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Wirtschaftsfaktor A.

Am 12. April 2010 habe ich meine Inauguraldissertation

zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Rechtswissenschaften (Dr. jur.) durch die Juristische Fakultät der
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover mit dem Thema:

„Die Astrologische Beratung –
eine Herausforderung für das Recht“

eingereicht.

Hier eine Leseprobe:

 

 

    • V. Der Wirtschaftsfaktor Astrologie in Deutschland
  •  

    Eine Google-Recherche am 30. Dezember 2009 ergab folgende Trefferangaben zu den aufgeführten Stichworten:

    Astrologie 13.800.000

    Astrology 25.000.000

    Horoskop 18.500.000

    Horoscope 37.600.000

    Tierkreiszeichen 188.000

    Zodiac 35.400.000

    Esoterik 23.500.000

    Niehenke 75.700

     

    Bereits diese Google-Recherche-Ergebnisse legen es nahe, dass sich in Sachen Astrologie kulturphänomenal ein recht umfangreiches Geschehen abspielt.

     

    Eine telefonische Rückfrage bei Reinhardt Stiehle, Inhaber des Chiron-Verlages sowie der Verlagsversandbuchhandlung Astronova, am 30. Dezember 2009 ergab, dass er den seriösen Astrologie-Markt auf mindestens 10 Mio. € Umsatz pro Jahr schätzt, während er den vulgär-astrologischen Wirtschaftsfaktor auf mindestens 200 Mio. € Jahresumsatz beziffert. Meine persönliche Einschätzung für den vulgär-astrologischen Markt liegt noch deutlich höher als die von Herrn Stiehle, mir fehlen allerdings belastbare Belege.

     

    Eine Rückfrage bei der Softwarefirma AstroGlobe in Freiburg, die ausschließlich Astro-Software vertreibt, ergab folgende Zahlen: AstroGlobe hat zurzeit 60.000 zertifizierte Anwendungen und eine regelmäßige E-Mail-Werbeaussendung an 14.000 Kunden. Die Zahl seiner auf der Homepage bestellbaren Produkte gab Herr Lowinski mit mindestens 150 an.

    Weitere Astrologiesoftwareanbieter sind u.a. Paessler, Sarastro, Astroworld, Astroleo und Astro-Bonert.

    Beispiele für astrologische Fachzeitschriften sind Meridian, Astrologie Heute, Astro-Forum sternzeit, Astrolog, The Mountain Astrologer.

    Große Astrologieverbände sind u.a. der Deutsche Astrologenverband (DAV), der österreichische Astrologenverband, die österr. Astrologische Gesellschaft, das Schweizer Astroforum, der Schweizer Astrologenbund, der Internationale Fachverband für Astrologische Psychologie (IFAP) und als Dachverband die Vereinigung deutschsprachiger Astrologieorganisationen VDA e.V.

     

    Laut Herrn Stiehle zählt zum sogenannten seriösen Astrologie-Markt der Bereich Bücher, Software, Kurse und Ausbildungsangebote, Kongresse, seriöse astrologische Beratung in einer Beratungspraxis, während er zum vulgär-astrologischen Bereich das sogenannte „Astro-TV“, die astrologischen Beratungshotlines, astrologische Trivialzeitschriften wie die „Astro-Woche“ sowie die Zeitungshoroskopie rechnet.

     

    Hinsichtlich der Zeitungshoroskopie verweise ich auf die Dissertation von Katja Furthmann.

     

    Furthmann schreibt:

    • „Ein großer Teil der auflagenstarken Zeitschriften engagiert für das Horoskop Astrologen, deren Namen genannt und die oftmals zusätzlich abgebildet sind […] Aufgrund der hohen Kosten können es sich nur auflagenstarke Zeitungen und Zeitschriften leisten, das Horoskop von einem bekannten Astrologen anfertigen zu lassen. […]
    • Eine Vielzahl von der Zeitungen und Zeitschriften […] muss auf andere Mittel zurückgreifen Eine Möglichkeit ist ein Vertrag mit einer Medienagentur […]
    • Eine dritte, wenngleich oft als „unseriös“ kritisierte Möglichkeit der Horoskop-Produktion soll hier als „Eigenproduktion“ bezeichnet werden. Sie wird von Redaktionen bzw. Verlagen genutzt, die aus finanziellen oder anderen Gründen weder einen Astrologen noch eine Medienservice-Agentur eigens für das Horoskop beauftragen, auf diese Textsorte aber dennoch nicht verzichten möchten. Hier liegt die Produktion von Horoskopen in der Regel in den Händen einer nicht bzw. wenig astrologiekundigen Person bzw. Personengruppe – Haider [...] konstatiert „das böse Gerücht, das in manchen Zeitungsredaktionen die Horoskope von der Buchhalterin getextet werden. (Als Urlaubsvertretung soll auch schon der Portier eingesprungen sein.)“
  • Laut Herrn Stiehle weist das Verzeichnis lieferbarer Bücher online am
    30. Dezember 2009 623 Titel mit dem Stichwort „Astrologie“ aus. Der Chiron-Verlag hat in seinem Verlagsprogramm am gleichen Tag 180 lieferbare Titel, während die Verlagsversandbuchhandlung Astronova über 680 lieferbare Bücher verfügte.

     

     

    Matthias Pöhlmann, wissenschaftlicher Referent bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin, berichtet, dass mehr als 74% der im Deutschen Astrologenverband (DAV) erfassten Mitglieder meinen, dass es innerhalb der Astrologie unhaltbare Überzeugungen gäbe, die man als Aberglauben bezeichnen könne, dass aber trotzdem der Astro-Markt boome.

     

    Pöhlmann berichtet von dem deutlich zugenommenen Beratungsbedarf astrologischer Art. Menschen aller Schichten seien offenbar immer öfter bereit, astrologische Beratungsangebote für sich in Anspruch zu nehmen. Daneben entwickeln sich laut seinen Forschungsarbeiten astrologische Offerten zur festen Größe in der Mediengesellschaft. Dabei sind es nicht nur die mit zum Teil beachtlichen Auflagenhöhen produzierten Astro-Magazine, sondern insbesondere auch die kostenpflichtigen Astro-Hotlines.

    Nach Pöhlmann ist der neueste Trend das sogenannte „crossmediale Marketingmix“. Damit ist der Versuch umschrieben, die eigenen Horoskop-Angebote im Verbund mit Radio-Astro-Shows und Kooperationen mit Verlagen oder Internetportalen wie t-online oder Lycos weiterzuverbreiten. Dabei gibt es deutlich neue Marktchancen.

     

    Den Umsatz der in Berlin ansässigen Questico AG schätzt Pöhlmann auf 70 Mio. € Jahresumsatz.

    Questico unterhält nicht nur den über Kabelfernsehen, Satellit und Internet empfangbaren Spartensender „Astro-TV“, sondern bietet noch 2.800 Astrologen, Wahrsager und Kartenleger mit über 40 Beratungsmethoden als Dienstleistungen an. Diese Dienstleistungen werden über die kostenpflichtige Questico-Telefonhotline organisiert.

    Ein ähnliches Unternehmen ist die Nürnberger Firma Viversum mit 700 sogenannten qualifizierten Beratern, darunter Wahrsager, Astrologen und Kartenleger.

     

    Der größte deutsche Berufsverband in Sachen Astrologie ist der Deutsche
    Astrologenverband (DAV) mit ca. 800 Mitgliedern, der auf seiner Homepage ebenfalls Informationen über Expertenberatung seiner Mitglieder anbietet.

    Laut Pöhlmann ergeben die aktuellen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass etwa 5.000 bis 6.000 Astrologen in Deutschland beratend tätig sind.

    Nach den Einschätzungen Pöhlmanns ist in den nächsten Jahren mit einer steigenden Tendenz des astrologischen Beratungsbedarfs zu rechnen. Es werden hier auch erhebliche Gewinnerwartungen realisiert werden.

     

     

    Nimmt man diese Informationen zusammen, so ergibt sich, dass es eine erhebliche Wirtschaftstätigkeit im astrologischen Beratungsmarkt gibt von geschätzten 210 Mio. € Jahresumsatz. Es bleibt im weiteren Verlauf dieser Arbeit zu prüfen, wie das Recht angesichts des relevanten Marktes sinnvolle Regelungen dafür bereitstellt.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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