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Steiner

Rudolf Steiner und die Astrologie

Das Modell mit Planetensäulen aus Eichenholz gibt es noch:

http://www.malsch.de/servlet/PB/menu/1266330_l1/index.html

 Die 7 Planetensäulen:

http://wiki.anthroposophie.net/Planetens%C3%A4ulen

 mit den apokalyptischen 7 Siegeln;

http://wiki.anthroposophie.net/Apokalyptische_Siegel

 

Bei der Aufführung der Mysteriendramen „Der Hüter der Schwelle“ und „Der Seelen Erwachen“ 1913 in München wurde die Eurythmie erstmals vorgeführt.“ ( ehemals von: http://www.gabrielsgarden.de/steiner.htm

 

Viele unserer Alltagserrungenschaften lassen sich auf den Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, zurückführen. Die anthroposophische Medizin und Kosmetik mit Weleda und Wala (Hauschka), der biologisch-dynamische Landbau (Demeter), das heute wieder moderne Grundeinkommen, wie z.B. von dem Besitzer der DM-Drogeriekette Prof. Götz Werner vertreten (soziale Dreigliederung), die Christengemeinschaft, die weltweit sehr erfolgreiche Waldorf-Pädagogik und vieles andere mehr läßt sich unmittelbar auf Rudolf Steiner zurückführen.

 

Ausgangspunkt für diese Lebensbereiche waren immer Fragen von Anthroposophen nach dem 1. Weltkrieg an Rudolf Steiner, ob er zu diesem oder jenem nicht einen Kurs abhalten könne, was dann in den genannten Bereichen auch geschah.

 

Leider gab es entweder gar keine astrologisch versierten Anthroposophen nach dem 1. Weltkrieg oder die wenigen, die es gab, haben die historische Chance für einen anthroposophischen Astrologiekurs durch Rudolf Steiner dadurch verpaßt, daß sie ihn nicht nach der Astrologie gefragt haben. Das Verhältnis von Rudolf Steiner zur Astrologie muß daher aus seinen umfangreichen Büchern und Vortragsveröffentlichungen geradezu detektivisch erschlossen werden.

 

In der Gesamtausgabe der anthroposophischen Schriften des Verlags am Goetheanum erscheint nicht, wann, wo und durch wen Rudolf Steiner erstmalig mit der Astrologie bekannt gemacht worden ist. Auch in der Autobiographie „Mein Lebensgang“ ist darüber nichts verzeichnet. Allerdings schildert Rudolf Steiner die Bekanntschaft mit dem sog. „Kräutersammler“ wie folgt: „Einen Menschentypus, der vom 15. Jahrhundert durch das 16., 17., 18. lebte, den möchte ich ihnen wenigstens mit ein paar Strichen charakterisieren. Einen Menschentypus, den man irgendwo auf dem Dorfe draußen fand als Sammler von Kräutern für Apotheken, als irgendwie anders in einem anspruchslosen Berufe drinnen. Irgend solch eine Persönlichkeit müssen wir uns vorstellen. Man trifft sie, wenn man selber Interesse hat an besonderen Gestaltungen des Menschenwesens in dieser oder jener Individualität, man trifft sie, diese Persönlichkeit. Zunächst ist sie außerordentlich zugeknöpft, redet wenig oder lenkt die Aufmerksamkeit von dem, was man in ihr suchen möchte, dadurch ab, daß sie unbedeutende, absichtlich ganz triviale Redensarten führt, durch die sie den Glauben erwecken will, es sei nicht der Mühe wert, sich mit ihr zu unterhalten. Wenn man aber versteht, nicht immer auf den Inhalt der Worte zu sehen, die ein Mensch sagt, sondern auch den Klang seiner Worte, auf die Art und Weise, wie sie von ihm kommen, dann hörte man einem solchen Menschen dennoch weiter zu. Und wenn er dann aus irgendeinem karmischen Zusammenhang heraus den Eindruck bekam, er solle reden, dann fing er an, vorsichtig zu sprechen, und man entdeckte, daß man eine Art von Weisen in ihm hatte.“

 

Die hier geschilderte Begegnung Rudolf Steiners mit der geheimnisumwitterten Persönlichkeit von Felix Kogutzki im 21. Lebensjahr von Rudolf Steiner führte ihn vordergründig vor allem mit der Heilkräuterbotanik zusammen. Rudolf Steiner schreibt dazu: „Wenn man mit ihm zusammen war, konnte man tiefe Blicke in die Geheimnisse der Natur tun. Er trug auf dem Rücken sein Bündel Heilkräuter, aber in seinem Herzen trug er die Ergebnisse, die er aus der Geistigkeit der Natur bei seinem Sammeln gewonnen hatte.“ 

 

Man weiß seit dem autobiographischen Vortrag Rudolf Steiners vom 04. Februar 1913, daß Felix Kogutzki „das Zimmer voll hatte mit mystisch-okkulter Literatur und selber tief eingedrungen war in mystisch okkulte Weisheit.“

 

Rudolf Steiner hat von Kogutzki nicht nur Hinweise bekommen, die Steiner dann im biologisch-dynamischen Landbau umgesetzt hat, sondern, auch wenn wir Konkretes darüber von Rudolf Steiner nicht erfahren haben, im Allgemeinen mystisch okkulten Bereich, denn wir dürfen vermuten, daß Rudolf Steiner angesichts der entsprechenden Bücher in der Wohnung von Kogutzki mehr als nur Kräuterbotanik gelernt hat.

Wir wissen, daß Kogutzki ein profunder Kenner der Astrologie war, denn ein von ihm höchst selbst angefertigtes Horoskop wurde aufgefunden. 

 

Steiner hat dann später in dem Vortragsband Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt (Band 110 der Gesamtausgabe) vertiefende astrologische Hinweise in die Anthroposophie eingeführt auf der Grundlage des Artikels „Wie verhält sich die Theosophie zur Astrologie“ in der Zeitschrift „Luzifer – Gnosis“ im September 1905. Steiner schreibt dort: „Die wirkliche Astrologie ist aber eine ganz intuitive Wissenschaft und erfordert bei dem, der sie ausüben will, die Entwicklung höherer übersinnlicher Erkenntniskräfte, welche heute bei den allerwenigsten Menschen vorhanden sein können. Und schon, wenn man ihren Grundcharakter darlegen will, so ist dazu ein Eingehen auf die höchsten kosmologischen Probleme im geisteswissenschaftlichen Sinne notwendig.“

 

Wir fühlen uns erinnert an den hohen Anspruch von Theophrastus Bombastus von Hohenstein, genannt Paracelsus, mit seinem berühmt gewordenen Ausspruch: „Der ist kein Arzt nit, der die Astrologie nit weiß.“

 

Wir wissen, daß Rudolf Steiner mit Alan Leo bekannt war. Als Generalsekretär der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft lernte er ihn in London kennen. Inwieweit Leo von Steiner beeinfluß wurde, bleibt zur Zeit eine offene Forschungsfrage. Der hohe Anspruch in Sachen Astrologie wird von Rudolf Steiner 1909 in dem Düsseldorfer Vortragszyklus über die geistigen Hierarchien (GA 110) konkretisiert. Dort wird von Rudolf Steiner die kosmische Vorstufe des Irdischen, die Rudolf Steiner „alter Saturn“ nennt und die ein Wärmekosmos war, geschildert. Anschließend wird dargestellt, wie hohe hierarchische Wesen die weiteren Verfestigungsstufen Sonne, Mond und Erde beeinflussen.

 

Diese dort geschilderten Kompressionsschritte sind bedeutsam für das Verständnis des Thema Mundi, jeder ägyptischen Tempelurkunde des Nechepso und Petosiris aus den letzten vorchristlichen Jahrhunderten. Rudolf Steiner hat über diese auch für die moderne Astrologie grundlegend wichtige Urkunde nie zusammenfassend gesprochen, er hat nur immer bei der Erörterung von Detailfragen erkennen lassen, daß er sie bis in die Einzelheiten kennt.

 

Eine wichtige Aussage zur Astrologie finden wir in den Kopenhagener Vorträgen von 1911. Rudolf Steiner sagte seinerzeit: „Dem Stellen des Horoskops liegt die Wahrheit zugrunde, daß der Kenner dieser Dinge die Kräfte lesen kann, nach denen sich der Mensch in das physische Dasein hereinfindet. Einem Menschen ist ein bestimmtes Horoskop zugeordnet, weil in demselben sich die Kräfte ausdrücken, die ihn ins Dasein geführt haben. Wenn so z. B. im Horoskop der Mars über dem Widder steht, so heißt das, daß gewisse Widderkräfte nicht durch den Mars durchgelassen werden, daß sie abgeschwächt werden.

 

Es wird also der Mensch in das physische Dasein hineingestellt, und das Horoskop ist das, wonach er sich richtet, bevor er sich hineinbegibt in das irdische Dasein. … Für die äußere Welt ist die wahre Wissenschaft von diesen Dingen zum großen Teile ganz verloren gegangen. … Was den Menschen hereintreibt in die physische Verkörperung, das sind die wirksamen Kräfte der Sternenwelt. … Der Mensch hat in sich ein Bild des Himmelsraumes, und zwar jeder ein anderes Bild, je nachdem er da oder dort, in dieser oder jener Zeit geboren ist. Das ist ein Hinweis darauf, daß der Mensch herausgeboren ist aus der ganzen Welt.“

 

Im Nachlaß von Rudolf Steiner finden sich auch Unterlagen, daß Rudolf Steiner mit dem ersten Schatzmeister der Theosophischen Gesellschaft in Deutschland in Berlin astrologisch geforscht hat. 

 

Auch nach dem 1. Weltkrieg hat Rudolf Steiner immer wieder an verschiedenen Stellen sich zur Astrologie geäußert. Da ist z. B. der sechste Vortrag im 1. Medizinerkurs 1920 mit dem grundsätzlichen Abschnitt über das Verhältnis der planetarischen Gestirne zu den Metallen. Dies äußerte Steiner im Kontext des Pflanzenwachstums und den sogenannten äußeren Planetenkräften. 

 

Im 19. Vortrag am 08. April 1920 führt Rudolf Steiner aus „ … die antimonisierende Kraft ist das Zusammenwirken, planetarisch gesprochen von Merkur, Venus und Mond. Wenn diese nicht jedes einzeln wirken, sondern zusammen wirken, dann wirken sie nicht merkurialisch, nicht silberig, nicht kupferig, dann wirken sie, wie eben in der Erde das Antimon wirkt. Das ist etwas, was ja natürlich einfach dadurch untersucht werden muß, daß man solche Konstellationen in ihrer Wirkung auf den Menschen aufsucht, wo sich die drei Kräfte, die Mondenkraft, die Merkurkraft und die Venuskraft, so sich diese neutralisieren, durch entsprechende Oppositions- und Quadrantenstellung. Wenn sie sich neutralisieren, wenn sie alle drei so zueinander wirken, daß sie sich eben neutralisieren, dann findet dieselbe Wechselwirkung statt, die mit der Antimonwirkung etwas zu tun hat, die im Antimon von der Erde in Anspruch genommen wird. In allem, was Antimon auf der Erde ist, wirkt von der Erde aus dieselbe Kraft, die von diesen drei planetarischen Körpern vom Außerirdischen aus auf die Erde wirkt.“

 

Es sei auch im Anschluß an diese nur andeutenden Hinweise zum Verhältnis von Rudolf Steiner zur Astrologie an die Architektur des ersten Goetheanums erinnert.

Beeindruckendes Hauptstück der Architektur waren die Säulen und Kapitelle. Zweimal sieben Säulen im großen Zuschauersaal trugen die große Kuppel und zwölf Säulen die kleine Kuppel über dem Bühnenraum. Die sieben Kapitelle der großen Kuppel waren Ausdruck der Evolution von Saturn bis hin zur Venus. Die Reihenfolge war die, der aus der Astrologiegeschichte bekannten chaldäischen Reihe: Saturn – Sonne – Mond – Mars – Merkur – Jupiter – Venus. Dieser Reihenfolge begegnet man schon in dem Vortrag vom 08. Januar 1918 bei den Dekanpositionen der Planeten in der „Weltenuhr“. Zur Bedeutung dieser Reihe sagte Rudolf Steiner in seinem Vortrag am 02. Januar 1914 in dem Zyklus Christus und die geistige Welt (GA 149): „Versuchen wir, meine lieben Freunde, uns würdig zu machen, diese Sternenschrift neuer Gestalt wieder lesen zu lernen; versuchen wir es, sie so zu lesen zu lernen, wie sie uns jetzt gegeben werden muß. Denn im Grunde ist es nichts anderes als ein Lesen der Sternenschrift, wenn wir versuchen, uns die menschliche Evolution in Saturn-, Sonnen-, Mond-, Erden- bis zur Vulkanentwicklung auseinander zu legen. Aber erkennen müssen wir, in welchen Zusammenhängen wir die Sternenschrift in unserer Zeit entziffern wollen. Machen wir uns dessen würdig!“

 

Der erste Goetheanum-Bau stand also unter dem Zeichen der chaldäischen Evolutionsreihe.

Von Heinz Herbert Schöffler in seinem Buch: „Das Lesen der modernen Sternenschrift“ 12 Studien zu den Kompositionsgeheimnissen im Werk Rudolf Steiners, Verlag Die Pforte, Basel, 1991, wissen wir inzwischen, daß das gesamte Vortragswerk Rudolf Steiners nach den Schritten der chaldäischen Reihe komponiert ist.

So ist das erste Goetheanum in jedem Vortragszyklus, in jedem Myteriendrama und in jedem Hochschulkurs der anthroposophischen Gesellschaft präsent.

 

Zum Schluß noch ein kurzes Wort zur anthroposophischen Gestaltastrologie wie sie in der Sektion „Anthroposophische Astrologie“ des Deutschen Astrologen Verbandes gepflegt wird. Schöffler schreibt dazu auf S. 64: „Schon die astrologische Vorbemerkung zu den Aspektverhältnissen ist im Grunde gestaltastrologischer Natur. Sie weist darauf hin, daß Quadrat- und Oppositionsstellungen eine Neutralisation der so gestellten Planeten ergeben. Dieses aber läßt evident werden, daß Sextil- und Trigonstellung eine gegenseitige Verstärkung der beteiligten Planeten erwirken. Quadrat und Opposition ergeben gestaltastrologisch das Kreuz, Sextil und Trigon den Davidstern der Geburt. Abbau- und Aufbaukräfte sind so gestaltastrologisch manifest.

 

Wichtige Veröffentlichungen zur Gestaltastrologie erscheinen dann allerdings erst Anfang der fünfziger Jahre, nämlich durch Walter Koch und Wilhelm Knappich.

Inzwischen liegen ausführliche Werke zur Gestaltastrologie von der früheren Vorsitzenden des Deutschen Astrologen Verbandes Dr. Ulrike Voltmer vor.

 

Diese wenigen Hinweise mögen zum Beleg genügen, was für eine profunde geisteswissenschaftliche Astrologie es hätte geben können, wenn nicht nur die Landwirte, Priester und Mediziner und Lehrer und Ärzte bei Rudolf Steiner nach einer Vertiefung ihres jeweiligen Faches nachgefragt hätten, sondern auch die Astrologen.

 

Weiterführende Literatur:

Heinz Herbert Schöffler: Rudolf Steiner und die Astrologie, Verlag am Goetheanum, Dornach, 1996.

 

Volker H. Schendel

Ministerialrat a.D.

www.transite.saehannover.de

 

 

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