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Praxis

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

fb)  Praxis der astrologischen Beratung

Bei dem nachfolgenden Text handelt es sich um eine Selbstdarstellung von Dipl.Ing. Annegret Becker-Baumann, gepr. Astrologin (DAV), Leiterin des vom DAV anerkannten Ausbildungszentrums, des „Astrologiezentrums Hannover" in der Rühmkorffstr. 5 in Hannover, die auf meine Bitte den Text für diese Arbeit geschrieben hat, wofür ich ihr herzlich danke.

 

Annegret Becker-Baumann:

 

  • „I. Welche Voraussetzungen sollte man als „Beratende Astrologin" mitbringen?
  • Interesse an anderen Menschen
  • Man sollte grundsätzlich Interesse an anderen Menschen und ihren Schicksalen mitbringen. Man braucht dazu Empathie. Wissenschaftler sprechen auch von emotionaler Intelligenz. Was bedeutet das? Es bedeutet, sich auf Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen des Anderen einstimmen zu können, ohne dabei die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Emotionen zu ignorieren. Dieses einfühlende Verstehen ist für jede Art therapeutischer Beziehung hilfreich. Carl Rogers sagt: „Ich glaube, dass Veränderung mit Wahrscheinlichkeit eintritt, wenn der Therapeut das Erleben erfassen kann, das in der inneren Welt des Klienten von Augenblick zu Augenblick abläuft; wenn er es sieht und fühlt wie der Klient, ohne aber die Eigenständigkeit seiner Identität in diesem Prozess des Einfühlens zu verlieren.“ Das gilt auch für alle Formen von Beratung.
  • Psychologisches Wissen
  • Astrologisches Wissen ist nur die Hälfte eines guten Beratungsgesprächs. Die andere Hälfte ist die Fähigkeit, mit der Situation der Klienten angemessen umzugehen. Dazu muss die Beraterin für sich klären, wie sie mit schwierigen Klienten, auch mit Grenzsituationen umgeht, mit Tränen, eventuell auch mit eigenen. Was kann sie tun, wenn die Klienten sich gekränkt oder missverstanden fühlen?
  • Psychologisches Wissen ist dazu wichtig. Man kann seine Begabungen trainieren, üben, man kann Ratgeber lesen zu psychologischen Fragen, zu Partnerschaft, Trennung, zu Ängsten und Depression. Auch Kenntnisse über Techniken der Gesprächsführung nach Rogers, themenzentrierte Interaktion (TZI) von Ruth Cohn oder Transaktionsanalyse (TA) nach Eric Berne sind hilfreich. Besonders überzeugend ist das Kommunikationsmodell von Friedemann Schulz von Thun mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren, welches er in seinem Werk „Miteinander reden“ vorstellt und das sich problemlos auf astrologische Deutungsarbeit übertragen lässt.
  • Beratungskompetenz
  • Je mehr Erfahrung eine Beraterin mitbringt, desto besser kann sie auf Klienten eingehen. Sie sollte sich klar darüber sein, was der Sinn der Beratung ist. Es geht darum, den Selbstwert der Klienten zu stärken, die ungenutzten Möglichkeiten zu beschreiben. Verborgene Chancen und Talente sollen erkannt werden, realistische Hoffnungen sollen aufgezeigt werden. Das Beratungsgespräch dient dazu, Alternativen gemeinsam zu entdecken, die Lebenslust zu erwecken, gegen resignative und düstere Stimmungen neue Hoffnung zu entwickeln, zu ermutigen, Unterstützung  zu geben für die nächsten Schritte der Persönlichkeitsentwicklung, Trost und Bestärkung zu geben, neue Einsichten und Erkenntnisse zu ermöglichen.
  • In einer guten Beratung finden sich die Klienten in großen Teilen wieder, d.h., vieles ist ihnen bekannt, und sie können es problemlos bestätigen. Für Klienten ist es oft hilfreich, zu hören, dass sie so, wie sie sind, in Ordnung sind. Sie haben ihr Sosein bislang als mangelhaft oder problematisch eingeordnet und erleben eine große Erleichterung, wenn im Gespräch deutlich wird, dass sie so wie sind, sein dürfen und sein sollen. Darüber hinaus sollen sie aber auch Neues über sich entdecken und erfahren, um bisher verborgene und latente Möglichkeiten ihrer kosmischen Struktur, die bislang im Schatten lagen, integrieren oder fördern zu können.
  • Beratende Astrologin zu sein, bedeutet eine Mischung aus Arzt, Therapeut, Seelsorger und Coach zu sein. „Systemische Beratung“ (ein Begriff, der sich aus der Familientherapie entwickelt hat) zur Stärkung der Ressourcen und Kompetenzen, die sich aus dem Horoskop ergeben, ist für die astrologische Beratung optimal. Darin schwingt der Begriff „Ganzheitlichkeit“ mit. Es bedeutet, die Klienten als Ganzes wahrzunehmen, ihr Umfeld und ihre Herkunft, ihre Wünsche und Ziele mit einzubeziehen und die Vielfalt der Deutungsmöglichkeiten in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen.
  • Einsicht in die eigene Situation
  • Wichtig ist es für die Beraterin, sich der eigenen Wertvorstellungen und Grenzen bewusst zu sein. Es ist zu klären, aus welchen Motivationen heraus man zu bestimmten Einschätzungen und Deutungen kommt, also das Erkenntnisinteresse ist wichtig (Jürgen Habermas). Welche Vorurteile habe ich selbst? Welche Erwartungen habe ich an die Klientin, an das Gespräch, an das Ergebnis? Je mehr sich die Beraterin mit der eigenen Psyche auskennt, z.B. durch eigene Therapieerfahrungen, desto klarer kann sie die eigene Situation einordnen. Das hilft ihr zu der nötigen Distanz, wenn sie durch die Anliegen der Klienten selber emotional involviert wird. Eigene unverarbeitete Probleme werden sonst auf die Klienten projiziert. Selbsterkenntnis gilt auch für die Beraterin.
  • II. Vorgespräch
  • Wenn ein Klient zum ersten Mal in der Praxis anruft, gibt es meist schon eine Vorentscheidung, dass man zu dieser Astrologin gehen will. Meine Erfahrung ist, dass viele Klienten sich im Vorfeld im Internet auf meiner Homepage www.astrologie-zentrum-hannover.de informiert haben und nun einen persönlichen Eindruck gewinnen wollen.
  • Andere Klienten kommen über das Branchenbuch „Gelbe Seiten“ und sind dann nicht vorab informiert, und ein kleiner Teil der Klienten kommt auf Empfehlung.
  • Das Erstgespräch findet telefonisch statt. Jemand ruft an und interessiert sich für eine Beratung. Für mich ist sehr wichtig, dass ich keine anonymen Gespräche führe. Die meisten Anrufer nennen sofort ihren Namen. Wenn ich eine Unsicherheit spüre, biete ich an, den Beratungsablauf zu erläutern. Das hilft den allermeisten Anrufern über ihre Ängste hinweg. Sie können dann klarer ihre eigenen Fragen und Unsicherheiten formulieren.
  • Wenn jemand unsicher ist, ob astrologische Beratung in seiner Situation das Richtige ist, erläutere ich in diesem Vorgespräch die Möglichkeiten der Deutung des Geburtshoroskops und des Jahreshoroskops. Meistens sind diese Menschen in einer Krise und hadern mit sich selbst, dann kann ein Radix (Geburtshoroskop) ihnen zu mehr Selbsterkenntnis verhelfen. Über Jahreshoroskope kann man die aktuelle Situation analysieren und gegebenenfalls Lösungswege aufzeigen. Ich benenne dabei immer klar die Grenzen der Prognose. Ich lehne konkrete Prognosen ab, erstens aus grundsätzlichen philosophischen Gründen (Freiheit des Menschen), zweitens, weil ich glaube, dass wir bei der konkreten Prognose Menschen nicht helfen, sondern sie eher einengen. Man darf die Macht des Wortes nicht unterschätzen. Todesprognosen sind für mich tabu. Wenn dieser Punkt geklärt ist, geht es darum, ob der Anrufer sich für die Beratung entschließen kann. Dazu erläutere ich ihnen, wie es weitergeht, falls sie sich für eine Beratung entscheiden.
  • Im Falle eines Auftrages nehme ich als erstes den Namen und die Adresse des Klienten auf, anschließend notiere ich Geburtsdatum, Geburtsort und Geburtsuhrzeit. Danach finden wir einen Termin für das Gespräch, das ca. 1 ½ Stunden dauert und immer auf Kassette oder CD aufgenommen wird. Die Kosten benenne ich ebenfalls. Die Erstberatung kostet derzeit (März 2010) 150 Euro. Ich notiere mir die Wünsche des Klienten, seine Anliegen, Schwerpunkte, sei es Grundsätzliches zur Persönlichkeit, Selbsterkenntnis, berufliche Fragen, Partnerschaft, Gesundheit oder ähnliches. Diese Themen werden in astrologischen Beratungen am häufigsten angesprochen.
  • Schließlich frage ich, ob das so für den Anrufer in Ordnung ist. Die meisten Klienten entscheiden sich sofort für die Beratung. Einige wenige wollen noch mal darüber nachdenken. Die Hälfte davon ruft dann einige Tage später wieder an, um einen Termin zu vereinbaren.
  • III. Vorbereitung
  • Heutzutage ist es selbstverständlich, die Berechnung des Horoskops dem PC zu überlassen. Es gibt inzwischen sehr gute professionelle Software, um fehlerfreie Horoskope zu berechnen und als Grafik auszudrucken. Dabei gebe ich immer auch einen Ausdruck der Horoskopgrafik den Klienten mit, außerdem ein allgemeines Erläuterungsblatt mit Grundsätzen zur astrologischen Deutung und Erklärungen der Symbole. Deutungstexte gibt es bei mir nicht. Computeranalysen sind wenig hilfreich und eher als Einstieg in die Astrologie interessant.
  • Im Vorfeld schaue ich das Horoskop an und notiere mir die astrologischen Hauptthemen. Dazu verwende ich bestimmte Deutungsschritte, die sich auf die Hauptachsen Aszendent–Deszendent und Medium coeli – Imum coeli beziehen sowie auf die wichtigsten Planetenkonstellationen und deren Aspekte. Alle relevanten Daten schreibe ich auf. Wenn mir Antinomien auffallen und sich daraus Fragen ergeben, notiere ich mir das ebenfalls. Diese Vorarbeit wird zum roten Faden für den Gesprächsverlauf.
  • IV. Durchführung
  • Wenn die Klienten kommen, ist alles vorbereitet. Das Aufnahmegerät steht auf dem Tisch. Horoskop, Papier und Stift liegen ebenfalls auf dem Tisch. Eine Kerze brennt, Blumen stehen auf dem Tisch, ebenso Mineralwasser und Gläser. Außerdem biete ich immer ein Heißgetränk an, sei es Kaffee, Cappuccino oder Tee. Dadurch entsteht eine angenehme Atmosphäre. Die Klienten spüren, sie stehen jetzt im Mittelpunkt. Einige einleitende Sätze tragen dazu bei, dass sich die Klienten entspannen. Diese kleinen Rituale helfen uns und den Klienten, die erste Nervosität zu überwinden.
  • Erst danach beginnt die eigentliche Sitzung. in der ich die ersten Parameter des Horoskops erläutere und dann die Klienten frage, ob das für sie stimmig ist, ob sie sich in dem Gesagten wieder finden, ob sie das kennen. So entwickelt sich ein Gespräch, aus dem sich wichtige Themen heraus kristallisieren. Die Fragen und Anliegen der Klienten werden bearbeitet, und am Ende kläre ich, ob sie noch Fragen haben. Die meisten Klienten haben den Eindruck, dass sie viele Informationen bekommen haben, so dass sie froh sind, mit Kassette oder CD sich das Besprochene noch einmal in Ruhe anhören zu können, und dass sie sich gut fühlen. Viele Klienten verlassen die Räume mit einem Zugewinn an Hoffnung und Zuversicht und sprechen das auch aus.
  • Beratungen dauern bei mir maximal 1 ½ Stunden. Nach meiner Erfahrung ist das optimal. Längere Gesprächszeiten führen nach meiner Einschätzung zu Konzentrationsschwäche auf beiden Seiten.“
  • Nach meiner persönlicher Erfahrung und Einschätzung entspricht diese Selbstdarstellung von Frau Becker-Baumann dem Leitbild des Berufsverbandes DAV und wird deshalb von mir für die folgenden Überlegungen in dieser Arbeit als Referenz, prototypisch, für eine seriöse astrologisch-psychologische Beratung zugrundegelegt.

 

 

 

 

 

 

 

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