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Naturrecht

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

F. Schlussbemerkung

 

 

Professor Dr. Dr. Peter Antes. Direktor des Religionswissenschaftlichen Seminars der Leibniz-Universität Hannover, kennzeichnet sein Fach, die Religionswissenschaft, so:

„Wir studieren die Etikette der Weine, aber wir trinken nicht.“

Ein Urteil über Astrologisches – da gilt stattdessen: „In vino veritas.“

Wollen wir auch nur ansatzweise „Wahres“ zur Astrologie finden, heißt es genauer hinsehen und eigene Erfahrung einbringen. Das gilt für Skeptiker wie für Fanatiker. Das Seriöse vom Unseriösen trennen ist die Aufgabe. Aufklärung führt zu Erkenntnis, selbst wenn uns unser Verstand die letzten Wahrheiten nicht erschließen kann.

Es ist schon erstaunlich, wie ein wirtschaftlich durchaus relevanter Markt in Deutschland weder rechtswissenschaftlich noch wissenschaftstheoretisch solide erschlossen ist.

 

Daran ein Weniges zu ändern, war das Anliegen dieser Arbeit. Bleibt zu hoffen, dass die Astrologen die Chance zu mehr Selbstreflexion ihres Tuns nutzen, und die gesellschaftlich relevanten Kräfte, vor allem die Verbraucherzentralen, den millionenfachen Betrug an gutgläubigen Astro-TV-Klienten der Straf- und Ziviljustiz zuführen.

Soll das Mitreden nicht in „Schwätzen“ steckenbleiben, geht es nicht ohne eigenes Eintauchen in diese „Obskurität“ Astrologie.

Wie oft im Recht wird auch in Sachen „astrologische Beratung“ die Bereitschaft zur Beachtung des rechtlich Gebotenen zu einem gedeihlicheren Miteinander führen.

Wo es daran fehlt, sollten die „Richter in Deutschland“ für mehr Gerechtigkeit in diesem Felde sorgen.

 

Ich schließe mit zwei Zitaten von Vittorio Hösle:

 

  • „Die Brüderlichkeit, die aus dem Niederreißen sozialer Schranken hervorgehen sollte, reduziert sich zunehmend auf allgemeine Gleichgültigkeit, auf die Unfähigkeit, andere Wertunterschiede als diejenigen wahrzunehmen, die sich in Geld berechnen lassen. […] Die Erweiterung der individuellen menschlichen Freiheit kulminiert in einer Situation, in der wegen der außerordentlichen Komplexität und Verwobenheit sozialer Systeme der Staat immer reaktiver wird und selbst nicht mehr die Freiheit besitzt, das Überlebensnotwendige zu tun. Der Fortschritt des Wissens hat, da er die Natur nicht nur beschreibt, sondern verändert, eine Gesellschaft mit verursacht, die für ihre Mitglieder weniger übersichtlich und verständlich ist, als traditionelle Gesellschaften es waren. […]
  • Die Rationalisierung der Subsysteme unserer Gesellschaft kann immer weniger über den Eindruck eines Niedergangs der Vernunft hinwegtäuschen – ja, man kann sich des Gefühls nicht erwehren, einem kollektiven Wahnsinn ausgesetzt zu sein, der dadurch nur unheimlicher wird, dass sich die Orientierungslosigkeit hinsichtlich der eigentlichen Ziele mit methodischer Perfektion beim Einsatz der Mittel verbindet. Die Aufklärung scheint als letztes Resultat einen Typ von Intellektuellen hervorgebracht zu haben, der alles zu durchschauen und endlich verstanden zu haben glaubt, dass Erkenntnis der Wirklichkeit ebenso wenig möglich sei wie die normative Auszeichnung einer Handlungsalternative vor einer anderen.“
  • „Wäre es nicht besser, ganz auf den Begriff Naturrecht zu verzichten und lieber von Vernunftrecht zu sprechen, da doch die praktische Vernunft und nicht die Natur der einschlägige Geltungsgrund ist? Die Frage wäre zu bejahen, wenn es nicht Neologismen so schwer hätten und wenn nicht so viel dafür spräche, die Kontinuität mit jener Tradition, die seit den Alten von Naturrecht redet, nicht abzubrechen. Immerhin haben ja nicht nur der Katholizismus, sondern auch Denker wie Locke, Leibniz, Fichte und Hegel von Naturrecht gesprochen, und zwar Letztere im Rahmen einer auf die Vernunftautonomie gegründeten praktischen Philosophie.
  • Unter „Naturrecht“ soll der Inbegriff jener Normen verstanden werden, die aus moralischen Gründen mit Zwangsmitteln durchgesetzt werden dürfen bzw. sogar sollen, sofern dies nicht unzweckmäßig ist. Das Naturrecht ist also ein Maßstab zur Beurteilung der Moral des positiven Rechtes, der in den Prinzipien der allgemeinen Ethik gründet. Wenn man es verwirft, besteht keine Möglichkeit, begründete Urteile über die Ungerechtigkeit
    eines Rechtssystems zu fällen; man beraubt sich der Möglichkeit sachlicher Kritik des positiven Rechtes auf der Ebene der Wertrationalität – und das sollte gerade eine Gesellschaft wohl bedenken, die sich für aufgeklärt und kritisch hält. Es ist lächerlich, im Sinne der Interessenjurisprudenz zu erklären, der Ausgleich von Interessen sei ausreichend, um gerechtes Recht hervorzubringen. Gewiss sind Interessen ein wichtiger Gegenstand des Rechts, und die Weigerung einer bestimmten Art von Begriffsjurisprudenz, sie angemessen zu berücksichtigen, war unverantwortlich. Aber Interessen stehen häufig genug im Widerspruch zueinander, der in der Regel nur dann gewaltlos aufgelöst werden kann, wenn es einen die faktischen Interessen transzendierenden Maßstab gibt, um die einzelnen Interessen zu bewerten. Ein solcher Maßstab kann jedoch selbst nicht auf Interessen zurückgeführt werden, weil sich bei den konfligierenden Metainteressen dasselbe Problem noch einmal stellen würde.“
  •  

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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