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Ordnung

Die verborgene Ordnung der Welt.

Astrologie im Wandel der Zeiten.

Biographisches – Mein Weg zur Astrologin und das Weltbild der Astrologie

Ich bin 1952 in Hannover geboren. Ich habe Gartenbau studiert, also eine naturwissenschaftliche Ausbildung zur Dipl. Agrar-Ingenieurin absolviert. Anschließend habe ich mehrere Jahre in der Beratung des Ökologischen Landbaus in Fallingbostel gearbeitet.

 

Parallel dazu gab es erste astrologische Studien.

Während meiner Zeit als Mutter und Hausfrau fand Ausbau und Professionalisierung der Astrologie statt. 1993 habe ich die Prüfung beim DAV bestanden. Seit 1996 war ich im Nebenerwerb als Astrologin selbständig tätig. 2004 habe ich eigene Räume gemietet und das Astrologie-Zentrum eröffnet, wo ich vor kurzem 5-jähriges Jubiläum gefeiert habe.

 

Ich erzähle das so ausführlich mit der Ausbildung zum Dipl.Ing. und die Arbeit im Öko-Anbau als Beraterin, weil diese Zeit wichtig war für meine persönliche Entwicklung. Damals entstanden zwei sehr wichtige Grundlagen, zum einen mein naturwissenschaftliches, kritisches Denken, das neben die „Erfahrung“ auch die „Wiederholbarkeit“ und die Distanz setzt, zum anderen mein Verständnis von Ganzheitlichkeit, von Kreisläufen in der Natur, von dem Verhältnis des Menschen zur Natur, vom Haushalt der Natur, von Ökologie, also dem Wissen um Systeme usw.

 

Ganzheitlichkeit ist für mich zum Schlüssel des Lebens geworden. Im englischen heißt ganzheitlich: Holistic. Whole und hole sind nahe verwandt, das Ganze und das Nichts sind nicht nur sprachlich verbunden, sondern auch inhaltlich. Und im Deutschen ebenfalls: ganz und heil und heilig gehören sowohl sprachlich als auch inhaltlich zusammen.

 

Wir sagen auch: wir sind nicht in unserer Mitte. Die Mitte ist das Zentrum, das Allerheiligste? Wenn wir ein Symbol dafür verwenden, ist der Kreis mit dem Punkt in der Mitte ideal. a  Der Punkt hat keine Ausdehnung, er ist ein Nichts, und zugleich ist er das Zentrum des Kreises. Wir benutzen dieses Symbol für die Sonne, sowohl astrologisch als auch astronomisch und sogar in der Botanik. 

 

Wir könnten lange über die Beziehung zwischen dem großen Kreis und dem Minikreis, dem Punkt nachdenken. Spiegelt das Symbol auch den philosophischen Grundsatz der Entsprechung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos? Gibt es eine Beziehung zwischen Himmel und Erde, zwischen den Sternen und dem Menschen? In der Antike dachte man so. Dann ging dieses Wissen um etwa 500 für Jahrhunderte im Westen verloren, kam über die Araber im 10. Jahrhundert wieder zurück und wurde während der Zeit der Renaissance wieder entdeckt. Mit der Zeit der Aufklärung ab dem 18. Jahrhundert geriet es wieder in Vergessenheit, und nun, in einer Zeit der Neuorientierung, wird es wieder mal „entdeckt“.

 

Astrologie ist die geistige Disziplin, die genau diese Betrachtungen und Bezüge zwischen Himmel und Erde anstellt. Im Wort Astrologie schwingt ja „Astron“ „der Stern“ mit.

 

Der astrologische Grundgedanke sagt, dass es eine Entsprechung zwischen Himmel und Erde, zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos gibt. Astrologie stellt die Beziehung zwischen Sternen und Menschen her, oder anders gesagt, Astrologie sieht Himmel und Erde in einer Analogiebeziehung. Die Kurzformel dafür lautet seit eher: „Wie oben so unten“.

 

Auch das frühe Christentum wusste noch um die Einheit des Kosmos, der großen und schönen Ordnung. Das erkennt man deutlich im Gebet „Vaterunser“. Dort heißt es:

 

„Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“

 

Gott Vater ist außerhalb von Himmel und Erde, aber er gebietet über beide. Er hält die ganze Welt in seiner Hand, und dazu gehört auch der Himmel.

 

Hier merkt man, dass der Analogiegedanke ausgesprochen wird. Leider wissen moderne Christen nicht mehr, was dieser Satz eigentlich sagt. Er stellt die Beziehung zwischen oben und unten, zwischen weit und nah, zwischen innen und außen her. Er stellt den Menschen in ein großes Gefüge von Gesetz und Ordnung.

 

Das griechische Wort „Kosmos“ bedeutet soviel wie große Ordnung, große Schönheit. Beides gehört hier zusammen. Kosmetik hat die gleiche Vorsilbe. Da hört man die Verwandtschaft zwischen der Schönheit der Welt und der Ganzheit der Welt. Und darum bedeutet Heilsein für den Menschen vor allem, sich bewusst zu sein, dass er ein Teil dieses Ganzen ist, dass er in einer Ordnung lebt, dass er nicht verloren gehen kann.

 

Heute weiß die Physik, dass alles mit allem in Verbindung steht, weil es jenseits der Kausalität Beziehungen und Verflechtungen und Muster und morphogenetische Felder (nach Rupert Sheldrake) gibt. Nach ihm leben wir in einem schöpferischen Universum. Und wenn alles mit allem verbunden ist (wie die moderne Chaosforschung sagt), dann kann man auch „an den Sternen ablesen, was die Stunde geschlagen hat“.

 

Genau genommen lesen wir es nicht an den Sternen ab, sondern an den Planeten. Astrologie arbeitet auf der Basis unseres Sonnensystems. Sie arbeitet mit den 7 klassischen Planetenprinzipien, die bereits in der Antike bekannt waren + 3 modernen Planeten und deutet ihre Stellung im Geburtshoroskop, um Anlagen, Anliegen, Charakter und Schicksal des Menschen daraus abzulesen.

 

Seit frühester Zeit haben alle Kalenderberechnungen die gleiche Grundlage. Für das Überleben der Menschheit war und ist es wichtig, die Jahreszeiten zu erfassen und sich ganz und gar darauf zu verlassen.

 

Seit der Römerzeit galt der julianische Kalender bis zum 16. Jahrhundert. Der julianische Kalender war auf Dauer nicht genau genug. Er wich in 72 Jahren um ca. 1 Tag von der genauen Situation ab. Das klingt erstmal nicht viel, aber auf Dauer summiert sich das, und nach 1000 Jahren beginnt der Frühling nicht am 21. März, sondern bereits am 6. März, und wenn der Bauer diese 2 Wochen ignoriert, kann das böse Folgen haben. Und irgendwann würde man im Winter Frühlingsanfang haben. 

 

Warum gehe ich so ausführlich auf das Kalenderwesen ein? Weil Kalenderberechnung und Astrologie auf das Engste mit einander verwandt sind. Wenn nämlich nach dem Winter die Sonne am Tage x den Himmelsäquator überschreitet, und der Tag zum ersten Mal wieder genau so lang ist wie die Nacht, dann ist Frühlingsanfang, und an diesem Tag, dem so lang ersehnten, beginnt deshalb auch der astrologische Tierkreis, und er beginnt mit einem Zeichen, das für Aufbruch und Neuanfang und Mut zur Initiative steht, dem Widder.

 

Es gibt 3 Frühlingszeichen, 3 Sommerzeichen, 3 Herbstzeichen, 3 Winterzeichen.

 

Und wenn man diesen Zusammenhang verstanden hat, dann weiß man auch, dass die Kritik der Astrologiegegner wissenschaftlich völlig unhaltbar ist, die da heißt:

 

„Astrologie kann nicht funktionieren, weil am Frühlingsanfang der Widder schon lange nicht mehr da steht, sondern die Fische.“

 

Wer immer dieses in die Welt gesetzt hat, kannte sich mit Astrologie überhaupt nicht aus, ob er sich mit Astronomie wirklich auskennt, bezweifele ich. Denn seriöse Astronomen wissen, dass es 2 Messkreise am Himmel gibt, nämlich den Sternbilderkreis und den so genannten tropischen Tierkreis, der sich aus den Jahreszeiten ableitet.

 

Tierkreiszeichen kann man nicht sehen! Sternbilder kann man sehen.

 

Astrologie ist eine differenzierte Jahreszeitenbetrachtung, nicht mehr und nicht weniger. Sie beobachtet Naturvorgänge und Naturphänomene und überträgt sie auf den Menschen. Sie bleibt aber nicht beim naturwissenschaftlich Messbaren stehen, sondern sie glaubt an eine Seele im Menschen, an geistige Prozesse und sie stellt eine Beziehung zwischen der Seele des Menschen und den körperlichen, konkreten, materiell nachprüfbaren Dingen des Lebens her.

 

Oder natur-philosophisch gesagt: Es gibt eine Verbindung zwischen der Seele des Menschen und der Seele der Welt, der Anima mundi. Dieser Gedanke wurde von Platon im Dialog „Timaios“ zum ersten Mal ausgesprochen, von Augustin über Boethius, über Cusanus und Schelling bis zu C.G. Jung weitergedacht, der ihn mit dem kollektiven Unbewussten in Zusammenhang bringt.

 

Kleiner Exkurs: Es gibt ein Buch von zwei Wissenschaftlern: „Mai-Frau sucht Dezember-Mann“. Da wird ausdrücklich und „wissenschaftlich“ bewiesen, dass die Jahreszeiten den Menschen beeinflussen, und zwar nicht nur in Bezug auf Frieren oder nicht, sondern bis in seine persönlichen Vorlieben und auf seine potentiellen Ehepartner bezogen, auf berufliche Pläne, auf Gesundheit und Lebensdauer. Aber auf gar keinen Fall hat das etwas mit Astrologie zu tun. ;-(

 

Das ist ein typisches Beispiel für die allseits bekannte Ignorierung und Abwertung der Astrologie in unserer Gesellschaft, aber ob es der Wahrheitsfindung dient?

 

Zusammenfassend kann man feststellen: Astrologie ist eine Entsprechungslehre zwischen Planeten und Mensch.

 

Wer nun glaubt, dass sei aus wissenschaftlicher Sicht aber doch weit hergeholt, dem möchte ich mit einem Wort von Carl Sagan, dem berühmten Astronomen erinnern: „Wir sind alle Sternenstaub“. Das heißt, auch aus astronomischer Sicht ist der Mensch von den Sternen her zu verstehen. Carl Sagan hat 1982 ein Buch veröffentlich: „Unser Kosmos. Eine Reise durch das Weltall.“ Daraus wurde eine sehr gute Fernsehserie, an die Sie sich vielleicht noch erinnern.

 

Mir ist wichtig, zu betonen, dass Astrologie interpretiert und deutet, damit also eine hermeneutische Disziplin ist (und im Wort „Hermeneutik“ hören wir Hermes mit anklingen, den antiken Götterboten, der der Gott des Wortes und des Denkens war). Aber Astrologie deutet nur das, was auch naturwissenschaftlich existiert.

 

Wir stellen keine Logik auf den Kopf, niemand muss seinen Verstand ausschalten, bevor er sich auf Astrologie einlässt, sondern eher ist es so, dass wir etwas sehen und es versuchen, sinnvoll mit unserem Leben zu verbinden. In unserem Gehirn gibt es 2 Seiten, 2 Hälften des Gehirns, 2 Hälften des Lebens. Welche Seite wählen wir?

 

Bei den Gehirnhälften kennen wir die analytische, logische, rationale Art des Denkens und Erkennens der linken Seite. Verstand, Kalkül, Rechnen und nüchterne Beobachtung gehören ebenfalls dazu.

Es gibt aber auch eine nicht-logische, nämlich analogische Art der Erkenntnis, z.B. die Intuition oder die Ahnung oder die Synthese, die Zusammenschau, das spontane Erkennen. Religion, Kunst, Liebe sind 3 große Bereiche der rechten Gehirnhemisphäre,

 

Linke Gehirnhälfte         Rechte Gehirnhälfte

 

Ratio, Intellekt               Traum, Phantasie

Logik, Analyse               Analogie, Synthese

 

Tatsachen                        Imagination

Kausalität                       Gefühl, Intuition

 

Wissenschaft                   Kunst

 

Und beide Gehirnhälften sind durch einen schmalen Balken verbunden. Die Gehirnforschung hat längst festgestellt, dass man diesen Balken nicht trennen darf, weil dann Menschen zu monotonen Robotern werden. Es ist die Brücke zwischen Ratio und Motio, zwischen Verstand und Gefühl, zwischen Intellekt und Liebe.

 

Astrologie ist eine jener Brücken bauenden Disziplinen, die beide Arten des Seins verbindet, indem sie beobachtet, rechnet und dann eine lebendige Beziehung herstellt, die Gefühle und Bedürfnisse jenseits der Ratio mit einbezieht.

 

Früher waren Astronomie und Astrologie nicht getrennte Disziplinen. Beobachtung und Deutung waren eins.

 

Heute erforscht Astronomie das Weltall, erkennt aber keine Zusammenhänge mit menschlichem Sein an. Astrologie sagt, es gibt eine Beziehung zwischen Mensch und Gestirn, zwischen Mensch und Himmel, zwischen allem, was im Kosmos ist.

 

Astrologie deutet die Bewegung der Planeten vor dem Hintergrund der Ekliptik und setzt sie in Beziehung zu menschlichen Eigenschaften und Erfahrungen. Astrologie gibt dem Leben Sinn. Astrologie ist eine universelle Symbolsprache.

 

Geschichte der Astrologie – an Beispielen

 

Die Wiege der abendländischen Kultur steht im Zweistromland Mesopotamien zwischen Euphrat und Tigris, also im heutigen Irak.

 

So ähnlich haben wir es alle mal in der Schule gelernt, und selbst, wenn es verschiedene Orte gibt, wo unsere Wiege stand, eines ist ziemlich sicher:

In dem Moment, wo sich der Mensch seiner selbst bewusst wird und beginnt, über sich und die Welt zu staunen und nachzudenken, sind die Sterne über ihm ein Teil seines Nachdenkens.

 

Das ist ja auch kein Wunder. Denn wie wunderbar ist der gestirnte Himmel über mir – vor allem, wenn man in einer sternklaren Nacht weit weg von der Lichtverschmutzung unserer Großstädte den Himmel betrachtet. Das ist schon auf dem flachen norddeutschen Land erstaunlich schön, wie viel schöner wird es erst, je mehr man nach Süden wandert. Wir bekommen ein Gefühl der Erhabenheit über den Sternenhimmel. Man fühlt sich so klein in der Unendlichkeit des Seins und zugleich so bedeutsam.

 

Wir haben Zeugnisse von den Keilschrifttäfelchen aus Sumer, jenem Volk, das bereits um 2000 v. Chr. in Mesopotamien lebte. Dort hatte man einen frühen Sternenkult entwickelt, aus dem später das astrologische System hervorging.

 

Alle Völker dieser Gegend, Sumerer, Babylonier, Chaldäer und wie sie alle hießen, befassten sich mit der Astrologie, aber kein Volk des Altertums beherrschte das Wissen so sehr wie die Chaldäer, so dass der Name dieses Volkers in der Antike zum Synonym für den Astrologen wurde. Auch „mathematici“ war ein Synonym.

 

Pythagoras soll über Kontakte zu Babylon und Ägypten astrologisches Wissen erworben haben. Sicher ist, dass Alexander der Große bei seinen Feldzügen nach Indien kulturübergreifend Wissen verbreitete. Auch die Inder haben eine lange und große Astrologie-Tradition.

 

In Hellas gab es um 300 v. Chr. bereits regen Kontakt mit orientalischer Gestirnslehre, die besonders in die Gedankenwelt der Stoiker passten. Alles Wirkliche ist laut stoischer Philosophie krafterfüllter Stoff, die Welt ist ein lebendiger Organismus, alle Dinge stehen untereinander in einem festen Wirkungszusammenhang. Darum geschieht alles nach einer inneren Notwendigkeit. Diese Notwendigkeit ist vom Standpunkt des Schöpfers aus Vorsehung, vom Standpunkt des Geschöpfes aus erscheint es als Schicksal.

Alles Naturgeschehen ist also determiniert, und da das Schicksal vorbestimmt ist, kann man es auch vorhersagen. Alle Zukunftstechniken waren den Stoikern bedeutsam, bewiesen sie doch die Existenz des Göttlichen. (z.B. Chrysippus, Posidonius).

 

Im Römischen Reich erlebte die Astrologie sehr unterschiedliche Zeiten, und die Astrologen hatten meist ein gefahrvolles Leben. Viele Cäsaren bedienten sich der astrologischen Erkenntnisse, wollten aber nicht, dass andere es auch taten. Also wurde die Astrologie offen verboten und heimlich genutzt. Die Geschichte der Astrologie in jenen Jahrhunderten enthält viele amüsante und auch blutrünstige Anekdoten. Eine lautet wie folgt:

 

Die Kaiserin Agrippina wollte ihren Sohn aus 1. Ehe, Domitius-Nero adoptieren lassen vom Kaiser Claudius. Die Astrologen, die sie befragte, sagten ihr: Nero werde gewiss zur Macht kommen, aber die eigene Mutter töten. Daraufhin soll sie gesagt haben lt. Tacitus: „Möge er immer töten, wenn er nur herrsche“.

 

Als das römische Reich zerfiel und Kaiser Justinian 529 die Schule von Athen schloss und Astrologen mit der Todesstrafe drohte, flüchteten Astrologen und Philosophen in Scharen nach Persien, wo sie gastfreundlich aufgenommen wurden. In Gebieten um Chiwa und Buchara bildeten sich neue, vom griechischen Geist erfüllte Kulturzentren, die auch das indische und arabische Geistesleben befruchteten.

 

„So gelangte die arabisch-hellenistische Philosophie und Astrologie zu hoher Blüte und drang nach 400-jähriger Pause über Spanien und Sizilien erneut in das christliche Abendland ein.“ (Knappich, Geschichte der Astrologie, S. 117).

 

Im Spätmittelalter wurde Astrologie wieder in Mitteleuropa bekannt. Ab dem 15. Jahrhundert erlebte sie dann eine wahre Renaissance in eben dieser Zeit. Zwischen 1450 und 1620 etwa befasste sich fast die gesamt gelehrte Welt Europas mit astrologischen Themen. Niemand, der Bildung besaß, konnte an ihr vorbei. Und es gab viel mehr Zustimmung als Ablehnung.

 

Aus Italien ist bekannt, dass Pico della Mirandola ein Gegner astrologischer Gedanken war. In seinem Umkreis philosophisch gebildeter Florentiner war er wie gesagt, die Ausnahme. Marsilio Ficino, jener Arzt und Philosoph, der die griechischen Philosophen übersetzte und von Lorenzo di Medici protegiert wurde, war ebenfalls Astrologe.

 

In Deutschland kennen wir vor allem Luthers ablehnende Haltung zur Astrologie, die ja gern von evangelischen Christen zitiert wird, um die heutige ablehnende Haltung gegenüber der Astrologie zu begründen. Nicht erwähnt wird dann, dass Luthers Weggefährte und intellektueller Vordenker, Philipp Melanchthon, ein begeisterter Astrologe war, der an der Universität zu Wittenberg Astrologie unterrichtete und für Luther immer wieder Reisehoroskope erstellte, auf die Luther dann wenig gab. 

 

Die Renaissancezeit war eine große Blütezeit der Philosophie, des Humanismus, der Astrologie. Der Mensch rückt in den Mittelpunkt der Betrachtung. Viele Künstler haben astrologische Themen bearbeitet, und wie es in jener Zeit weit verbreitet war, in Form von Rätseln oder in Andeutungen und Geheimsprache dargestellt.

 

Leonardo da Vinci, das große Universalgenie jener Zeit ist ein gutes Beispiel dafür. Er hat in seinem berühmten Fresco „Das Abendmahl“ in den 12 Jüngern Jesu die 12 Tierkreiszeichen dargestellt, für den Laien völlig unauffällig, für Kenner der astrologischen Symbolik eindeutig.

 

Ein weiteres berühmtes astrologisches Rätsel ist in diesem Bild verpackt, das von Albrecht Dürer stammt. Man weiß, dass auch er astrologische Kontakte hatte.

 

Sein Kupferstich heißt: Sol justitiae – Sonne der Gerechtigkeit.

 

Das Bild ist einigermaßen rätselhaft. Die Gestalt sitzt auf einem Löwen, die augen sind kugelrund, das Haar umgibt strahlenförmig wie die Sonne das Haupt. Ein Schwert erhoben in der Rechten, in der Linken eine Waage gesenkt. Was soll das bedeuten?

 

Die normale Kunstgeschichte deutet es als religiöse Darstellung, da ja auch Jesus als Sonne der Gerechtigkeit bezeichnet wird. Aber ist das eine überzeugende Christus-Darstellung?

 

Schlüssiger erscheint mir da die Deutung, dass Dürer eine alte astrologische Regel in Bildsprache ausdrückt.

 

Diese Regel sagt: Die Sonne regiert im Löwen, sie ist erhöht im Widder und in der Waage im Fall. Wer regiert, sitzt obenauf. Die Gestalt beherrscht den Löwen. Wenn diese Gestalt Symbol der Sonne ist, dann erstaunen uns die Augen als Sonnensymbole und die ganze Strahlensymbolik nicht länger. Das Schwert ist Symbol des Widders, die Waage ist Symbol des Tierkreiszeichen Waage. Die ganze Gestik zeigt die Dominanz des Sonnenhaften.

 

Zum Abschluss eine Reise durch das Jahr:

 

Frühlingsbeginn:

Widder

 Anfang – der Mut zum Neubeginn, der Mut zur Tat – ohne Blick

  zurück, Aufbruchstimmung, Lust auf Neues, tatendurstig

 

Stier

  Verdichtung, der Duft des Flieders, alle Sinne öffnen sich –

 Verführung, Lebensfreude, die Welt ist schön, sich verlieben

 

Zwillinge

  Ende und Vorbereitung, Übergang – flexibles Anpassen,  Rosenduft, überall sind Insekten, es findet Bestäubung statt, es  wird ausgetauscht, Interesse, Wissen, Waren, Neuigkeiten

 

Sommeranfang:

Krebs

  die Natur geht schwanger, es wird heiß und schwül, alles wächst

 und reift; ist voller Möglichkeiten und Ahnungen

 

Löwe

  der Sommer zeigt sich von seiner besten Seite, üppig,

 verschwenderisch, 10.000 fache Samen und Blüten,  Lebensfreude; Urlaubszeit, Seele baumeln lassen

 

Jungfrau

  Erntezeit, jetzt muss man Spreu vom Weizen trennen, sich auf den Winter vorbereiten, einkochen, ökonomisch sein, haushalten

  planvoll arbeiten, fleißig wie die Bienen und die Ameisen sein

 

Herbstanfang:

Waage

  Ernte ist eingefahren, jetzt beginnen die großen Erntedankfeste,

 man feiert, isst, tanzt, ist fröhlich und ausgelassen, jetzt beginnt  das Sterben in der Natur, aber in der Waage-Phase noch sehr

  ästhetisch. Das Laub färbt sich rot und orange, weil es abstirbt,  aber wir sehen den goldenen Oktober

 

Skorpion

  Novemberstürme sagen, wir sind im Herbst angekommen. Das

 große Sterben muss nun stattfinden, sonst kann es keinen neuen

 Frühling geben. Der Kreislauf der Natur soll sich vollenden. Alle

 Humusprozesse, die Kompostierung in der Natur ist ein einziges

 Stirb- und Werde-Programm. Aus den Abfällen des letzten

 Sommers wird der Dünger für das nächste Jahr. Ohne Tod keine

 Erneuerung des Lebens, heißt die philosophische Botschaft des

 November.

 

Schütze

  Die düstere Stimmung weicht einer hoffnungsvolleren. Man

 ahnt  einen neuen Übergang. Es bleibt nicht beim Sterben. Es ist  ja auch fast alles tot, denkt man. Aber die Hoffnung bleibt, und

 nicht umsonst feiern wir jetzt Advent, die christliche Antwort

 auf die Hoffnung.

 

Winteranfang

Steinbock

  Das Tal ist durchschritten, die längste Nacht ist überstanden. Wer  jetzt geboren wird, weiß etwas vom Durchhalten. Zäh und beharrlich überlebt man in unwirtlichen Zeiten und Gegenden, sei es als Eremit, als Asket, als Unternehmer (die wissen viel von einsamen Entscheidungen). Scheinbar ist jetzt Ruhe. Der Winter ist die Zeit, in der wir auch eine Art Winterschlaf halten,  gleichzeitig aber uns vorbereiten auf das nächste Jahr, Pläne  schmieden usw. Und unter der Erde finden auch ganz viele  Vorbereitungen statt, von denen wir nichts sehen. Nur, wenn der Winter mal ausbleibt, dann merken wir, wie wichtig die  Kälteperiode war, sei es, um die Äpfelproduktion zu steuern, sei  es, um tierische Schaderreger zu dezimieren, Ratten, Blattläuse,  Schnecken usw.

 

Wassermann

  Im Februar ist tiefster Winter. Es gibt nicht viel zu tun, außer

 hinter dem Ofen zu sitzen oder Fasching zu feiern. Winter zeigt sich von seiner deutlichsten Seite. Alles ist zugefroren. Die Tage sind kurz. Es ist die Zeit der Bälle, aber auch der geistigen  Aktivität. 

 

Fische

  letztes Zeichen. Abschied und Auflösung. Ende des Winters und

 eines langen Jahres. Bereit zum Abschied und Neubeginne,

 Opferbereitschaft, alles endet wie ein Tropfen im Meer, Ende  des Zyklus. Unter der Oberfläche des Winters bereitet sich alles  auf einen Neubeginn vor, darum ist jetzt alles möglich, auch wenn noch nichts konkret ist. Ahnung es Neuen ist spürbar.

 

Zum Abschluss stelle ich ein Horoskop vor, um einen Eindruck von der Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten zu vermitteln.

 

Das Horoskop ist das Horoskop von Johann Wolfgang von Goethe, geb. am 28. 8. 1749 in Frankfurt am Main um 12 Uhr Ortszeit.

 

Johann Wolfgang von Goethe, geb. am 28. 8. 1749 in Frankfurt am Main, 12.00 Uhr.

 

Der Aszendent (AC) ist Skorpion, das Medium coeli (MC) ist in der Jungfrau. Damit sind die beiden Hauptachsen bekannt, die quasi das Kreuz bilden, das jeder Mensch sinnbildlich gesprochen zu tragen hat.

Der AC beschreibt unsere Anliegen und Anlagen, unsere Talente und Begabungen, unsere körperliche und materiellen Ansprüche und unsere Aufgaben. Das MC (Medium coeli = Himmelsmitte) beschreibt unser Lebensziel, unsere Perspektive, unser Schicksal, unser Ergebnis.

 

Mit AC Skorpion erwarten wir einen tiefgründigen Menschen, der den Dingen auf den Grund gehen will, der forschend bohrt und alles verstehen will, der nach Erkenntnis strebt und dessen Leitlinie ist, „dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält.“ Kurz, hier ist der faustische Mensch zu Hause, dem Goethe ja auch ein Denkmal gesetzt hat. Man ist grüblerisch, zweifelnd, düster, misstrauisch und lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Gefühlstiefe und eine intensive Wunschnatur mit hoher Opferbereitschaft ist hier ebenfalls zu finden. Für das, was einem wichtig ist, ist man bereit, eine Menge auf sich zu nehmen. Zwischen charismatischen Persönlichkeiten, die Berge versetzen können, und verbohrten Fanatikern reicht die Bandbreite, die je nach Niveau und Bewusstsein sich entscheiden muss.

 

 Mit MC in der Jungfrau finden wir den Wissenschaftler, den akribisch und sorgfältig arbeitenden Menschen, der sich nützlich machen möchte, der praktisch und hilfsbereit denkt und handelt.

Hier sind auch alle Praktiker und Fachleute zu Hause, die über ihr Spezialistentum Sicherheit im Leben gewinnen.

 

Die Sonne steht am höchsten Punkt im Horoskop und belegt die öffentliche Bedeutung Goethes für die Umwelt und Nachwelt. Die Jungfrau-Sonne unterstützt die Sehnsucht nach Perfektion, nach Vollendung, nach Ordnung und Genauigkeit, aber auch nach bescheidenem Dienst am Nächsten.

 

Der Mond als Signifikator für Bedürfnisse und Wünsche, Emotionales und seelische Empfänglichkeit steht im sensiblen Wasserzeichen Fische und deutet auf eine hoch empfindsame, verletzliche Struktur hin. Der Poet, der Künstler, der Mensch mit den feinen Antennen für Stimmungen, mit der subtilen Wahrnehmung ist hier zu finden.

 

Fazit: Goethe ist auf eine fast unscheinbare Art zum bedeutendsten Dichter der Deutschen geworden. Er war sehr gebildet, fachlich in vielen Disziplinen gebildet und obendrein künstlerisch hoch begabt.

Was seine erotischen Abenteuer betrifft, lässt er sich bis heute nicht in die Karten schauen, und so bleibt vieles, was wir Heutigen ihm andichten, spekulativ. So gefällt es den Menschen mit Skorpion-AC.

 

Wir haben einen großen Bogen geschlagen durch die Zeit, durch philosophische Ansätze, durch Weltanschauungen. Der Titel meines Vortrags „Die verborgene Ordnung der Welt“ ist verständlich geworden. Ich bin überzeugt davon, dass unsere Welt eine Art „Organismus“ ist, der belebt ist. Wir sprechen ja auch von der Anima mundi, der Weltseele. Und wenn wir erst gelernt haben, den astrologischen Blick zu schärfen, werden wir überall auf der Welt Ordnung und Schönheit entdecken, eben den Kosmos. Und da er in ständigem Schöpfungsprozess besteht, sind wir immer wieder gefordert, uns unserer Verantwortung bewusst zu werden, Teil dieser Ordnung nicht nur zu sein, sondern immer wieder zu werden und dazu beizutragen, dass unsere Ur-Ordnung und Schönheit nicht zerstört werden. Wie jeder und jede Einzelne dazu beitragen kann und soll, das zeigt unter anderem das Horoskop als Spiegel der Seele und des Kosmos.

 

Annegret Becker-Baumann, Vortrag vom 30. 11. 09 im Queens Hotel, Hannover

 

 

 

 

 

 

 

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