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Trends

Trends in der Astrologie

 

Die Astrologie ist geleitet von zwei Anliegen: der Frage nach der Qualität der Zeit und dem Versuch einer aktiven Gestaltung der Zukunft. Insofern ist die Astrologie nichts anderes als Trendforschung und es ist ganz interessant, sich die Trends in der Astrologie selber anzuschauen.

 

Neben allem Kommen und Gehen von thematischen Wellen im Bereich Lebenshilfe, Esoterik oder (inzwischen) Bewusster Leben ist die Astrologie von Dauer. Indianischer Spiritualität folgte Reiki, folgte Aura Soma, folgte Channeling, folgte Tantra, folgten Engelkarten, folgte... usw. Astrologie war vorher schon gefragt und ist immer ein Thema geblieben und dies ist vielleicht sogar der Megatrend in Sachen Astrologie: Beständigkeit.. Selbstverständlich gibt es auch unter dem großen Dach der Astrologie verschiedene Zeitströmungen und methodische Richtungen, über die Grundaussagen besteht aber Einigkeit. Und an diesen hält die Astrologie unbeirrt von Moden fest.

 

Was nun sind die Trends in der Warengruppe Astrologie? Werfen wir zunächst einen Blick zurück. In den 70er Jahre erlebte die Astrologie einen regelrechten Schub, mehr oder weniger ausgelöst durch das Buch „Astrologie der Persönlichkeit“ von Dane Rudhyar. Das Stichwort Psychologische Astrologie bestimmte die Szene in der Folgezeit. Die fundierte Verquickung von Astrologie und Psychologie weckte in vielen Menschen Neugierde und damit wuchs die Nachfrage. Der Bedarf wurde vorwiegend durch Übersetzungen aus dem angelsächsischen Sprachraum gedeckt, erwähnt seien Autoren wie Stephen Arroyo, Liz Greene oder Robert Hand. Dort gab es einen Vorsprung von einigen Jahrzehnten, denn immerhin hatte Rudhyar seine transpersonale Astrologie in Teilen bereits in den 30er Jahren formuliert. Allerdings machte sich nach 25 Jahren auf beiden Seiten des großen Teiches eine gewisse Sättigung bemerkbar, die wirklich innovativen Titel, Themen und Techniken blieben allmählich aus. Jetzt zeichnen sich folgende Veränderungen ab:

 

Trend 1: Back to the roots! Ausgelöst in den USA durch Robert Hand und das Project Hindsight lässt sich eine Rückbesinnung auf die alten Quellen erkennen. Project Hindsight und die Nachfolgeorganisationen haben es sich zur Aufgabe gestellt, Texte von Vettius Valens, Guido Bonatti, Ptolemäus, Abu Ma’shar, Ramon Llull u.a. mittelalterlichen Autoren in neuer Übersetzung wieder zugänglich zu machen. Dies erweckte auch hierzulande Interesse: Ptolemäus, der mit dem Buch „Tetrabiblos“ um 100 n. Chr. die Bibel der Astrologie zusammengestellt hat, wurde neben anderen Klassikern neu aufgelegt und ist jetzt als kartonierte Sonderausgabe lieferbar. In dieselbe Kerbe schlägt das umfangreiche „Lehrbuch der klassischen Astrologie“ von Rafael Gil Brand, das viele vergessene Methoden der Antike wieder aufarbeitet.

Mit dieser Rückbesinnung wurde die Astrologenschaft auch zunehmend wieder auf die Stundenastrologie aufmerksam, die sich mit der Deutung von konkreten Fragen und Ereignissen befasst. Hierzu erschien vor zwei Jahren das Buch „Stundenastrologie“ von Hamaker-Zondag in neuer Ausgabe und für Frühjahr 2001 ist der Titel „Stundenastrologie in der Praxis“ von Erik van Slooten als Neuerscheinung angekündigt.

 

Trend 2: Prognose ist wieder in. Die Frage, ob ein Astrologe Prognosen stellen soll und mit welcher Präzision er diese formulieren darf, wird und wurde in Fachkreisen permanent diskutiert. Im Zuge der oben dargestellten stärkeren Hinwendung zur Psychologie, wurde die prognostische Astrologie immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Jetzt macht sich unter den Astrologen wieder eine gewisse Suche nach den Prognosemöglichkeiten bemerkbar. Es „outen“ sich immer mehr Praktiker mit dem Bekenntnis zur Prognose. Dass auch von Seiten der psychologisch orientierten Astrologen eine stärkere Annäherung an dieses Thema gesucht wird, äußert sich nicht zuletzt auch in dem neuen Buch von Liz Greene mit dem bezeichnenden Titel „Prognose und psychologische Dynamik.“

 

Trend 3: Indische Astrologie. Im anglo-amerikanischen Raum erlebte die indische Astrologie in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung. Sowohl in England als auch in USA gibt es Studiengesellschaften und Verbände für vedische Astrologie. Es erscheinen mehrere Fachzeitschriften, die sich ausschließlich diesem Thema widmen, es werden eigens Kongresse veranstaltet und es gibt eine Reihe von Büchern, sowohl von indischen Autoren als auch von westlichen Schülern. In unseren Breiten ist davon bislang wenig zu spüren, derzeit ist nicht einmal ein einziger Titel lieferbar. Umso verdienstvoller ist die Ankündigung der Übersetzung des Buches „Indische Astrologie“ von Komilla Sutton, das sowohl vom Inhalt als auch vom Aufbau als eines der besten englischen Lehrbücher bezeichnet werden kann. Man darf gespannt sein, ob dieser Titel der Auslöser für eine stärkere Öffnung hin zur indischen Astrologie sein wird.

 

10.7. 2001

erschienen in MerCur

 

 

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