am 11. Juni 1937 endgültig nach Amerika zurück. Dieser Schritt bedeutete für ihn den absoluten Neubeginn.

Werfen wir einen Blick auf das Solar-Horokop von 1936, fällt sofort die starke Besetzung des 4. Solarhauses Krebs auf, die sich über dem 12. Radix-Haus befindet. Der Mond am Solar-IC steht in exakter Opposition zum Radix-Saturn. Der Radix-Mars steht am Solar-DC. Tatsächlich fühlte sich Feininger in seinem Geburtsland einsam und heimatlos. Er konnte sich seelisch, geistig und wirtschaftlich nur schwer zurechtfinden.

Erst zwei Jahre später schöpfte Feininger neuen Mut und neue Kraft und nahm seine Arbeit wieder auf. Aber er musste große finanzielle Zugeständnisse machen, um in ärmlichen Verhältnissen existieren zu können.

1941 verkaufte er seine ersten Aquarelle zu ermäßigten Preisen an Museen. Die Amerikaner begannen, sich jetzt für seine Kunst zu interessieren. Der endgültige Durchbruch kam 1942 als Feininger für sein Werk "Gelmeroda XIII" in der Ausstellung "Artists of Victory" des Metropolitan Museums of Art, New York, den Ankaufspreis von 2.500 Dollar erhielt.

Im Solar-Horokop finden wir die Venus als Mitherrscherin vom 1. und 8. Haus sowie als Regentin vom 2. und 9. Haus in Konjunktion mit dem MC. Sie bildet ein Sextil zum Solar-Mars und zum Radix-Neptun. Der Solar-Merkur, Herr vom AC Jungfrau, bildet eine Konjunktion mit dem Solar- und dem Radix-Jupiter. Feininger hatte mit seinem Stil nicht nur die Aufmerksamkeit der Kritiker gewonnen, sondern auch den Geschmack der amerikanischen Gesellschaft getroffen.

Nun überschlugen sich die Ereignisse: Es folgten zahlreiche Ausstellungen. Feininger gewann viele Kunstpreise. Ihm wurden etliche Auszeichnungen zuteil; die Gesellschaft würdigte ihn und akzeptierte den deutschen Maler nun als einen der ihren. Feininger fühlte sich endlich wieder heimisch und wurde zu neuem Schaffen angeregt. Seine späte Phase, die "graphische Periode", begann mit einer Anzahl von Manhatten-Bildern. Feininger gab in seinen Gemälden und Aquarellen der Wechselwirkung von Licht und Nebel mehr Ausdruck, indem er sich intensiver auf das Atmosphärische konzentrierte: "Ich neige mehr und mehr dazu, meine Sprache in der Malerei auf die reinsten Essenzen von Linie und Farbe zu reduzieren; als Maler fühle ich mich hoffnungslos gebunden, obwohl ich noch immer, auf meine eigene, spärliche Weise, die Eigenschaften von Pigmenten zu würdigen weiß. Ich nähere mich einem Stadium, in dem ich sogar anfange, die präzise Form zu zerstören, zugunsten - wenigstens scheint mir so - der Ehrlichkeit."

Dank seines harmonisch aspektierten Plutos im 10. und des MK im 11. Haus hatte sich Feiningers Kunst auch in Amerika durchgesetzt und seine Berühmtheit gefördert. Er hatte hier eine zweite Heimat gefunden, doch die Sehnsucht nach seiner vertrauten deutschen Umgebung ließ ihn immer wieder neue Werke schaffen, in denen seine Erinnerungen an frühere Zeiten weiterlebten. 1950 veranstaltete die Kestner-Gesellschaft in Hannover eine Feininger-Ausstellung, die der Künstler selbst mit organisierte. Damit war auch der räumliche Bezug zu seiner Wahlheimat Deutschland und zu Europa wiederhergestellt, denn unter dem Titel "Wiedersehen mit Feininger" folgten weitere Ausstellungen anderen deutschen Städten sowie in Frankreich  und in England.

Selbst im Alter von über 80 Jahren ließ sich Feininger in seiner Schaffensfreude nicht bremsen, sondern malte fleißig weiter. Noch 10 Tage vor seinem Tod schrieb er: "Ich lasse mir nicht einreden, dass die Zeit nunmehr gekommen ist, wo man sich mit Abschwächungen begnügen darf".

Am 13. Januar 1956 starb Feininger nach einem erfüllten Künstlerleben in seiner Geburtsstadt New York. Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern konnte Lyonel Feininger die Früchte seiner Arbeiten, die hauptsächlich zum "lyrischen Kubismus" zu rechnen sind, noch zu Lebzeiten ernten. Er war in Deutschland und Amerika einer der vielseitigsten und erfolgreichsten Maler seiner Zeit und ist dennoch bis heute vielen unbekannt geblieben.

 

 

Quellen:

Lyonel Feininger, Felicitas Tobien, Berghaus Verlag

Ausstellungskataloge und Lebenslauf,

Lyonel-Feininger-Gallerie, Quedlinburg.

 

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